Die südliche Zierschildkröte - Chrysemys picta dorsalis AGASSIZ, 1857
Allgemeines

Systematik

Beschreibung

Verbreitung

Habitat

Lebensweise

Gefährdung

Schutzmaßnahmen

Haltung

Ernährung

Verhalten im Terrarium

Nachzucht

Literaturhinweise

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Allgemeines

Die Zierschildkröten zählen wie auch die Schmuckschildkröten zu den am häufigsten oder meistverbreiteten Wasserschildkröten in Gefangenschaft. Wobei Chrysemys picta dorsalis von allen Arten am seltensten angeboten werden. 

Systematik

Familie: Testudines

Cryptodira

Emydidae

Chrysemys picta () Zierschildkröte
Diese Art teilt sich in vier Unterarten (C. p. picta, C. p. belli, C. p. dorsalis, C. p. marginata)

Chrysemys picta picta, Östliche Zierschildkröte
Besitzt keine Plastronzeichnung und keine Dorsallinie.

Chrysemys picta belli, Westliche Zierschildkröte
Sie besitzt am Plastron eine markante dunkle Zeichnung entlang Mittel- und Quernähte.

Chrysemys picta dorsalis, Südliche Zierschildkröte
Diese Art besitzt eine unverwechselbare rot-orangefarbene Dorsallinie auf dem Carapax. Keine bzw. fast keine Bauchpanzerzeichnung. Oft auch als Rückenstreif-Zierschildkröte benannt.

Chrysemys picta marginata, Bunte Zierschildkröte
Sie besitzt am Plastron eine markante dunkle Zeichnung entlang der Mittelnaht.

Beschreibung

CRYSEMYS_PICTA_DORSALIS_PLASTRON_2.jpg (37239 Byte)Chrysemys picta dorsalis ist mit einer Carapaxlänge von 10 bis 15 cm ein ausgesprochen kleiner Vertreter der Sumpfschildkrötenfamilie Emydidae (ERNST et al. l.c.). Die Grundfarbe des Carapax variiert zwischen einem dunklen Oliv und Dunkelbraun mit leicht aufgehellten, gelblichen bis rötlichen Rändern. Das Plastron ist gelb und zeigt gelegentlich rotbraune Farbeinschläge. Der Kopf fällt durch jeweils einen gelben Fleck hinter den Augen auf. Ebenfalls gelbe Streifen befinden sich auf Kopf, den Kopfseiten und der Kehle.CRYSEMYS_PICTA_DORSALIS_PLASTRON_1.jpg (26489 Byte) Diese Linien setzen sich auch auf den Kehle fort, jedoch wechselt die Farbe von Gelb in ein leuchtendes Rot. Auf der Unterseite der Marginalia sowie auf den Gliedmaßen und dem Schwanz sind ebenfalls rote Zeichnungselemente vorhanden. Wie bei allen Schmuckschildkröten fallen auch bei dieser Art ihre verlängerten Krallen an den Vorderbeinen der Männchen auf. Auch bei Chrysemys picta dorsalis bleiben die Männchen deutlich kleiner als die Weibchen. 

Verbreitung

Die Zierschildkröten sind vom südlichen Kanada über große Teile der nördlichen, mittleren, östlichen und südlichen USA verbreitet. Sie gehören zu den häufigsten Arten ihres Verbreitungsgebietes. 
Die Verbreitung von Chrysemys picta dorsalis reicht vom südlichen Illinois bis in den Nordwesten von Alabama sowie entlang des Mississippi bis zum Golf von Mexico. 

Habitat

CRYSEMYS_PICTA_DORSALIS_Seite.jpg (34179 Byte)Die bevorzugten Lebensräume sind sowohl stehende als auch fließende Gewässer. Es werden gelegentlich Sonnenbäder genommen, was generell in der unmittelbaren Nähe des Wassers geschieht. Bei der kleinsten Störung flüchten die Tiere. Es wird manchmal in der Literatur angegeben das Chrysemis picta gegenüber von niedrigen Temperaturen sehr tolerant ist. Bei Chrysemys picta dorsalis trifft das jedenfalls nicht zu. Erfahrungen zeigen, dass sie sehrwohl gegenüber von Zugluft sehr empfindlich sind. Sollte die Wassertemperatur höher als die Lufttemperatur sein, so kann dies sehr leicht zu einer Lungenentzündung führen. 

Lebensweise

Chrysemys sind ausgezeichnete Schwimmer und sie sonnen sich gerne. Bei der geringsten Ruhestörung verschwinden sie im Wasser. Ebenso kann man sie an der Wasseroberfläche treibend beobachten, wie sie Wärme tanken. 

Gefährdung

Weitaus mehr als durch natürliche Feinde ist die Gefährdung durch den Menschen gegeben. Verheerende Auswirkungen haben Eingriffe des Menschen in die Natur wie chemische Düngung, Flussregulierungen, Trockenlegungen von Feuchtgebieten und Kleingewässern, Straßen- und Siedlungsbau. Zahlreiche Schildkröten werden auch Opfer des Straßenverkehrs. Der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden vergiftet nicht nur Futtertiere sondern auch die Schildkröten selbst

Schutzmaßnahmen

Chrysemys picta scheint derzeit nicht unter WA auf. Seit dem August 2003 besteht jedoch innerhalb der EU Meldepflicht für die gesamte Art Chrysemys picta.

Haltung

CRYSEMYS_PICTA_DORSALIS_Seite_3.jpg (22714 Byte)Im Gegensatz zu der in vielen Büchern verbreiteten Meinung ist Chrysemys picta dorsalis nicht so einfach zu halten. Sie ist sehr anfällig für Zugluft und neigt schnell zu Erkältungen. Dies gilt besonders für Jungtiere. Wir halten die juvenilen Tiere daher bei 28° Wasser- und 30° Lufttemperatur in einem 60 cm Aquarium mit einigen Fischen. Die Wassertiefe beträgt auch schon bei diesen juvenilen Tieren 20cm. Die zwei Jungtiere wurden mit zwei Graptemys ouachitensis sabinensis vergesellschaftet, Tiere die sich auch in ihrem natürlichen Habitat begegnen. 
Die adulten Tiere werden mit semiadulten Graptemys pseudogeographica gehalten. Die Temperaturen betragen im Sommer 24-25°C und Winter 20-23°C. Die Aquarien werden nicht extra beheizt. Das hat den Grund, dass die Wassertemperaturen nie übermäßig und für längere Zeit über den der Luft liegen sollten. Eine Überwinterung wird zwar in der Literatur teilweise nicht als unbedingte Bedingung angesehen, wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass es den Tieren gut tut. Für eine erfolgreiche Nachzucht dieser Art ist ist es sicher von Vorteil. Dazu wird die Beleuchtungsdauer im Laufe eines Monats von 12 Stunden kontinuierlich auf 4 Stunden reduziert. die Fütterung wird gleichermaßen bis auf "0" verringert. Anschließend werden die Tiere in Kunststoffbehälter überführt, der Wasserstand beträgt ca. die doppelte Carapax-Höhe. Diese werden dann abgedeckt und in den Keller gebracht. Die Temperaturen betragen hier zwischen 6-10°C. Nach rd. 2 Monaten, werden die Behälter wieder in einen wärmeren Raum gebacht und nach 4-5 Tagen die Tiere wieder in das ursprüngliche Aquarium gegeben. Die Beleuchtung wird nun langsam, wieder im Laufe eines Monats auf 12 Stunden verlängert und auch die Füttermenge wie auch die Fütterungsfrequenz langsam erhöht.
Wir besitzen derzeit eine Zuchtgruppe aus 2,2 Tieren, wobei ein Männchen zur Zucht nicht mehr geeignet ist. 

Ernährung

Im natürlichen Habitat fressen die Tiere hauptsächlich Würmer, Schnecken, Krebstiere, Fisch und Insekten. Ältere Tiere sollen auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen (RUDLOFF 1990). Ein Salatblatt wird von meinen Tieren jedoch lediglich angeknabbert, nie als ganzes gefressen. Wir ernähren die Tiere hauptsächlich mit Schildkrötenpudding, welchen wir selbst herstellen. Aufgrund der vielfältigen Zusammensetzung kann dieser als Alleinfutter verwendet werden. Durch die leuchtend rote Farbe muss entsprechend dosiert werden, da sich die Tiere sonst überfressen. Es ist auch vorteilhaft mehrere kleinere Stücke als ein großes zu füttern, da die Tiere sonst sehr leicht in Streit geraten. Wir füttern jedoch 1-2 mal die Woche statt des Puddings, getrocknete Bachflohkrebse und selten fertige Pellets. Diese Maßnahme soll verhindern, dass die Tiere allzu schnell wachsen und auch entsprechende Abwechlung im Futterplan bieten.

Verhalten im Terrarium

Die Tiere sind ausgezeichnete Schwimmer und halten sich daher gerne im Wasser auf. Genauso gerne aber sonnen sich die Tiere. Es kann also gesagt werden, dass die Tiere im juvenilen Alter ca. 50% im Wasser und 50% am Landteil verbringen (der Landteil besteht bei uns aus einer Korkinsel). Bei Annähung an das Aquarium springen die Tiere schnell ins Wasser. Es kann nicht gesagt werden, ob dies auf einer Fluchtreaktion basiert oder ob es sich schon um die "Einnahme der Fressposition" handelt. Vermutlich ist es aber die natürliche Fluchtreaktion. Die vergesellschafteten Graptemys ouachitensis sabinensis reagieren gleich. Nachdem die Tiere im Wasser sind und jemand vor das Aquarium tritt, schwimmen die Tiere an der Frontscheibe entlang. Diese Reaktion kann als Futterbetteln interpretiert werden. Bei der Fütterung von Schildkrötenpudding, welcher an den Bodengrund sinkt, haben die Tiere keine Probleme bis an den Grund zu tauchen. Sie nehmen die Nahrung vom Bodengrund auf und fressen sogar in dieser Position. Bei Fütterung von getrockneten Bachflohkrebsen werden diese an der Oberfläche aufgenommen und während sich die Tiere an den Kunststoffpflanzen festhalten verspeist. 

Nachzucht

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Zur Nachzucht dieser Art ist eine Überwinterung von großem Vorteil (siehe auch unter Haltung). Die Balz ist besonders schön. Dabei schwimmt das Männchen vor das Weibchen und beginnt dann Kopf an Kopf mit den Vorderbeinen zu wedeln (vibrieren) und versucht Kopf und Hals des Weibchens zu berühen. Ist das Weibchen durch die langen Krallen der Männchen beeindruckt, verharrt es, das Männchen kann aufreiten und die Paarung vollziehen. Ist das Weibchen nicht bereit, schwimmt es weg und das Schauspiel beginnt von Neuem. Im Aquarium der adulten Tiere befindet sich ein eingeklebter Landteil. Dieser ist mit einem Erde-Sandgemisch gefüllt, auch mittelgroße Steine befinden sich darin. Versuche mit anderen Substraten blieben ohne Erfolg. Die Weibchen begannen zwar ihre Nistgruben auszuheben, jedoch eine Eiablage fand nicht statt. In  feucht-warmen Erde-Sandgemisch jedoch findet eine Eiablage schnell statt. Die Eier der Chrysemys-Arten sind weichschalig, walzenförmig und stellen daher an die Umgebungsbedingungen hohe Ansprüche. Das gilt sowohl für den Eiablageplatz, wie auch für die anschließende Inkubation. Die Eier werden einem Inkubator nach Budde weiter bebrütet. Dazu werden sie wieder in einem Erde-Sandgemisch am Besten vollständig vergraben (Versuche mit anderen Substraten bzw. nicht vollständig eingegrabenen Eiern waren von wenig erfolg gezeichnet). Die Temperatur sollte zwischen 27-28°C liegen. der Scheitelpunkt liegt laut Literatur bei 27,5°C. Die relative Luftfeuchtigkeit ist besonders bei weichschaligen Eiern von hoher Wichtigkeit und sollte 90-95% betragen. Das verhindert die Austrocknung des Substrats. Unter diesen Bedingungen schlüpfen die Jungtiere nach rd. 60 Tagen. Die Jungtiere sind ca. 28 mm x 26 mm x 13 mm (L x B x H) groß.

weitere Bilder unter: ISV

Literaturhinweise

RUDLOFF, H.W. (1990): Vermehrung von Terrarientieren - Schildkröten.- Urania verlag Leipzig/ Jena/ Berlin, 155pp.

MARA W.P. (1998): Wasser- und Landschildkröten - bede-Verlag GmbH, 86-87

HUMMEL, F.;  Mosimann, D.; Artner, H.; Eylander, A.(2000): Bemerkungen zu den Zierschildkröten der Gattung Chrysemys Gray, 1844 nebst Beobachtungen bei Haltung und Nachzucht der vier Unterarten C. p. picta, C. p. bellii, C. p. dorsalis und C. p. marginata,  EMYS 7/3, Sitzenberg Reidling, 4-28 


Der Bericht wurde in erster Linie für uns selbst geschrieben und beruht auf eigenen Erfahrungen.
© 2004 Ing. Andreas Budischek
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Stand: 07.05.2004