Tunze Skimmer Tuning
Ich muss gleich zu Anfang sagen, dass ich von der Qualität und der
Inovativität der Tunze
Geräte sehr überzeugt bin. Die Strömungspumpen
von Tunze sind ja quasi nicht zu übertreffen (außer man begibt sich in
noch höhere Preisregionen (z.Bsp. "Red Dragon").
Aus diesem Grund kaufte ich mir vor etwa einem halben Jahr auch, trotz
der vernichtenden Kritiken, die im Internet zu finden sind, einen
"Tunze Classic DOC Skimmer 9210". Zuerst war ich über die Winzigkeit
des Gerätes überrascht. Mir schwante böses.
Dann kam die Inbetriebnahme.
- Ich hörte böses. Der Abschäumer macht wirklich ein sehr lautes
Geräusch. Für den Einsatz im Wohnzimmer wird das wohl kritisch. Leider
habe ich dafür bis heute keine Lösung.
- Ich sah nichts böses. Die Abschäumleistung war minimal, nach
einer Woche war nur knapp 1 cm mittelmäßig dunkle Flüssigkeit in dem
Topf. Der mittlerweile sehr feste Schaum auf dem großen Deckel
verhinderte auch völlig eine Abfuhr des frischen Schaumes aus dem
Reaktionsrohr in den Schaumtopf. Der Abschäumer war also quasi
"eingefroren". Jetzt weiß ich natürlich, dass das an einer zu geringen
Luftzufuhr lag
Als eine Ursache für die geringe Abschäumleistung sah ich die von Tunze
angestrebte planktonschonende
Bauweise was ja prinzipiell nicht schlecht ist, wenn man das Plankton
schonen will/muss, aber im Sumpf eines Steinkorallenbeckens ist das
wohl nicht unbeding notwendig.
Erreicht wird das, indem das Wasser
ständig im Abschäumer umgewälzt wird und nur durch ein paar winzige
Schlitze durch "Molekular Ausgleichsdrücke" (Diffusion) Aquarienwasser
nach"strömt". Wie ineffektiv so etwas ist, sieht man an einem einfachen
Beispiel aus der normalen Welt: kippen Sie im Sommer, wenn es draußen
gleich warm ist wie in der Wohnung und kein Wind geht, nur ein kleines
Fenster. Wenn Sie gerade das Mittagessen kochen, oder paar Leute
eingeladen haben und ev. jemand raucht, werden sie früher oder später
das Gefühl haben, zu ersticken. Aber es kann kein Rabe hereinfliegen
und in den Suppentopf fallen und sterben (siehe Plankton).
Wird ein solcher Abschäumer im Aquarium betrieben wird sicher durch die
Strömung genügend Frischwasser eingespült um eine ausreichende
Abschäumleistung zu gewährleisten (vergleiche: Wind geht und bläst
Frischluft in die Wohnung).
Wenn sie den Abschäumer direkt im
Aquarium betreiben sollten sie den ersten Punkt NICHT !!! durchführen!!!
1.) entfernen Sie den Deckel unter der Turbelle! Dadurch kann frischens
Wasser ungehindert nachfließen, allerdings auch Plankton vermehrt in
den Abschäumer gelangen! Dieser Eingriff ist ohne irgendwelche
Umbauarbeiten möglich. Wenn Sie den Abschäumer direkt im Aquarium
betreiben wäre das natürlich blanker Wahnsinn, da auch Fische, Garnelen
und Korallen (hauptsächlich Anemonen) in den Abschäumer gelangen
könnten!
2.) Damit der Schaum im Topf möglichst schnell zerfällt kann oder
besser sollte man die Innenseite der Topfaußenwand mit Vaseline (oder
einem ähnlichen Fett) eincremen. Der Schaum, der in den Topf gelangt
zerplatzt bei Kontakt mit der Vaseline sofort und es wird Platz für den
frischen Schaum gemacht. Achten Sie aber darauf, dass kein Fett in die
Näche des Reaktionsrohres oder auf den Deckel gelangt, sonst ist es aus
mit der Abschäumerei.
Etwa 2 Jahre lang verwendete ich anstatt der Vaseline normale Margarine
(Rama). Das Problem dabei ist aber, dass sie nach ein paar Wochen zu
schimmeln beginnt.
Dieser Punkt kann bei jedem anderen Abschäumer auch angewendet werden.
Bei meinem Aqua Medic Midiflotor war das sogar zwingend notwendig, da
der zähe Schaum erst durch die Luftlöcher quoll und meist etwa einen
Tag später den Deckel
aushob.
Die richtige Lufteinstellung
Anders als bei anderen Abschäumern sollte man hier unbedingt vermeiden,
dass der Schaum zu zähe wird. Durch die große Öffnung des Rohres ist
der Druck sehr gering und deswegen kann der Schaum nicht mehr in den
Topf hinausgedrückt werden. Als Richtwert nehme ich folgendes an:
Ich stelle die Luftmenge so ein, dass der Abschäumer am ersten Tag noch
definitiv zu feucht abschäumt. Keine Panik wenn in den ersten Minuten
der Schaum wie aus einer überlaufenden Sektflasche ausströmt. Nach ein
paar Stunden sollte sich das einigermaßen gelegt haben. Am zweiten Tag
wird dann 1-2 mal pro Minute eine große Schaumblase den Schaum am
Deckel von innen nach außen wegdrücken und somit in den Abschäumertopf
befördern. Nach 2-3 Tagen wird dann immer etwas an leicht zähem Schaum
am Deckel über dem Rand des Reaktionsrohres kleben, in der Deckelmitte
ist dann aber meistens die Fläche schaumfrei. Am 4. bis 5. Tag wird der
Deckel mit Schaum völlig bedeckt sein, allerdings sollte mittlerweile
der Topf
auch zu mehr als der Hälfte mit dunkler Brühe gefüllt sein.
richtige Schaumtopfreinigung
Also Zeit zum Ausleeren, Deckel säubern, Reaktionsrohr innen reinigen
(eine alte Zahbürste ist hier ideal). und den Schaumtopf mit warmem
aber nicht heißen Wasser (die Margarine schmilzt sonst und verteilt
sich überall) ausspülen. Vorsicht! von diesem Wasser sollte nichts in
das Reaktionsrohr gelangen (Fett!).
Alle 1-2 Monate sollte dann der Schaumtopf mit einem Geschirrspülmittel
blitzblank gereinigt werden. Wenn das Geschirrspülmittel sorgfältig
abgespült ist, wasche ich den Topf nochmals mit einer unparfümierten
Seife ohne Hautpflegemittel (Haushaltsseife) um die
Geschirrspülmittelreste loszuwerden und spüle dann nochmals mit heißem
Wasser nach um die Seife rückstandslos abzuwaschen. Ich bin zu dem
Ergebniss gekommen, dass man das Reaktionsrohr niemals mit den Fingern
auswaschen sollte, auch nicht, wenn man Seife verwendet. Die Hautfette
sorgen dann für ein bis zwei abschäumfreie Tage.
Der Topf kann nach dem abtrocknen wieder eingefettet werden und ist
wieder
funktionstüchtig.
Dieses Verfahren wendete ich bei meinem Aqua Medic Midiflotor
erfolgreich an und jetzt bei meinem Tunze DOC 230.
Fazit
Klinkt zwar etwas aufwändig, ist es aber nicht. Wenn man einen relativ
kleinen Abschäumer gut pflegt und hier und da etwas auf die Sprünge
hilft, kann er sogar größere und teurere Geräte übertreffen.