LOKOMOTIV - GEHÄUSE

 

Die Urmodelle der damaligen Lokomotiven, zumindest bei Kleinbahn und Liliput, waren aus Holz und Gips; sie wurden von einem Graveur und Ziseleur fein gestaltet und graviert - und zwar ohne die heute so beliebten feinen Bohr- und Graviermaschinen!!!

(Versuchen Sie einmal, auf einem Stück Gips mit einem feinen Schraubenzieher oder einer Nadel eine einzige gerade Linie zu gravieren - und dann stellen Sie sich vor, Sie müssen so eine ganze Lok machen!!!)


Urform einer Liliput - Dampflok, ca. 1950

Vom Urmodell wurde die Bronze - Form abgegossen, nachgraviert, gefeilt, poliert...

Eine Form bestand aus 6 Teilen:

vorne, hinten, zwei Seiten, Dach und - von innen her - dem sogenannten "Stempel".

Zur Herstellung der Lokomotivgehäuse wurde die zusammengesetzte Form (alle Außenteile ohne Stempel) auf ein Gasrechaud gestellt (das eingefüllte Blei durfte nicht sofort fest werden), das Blei hineingeschüttet, der Stempel händisch hineingedrückt, die ganze Form mitsamt Inhalt und Stempel mit Handschuhen (noch heiß!) zu einem Kübel getragen, um alles abzukühlen;

Darauf wurde die Form aufgeklopft, das fertige Gehäuse herausgeschlagen und entgratet.

Eventuelle Fehler im Gehäuse mussten noch einmal ausgegossen und nachbearbeitet werden. Daraus resultieren die eventuellen winzigen Formunterschiede, die bei einigen der ältesten Loks festzustellen sind (verschieden große Fenster; bei Elloks unterschiedliche Dachausrüstungen - wenn man die wimmerlähnlichen Erhebungen von damals bereits Ausrüstung nennen darf)


Kleinbahn E 100, 1948; Liliput - Dampflok, ca. 1950 (entstand nach dem oben gezeigten Urmodell)

Im Gegensatz zu Kleinbahn und Liliput waren die Sperl- und Göls - Loks aus Messingblechen und Profilen gelötet.


eine der ersten Göls - Konstruktionen: E 44 - sowie eine seiner berühmtesten: die E 94 von 1949

Ging man bei Kleinbahn nach der Bleiguss - Zeit direkt zum Kunststoff - Spritzguss über, so erfolgte diese Entwicklung bei Liliput erst nach dem Umweg über den Zinkal (ZinkAluminium) - Spritzguss.

KUNSTSTOFF - PRODUKTION:

Herr Klein wollte diesen damals neumodischen Kunststoff einmal versuchen, kaufte bei den Amerikanern ein Kilo Granulat davon um 1 Schilling.

Zu Hause in der Firma wurde - analog zum Bleiguss - das rohe Granulat in eine Form gefüllt. Die ganze Form wurde am Gasrechaud erhitzt, bis das Granulat schmolz - und dann wurde einfach der Stempel hineingepresst.

Auf diese Weise entstanden ab 1950 zuerst die Tender der großen Dampflokomotiven; erst als sich das "neue Zeug" bewährt hatte, wurden auch andere Waggons, und ganz zum Schluss (ab 1953) auch Lokomotiv - Gehäuse aus Kunststoff hergestellt!

DIE ERSTE STRITZGUSS - MASCHINE

wurde bei Kleinbahn von Erich Klein und seinen Mitarbeitern noch selbst hergestellt!

Die Funktion der ersten Spritzgussmaschine war ungeähr wie folgt:

Händisch wurde die Form eingespannt (wir erinnern uns - links, rechts, vorne, hinten, Dach).

Mit der Hand wurde schäuferlweise Granulat in einen Zylinder gefüllt.

In diesem Zylinder wurde das Granulat bis zur Schmelze erhitzt

und anschließend mittels eines Handrades (entfernt ähnlich einer Weinpresse)

der flüssige Kunststoff in die Form gespritzt,

danach noch der Stempel (der praktisch die Innenseite darstellt) mit der Hand hineingedrückt.

Zum Schluss wurde die Form mit der Hand aufgeschlagen und der fertige Teil entnommen.

Nun musste noch - ebenso wie beim Metallguss - entgratet, gefeilt und poliert werden!

Kunststoffwagen mit (unter dem Lack) deutlich sichtbaren Feilspuren an Ecken und Kanten sind unter Sammlern sehr begehrt!

Schon bald war diese Methode allerdings so weit perfektioniert, dass eine Nachbearbeitung der Gehäuse (feilen, polieren) entfallen konnte.

Ab 1951/52 wurden bereits Kopierfräsen eingesetzt, die im Formenbau ein großer Schritt nach vorne waren und die Arbeit immens erleichterten.