Juristenhumor

Jus ist fad und trocken. Das haben
schon die antiken Juristen ein- gesehen, obwohl sie unser heutiges
Jus begründet haben. Das tägliche Leben hinter dem Recht aber ist facettenreich, verschlungen, manch- mal auch skurril. Wenn es mit dem trockenen Jus in Berührung kommt, entsteht der juristische Humor. Auch große Rechtsgelehrte haben ihn gerne gepflegt. An der Wiener Uni hielt Professor Karl Wolff den Jusstudenten der Trümmerjahre 1945-48 eine Vorlesung „Humor im Recht“. Der Alltag unserer  stressgeplagten Zeit lässt leider die Pflege des Humors, vor allem das  Festhalten und Weitererzählen guter  Juristenwitze, zu kurz kommen.

Ich habe für Sie hier einiges aus
älterer und neuerer Zeit zusammen-
getragen – was Sie hier finden,
stammt nicht aus den berühmten
Rudolf Welser’schen Humor-
sammlungen, die ohnehin schon fast jeder  kennt.
Lesen Sie also weiter ...

Witzkiste

Alle Witze sind zur Entnahme und
Verbreitung völlig frei.

Juristenkollegen, die einen Witz entnehmen, sind bei ihrer Standes-
ehre verpflichtet, dafür einen
Ersatzwitz hier in die Kiste
einzulegen.

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"Sag, Mausi, ist der Exekutor
schon weg?"
Aber ja, komm!
Den Fernseher hat er eh
dagelassen..."

1. Ein aufgeregter Kandidat tritt zur
Prüfung aus Zivilrecht an. Der Professor beginnt mit dem Ehe-
güterrecht und fragt ihn: „Denken
Sie sich, Sie hätten eine Braut. Am Hochzeitstage sagt Ihr Schwieger-
vater, er werde seiner Tochter
500.000 Schilling in die Ehe mit-
geben. Was würde das sein?“
Stößt der Kandidat hervor:
„Ein großes Glück für mich“.

2. Worin besteht der Unterschied
zwischen Zivil- und Strafprozess?
Im Zivilprozess wird der Beklagte
mit seinen Einreden aus-
geschlossen, im Strafprozess
dagegen mit seinen Ausreden
eingeschlossen.

3. Bei der Rechtsanwaltsprüfung
fragt ein alter Senatspräsident den
schon taumelnden Kandidaten nach
den Arten der Erbserklärungen –
es kommt nichts. Gütig will er ihm
draufhelfen: „Na, Herr Doktor, was
würden Sie denn machen, bevor
Sie eine Erbschaft antreten ?“ –
„Schulden, Herr Senatspräsident!“

4. Der Zeuge eines Raufhandels wird in der Strafverhandlung einvernommen. „Sie sind Tischler, nicht wahr ?“ – „Jawohl.“ – Sie haben in der Nähe des Ortes, wo die Schlägerei stattfand, gerade gearbeitet ?“ – „Jawohl.“ -
„Wie weit standen sie von den sich
Schlagenden entfernt ?“ - 36 komma
43 Meter, Herr Rat !“ – Wie können
Sie das so genau aussagen ?“ – „Na,
weil ich’s ausgemessen hab‘; ich
hab‘ mir sofort gedacht, so ein Narr
vom Gericht könnt‘ mich drum fragen.“

5. Frau Neumann spricht in der Gerichtskanzlei vor und will ihrem Mann den Zutritt zur Ehewohnung verbieten lassen. Der Kanzlei-
beamte holt das Formular: „Ihr
Name, Frau ... ?“ – „Ich heiße
Neumann.“ - „Und Ihr Alter ?“ – „Na,
wenn ich Neumann heiße, dann
heißt mein Alter auch Neumann !“

6. Ein burgenländisches
Bezirksgericht pflegt im Auftrag der
Staatsanwaltschaft Vorerhebungen
nach einem Verkehrsunfall – es
wurde eine Reihe Rebstöcke
umgefahren, der Flurschaden war
erheblich. Beim Zeugen Soronits
forscht der Bezirksrichter nach:
„Woraus schließen Sie denn, dass
der Jurisits zu viel getrunken hatte,
bevor er in sein Auto einstieg?“ -
„Na, er hat eben so einen Rausch
gehabt.“ – „Woher wissen’s
denn das, wie hat er sich denn
benommen?“ Jetzt wird’s dem
Zeugen zu blöd: „Gehen’s, Herr
Bezirksrichter, was soll die Fragerei,
Sie wissen doch selbst am besten,
wie das ist, wenn man am Wochen-
ende einen Rausch hat.“
(Dieses Bezirksgericht existiert seit
den Einsparungsreformen von
Justizminister Dieter Böhmdorfer
mit Sicherheit nicht mehr)

7. Streiten sich ein Arzt und ein
Jurist. Wütend ruft der Arzt: "Ihr
Beruf macht nicht gerade Engel aus den Menschen!
"Lacht der Jurist und meint:
"Stimmt, Herr Doktor, da leistet Ihr
Berufsstand wesentlich mehr".
(von Dr. Freiler)

8. Eine Ganovenbraut steht wegen
Diebstahles vor Gericht. „Woher
haben Sie den Nachschlüssel ?“ –
„Ach der, der ist noch ein Andenken
von meinem Vater!“

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Als die Welt des guten Beton
noch in Ordnung war...

9. Der Losertbauer und seine Frau läuten nach der Sonntagsmesse den Notar der Bezirksstadt heraus, um ihr Testament zu machen. Der Bauer geht voran und fragt den Herrn Notar, was es koste, er und die Seinige möchten ihr Testament zu Protokoll geben. „Bedaure,“ sagt der Notar,
„an einem Sonntag darf ich Nichts
annehmen !“ Als das der Losertbauer
hört, ruft er ganz vergnügt zur Türe
hinaus: „Rosa, komm schnell, heute
kost’s nix ! Am Sonntag darf der Herr
Notar nichts annehmen!“

10. Ein junger Richter glaubt, einen alten Querulanten zu einem
Vergleich bewegen zu können.
Richter: „No, Herr Kläger, wollen Sie nicht vielleicht doch vergleichen ?“
Querulant: „Ja, Ihre Schuhgröße
mit meiner vielleicht, Herr Rat, aber
sonst sicher nichts !“
R: „Nein, das meine ich nicht, Sie sollen von Ihrer Klagsforderung
etwas nachlassen !“
Qu: „Na freilich, dass man mir
dann Nachlässigkeit vorwirft,
kommt gar nicht in Frage!“
R: „Herr Kläger, damit es endlich
klar ist: Sie sollen Ihre Klage aufgeben !“
Qu: „Aber das habe ich doch
schon gemacht – per Einschreibe-
brief ans Gericht!“

11. Vom mittlerweile verstorbenen OGH-Präsidenten Dr. Franz Pallin, einem kleinwüchsigen Mann, der
das ganze Leben durch die
juristische Brille sah, erzählte man
sich folgende Anekdote: Pallin
befindet sich auf Gerichtsinspektion
in Korneuburg. In der Mittagspause
spaziert er auf den Markt am
Hauptplatz. Pallin ersteht ein paar
Kirschen und beginnt sie gleich zu
essen. Die erste Kirsche ist schon
leicht vergoren, die zweite auch
verdorben und schließlich stellt
Präsident Pallin fest, dass alle
ungenießbar sind. Sein juristisches
Hirn kombiniert sofort, dass die
ganze Gattung einen unbehebbaren
Mangel hat und er daher den
Rechtsbehelf der Wandlung (für
Nichtjuristen: Geld zurück – Ware
zurück) zur Geltung bringen müsse.
Er eilt zu dem Marktstand zurück,
schwenkt wutentbrannt sein
Kirschensackerl und herrscht den
Standler an: „Wandlung ! Ich
begehre Wandlung !“ Der sieht ihn
fassungslos an und wird dann
grantig: „Was willst? Schleich Dich,
Du Zwerg !“

13. Richter zum Angeklagten:
Was war in dem Briefumschlag ?
Angeklagter: Sag'  ich nicht, 
Briefgeheimnis !
R: Was haben Sie dann mit Ihrem Komplizen telefonisch besprochen?
A: Sag ich nicht, Fernmelde-
geheimnis !
R: Na, und wieviel Geld haben Sie
für das Ding bekommen?
A: Sag ich nicht, Bankgeheimnis!
Schweigen im Saal.
 Dann verkündet der Richter eine Verurteilung zu 20 Jahren Gefängnis. „Warum denn das?“ fragt der Angeklagte entgeistert.
Meint der Richter: „Sag ich nicht,
Staatsgeheimnis!“

14. Der junge Anwalt hat seine
Kanzlei gerade eröffnet – da klingelt
es schon, es muss der erste Klient
sein. Um diesen zu beeindrucken,
greift der Anwalt zum Telefonhörer
und führt ein fiktives Gespräch: „Ja,
Mister Stronach, ich werde mich um
die Angelegenheiten Ihres Konzerns
natürlich kümmern, wenn Sie es
wünschen...“ Währenddessen ist der
Besucher eingetreten. Der Anwalt
beendet sein Gespräch: „Ja, Grüße
auch an die Frau Gemahlin...“ und
wendet sich dann an den Mann:
„Was kann ich für Sie tun ?“ –
„Nichts mehr“, antwortet der, „ich
bin von der Telekom und sollte
eigentlich Ihren Apparat anschließen!“

12. Zwei Richter spazieren durch
den Hofgarten in Innsbruck. Ein streunender Hund läuft vorbei und beißt eine Passantin. Diese wendet sich empört an die beiden Herren
und verlangt einen Ersatzbetrag von
€ 500,- an Schmerzensgeld und für
die zerrissene Strumpfhose.
Richter A zückt sofort das Portemonnaie und bezahlt. Daraufhin Richter B: „Aber aber, Herr Kollege, das verstehe ich nicht, dies war
doch ein völlig fremder Hund.“
  „Schon richtig“, entgegnet A, „aber man weiß ja nie, wie der Oberste
den Fall entscheiden würde!“
(von Dr. Grünauer / Lienz)

15. Drei Angeklagte stehen vor einem schielenden Richter. Sagt der Richter zum ersten: „Sie sind also der Angeklagte Franz Meier“. Antwortet der zweite Angeklagte: „Aber nein, ich heiße Josef Müller“. Sagt der Richter zum zweiten: „Seien Sie ruhig, ich habe Sie nicht gefragt“. Worauf der dritte zurückredet: „Ich habe doch eh nichts gesagt !“

16. Richter: „Angeklagter, Sie
haben silbernes Besteck gestohlen!
Wissen Sie was darauf steht ?“ –
„Jawohl, Herr Rat, «Hotel
Bayrischer Hof, Salzburg»“.

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Konsumentenschutz
war schon immer sehr wichtig...

17. Was ist der Unterschied zwischen einem Zeugen, einem Sach-
verständigen und einem Richter ?
>    Der Zeuge hat angeblich etwas gesehen, versteht aber nichts davon.
>    Der Sachverständige hat nichts gesehen, versteht aber angeblich
von allem etwas.
>    Der Richter hat weder etwas
gesehen, noch versteht er etwas
davon. 

18. Zwei Ballonfahrer haben im dichten Nebel die Orientierung ver-
loren. Plötzlich reißt der Nebel auf
und sie sehen unter sich auf einer
Hochfläche einen einsamen
Spaziergänger. Einer der Ballon-
fahrer formt die Hände zu einem Trichter und schreit nach unten: „Wooo sind wiiiiiir hiiieeer ?“ Der Spaziergänger blickt leicht pikiert nach oben und antwortet: „In einem Fesselballon, etwa 30 Meter über
der Erde.“  Dann schließt sich der dichte Nebel wieder. Meint der eine Ballonfahrer zum anderen: „Das muss ein Jurist gewesen sein. Die Antwort kam prompt, war völlig richtig, und trotzdem nicht zu brauchen.“

19. Ein junger Richter fragt seinen 
ergrauten Kollegen: „Ich habe morgen
einen Schwarzbrenner, der schon
zum x-ten Mal Zwetschgengeist
gemacht hat. Wieviel soll ich ihm wohl
geben ?“ – „Auf keinen Fall mehr als
100 Schilling pro Liter !“

20. Zwei Mütter unterhalten sich über
ihre herangewachsenen Sprösslinge.
„Was will denn Ihrer später einmal
werden ?“ – „Rechtsanwalt. Er streitet
gern, mischt sich ständig in anderer
Leute Angelegenheiten und weiß
immer alles besser. Da habe ich
ihm geraten, er soll sich das doch
bezahlen lassen.“

21. Einem altgedienten Wiener
Strafverteidiger wurde folgender Rat
an seine Jungkonzipienten nach-
gesagt: „Merken Sie sich folgendes
für Ihre Laufbahn als Verteidiger:
>    Sprechen die Tatsachen für
Ihren Mandanten, hämmern Sie
sie den Geschworenen ein.
>    Haben Sie das Gesetz auf
Ihrer Seite, hämmern Sie es den
Richtern ein.
>    Haben Sie weder das Gesetz
noch die Tatsachen auf Ihrer Seite,
dann hämmern Sie auf den Tisch
ein!“

22. Nante P. stand in einem Vater-
schafts- und Unterhaltsprozess als Beklagter vor dem Bezirksgericht
Winklern im schönen Mölltal (zwischenzeitig bereits aufgelöst).
Richter: „Haben Sie mit Mitzi S. in der
empfängniskritischen Zeit...usw. usw.“
Nante: „Selbstverständlich, Herr Rat.“
Richter: „Dann werden Sie wohl die
Vaterschaft anerkennen ?“
Nante: „Selbstverständlich, Herr Rat.“
Richter (erleichtert): „Na also, dann
werden wir wohl auch was zahlen
müssen.“
Nante: „Aber nein, Herr Rat, zahlen
braucht das Gericht nichts. Mir hat es
nämlich durchaus Spaß gemacht.“
(von Dr. Grünauer / Lienz)

Die Ballade von Liebe und Trennung
(nach dem deutschen Reichsstrafgesetz)

Du hast mir ins Auge gestochen (§ 223),
Hast mir den Frieden geraubt (§ 249),
Du hast mir mein Herz gestohlen (§ 242),
mit Wahnsinn bedroht mein Haupt (§ 241).

Du hast in mir Brand gestiftet (§ 306),
Hast meine Ruhe gestört (§ 360, Zif. 11),
Hast mich mit Thränen vergiftet (§ 229),
Betrogen mich unerhört (§ 263).

Du hast einen Andern begünstigt (§ 257),
Du hast mir so vieles verhehlt (§ 258),
Du hast mich durch Reize bestochen,
als ich Dich zur Liebsten gewählt (§ 109).

Zuerst hast meinem Bewerben,
Geleistet Du Widerstand (§ 115),
Dann hieltest Du widerrechtlich,
Gefangen bei mir Herz und Hand (§ 239).

Oft hast Du um Gnade gebettelt (§ 360 Zif. 4),
und manchen Schmuck und Putz,
Erpreßt mit gewaltigen Küssen (§ 253),
aus strafbarem Eigennutz (§ 292).

Du löstest die heiligsten Bande (§ 243 Zif. 6, § 250 Zif. 2),
Der Untreue klag‘ ich Dich an (§ 206),
Mit Meineid (§ 153) hast Du zerstört mir,
Die ganze Lebens-Bahn (§ 305).

Führ‘ ruhig Du heimliche Waffen (§ 367 Zif. 9),
Mir wird nicht länger bang –
Ich lasse zur Strafe Dich sitzen,
Und zwar ab jetzt lebenslang (§ 14, § 17).

(Aus dem Münchner „Vademecum für lustige
und traurige Juristen“, 1904)

 

 

Das Judikat des Jahrhunderts

ausgewählt von   m  i  r 

Ein Anwalt, der kurz vor Fristablauf am Schreibtisch einschläft und erst nach Fristablauf wieder erwacht, kann sich nicht auf einen unabwendbaren Zufall berufen.
(BGH 5.3.1970, VIIZR2/70 = VersR 1970,441)

 

Anwaltsprotz
Warum werden vor dem Wiener Straflandesgericht derzeit die Schrägparkplätze verlängert ? Weil Mercedes gerade den neuen Maybach herausbringt.  (von www.deranwalt.at)

Rechtsphilosophisches
Es gibt Gerechte und Ungerechte auf dieser Welt
Wer ungerecht ist, entscheiden die Gerechten
(aufgeschnappt  von Robert Boulanger)

Der Konzipient

Ein Konzipient eilt zu Gericht,
und sagt sich „Nein, ich schaff‘ es nicht,
rechtzeitig beim Termin zu sein,
oh Gott, was handle ich mir ein !

Gleich wird die Sache aufgerufen,
ach wär‘ ich doch schon auf den Stufen!
»Sofort Herr Rat« könnt‘ ich dann schrei‘n
»ich bin schon da und komm gleich rein«.“

Doch daraus wird es vorerst nichts,
die Uhr des löblichen Gerichts,
zeigt unaufhaltsam die Minuten,
da nützt Herrn Doktor auch kein Sputen.

Er hetzt, der Puls schlägt schon den Takt,
für seinen ersten Herzinfarkt,
statt seinem tollen Plädoyer,
wird’s heißen nur „aha – ojeh“.

„Wie soll ich‘s meinem Alten sagen ?
vielleicht kostet’s mich Kopf und Kragen,
vielleicht auch nicht, der kriegt nichts mit,
oh Mann, jetzt nur kein falscher Schritt.“

Dem Konzipienten wird nun klar,
daß es ein großer Fehler war,
zuerst in den Justizpalast,
und dann Hernals, nein, diese Hast ...

Die Hoffnung hat er aufgegeben,
den Aufruf der Sache zu erleben,
also verlangsamt er die Hetze,
denkt nun an die Verfahrensgesetze.

„Drin gibt’s doch etwas gegen Pannen?
für Fristen, die zu schnell verrannen?“
Doch wieviel er auch grübelt nach –
Zivilprozess war nie sein Fach –
so fällt ihm dazu gar nichts ein,
also lässt er’s erst mal sein.

Er plant nun, das tat er noch nie,
vorm Richter einen Fall aufs Knie,
um ihn um Gnade anzuwinseln,
vielleicht auch etwas bauchzupinseln,
auf jeden Fall muss er’s kaschieren
und hinterher dann reparieren.

Nun endlich steht er im Gericht,
er sieht kein menschliches Gesicht.
Die Gänge leer, nur der Portier,
sitzt glasig schon beim zweiten Bier.

Er denkt sich, komisch ist das schon,
bei seiner ersten Kommission,
war er dort auch allein am Gang,
weshalb er ja ein »Ruhen« erzwang.

Schnell eilt er hin zum Richterzimmer,
klopft an, tritt ein und grüßt wie immer.
Dort drinnen aber trifft er nur,
die Putzfrau werkelnd an der Uhr,
sie grinst ihn an und sagt „ab heut‘,
Herr Doktor, hamma Winterzeit !“

© G.K.

   

(Die folgenden Humorismen Nr. 1-10 wurden vom ehemaligen Vorsteher des BG Lienz i.O., Hofrat Dr. Lambert Grünauer, zur Verfügung gestellt, wofür ihm herzlich gedankt sei) 

1. Annalen der Reichsstadt Nürnberg: 1459.
Ulrich Heydenheimer, Bürger zu Nürnberg, der den Wein, so er zu Kauf hielt, mit Wasser vertäufet, aus besunderen Gnaden nur beide Ohren abgeschnitten. 

 2.  Logaus Sprüche 1604-1655
„Juristen, Ärzte, Prediger sind alle drey beflissen,
die Leute zu purgieren an Seckel, Leib, Gewissen.“ 

3. Haug, Gedichte
Dein Nachbar will
Dein Unglück, Till,“


sprach Theodat,
der Advokat.
„Ich aber will
Dein Bestes, Till !“
Er hielt sein Wort:
Tills Geld ist fort.

4. Aus der Praxis.
Klient (entrüstet zu seinem Rechtsanwalt): „Aber, Herr Rechtsanwalt, Sie haben, wie ich soeben höre, meinen Prozess in dritter Instanz verloren !“ – Rechtsanwalt (gemütlich): „Sind Sie aber ein unverschämter Mensch ! Haben Sie nicht genug daran, dass Sie ihn in zwei Instanzen gewonnen haben ?“

5. Immer gewissenhaft.
Richter: „Frau Gräfin, Sie sollen in der Untersuchungssache wider den Eckensteher und Trunkenbold Glaser, der Ihr Reisegepäck zu entwenden versuchte, als Zeugin vernommen werden. Vorher muss ich Sie jedoch fragen, ob Sie mit dem Angeklagten verwandt oder verschwägert sind ?“

6. Mit Vergnügen.
Richter: „Angeklagter, der hier als Zeuge erschiene Herr Neumayer will von Ihnen bestohlen sein.“ Angeklagter: „Sehr gern, Herr Richter. Darf ich fragen, wo der Herr wohnt ?“

7. Das Gewissen.
Vor einen bartlosen Richter wurde ein Strolch mit einem großen schwarzen Bart geführt. Nachdem der Richter einen Blick in die Akten gethan, wandte er sich an den Angeklagten mit den Worten: „Nach alledem zu schließen, muss Ihr Gewissen ebenso schwarz sein wie Ihr Bart !“ Der Strolch: „Wenn der hohe Gerichtshof das Gewissen nach dem Bart misst, so haben Sie gar kein Gewissen.“ 

 

8. Gruß an den Gerichtsvollzieher.
Dem erwarteten Gerichtsvollzieher zum Gruß hatte ein Leipziger Student in seinem Zimmer auf einen in die Augen fallenden Zettel folgende Verse niedergeschrieben:

„Ich weiß, du kommst, um  mich zu pfänden,
du strammer Bote des Gerichts.
Ich kenn die Leute, die dich senden,
doch diese Leute kriegen nichts.
Zwar dein Bestreben scheint mir löblich,
Pflichteifer treibt so früh dich her:
Doch glaub mir Freund, du kommst vergeblich,
denn hier ist alles öd und leer.
Sieh da, des alten Wohlstands Reste:
Ein Port’monnaie mit nichts mehr drin,
dort an der Thür hängt eine Weste,
wenn sie dir ansteht, nimm sie hin !
Sonst bieten nichts dir diese Räume,
die suchend jetzt dein Blick durchirrt,
denn Stiefelknecht und Gummibäume,
gehören meinem Zimmerwirt.
Du siehst: hier ist nichts fortzuschleppen,
mich dauert, dass du dich bemüht !
Es sind vier unbequeme Treppen !
Geh hin, wo Pracht und Luxus blüht.
Noch ist es früh, genieß den Morgen,
was nützt es, wenn du länger weilst ?
Doch kannst du, Freund, mir etwas borgen,
leg’s hin, eh du von dannen eilst !“  

9. Pustertaler Witze:

Advokat: „Stoffelbauer, Ihr habt den Prozess gewonnen.“
Stoffelbauer: „I appellier.“
Advokat: „Seid Ihr verrückt ?“
Stoffelbauer: „Na, aber die Herrn vom Reichsgericht sollen ah wissen, dass i recht hab.“ 

10. Alter Kalauer, neuentdeckte Version

„Wenn der Jurist ist recht geraten,
macht man ihn zum Advokaten.
Ist sein Wissen nicht ganz klar,
wird aus ihm dann ein Notar.
Taugt er auch zu diesem nicht,
kommt er zum Bezirksgericht.
Und ist er auch hiefür zu dumm,
dann gibt’s das Ministerium.“