CHRONOLOGIE   Pfarrkirche Wien - Ober St. Veit

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Chronologie der Ereignisse
Altarweihe am 1. Dezember 2002
Abschlußartikel "Quietas suprema lex"

Chronologie der Ereignisse

1990/1991 Auf Betreiben einer Gruppe rund um den damaligen Pfarrer Dr. Prokschi beschließt eine hauchdünne Pfarrgemeinderatsmehrheit, das gesamte barocke Retabel aus der Ober St. Veiter Pfarrkirche mitsamt Kommuniongitter zu entfernen und stattdessen einen Volksaltar zu errichten. Eine Gruppe von Pfarraktivisten sammelt 4200 Unterschriften für die unversehrte Erhaltung des barocken Altarensembles und verhindert dessen Zerstörung. Kardinal Groër verfügt, daß die Kirche nicht umgebaut werden darf. 

März 2000: Pfarrer Dr. Fetzer versichert im Bauausschuss der Pfarre, keine Absicht zu haben, die Kirche innen umzubauen. Wie sich nachträglich herausstellt, hatte Pfarrer Dr. Fetzer in Wahrheit von

1997 – Mai 2000 streng vertraulich mit Bundesdenkmalamt und Bauamt der Erzdiözese erneut einen Altarraumumbau mit Versetzung des Kommuniongitters und Einbau eines Volksaltares geplant

24. Mai 2000 Das Umbauprojekt wird erstmals im Pfarrsaal der Öffentlichkeit vorgestellt. Jegliche Diskussionsmöglichkeit darüber wird öffentlich und apodiktisch von Pfarr- und Architektenseite ausgeschlossen. Gleichzeitig wird unverblümt gedroht, dass bei einer Ablehnung des Umbaues auch die längst nötige Renovierung nicht stattfinden würde. Es stellt sich heraus, dass auch mit dem Erzbischof bereits alles abgesprochen worden ist. Trotz heftiger Gegenstimmen in der Versammlung wird daran festgehalten. 

Juni 2000 Im Hietzinger Bezirksjournal wird vom Umbauprojekt erstmals medial berichtet und die Kosten mit bis zu 1.090.090 € (15 Millionen Schilling) angemutet.  

10. Oktober 2000 In der Pfarrgemeinderatssitzung wird auf der Grundlage von Kostenschätzungen des erzbischöflichen Bauamtes das Umbau- und Renovierungsprojekt und die Einholung von Kostenvoranschlägen beschlossen. Die dringend nötige Kirchenrenovierung wird mit dem von vielen Pfarrangehörigen abgelehnten Altarraumumbau junktimiert. Es werden Kosten von 290.690 € bis 436.040 € (4 bis 6 Millionen Schilling) genannt. Eine „Initiative zur Bewahrung des Altarraumes der Pfarrkirche Wien, Ober St. Veit“, formiert sich. 

1. November 2000 Die Initiative wendet sich in einem ausführlichen Schreiben an Kardinal Schönborn und bittet ihn, von dem Projekt abzulassen oder liturgisch und theologisch zu begründen, warum der Umbau zwingend nötig sei. Der Kardinal sichert mit kurzen Worten die Behandlung der Angelegenheit im Kunstrat der Diözese zu. Diese Zusage wird später von ihm nicht eingehalten. Er nennt keinerlei substantiellen Gründe für die Umbaunotwendigkeit und hält am Umbau fest. 

November 2000 Im Internet informiert eine Homepage mit der Adresse „http://www. initiative-altar.at“ erstmals über die Vorgänge in der Pfarre Ober St. Veit

7. Dezember 2000 Das Referat für kirchliche Kunst und Denkmalpflege der Erzdiözese Wien bestätigt der Initiative schriftlich die hohe künstlerische Qualität der Ober St. Veiter Kirche und deren barocke Ausstattung als Gesamtkunstwerk

9. Jänner 2001  Im Pfarrgemeinderat werden drei Sozialprojekte vorgestellt, von denen eines parallel zum Umbau- und Renovierungsprojekt unterstützt wird. Vorerst kein Beschluss. 

11. Jänner 2001 Demonstration eines Kommuniongittermodells im Rahmen einer hochrangig beschickten Augenscheinsverhandlung in der Kirche. Ausdrückliches Fotografierverbot für den Vertreter der Bürgerinitiative. 

25. Jänner 2001 Kardinal Erzbischof Schönborn befindet in einem offenen Brief an die Gläubigen eine Umbaulösung, für die keine Bewilligungsbescheide vorliegen und die nicht ausfinanziert ist, ausdrücklich für gut. Dieser Brief hängt mehrere Monate lang im Schaukasten der Pfarre. 

11. Februar 2001 Von Pfarrer Dr. Fetzer wird im Rahmen der Sonntagsmesse um 9 Uhr 30 die Renovierung der Orgel versprochen.     

16. Februar 2001  Kardinal Erzbischof Schönborn bestätigt der Initiative ausdrücklich, die Umbauvariante persönlich approbiert zu haben. 

21. Februar 2001   10.000 färbige Aufkleber werden an alle Ober St. Veiter Haushalte versandt und transportieren das Anliegen der Initiative.   

März 2001 Im Pfarrblatt 3/2001 wird das Sozialprojekt vorgestellt. Es wird beschlossen, diesem Projekt 50 % der nicht deklarierten Spenden zufließen zu lassen. 

8. Mai 2001 In der Pfarrgemeinderatssitzung wird bekanntgegeben, dass etwa 140 Spender insgesamt 23.980 € (330.000.- Schilling) gespendet haben. 15.260 € (210.000.- Schilling) für die Renovierung, 8.720 € (120.000.- Schilling) für Indien.  

Mai 2001  Im Pfarrblatt 4-8/2001 werden die Projektkosten mit 472.370 € (6, 5 Millionen Schilling) beziffert.

 25. Mai 2001 Die Initiative informiert mittels Flugblattaktion 8300 Ober St. Veiter Haushalte vom Stand des Pfarrvorhabens.  

16. Juni 2001 In der Pfarrgemeinderatssitzung wird der Stand am Umbaukonto mit 76.300 € (1,05 Millionen Schilling)  genannt. 

30 Juni 2001 Kardinal Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation, antwortet auf ein Schreiben zum Thema der Umbaupraxis der Kirche. Er schreibt, dass in liturgischen Kreisen derzeit völlig einseitig gedacht wird und diese Leute die meisten zuständigen Schaltstellen besetzen. Er hält fest, dass es in der Umbaufrage der Kirchen nicht um bloße Ästhetik, sondern um die der apostolischen Tradition gemäße Gestalt der Eucharistiefeier geht.  Die Zelebration versus populum ist auch nach der neuesten Einführung zum Römischen Messbuch nicht ausnahmslos gültige Norm. Umbauten sind daher  nicht zwingend notwendig

21. Oktober 2001 In der Pfarrgemeinderatssitzung wird erstmals zugegeben, dass das Projekt erheblich teurer werden wird, als angegeben. Ein Künstlerentwurf für einen Volksaltar wird vom Pfarrgemeinderat angenommen. 

25. Oktober 2001 Im Amtsblatt der Stadt Wien wird ein Bauansuchen der Erzdiözese für die Verlegung des Kryptaabganges der Ober St. Veiter Pfarrkirche veröffentlicht. 

November 2001 Im Pfarrblatt 11 – 12/2001 werden Kostenvoranschläge veröffentlicht. Das Ergebnis sind Gesamtkosten zwischen 566.850 € und 901.140 € (7,8 und 12,4 Millionen Schilling). Die Kosten der Elektroinstallation, der akustischen Einrichtungen, sowie der Ausstattung des Altarraumes (Vortragskreuz, Leuchter, Sitze) wurden geschätzt, da noch keine Anbote vorlagen. In derselben Nummer wird mitgeteilt, dass die Finanzierung des Gesamtprojektes mit 399.700 € (5,5 Millionen Schilling) gesichert ist.  

19. November 2001 Der Präsident des Bundesdenkmalamtes bestätigt der Initiative brieflich die Notwendigkeit einer Genehmigung. Ausdrücklich wird mitgeteilt, dass bisher nur die Verlegung des Abganges zur Krypta bewilligt worden ist und dem Denkmalamt bis dato kein Einreichplan für den Altarraumumbau vorliegt. 

4. Dezember 2001 Im Pfarrgemeinderat bestätigt der Pfarrer, dass das Projekt nach seiner eigenen Schätzung ca. 654.055 € (9 Millionen Schilling) kosten wird. Das Versprechen einer Orgelrenovierung wird zurückgenommen. Es gibt noch immer keine definitiven Zahlen. Eine Pressekonferenz wird für Jänner 2002 angekündigt. So soll das Projekt den Medien vorgestellt werden. 

15. Februar 2002  Umbau- und Renovierungsbeginn. Beim Aufgraben des Bodens für die neue Krypta werden die Grundmauern der gotischen Kirche gefunden. Ebenso mehrere Gräber, darunter das eines Priesters im Ornat. Pfarrer Fetzer erlaubt zunächst keine Doumentation durch das Denkmalamt. Diese wird erst nach amtlicher Verfügung durchgeführt, nachdem schon Teile der Funde durch die Bauarbeiter zerstört worden waren.

1.12. 2002   Altarweihe durch Kard. Schönborn

Altarweihe 1. Dezember 2002
Am ersten Adventsonntag um 10 Uhr wurde nach neun Monaten die Kirche wieder eröffnet. Zur Weihe des neuen Volksaltares in der gleichzeitig auch innen renovierten Kirche kam Kardinal Dr. Schönborn. Alle waren auf dieses Ereignis gespannt, denn es hatte jahrelange heftige Auseinandersetzungen gegeben. Allgemein war ein riesiger Andrang zu diesem Ereignis erwartet worden. Demgegenüber war die Zahl der Besucher enttäuschend gering. Natürlich war die Kirche voll. Im seitlichen und hinteren Bereich der Kirche standen die Leute jedoch locker verteilt und man konnte bequem umhergehen. Zu jeder Weihnachtsmette hatten sich bisher mehr Gläubige eingefunden. Viele alteingesessene Ober St. Veiter waren abwesend.
Fast befremdlich jedoch war die völlige Abwesenheit der Pfarrjugend, obwohl keine Jugendmesse am üblichen Sonntagabendtermin angesetzt worden war. Man hätte erwarten müssen, dass die Jugend den modernen Altar am ehesten bejubeln würde. Das Kommen des Bischofs und das Erlebnis einer Altarweihe weckte aber kein wirkliches Interesse. 

Die deutlich geringe Popularität der Weihe des neuen "Volksaltares" verwundert nicht angesichts der verheerenden Pfarrperformance mit welcher der Umbau überhaupt erst ermöglicht wurde.

Mit Spannung war auch in der Predigt eine Stellungnahme des Bischofs zu den langjährigen Auseinandersetzungen erwartet worden. Darin machte der Kardinal klar, dass die Zelebration am Hochaltar auch nach dem Konzil ihr Recht und ihre tiefe Bedeutung in der gemeinsamen Hinwendung auf den wiederkommenden Christus hat. Damit enthielt sie eine Enthüllung, die sich der Bischof erst nach Vollendung des Umbaues angesichts vollendeter Tatsachen zu sagen getraute. Von Pfarrer und Kaplan war diese Wahrheit all die Jahre unterdrückt worden und so waren die Leute falsch informiert worden. Von den Umbaubefürwortern wurde nämlich immer behauptet, das 2. Vatikan. Konzil hätte den Volksaltar eingeführt. Die Vertreter unserer Initiative waren als "vorkonziliar" denunziert worden. Damit hatte man erreicht, dass viele Leute schließlich einlenkten. Außerdem wollten alle zurecht die Renovierung durchgeführt haben, wofür der Pfarrer beinhart den Altarraumumbau zur Bedingung gemacht hatte.

Angesichts vollendeter Tatsachen trat nun der Bischof ganz im Stil eines Politikers auf und sagte, dass auch nach dem Konzil der Hochaltar sein Recht habe. Noch am 18. 9. 2001 hatte Schönborn bei einer uns durch Kard. Ratzinger ermöglichten Audienz gesagt, "der an die Stirnwand geklebte Altar mit der zu breiten Mensa sei eine Fehlentwicklung (sic!) gewesen, die Zelebration am Hochaltar werde nicht mehr kommen." Nun sagt Schönborn "nach wie vor sind beide Formen für die Kirche legitim". 
Es zeigt sich also (ein weiteres Mal) die Wahrheit der Aussagen unserer Initiative. Damit wird auch klar, dass die Grundlage des Umbaubescheides fragwürdiger denn je erscheint. Denn im Einklang mit dem Denkmalschutzgesetz hätte eine bescheidmäßige Bewilligung zum Umbau des Altarraumes nur ergehen dürfen, wenn Kard. Schönborn der Behörde gegenüber die liturgische Notwendigkeit einer solchen baulichen Veränderung bescheinigt hat. Nun hat er  öffentlich bezeugt, dass die Zelebration am Hochaltar weiterhin ein Recht hat und daher nie eine zwingende Umbaunotwendigkeit bestanden hat. 

 

Abschlußartikel "Quietas suprema lex"
(Beruhigung ist das oberste Gesetz)


Gedanken zur Weihe des neuen "Volksaltares"
Am 1. Dezember 2002 wurde von Kardinal Schönborn der im Zuge der Renovierung neu eingebaute Volksaltar in der Pfarrkirche Ober St. Veit geweiht. Damit wurde ein Konzept realisiert, das durch einen vordergründigen Kompromiss die Ruhe in der Pfarre herstellen soll. Jeder müsse eben etwas nachgeben. Was auf den ersten Blick "politisch" vernünftig wirkt, entpuppt sich jedoch bei näherer Betrachtung als Abschied von substantiellen Argumenten, denn bis zuletzt war keinem der Verantwortlichen mehr zu entlocken, als die stereotyp wiederkehrenden Phrasen: "Jede Zeit hat das Recht, sich künstlerisch auszudrücken." "So macht man das eben heute." Ein fundiertes Gespräch über Aspekte liturgischer Umbaunotwendigkeit wurde beharrlich verweigert, der liturgische Zeitgeist hat die in sich stimmige Innenarchitektur unserer Kirche rücksichtslos aufgebrochen. 
So sollen nun frische Malertünche und glänzende Vergoldungen darüber hinwegtäuschen, dass der Volksaltar, so wie er jetzt praktiziert wird, niemals, auch in der Urkirche nicht, Praxis und Tradition der Kirche war. Unsere Initiative hätte einen Volksaltareinbau ohne Zerstörung des architektonischen Gesamtkonzepts akzeptiert und damit für die Zukunft alle Möglichkeiten offen gehalten. Das will man aber offenbar in der Diözese bewusst nicht. Es sei legitim, zeitgemäße Formen in das alte Konzept einzubauen. Gerade auch Kardinal Schönborn hatte hier taube Ohren. Er konnte die Notwendigkeit eines Volksaltares nicht erklären.
Die ideologische Einseitigkeit der Verantwortlichen hat gesiegt. Einer Neueinführung, die gerade erst 30 Jahre alt ist, werden ohne Rücksicht auf theologie- und kunsthistorische Argumente die Innenräume der Kirchen hier und offenbar weiterhin auch anderswo geopfert. 
Bald wird man sich den Originalzustand der Kirche wieder herbeiwünschen. Die Kirche selbst bringt weiterhin die Gläubigen um ihr unversehrtes bauliches Erbe. Es ist sicher zu würdigen, dass die übrige Renovierung abgesehen vom Altarumbau ordnungsgemäß durchgeführt wurde und dass der Pfarrer auf menschlicher Ebene den Kontakt mit den Umbaugegnern gesucht hat und auf diese Weise den Frieden in seiner Pfarre wieder herstellen wollte. Allerdings zeigen sich gerade hier die Folge der "neuen" Theologie. Man glaubt, wenn man einfach wieder nett miteinander umgeht, ohne an den Grundfragen zu rühren, werde sich schon wieder alles übrige finden. Genau das ist irrig, wie sich ja auch im Ökumenismus zeigt, wo man analog agiert. Die Wahrheitsfrage wird unterdrückt, ohne die es aber keine Einheit geben kann.Damit drückt nun auch die Ober St. Veiter Kirche - wie viele andere - den "zeitgemäßen" Zustand der katholischen Kirche aus, nämlich den einer Spaltung in Glaube und kirchlicher Praxis. Insofern ist dieser Umbau tatsächlich "zeitgemäß". Das renovierte Innere der Kirche hat durch den Neueinbau einen Funktionsverlust erlitten. Der herrliche Hochaltar ist eine Kulisse, mehr nicht. Man hat ihm jede Funktion entzogen. Analog ist es mit der Glaubenspraxis. Man erzählt historisierend von der Tradition, folgt aber protestantisierenden Umdeutungen und theologischen Neukonzeptionen. Dieser Riss, der nach außen zwar hartnäckig geleugnet wird, doch überall spürbar ist, wird auf diese Weise transparent: Spaltung im Raumkonzept - Spaltung im liturgischen Konzept und Glauben - Spaltung der Gläubigen, von denen sich die "Altgläubigen" freilich weitgehend verlaufen haben. Auf diese Demonstration der Spaltung, welche die Verantwortlichen nicht wahrhaben wollen, hätten wir gerne verzichtet. Wohin dieser Substanzverlust letztlich führt, zeigt die hohe Rate der Kirchenaustritte und die so oft von den Hirten beklagte Glaubensverdunstung.
Die Kirche erstrahlt vordergründig in neuem Glanz. Wieviel katholische Substanz aber auf die Jahre hin in dieser Gemeinde wirklich übrigbleiben wird, wird erst die Geschichte zeigen.