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ZUM JUBILÄUM „HUNDERT JAHRE TRANSALPINA“:
1900/01-1906/09.
Eine offene Geschichte...

 

I: Vorbemerkungen.

Zwischen 1900/01 und 1906/09 wurden in Österreich mehrere „Alpenbahnen“ errichtet, welche den Seehafen Triest mit einem neuen, weitläufigen Hinterland(bes. Süddeutschland/Bayern und Böhmen/Mähren) ausstatten sollten. Für dieses technisch großartige Projekt bürgerte sich besonders im italienischen Sprachraum der kompakte Begriff „Transalpina“ ein, welcher auch hier verwendet werden soll.(1)

Folgende Bahnen wurden errichtet:

1) Tauernbahn (Schwarzach-St. Veit - Spittal-Millstättersee); 1901-1909.

Tauerntunnel: 8551 m.

2) Pyhrnbahn (Klaus-Selzthal, Anschluß an die lokale Kremstal-Bahn); 1901-1906.

Bosrucktunnel: 4766 m.

3) Karawankenbahn (Villach/Klagenfurt-Rosenbach-Aßling); 1901-1906.

Karawankentunnel: 7976 m

4) Wocheinerbahn (Aßling-W.Feistritz-Görz); 1900-1905/06.

Koblatunnel: 6339 m

5) Karstbahn (Görz-Triest); 1901-1906.

    Längster Tunnel: „Revoltella-Tunnel“(1269 m) zw. Opcina und Triest.

 

Diese Karte zeigt v.a. den Verlauf und das einstige Einzugsgebiet der „Neuen österreichischen Alpenbahnen“:

Copyright: Elmar Oberegger

Nach dem Ende des Ersten, besonders aber des Zweiten Weltkrieges wurde die politische Landkarte Mitteleuropas neu gezeichnet. Der „Eiserne Vorhang“ hat das Phänomen „Mitteleuropa“ eigentlich zerstört.

Davon blieb natürlich auch die Bedeutungsgeschichte der oben dargestellten Linien nicht unberührt. Besonders schlimm hat es letzten Endes die Abschnitte Klagenfurt-Rosenbach(= Karawankenbahn) und Kreplje-Repentabor-V.Opicina(= Karstbahn) erwischt.

 

II: Kritische Bemerkungen.

Angesichts der heutigen, in Partikular-Interessen zerfallenen, also „postmodernen“ Gesellschaft durfte man sich von vorne herein nicht allzuviel vom „Jubiläumsjahr 2006“ erwarten.

Die Führung eines Sonderzuges von Prag nach Triest(Prag-Linz-Selzthal-Klagenfurt-B.Bistrica-N.Gorica-Trieste C.M., s. Karte) schien ja von vorne herein ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Obwohl: Heute, im „Vereinigten Europa“ wäre die Realisierung eines solchen Projektes grundsätzlich weitaus leichter gefallen als zu Zeiten des „Eisernen Vorhangs“!

Es bleibt allerdings die Hoffnung, daß ein Großprojekt dieser Art anläßlich des Jubiläums „100 Jahre Tauernbahn(2009)“ umgesetzt werden wird. Betrachtet man allein das historische Engagement anläßlich der Feier „100 Jahre Tauernbahn-Nordrampe“(Schwarzach-St. Veit - Tauerntunnel Nord), so erscheint diese sicherlich nicht als unbegründet. Am 18. September 2005 hatte unter größtem Aufwand eine „Historische Dampflokfahrt“ stattgefunden, schon 2004 war ein großes Buch zum Thema erschienen.(2)

 

II: Das Jubiläum „100 Jahre Pyhrnbahn“.

Am 18. Juni 2006 fand im Bereich des Bahnhofes Spital am Pyhrn eine große Feier statt, welche vor allem von den ÖBB unterstützt wurde. Es wurden sowohl alte E-Loks ausgestellt, als auch die neue österreichische Hochleistungs-Lok namens „Taurus“(v-max.: 230 km/h). Für das leibliche Wohl sorgte ein freundliches Bierzelt. Der ORF setzte die Angelegenheit ins rechte öffentliche Licht.

Vor Ort war Herr Rudolf Lackner aus Windischgarsten, welcher sich schon seit Jahren intensiv um die Geschichte der Pyhrnbahn bemüht. Unter seiner Führung wurde einerseits schon vor langer Zeit ein „Pyhrnbahn-Museum“ am Bahnhof von Windischgarsten eröffnet, andererseits eine eindrucksvolle Foto-Ausstellung im dortigen Warteraum. Bis zum 3. September 2006 lief in Windischgarsten eine letztlich von ihm initiierte „Sonder-Ausstellung zur Geschichte der Pyhrnbahn“.

Plakat zur Sonder-Ausstellung „100 Jahre Pyhrnbahn“:

 

Aufgenommen am 24-07-06.

An der großen Feier in Spital am Pyhrn nahmen aber auch der international renommierte Kultur-Soziologe Prof. Dr. Roland Girtler und Dr. Elmar Oberegger teil, welche ihrerseits anläßlich des „100-Jahr-Jubiläums“ im Internet ein „Pyhrnbahn-Museum“ eröffnet haben.

Herr Prof. Dr. Girtler hat dieses Internet-Pyhrnbahnmuseum thematisch v.a. durch die Bereitstellung von „Grillmayrs Erinnerungen“ bereichert. Der geistig höchst wache Zeitzeuge Emmerich Grillmayr(1890-1969) gibt uns einen hervorragenden historischen Einblick in die soziale Geschichte, welche mit dem Bau des „Bosruck-Tunnels“ verbunden war.

Am 19. August fand eine „Nostalgie-Fahrt“ auf der Pyhrnbahn statt, in Spital am Pyhrn wurden bis Anfang Oktober Dokumente und Materialien zur Baugeschichte des Bosruck-Tunnels ausgestellt.

Die publizistische Dimension des Jubiläums hielt sich jedoch leider in Grenzen: Weder die renommierte Zeitschrift „OÖ.Heimatblätter“ noch die u.a. eisenbahngeschichtlich orientierte oö.Landesausstellung 06 „Mit Kohle und Dampf“ nahmen sich - trotz mehrmaliger Einladung - des Themas an. Allein in den Zeitungen war das Thema teilweise präsent.

 

III: 100 Jahre Karawankenbahn.

Die „Karawanken-Bahn“ von Villach und Klagenfurt nach Jesenice(Aßling) in Slowenien wurde bis zum 30. September 1906 fertiggestellt.

Das Verhältnis zwischen Kärnten und Slowenien ist jedoch derart angespannt, daß die Idee, eine gemeinsame historische Dampfzug-Gedenkfahrt zu veranstalten, nicht an Boden gewinnen konnte.

Die Kärntner Eisenbahnfreunde waren jedoch keineswegs untätig: Am 20. August fand unter dem Titel „Nostalgie Total - 100 Jahre Karawankenbahn“ eine große Jubiläums-Fahrt statt.

 

IV: 100 Jahre „Bohinjska Proga“(Wocheinerbahn)/“Kraska Proga“(Karstbahn).

Da die „Wocheiner-Bahn“ mit ihrer Geschichte tief in der slowenischen Volksmentalität verankert ist, wurde bereits im Jahr 2004 das Jubiläum „100 Jahre Durchschlag im Kobla-Tunnel“(31. Mai 1904) feierlich begangen.

Kleine Bronze-Figur, welche anläßlich des „Durchschlages“ in höchst limitiertem Maß ausgegeben wurde:

Copyright: W.Menges

Heute bereits im Besitz des Eisenbahnmuseums Ljubljana.

Die Wocheinerbahn war eigentlich bereits im Sommer 1905 grundsätzlich fertiggestellt. Doch im August stürzte der „Bukovo-Tunnel“ ein. Die Reparatur-Arbeiten zogen sich schließlich bis ins Jahr 1906. Im Sommer desselben Jahres wurde die Linie schließlich offiziell eröffnet.

Somit ist es natürlich historisch angemessen, daß Slowenien das Jahr 2006 für das Jubiläum „100 Jahre Wocheinerbahn“ ausgewählt hat. Die Hauptfeier fand am 15. Juli im Bahnhof von Nova Gorica(Görz) statt. Daneben wurden schon im Vorfeld vielerlei „Sonder-Fahrten“ mit Dampf-Loks veranstaltet.

Das „Jubiläums-Dampf-Roß“ im Bahnhof Most na Soci(vorm. S.Lucia-Tolmein):

 

Copyright: Elmar Oberegger

Das Interesse der Bevölkerung war überaus groß!

Das Bahnhofsgebäude von Bohinjska Bistrica(Wocheiner Feistritz) wurde renoviert und beherbergte eine interessante historische Ausstellung.

Plakat zum Jubiläum „100 Jahre Wocheinerbahn“:

Auch in publizistischer Hinsicht wurde das Thema großzügig verarbeitet. Zu verweisen wäre etwa auf die interessante Broschüre „Okno v svet“(= „Fenster zur Welt“) von Marjana Zibert.(3)

Aus organisatorischen Gründen mußte das 100-Jahr-Jubiläum der Karst-Bahn(N.Gorica-Trieste) leider ausgeklammert werden.

Im Triester Eisenbahnmuseum „Campo Marzio“ lief allerdings eine interessante Ausstellung mit dem Titel „100 Jahre Transalpina“, wo auch die Geschichte der Karstbahn behandelt wurde.(4)

In Triest wurden bis zum 29. Oktober 2006 an Sonn- und Feiertagen historische Rundfahrten veranstaltet, welche für das Thema „Transalpina“ durchaus interessant waren.

Foulder „Rondo di Trieste“:

Trieste Campo Marzio-Rozzol-Villa Opicina-Aurisina-Trieste Centrale(& Retour).

 

to be continued...

 

Anmerkungen:

1) Vgl. dazu Elmar OBEREGGER: Transalpina. In: Zur Eisenbahngeschichte des Alpen-Donau-Adria-Raumes. -Internet 2006 ff.

2) Siehe Franz HOCHWARTER: 100 Jahre Tauernbahn. 1905-2005. Die Errichtung der Nordrampe Schwarzach-Bad Gastein. -St.Johann/Pg. 2004.

3) Vgl. Marjana ZIBERT: Okno v svet. Razstava ob 100-letnici bohinjske zeleznice. - Kranj 2006.

4) Museo Ferroviario di Trieste Campo Marzio, Via G.Cesare 1, Tel.: 040-37 94 185.

 

Copyright: Elmar Oberegger 2006.