| Die südliche Zierschildkröte - Chrysemys picta dorsalis AGASSIZ, 1857 | ||
| Allgemeines |
Die Zierschildkröten zählen wie auch die Schmuckschildkröten zu den am häufigsten oder meistverbreiteten Wasserschildkröten in Gefangenschaft. Wobei Chrysemys picta dorsalis von allen Arten am seltensten angeboten werden. Familie: Testudines
Chrysemys picta () Zierschildkröte Chrysemys picta picta, Östliche Zierschildkröte Chrysemys picta belli, Westliche Zierschildkröte Chrysemys picta dorsalis, Südliche Zierschildkröte Chrysemys picta marginata, Bunte Zierschildkröte
Die Zierschildkröten sind vom südlichen Kanada über große Teile
der nördlichen, mittleren, östlichen und südlichen USA verbreitet.
Sie gehören zu den häufigsten Arten ihres Verbreitungsgebietes.
Chrysemys sind ausgezeichnete Schwimmer und sie sonnen sich gerne. Bei der geringsten Ruhestörung verschwinden sie im Wasser. Ebenso kann man sie an der Wasseroberfläche treibend beobachten, wie sie Wärme tanken. Weitaus mehr als durch natürliche Feinde ist die Gefährdung durch den Menschen gegeben. Verheerende Auswirkungen haben Eingriffe des Menschen in die Natur wie chemische Düngung, Flussregulierungen, Trockenlegungen von Feuchtgebieten und Kleingewässern, Straßen- und Siedlungsbau. Zahlreiche Schildkröten werden auch Opfer des Straßenverkehrs. Der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden vergiftet nicht nur Futtertiere sondern auch die Schildkröten selbst Chrysemys picta scheint derzeit nicht unter WA auf. Seit dem August 2003 besteht jedoch innerhalb der EU Meldepflicht für die gesamte Art Chrysemys picta.
Im natürlichen Habitat fressen die Tiere hauptsächlich Würmer, Schnecken, Krebstiere, Fisch und Insekten. Ältere Tiere sollen auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen (RUDLOFF 1990). Ein Salatblatt wird von meinen Tieren jedoch lediglich angeknabbert, nie als ganzes gefressen. Wir ernähren die Tiere hauptsächlich mit Schildkrötenpudding, welchen wir selbst herstellen. Aufgrund der vielfältigen Zusammensetzung kann dieser als Alleinfutter verwendet werden. Durch die leuchtend rote Farbe muss entsprechend dosiert werden, da sich die Tiere sonst überfressen. Es ist auch vorteilhaft mehrere kleinere Stücke als ein großes zu füttern, da die Tiere sonst sehr leicht in Streit geraten. Wir füttern jedoch 1-2 mal die Woche statt des Puddings, getrocknete Bachflohkrebse und selten fertige Pellets. Diese Maßnahme soll verhindern, dass die Tiere allzu schnell wachsen und auch entsprechende Abwechlung im Futterplan bieten. Die Tiere sind ausgezeichnete Schwimmer und halten sich daher gerne im Wasser auf. Genauso gerne aber sonnen sich die Tiere. Es kann also gesagt werden, dass die Tiere im juvenilen Alter ca. 50% im Wasser und 50% am Landteil verbringen (der Landteil besteht bei uns aus einer Korkinsel). Bei Annähung an das Aquarium springen die Tiere schnell ins Wasser. Es kann nicht gesagt werden, ob dies auf einer Fluchtreaktion basiert oder ob es sich schon um die "Einnahme der Fressposition" handelt. Vermutlich ist es aber die natürliche Fluchtreaktion. Die vergesellschafteten Graptemys ouachitensis sabinensis reagieren gleich. Nachdem die Tiere im Wasser sind und jemand vor das Aquarium tritt, schwimmen die Tiere an der Frontscheibe entlang. Diese Reaktion kann als Futterbetteln interpretiert werden. Bei der Fütterung von Schildkrötenpudding, welcher an den Bodengrund sinkt, haben die Tiere keine Probleme bis an den Grund zu tauchen. Sie nehmen die Nahrung vom Bodengrund auf und fressen sogar in dieser Position. Bei Fütterung von getrockneten Bachflohkrebsen werden diese an der Oberfläche aufgenommen und während sich die Tiere an den Kunststoffpflanzen festhalten verspeist. Zur Nachzucht dieser Art ist eine Überwinterung von großem Vorteil (siehe auch unter Haltung). Die Balz ist besonders schön. Dabei schwimmt das Männchen vor das Weibchen und beginnt dann Kopf an Kopf mit den Vorderbeinen zu wedeln (vibrieren) und versucht Kopf und Hals des Weibchens zu berühen. Ist das Weibchen durch die langen Krallen der Männchen beeindruckt, verharrt es, das Männchen kann aufreiten und die Paarung vollziehen. Ist das Weibchen nicht bereit, schwimmt es weg und das Schauspiel beginnt von Neuem. Im Aquarium der adulten Tiere befindet sich ein eingeklebter Landteil. Dieser ist mit einem Erde-Sandgemisch gefüllt, auch mittelgroße Steine befinden sich darin. Versuche mit anderen Substraten blieben ohne Erfolg. Die Weibchen begannen zwar ihre Nistgruben auszuheben, jedoch eine Eiablage fand nicht statt. In feucht-warmen Erde-Sandgemisch jedoch findet eine Eiablage schnell statt. Die Eier der Chrysemys-Arten sind weichschalig, walzenförmig und stellen daher an die Umgebungsbedingungen hohe Ansprüche. Das gilt sowohl für den Eiablageplatz, wie auch für die anschließende Inkubation. Die Eier werden einem Inkubator nach Budde weiter bebrütet. Dazu werden sie wieder in einem Erde-Sandgemisch am Besten vollständig vergraben (Versuche mit anderen Substraten bzw. nicht vollständig eingegrabenen Eiern waren von wenig erfolg gezeichnet). Die Temperatur sollte zwischen 27-28°C liegen. der Scheitelpunkt liegt laut Literatur bei 27,5°C. Die relative Luftfeuchtigkeit ist besonders bei weichschaligen Eiern von hoher Wichtigkeit und sollte 90-95% betragen. Das verhindert die Austrocknung des Substrats. Unter diesen Bedingungen schlüpfen die Jungtiere nach rd. 60 Tagen. Die Jungtiere sind ca. 28 mm x 26 mm x 13 mm (L x B x H) groß. weitere Bilder unter: ISV RUDLOFF, H.W. (1990): Vermehrung von Terrarientieren - Schildkröten.- Urania verlag Leipzig/ Jena/ Berlin, 155pp. MARA W.P. (1998): Wasser- und Landschildkröten - bede-Verlag GmbH, 86-87 HUMMEL, F.; Mosimann, D.; Artner, H.; Eylander, A.(2000): Bemerkungen zu den Zierschildkröten der Gattung Chrysemys Gray, 1844 nebst Beobachtungen bei Haltung und Nachzucht der vier Unterarten C. p. picta, C. p. bellii, C. p. dorsalis und C. p. marginata, EMYS 7/3, Sitzenberg Reidling, 4-28 Der Bericht wurde
in erster Linie für uns selbst geschrieben und beruht auf eigenen Erfahrungen. Stand: 07.05.2004
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