Es ist ein besonderer Festtag, denn der diesjährige Umzug steht unter dem besonderen Motto des 80-jährigen Jubiläums. Da 2006 kein Umzug war, kann dieses Jubiläum erst heuer, im 81. Jahr zelebriert werden. Die Fasnacht existiert in Absam nachweislich schon über ein halbes Jahrtausend, wie aus einer Eintragung in einen Steuerkataster von 1555 zu entnehmen ist. Seit dem 19. Jahrhundert, also etwa seit 200 Jahren, wird die Absamer Fasnacht mit jenen Figuren gefeiert, die uns allen bekannt sind. Die martialischen und dämonischen Zottler, die schrecklichen Hexen, die Bären und ihre Treiber, das Fasserrössl und die fröhlichen Tuxer, die prächtigen Spiegeltuxer und noch andere historische, aber auch neuere Gestalten. Und seit 80 Jahren gibt es in Absam einen Umzug, der inzwischen zur Tradition geworden ist. Erstmals im Jahre 1926 wurden neben den Traditionsfiguren auch Festwägen gestaltet. Seit damals werden in Abständen von mehreren Jahren Umzüge mit ideenreichen Themen und Aufbauten, auf früher noch von Pferden gezogenen Wägen, heute sind meist Traktoren der Vorspann, gemacht.
Machen wir einen Rückblick auf die Anfänge vor 80 Jahren und auf die frühen Absamer Matschgerer-Umzüge.
1. Festzug:
Fast auf den Tag genau vor 81 Jahren war der 1. Umzug. Der ehemalige Marineoffizier und Berufssoldat Franz Huber war ein begeisterter Theaterspieler und dem Tiroler Brauchtum sehr verbunden. Er war der Erste in Absam, der Festwägen in die Gestaltung eines Matschgerer-Umzuges aufnahm. Er selbst war nicht nur der Gesamtorganisator, in Zusammenarbeit mit den "Rödlach"Schützen, sondern gestaltete auch, in Anlehnung an altes Tiroler Brauchtum, eine Bauernhochzeit aus dem Jahre 1700. Auf dem Festwagen war die Aussteuer, das "Weistum" einer bäuerlichen Braut, mit Kasten, Truhe und Bett zu sehen. Seine Frau Maria, aus dem uralten Geschlecht der Wirtenberger in Absam stammend, sorgte für die Bereitstellung vieler Geräte und machte die erforderlichen Näharbeiten für Kleidung und Wäsche.
Der Enkel der beiden, der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler, hat seine Verbundenheit mit den Absamer Matschgerern, aber auch mit seinen Vorfahren, die mit großer Begeisterung Tiroler Volksbrauchtum pflegten und lebten, durch die Übernahme des Ehrenschutzes bei den Umzügen der Jahre 1995, 1999 und 2003 zum Ausdruck gebracht. Der Urenkel des Franz Huber und seiner Frau Maria ist Andreas Fischler, Obmannstellvertreter der Absamer Matschgerer. Neben der Tiroler Bauernhochzeit gab es, man war schon damals kosmopolitisch, auch berittene Kosaken und eine Tartarenhochzeit.
Der Tiroler Volksbote berichtete von 224 Teilnehmern, 25 Pferden und anderen Tieren. Eine besondere Attraktion war das "modernste Flugzeug" nach einem Entwurf des Absamers J.B. Spöttl, dann gab es unter anderem einen Pariser Eilwagen, Zigeunergruppen, Chinesen usw.
Die Schützengilde hatte zur Vorbereitung des "Maskenzuges" einen "Maskenzugausschuss" gebildet, dem als Obmann der Baumeister Konrad Rödlach vorstand. Ziel der Veranstaltung war es "der bedeutendste und schönste Umzug Tirols" zu werden, wie der Tiroler Volksbote damals berichtete. Um diese Zielsetzung zu erreichen, wurden gut dotierte Preise ausgesetzt. Schließlich waren es 18 Gruppen. Man war bemüht nur Neuinszenierungen zuzulassen, mit einigen Ausnahmen. Die Kosakenpatrouille von 1926 war so erfolgreich, dass sie wieder ins Repertoire aufgenommen wurde, und Altbe
kanntes, wie das Haller Fasserrössl, mit seinen derben Späßen, stand in der besonderen Gunst der Zuschauer. Einen Preis erhielten die Gruppe "Alt-Wien" unter der Führung von Albert Gamper, dem Großvater von Peter Gamper, dem heutigen Schriftführer der Matschgerer, der selbstverständlich auch, so wie sein Großvater vor 78 Jahren, aktiver Matschgerer ist.
Feber 1936
Tausende Menschen erfreuten sich an diesem letzten Umzug vor dem 2. Weltkrieg. Sie bejubelten die reich geschmückten Festwägen und die alten historischen Trachten der Matschgerer, es herrschte Fröhlichkeit und Ausgelassenheit in den Straßen und Gassen von Absam.
Aber am politischen Himmel zogen sich finstere Wolken zusammen. Österreich verschwand 1938 von der Landkarte Europas und wurde von deutschen Truppen besetzt. Der 1939 bis 1945 dauernde 2. Weltkrieg brachte Elend und Not, der Luftkrieg und vor allem der Krieg an vielen Fronten, vom Eismeer bis nach Afrika, kostete vielen Menschen das Leben. Der Blutzoll war hoch, 151 Absamer kehrten nicht mehr in die Heimat zurück.
Die Notzeiten waren noch nicht endgültig vorbei, aber die Freude am Leben, der Wunsch nach Wiederbelebung der alten Absamer Fasnacht, des alten Brauchtums war groß und so fanden sich einige Heimkehrer zusammen, sie holten wieder ihre "Gwandter" hervor, restaurierten ihre oft jahrhundertealten Larven und zogen, so wie früher, von Haus zu Haus, von Hof zu Hof, um ihre Auftritte als Zottler und Tuxer, Bär und Fasserrössl zu machen.
Nach 16-jähriger Unterbrechung war es dann 1952 wieder soweit, dass auch ein großer Umzug durch die Straßen von Absam zog.
Als die Bürgermusikkapelle Absam den Umzug 1952 organisierte, musste sie sich vor allem auf heimische Absamer Gruppen stützen. In vielen Nachbargemeinden hatte man nach dem Kriege noch keine Matschgerer-Strukturen aufgebaut. Die Menschen waren noch mit der Notsituation nach dem Kriege beschäftigt. In Absam, der alten Tiroler Fasnachts-Hochburg, feierte man aber den ersten Umzug nach dem Kriege. Von den 15 teilnehmenden Gruppen waren 11 aus Absam. Neben den alten Figuren der Zottler und Tuxer gab es Schuhplattler, Wiener Wäschermadln, die Blume von Hawaii; aus Hall kam eine Märchengruppe "Schneewittchen und die 7 Zwerge", Zottler kamen auch aus Wattens und die Musikkapellen von Gnadenwald und Mils, sorgten neben der heimischen Bürgermusik, für schwungvolle musikalische Begleitung.
Es dauerte dann wieder 21 Jahre bis zum nächsten großen Umzug in Absam. Das Fehlen von geregelten Strukturen hatte
zu dieser langen Unterbrechung geführt. Mit der Schaffung des Vereins im Jahre 1970 konnten wieder geregelte
organisatorische Bahnen beschritten werden und damit entstanden auch wieder, in den Folgejahren, sehr gut besuchte
Matschgerer-Umzüge. Besucherzahlen zwischen 7000 und 10.000 Menschen zeugen von der Beliebtheit dieser
Veranstaltungen, die Spaß und Vergnügen, eine echte Unterhaltung für Groß und Klein, für die ganze Familie boten.
Unter Obmann Sepp Spöttl fanden 2 Umzüge statt. Der 5. Umzug am 23.2.1973 und der 6. am 22.2.1976. Jeweils
über 7000 Zuschauer begeisterten sich an den Wägen und den Vorführungen von über 600 aktiven Matschgerern.
Bei strahlendem Wetter fand der nächste, der 7. Umzug am 4. Feber 1979, statt. Obmann Reinhold Mattedi brachte über
800 Matschgerer, aufgeteilt in 30 Gruppen, auf die Beine. Unterstützt von den Musikkapellen von Thaur, Rum und Absam
wurde auch dieser Umzug ein voller Erfolg. Obmann Mattedi organisierte auch den 8. absamer Matschgererumzug im Jahre 1984.
Unter Obmann Michael Posch fanden in den Jahren 1990 und 1995 der 9. und 10. absamer Matschgerer-Umzug bei großen Publikumsandrang von etwa 10.000 Zusehern statt.
Die klassischen Traditionsfiguren der Matschgerer wurden im Laufe der Jahre durch neue Gestalten ergänzt. Bei Wahrung des Althergebrachten wurden in lebendiger Weiterentwicklung neue Figuren kreiert. So entstanden seit den 50er Jahren des vergangen Jahrhunderts einige neue lebensfrohe Gestalten, wie der Tschaggeler, der Klötzler und der Flitscheler. Tiefsinnige Figuren hat der Absamer Künstler und Matschgerer-Urgestein Karl Obleitner mit der Figur der 4 Jahreszeiten und dem Bettelwurfgeist geschaffen. Auch das "Wurzen-Paarl" stammt aus der Hand dieses Künstlers.
Die Erfolgsserie der Umzüge wurde dann unter Obmann Thomas Stöckl, der seit 1997 bis heute diese Stelle bekleidet,
fortgesetzt. Er war für die Veranstaltungen im Jahre 1999 und 2003, den 11. und 12. Umzug, verantwortlich. Stöckl
setzte zahlreiche neue Impulse, vor allem die Öffentlichkeitsarbeit wurde intensiviert und moderne Kommunikationsmittel
eingesetzt. Stützte man sich in der Vergangenheit vor allem auf die klassischen Printmedien, so wurde nun verstärkt auch
mit dem ORF-Fernsehen, aber auch mit der französischen TVGesellschaft, zusammengearbeitet. So erreichte man nicht
nur die zehntausende Menschen der Live-Besucher, sondern Millionen von Fernsehzuschauern in ganz Europa.
Obmann Thomas Stöckl hat gut lachen, er feiert das 10-jährige Jubiläum seiner Obmannschaft der Absamer Matschgerer
und kann auf eine erfolgreiche Zeit zurück blicken. Die Matschgerer sind seit Langem schon in intensiver Vorbereitung auf
diesen Umzug. Im Besonderen aber der Umzugausschuss, dem neben dem Obmann und dem Obmannstellvertreter Andreas
Fischler noch Michael Öttl als Schriftführer und Christian Wolf als Kassier sowie Clemens Peteritsch, Christian Dollinger
und Karl Moritz angehören.
Die alten "Gwandter" werden repariert und hergerichtet, die Larven auf Hochglanz gebracht, die Aufsätze auf den
verschiedenen Kopfbedeckungen der Zottler, Tuxer, vor allem der wunderschönen Spiegeltuxer werden ergänzt und
ebenfalls repariert. Neue Ideen für die Festwägen werden entwickelt und die handwerklichen Fähigkeiten der über
200 Mitglieder der Absamer Matschgerer werden gefordert. Alle sind in fieberhafter Beschäftigung, Frauen und
Freundinnen helfen mit. Ein ganzes Dorf ist im Fasnachtsfieber und voller Erwartungen auf das große Ereignis.
Den Ehrenschutz übernimmt, so wie in den vergangen Jahren, Landeshauptmann Herwig van Staa, dann Bezirkshauptmann
Herbert Hauser und unser Bürgermeister Arno Guggenbichler.
Ein herzliches Dankeschön an Werner Zimmermann der den Text dieser Sonderbeilage recherchiert und zusammengestellt hat.