GO NORTH - mit Ski durch Spitzbergen

Der Versuch von Hubert und Herbert Hortschitz das südliche Spitzbergen (Svalbard) nur mit Schlitten und Ski zu durchqueren.

 

Unter dem Polarhimmel, auf halben Weg zwischen Nordpol und norwegischem Festland, liegt das Inselreich Spitzbergen. Als wir in Longyearbyen ankommen herrscht sonniges Wetter und die Temperatur beträgt um die -15°C. Den ersten Tag verbringen wir um unser Material zu ordnen und die restlichen Sachen einzukaufen. Einen Tag später geht es los. Wir werden mit Motorschlitten zu unseren Ausgangspunkt gebracht. Beim Start am nächsten Tag sichten wir einen Eisbären in ca. 1,5km Entfernung. Kurz darauf ändert sich das Wetter, es wird viel wärmer, Nebel und leichter Schneefall setzten ein. Es ist wirklich kein gutes Gefühl wenn man nicht weiß ob uns nun der Eisbär verfolgt oder nicht, der Bär verschwindet im Nebel. Die Gehzeit beträgt pro Tag ca. 6 Stunden etwa 10km. Die Schlitten welche wir nachziehen haben um die 100kg, der Proviant alleine etwa 80kg, der Rest ist Ausrüstung. An der Lagerstelle beginnt die Arbeit, einer stellt das Zelt auf, man gräbt ein Loch aus wo es hingestellt wird, da es sonst ein aufkommender Sturm wegreißen könnte. Der andere baut eine Stolperdrahtfalle rund um das Zelt, eine Vorrichtung welche Schreckschusspatronen abschießt wenn Sie ausgelöst wird, um zu warnen wenn ein Eisbär kommt um einen zu fressen. Die ersten Tage geht es über einen Fjord, wir sehen jede Menge Bärenspuren, aber keinen Bär. In der 3. Nacht, am Fuße eines Gletschers ist es soweit. Um 02:00 reißt uns der Knall der Schreckschusspatronen aus dem Schlaf, als wir das Zelt öffnen steht ein riesiger Eisbär in ca. 20m Abstand vor uns. Wir schießen mit einer Leuchtpistole und einem Gewehr vor dem Bären in den Schnee. Dieser ist sichtlich erschrocken, dreht sich um und geht davon. Die Länge seiner Tatzen betrugen 35cm! Die nächsten Nächte schlafen wir sehr unruhig, da wir aber einen Gletscher hinaufgehen ist die Gefahr einen Eisbären zu treffen geringer, da sie hauptsächlich in Fjorde Robben jagen. Das Wetter wird immer schlechter, „White out" Schnee und Nebel, die Sicht beträgt nicht mehr als 5m. Auf der Passhöhe geraten wir in einen Schneesturm, der uns 3 Tage ins Zelt zwingt. Als der Schneesturm nachlässt sehen wir unser nächstes Problem, ca. 1m Neuschnee. Unmöglich um weiter Richtung Süden zu kommen, wir kehren um Richtung Norden. Obwohl das es bergab geht brauchen wir 3 Tage um 10km zurückzulegen. Auch unser Kocher lässt uns im Stich. Den Kochbenzin, welchen wir gekauft haben, hat die Pumpe zerstört. Bei dem Ersatzkocher den wir mitführen ist die Pumpe aber auch schon leicht beschädigt. Unsere einzige Chance den Notpeilsender der die Rettungseinheiten der Regierung aktiviert nicht zu benützen, ist zu einen Benzindepot zu kommen. Nach 2 Tagen, ohne etwas zu trinken und warmes zu essen, finden wir ein solch Depot. Wir tauschen das Benzin und der Kocher funktioniert, so dass wir weitermachen können. Das Wetter ist weiter bewölkt. Wir queren eine Gebirgskette über einen Pass ohne Zwischenfall und kommen wieder auf einen Fjord. Das Wetter wird immer schlechter und es fängt zu regnen an, dass am 78en Breitengrad wo es normal -20°C hat. Wir beschließen im Zelt zu bleiben bis das Wetter wieder besser wird. Auf einmal knallen wieder die Schreckschusspatronen der Stolperdrahtfalle. Es stehen 2 Eisbären, eine Mutter mit ihrem Kind vor uns. Der „kleine Bär" ist sehr aggressiv, wir schießen etliche male vor ihm in den Boden bevor er ganz gemächlich von uns zieht. Nun beschließen wir trotz des Regens weiter zuziehen, da eine kleine Berggräberstadt vor uns liegt. Als wir am Abend dort ankommen und im Hotel der Fluglinie um ein Zimmer fragen werden wir sehr unfreundlich abgewiesen. Wir bauen nun in unserer nassen Kleidung bei nun -5°C das Lager auf. Auch in den nächsten Tagen ändert sich das Wetter nicht, sehr viel Nebel, bewölkt, Schnee. Wir queren Passhöhen, Flussdeltas und Fjorde. Als wir unser Lager Nr. 25 aufschlagen wollen und um eine Ecke biegen, liegt ein Eisbär in einer Schneewechte ca. 10m vor uns. Als wir vor Schreck aufschreien, erschreckt auch der Bär so dass er von uns wegläuft. Nun legen wir noch Tempo zu und schauen das wir so schnell wie möglich wieder nach Lonyearbyen zurückkommen und erhöhen unser Tagespensum auf 18km. Am letzten Tag müssen wir noch über ein Flussdelta wo wir fast keinen Schnee oder Eis finden. Wir gehen mit den Ski durch Flüsse, das Eiswasser steht uns fast bis zu den Knien und brechen auch sonst mit den Ski ständig unter die Eisdecke. Wir waren 26 Tagen draußen unterwegs und haben nicht einen ½ Tag Sonnenschein gehabt. Als ich am nächsten Morgen aus dem Hotelzimmer schaue scheint die Sonne. That’s the North"

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