140.) Silvretta Hochtourenwoche von 13. bis 17. August 2002

(mit Erwin Seyr und Gerhard Jeglinger)

 

 

 

 

 

 

Der Piz Buin (3312m) mit dem Wiesbadener Grätle.

Der Piz Buin

Auf der Grünen Kuppe (2579m) und im Hintergrund der Piz Buin (3312m).

Auf der Grünen Kuppe

 

Auf der Grünen Kuppe (2579m) - links der Ochsenkopf (3057m) - rechts die Dreiländer Spitze (3197m).

Die Dreiländerspitze

Mehr Bilder von der Silvrettagruppe gibt's hier

13. August: Auf der Bielerhöhe (2036m) starten wir unsere Hochtourenwoche in der Silvrettagruppe. Um 15:40 gehen wir erst ein kurzes Stück entlang des Silvrettastausees. Nach etwa einer ¼ Stunde zweigen wir links ab und gehen am Sommerweg hoch über dem Ochsental hinauf zur Wiesbadener Hütte (2443m). Das Wetter ist heute (nach der Hochwasser Woche) noch nicht besonders. Wir haben aber Glück und kommen ohne Regenschauer um 18:10 nach einer recht gemütlichen Etappe bei der Hütte an. In der Hütte sind alle Betten ausgebucht. Wir verbringen also die nächsten drei Nächte, bei mehr oder weniger „Geschnarche“ im Lager „Dreiländerspitze“. Der Preis für die drei Nächte beträgt Euro 16,50 für AV-Mitglieder.

Der Blick zum Piz Buin (3312m) und zur Buinlücke (3054m).

Der Piz Buin

3312m Im Hintergrund das Silvrettahorn (3244m).

Am Ochsentaler Gletscher

Am Gipfel des Buin

14. August: Der Himmel ist Wolkenlos – wir sind guter Dinge und starten um 7:50. Erst führt der Weg flach von der Hütte, dann leicht bergab über einige Gletscherbäche, und schließlich geht es ganz schön hinauf zur Grünen Kuppe. Auf der Grünen Kuppe (2579m) sind wir um 8:30 und um 9:00 adjustieren wir uns (Brust- u. Sitzgurt, Seil, Pickel, Steigeisen) für die Begehung des Ochsentaler Gletschers. Das Wetter ist einfach traumhaft – fast kitschig wie in einem Märchen kommen mir die Eisgebilde des Gletscherbruchs vor. Jetzt zieht sich die Spur weit und flach hinauf bis zur Buinlücke (3054m), welche wir erst, weil immer wieder Photostopps zu machen sind, um 11:15 erreichen. Von hier sieht man den weiteren Wegverlauf auf den Gipfel des Piz Buin sehr schön. Erst führt der Weg über relativ steile Schneefelder bis hin zur Schlüsselstelle, einer kurzen NW-Grat Felskletterei die vom Neuschnee, bis Eis und Fels alles zu bieten hat. (Schwierigkeit etwa II). Nach diesem Felsaufschwung hat man es geschafft. Von nun an geht’s recht gemütlich über Schneefelder zum Gipfel. Um 12:15 sind wir am Gipfel des Piz Buin (3312m) und genießen das herrliche Panorama. Der Blick auf die umliegende Bergwelt (Ötztaler Alpen, Ortler, Bernina,...) ist grandios. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast etwas unterhalb des Kreuzes steigen wir um 13:30 wieder ab. Es geht über die Schlüsselstelle besser hinunter als wir dachten. Links (vom Kl. Buin) und rechts (vom Gr. Buin) fallen jetzt Steine und Eisbrocken in Folge der Tageserwärmung herunter. Wir beeilen uns und kommen um 14:15 wieder bei der Buinlücke (3054m) an. Nach einer Pause gehen wir um 14:40 langsam über den Ochsentalergletscher hinunter, machen immer wieder längere Pausen und genießen die herrliche Bergwelt. Um 15:50 sind wir am Gletscherende. Hier legen wir unser Zeug wieder ab und verstauen es im Rucksack, ehe wir weiter gehen und um 16:30 nach einer traumhaften Bergtour die Wiesbadener Hütte erreichen.

Der Blick vom Gipfel nach Südwesten. Der Blick zum Piz Linard. Links hinten die Fluchthörner.
Der Blick vom Gipfel des Piz Buin

 

Mehr Bilder von der Silvrettagruppe gibt's hier

15. August: Wieder brechen wir um 7:50 zu unserer nächsten Tagesetappe, dem Silvrettahorn, auf. Wir nehmen den selben Weg wie gestern und kommen gut voran. 8:30 Grüne Kuppe (2579m). 9:00 Anfang Ochsentaler Gletscher (2560m). Mitten am Gletscher biegen wir rechts ab und plagen bzw. schwitzen uns zur Egghornlücke hinauf. Jeder zweite Schritt geht jetzt schon 20 bis 30 cm tief unter die Schneedecke – das ist mühsam. Um 11 Uhr sind wir auf der Egghornlücke (3047m). Nach einer kurzen Pause steigen wir über ein steiles Firnfeld auf. Das Gelände nach dem Firnfeld ist eher ungut zu gehen. Kurz vor dem Gipfel (vor dem Felsgrat auf etwa 3210m) bleibt Gerhard stehen. Es ist 12:30. Wir zögern beim Anblick wie es über die Felsen weitergehen soll. Mir ist nach der gestrigen Gipfelsiegfeier mit viel Rotwein zudem noch etwas schwindlig. So beschließen wir nach längerem hin und her Überlegen an dieser Stelle umzukehren und nichts zu riskieren. Wir steigen ab und machen von 13:10 bis 14:30 eine ausgiebige Erholungs- u.  Jausenpause auf der Egghornlücke (3047m). Um 16:00 lassen wir den Ochsentaler Gletscher wieder hinter uns und um 17:15 kommen wir, zwar ohne richtigen Gipfelsieg, wieder auf der Wiesbadener Hütte (2443m) an. Auch dieser Tag war ein wunderbares Naturerlebnis.

Der Blick von der Egghornlücke (3047m) zum Gr. (links) und Kl. (rechts) Piz Buin. 3244m Der Aufstieg zur Dreiländer Spitze.
Auf der Egghornlücke Das Silvrettahorn Am Vermunt Gletscher

 16. August: Heute steht uns die Überschreitung zur Jamtal Hütte bevor. Der Himmel ist,  wie die Tage zuvor wolkenlos. Wir haben gestern abend weniger gefeiert und uns mehr auf den heutigen Tag konzentriert. Wir sind heute etwas früher dran als sonst und so geht es um 7:15 bereits los. Den Vermunt Gletscher erreichen wir nach einer Stunde Gehzeit – also um 8:15. Jetzt ist es nicht mehr weit. Wir montieren die Steigeisen und richten das Seil für die Gletscherbegehung. Der Schnee ist noch sehr hart und so kommen wir gut voran. Schon um 9:00 sind wir vor dem Gipfelaufbau. Zuvor hatten wir ein steiles (ca. 40°) Schneefeld zu überwinden. Wir nahmen die „Direttissima“ und hatten so die anderen Gruppen hinter uns gelassen. Der Grat hinauf zum Vorgipfel ist für uns problemlos zu bewältigen. Wir stehen ganz schön im Genuss bei dieser schönen Kletterei. Nun kommt  die letzte Hürde, ein ausgesetzter, schmaler Felsgrat hinüber zum Gipfelkreuz. Auch diesen meistern wir und so stehen wir um 10:00 am Gipfel der Dreiländer Spitze (3197m). Wir genießen die Aussicht auf die uns zu Füßen liegende Bergwelt. Nach einem kurzen Aufenthalt beim Gipfelkreuz (nur Platz für etwa 5 Personen) kraxeln wir über den Grat zurück und hinter einer Gruppe Niederländer wieder hinunter bis fast zum Gletscher. Nachdem uns schon recht fad geworden ist bei diesem wirklich langsamen Abstiegstempo, verlassen wir im unteren Teil den Fels und steigen auf den sehr steilen Gletscher hinaus und gehen geradewegs hinunter zur Oberen Ochsenscharte (2977m). Auf der Ob. Ochsenscharte machen wir von 11:20 bis 12:15 unsere Mittagspause. Da es noch zu Früh ist jetzt schon zur Jamtal Hütte abzusteigen beschließen wir noch über das Jamjoch zur Hinteren Jamspitze zu gehen um den Tag noch auszunützen. Es geht erst flach und das letzte Stück ganz schön steil hinauf zum Jamjoch, welches wir um 13:10 erreichen. Von hier führt ein schöner Grat links hinüber in Richtung Vordere Jamspitze. Wir überqueren ein kurzes steiles Schneefeld und kurz darauf sind wir auch schon auf der Hinteren Jamspitze (3156m). Es ist 13:35 und wir genießen den Blick vom Gipfel  hinüber zum Piz Buin und zur Dreiländer Spitze. Nachdem uns der Wind etwas zu kalt wird steigen wir gleich wieder ab und machen erst weiter unten am Gletscher eine Pause von einer ½ Stunde, ehe wir um 14:40 ganz alleine weiter über den Jamtalferner zur Jamtalhütte absteigen. Das Ende des Jamtalferner (ca. 2660m) erreichen wir um 15:30 und um 17:00 kommen wir nach einer super Tagesetappe bei der Jamtalhütte (2165m) an. Wir warten lang, bis wir etwas zu trinken bekommen im „Alpengasthof“ Jamtalhütte. Nachdem wir uns an der Rezeption für die Nächtigung angemeldet hatten, die Lager und den Tisch fürs Abendessen zugeteilt bekommen haben, beschließen wir hier keine Nacht länger bleiben zu wollen. Die frisch gewaschenen und geschminkten Urlaubsgäste in Jeans und Bundfaltenhosen passen wohl nicht recht zu uns - oder wir nicht zu ihnen, denn möglicherweise sind unsere verschwitzten T-Shirts hier nicht das richtige Outfit beim Abendessen.

Der Vermunt Gletscher mit der Dreiländer Spitze (3197m). 3197m

Die Dreiländer Spitze

Gerhard und ich am Gipfel der Dreiländer Spitze (3197m).

 17. August: Um 7:45 verlassen wir den „Alpengasthof“ Jamtalhütte. Bei der Kreuzung zur Getschner Scharte (2104m) überlegen wir, welche Route wir einschlagen sollen. Wir entscheiden uns für den längeren Weg über das Totenfeld und die Haag Spitze. Das Wetter ist auch heute wieder wunderbar. Sehr steil geht es über einen Wiesenweg hinauf zum Totenfeld Gletscher – wir schwitzen nochmals ganz ordentlich am letzten Tag. Um 9:15 sind wir am Gletscher. Der Anstieg, vorbei an den Totennadeln ist sehr anstrengend und zugleich auch beeindruckend. Die Landschaft hier oben ist fast noch schöner als an den Tagen zuvor. Wir sind von der Abgeschiedenheit und der Schönheit am Totenfeld Gletscher beeindruckt. Nachdem wir das kurze sehr steile Schneefeld hinauf zum Joch neben der Haag Spitze, von der Mittagssonne gezeichnet, erreicht haben (ca. 11 Uhr) sind wir um 11:45 bereits am Gipfel der Haag Spitze (3029m) – diesmal ganz allein. Von hier genießen wir noch einmal den herrlichen Blick auf die Berge der Silvrettagruppe. Bis 13:00 dauert unsere ausgiebige Mittagspause ehe wir uns auf die Suche (hier gibt’s noch keine Spuren) nach einem geeigneten Abstiegsweg ins Bieltal machen. Wir kommen gut über den steilen (ca. 35°) Bieltalferner hinunter und legen um 13:45 zum letzten mal unsere Gletscherausrüstung ab. Von 14:00 bis 16:00 geht’s gemütlich im wunderschönen Bieltal entlang des Bieltal Baches zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour, dem Parkplatz auf der Bielerhöhe (2036m).

ca. 2900m Am Rückweg zur Bielerhöhe.
Am Totenfeld Im Bieltal

 

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