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    BACKLASH AUF KATHOLISCH

    Aktuelles aus Österreich

    Immer dann, wenn um 9.00 Uhr in der Früh am letzten Samstag im Monat in der Grossen Sperlgasse im 2. Wiener Gemeindebezirk die laute Kundgebungs-Parole "Fischer ist ein Terrorist" durch die Gasse hallt, ist wieder einmal "MAIRO-Time". Für die AktivistInnen, die seit mehr als einem Jahr vor der Klinik das Recht auf Selbstbestimmung der Frauen über ihren Körper und ihr Leben, also (auch) das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch verteidigen ebenso, wie für die AktivistInnen der österreichischen Niederlassung der riesigen, internationalen Anti-Abtreibungs-, Anti-Aufklärungs- und Anti-Verhütungsorganisation Human Life International, die da ihre Gebetsprozession, von der Kirche der Barmherzigen Brüder in der Taborstraße kommend, vor die Abtreibungsklinik LUCINA/MAIRO abziehen. Um dann bewaffnet mit ihren Gruselfotos in Sandwichform, einer auf Pappkarton aufgezogenen Marienstatuette, vis-a-vis der Klinik, verstärkt durch zahlreiche Walkie-Talkie-Geräte, laut zu beten und zu singen. Marienanbetung und täglicher, beinharter Einsatz soll die Abtreibung auch in Österreich, besonders in den privaten Kliniken, verunmöglichen. Dort sind Abbrüche nämlich halb so teuer wie in öffentlichen Spitälern! (Anmerkung: mit Beginn 2003 wurden in Wien auf Gemeinderatsbeschluss die Kosten für den Schwangerschaftsabbruch drastisch gesenkt, aber das Angebot nicht erhöht! So tätigt z.B. das Rudolfsspital lediglich 2 Abbrüche pro Tag, was einem Glücksspiel für die schwangeren Frauen gleichkommt...)

    Eigentlich hätten es die Pro-Lifer ja viel kürzer zum Ort des Gruppen-Gehsteig-Betens, denn die Organisation hat immerhin eine Wohnung für die AktivistInnen, die sonst täglich auf dem harten Straßenpflaster vor dem Eingang und Umgebung zur MAIRO ihre ungebetenen "Beratungen" an den Frauen durchführen, oberhalb der Klinik gekauft, aber nein, die Kirche muss sein. Denn das wohlerprobte Konzept für diese Art der "Öffentlichkeitsarbeit" stammt von Msgr. Philip J. Reilly, einem Geistlichen aus N.Y., der seit 30 Jahren gegen die Abtreibung in den USA angeht, und dabei auch schon öfters verhaftet wurde. Der Mann wurde extra von seinem Bischof für diese Tätigkeit abgestellt. Mittels HLI-Kämpfern breitete sich dieses Konzept in den letzten Jahren bereits in 15 europäischen Staaten aus. Zu erwähnen ist hier vor allem Italien: dort wird von diesen Leuten bereits vor mindestens 40 Krankenhäusern gearbeitet. Dass solches nicht ohne wohlgesonnene Leute in den jeweiligen Ländern möglich ist, liegt auf der Hand.

    Und damit sind wir bei einem wichtigen Punkt. Denn dieses rege "Beratungs"-Treiben wird international von den römisch-katholischen Kirchenspitzen gefördert und auch teilweise von Klerus und Kirche bezahlt. So kassiert Mag. Dietmar Fischer, leitender Funktionär der "Christlichen Allianz, JA zum Leben, HLI-Austria", Spenden für seine Aktivitäten von einem Drittel der österreichischen Priesterschaft, und die Anbetungskapellen in seinen "Lebenszentren" werden lt seinen Aussagen in einem Interview mit HLI von der Katholischen Kirche (wohl richtiger: den Kirchenbeitrags- und SteuerzahlerInnen) finanziert. Der Rest an dem vielen Geld, das benötigt wird für den Ankauf von Wohnungen, für die Anstellung der "Mütter" in Not und für die 2.200 € -Salärs für die AktivistInnen, wird angeblich durch Spenden und Zuwendungen von privaten Leuten abgedeckt.

    Die Geschichte über HLI und Reilly wäre eigentlich noch viel genauer zu erzählen... wenn frau im Internet recherchiert, so dauert es zwar ein Weilchen, bis sie drauf kommt, wer da mit wem in einer Flut von Pro-Life-Web-Sites in den USA verbandelt ist, aber sie kommt drauf. (Einige wichtige Web-Adressen finden sich im Anhang zu diesem Text).

    Warum die USA? Weil dort die Muttergesellschaft von Human Life International sitzt. HLI ist eine Organisation mit mindestens 25.000 Mitgliedern weltweit und mit 4000 von ihr trainierten AktivistInnen. Darüber hinaus existiert in den USA und Canada ein monströses Pro-Life-Movement, das mit mehr oder weniger ungustiösen Methoden gegen Frauen, die eine Abtreibung verlangen und gegen Anbieter von Schwangerschaftsabbrüchen vorgeht. Das Hauptmotiv für Leute dieses Schlages ist, dass sie die Abtreibungsgesetzgebung nirgendwo, wo der Schwangerschaftsabbruch gesetzlich ermöglicht wird, akzeptieren. Für Leute dieses Schlages gilt der sekulare Staat, also die Trennung von Religion und Staat, nicht, wenn es gegen ihre Interessen ist. Denn nur Gottes Gebot ist für sie ausschlaggebend. Und weil für manche dieser Leute "Gott" und Biblisches wichtiger zu sein scheint als alles andre, sind einige von ihnen auch schon auf die Idee gekommen, durch Brandstiftung, Sabotage, Bomben- und Mordanschläge auf Kliniken und deren Personal den Schwangerschaftsabbruch, pardon: "das Morden von unschuldigen Kindern im Mutterleib", zu unterbinden. In der Zwischenzeit wurde in den USA sogar ein grünes Ribbon kreiert, das den Gewalttaten dieser verhetzten und wahnsinnigen Leute als Zeichen und Aufruf ein Ende setzen soll. Trotzdem mussten die Kliniken und Praxen im Vorjahr mit einem Ansteigen des Bio-Terrorismus leben, die Rate von Anthrax-Drohbriefen ist merklich gestiegen.

    Zurück zur Situation in Österreich: Der im Alter von 43 Jahren zwangspensionierte vorarlberger HTL-Lehrer Mag. Dietmar Fischer war bereits 1992 in den USA zu HLI-Konferenzen eingeladen, um sich mit den Vordenkern und Entwicklern von effektivsten Methoden zur Bekämpfung der Abtreibung auszutauschen. Dort traf er auch Reilly. 1995/1996 übersiedelte er nach Wien, startete seine Arbeit mit einem kleinen Büro, und so richtig los ging es 1997. Denn einerseits fand in diesem Jahr der erste Jugend für das Leben "Pro-life-Marsch" durch ganz Österreich statt und andererseits startete auch Fischer seine Aktivitäten vor dem Ambulatorium für Schwangerenbetreuung am Fleischmarkt in der Wiener Innenstadt. (Und realita ging spätestens 1998, relativ unbemerkt von den Betroffenen, auch Fischers's Arbeit gegen die Klinik MAIRO, die sich damals noch in der Taborstraße 11b befand, los.) Seither findet tagtäglich die Belästigung der Frauen statt, die sich im Bereich beider Ambulatorien, aber auch einer Ordination im 7. Bezirk in der Gutenberggasse bewegen. Auch in verschiedenen Bundesländern gibt es bereits Niederlassungen. Jede Frau wird dort angemacht, keine kommt diesen emsigen Fanatikern aus. Soll sie auch nicht! Reilly weiß, was Frauen nicht wünschen! (Und die vor den Klinken abgestellten Securities können einen effizienten Schutz der Frauen gar nicht durchführen. Dafür sind sie aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit Betroffene von Anzeigen der Ja zum Leben/HLI AktivistInnen gegen sie).

    Alle "Sidewalk Counselors", wie sich diese Art der Tätigkeit nennt, bewegen sich haarscharf an der Grenze zum Illegalen. In den USA wird dazu auch prozessiert, was das Zeug hält. So ist z.B. auch der neue Präsident von Human Life International ein erfahrener Sidewalk Counselor und prozessiert mit einem US-amerikanischen Bundesstaat um sein Recht der Ausübung seiner "Meinungs"freiheit. Greift eine erboste, abtreibungswillige Frau in einer solchen Situation gar erzürnt zur Handtasche, um ihr Recht auf Meinungsfreiheit gegen die Belästiger durchzusetzen, wird dieser Akt unter "Gewalt gegen Pro-Lifer" auf der HLI-Website "statistisch" veröffentlicht. Die Techniken des Sidewalk Counseling haben verschiedene Urheber, aber nach Anleitung werden die gecounselten Frauen bedingungslos angequatscht, es werden ihnen Fotos von zerstückelten Embrios, die stark vergrößert sind, vorgehalten, Plastikembrios, Pamphlete, ... Sätze wie: Töte dein Baby nicht!", "Hast du nicht gehört, was hier in dieser Klinik letzte Woche passiert ist?", "werde nicht die Mutter eines toten Baby's!", etc gehören zum Repertoire.

    Die Europäische Zentrale von HLI ist selbstverständlich in Polen, wo der Papst herstammt. Und die deutschsprachige Zentrale liegt nicht im protestantischen Deutschland, sondern in der katholischen Schweiz. Die HLI Web-Seite ( www.humanlife.ch ) verrät ausführlichst, wer in Europa mit wem wo tätig ist, es ist dort auch zu lesen, dass im Oktober in Wien eine internationale HLI-Konferenz stattfinden wird.

    Jene Frauen und Männer, die gegen die Angriffe auf die Fristenlösung aktiv sind, haben alle Hände voll zu tun. Denn im August wird die zweite permanent gegen die Abtreibung tätige Organisation, "Jugend für das Leben", ihren jährlichen Marsch durch ganz Österreich veranstalten, mittels eines Ride for Life for the Right to Life. Abschluß dieser Action ist mit einer Messe und einem Konzert in Wien auf dem Stephansplatz.

    Was wieder einmal zeigt, dass der österreichische Klerus, bis hin zu den Bischöfen, an derartigen Aktivitäten durchaus interessiert und beteiligt ist. "Kommt alle mit! So rufen die "Jugendlichen" auf ihrer Homepage, die jener des "Kath.net" extrem ähnlich ist, allen zu. "Folgen wir dem Papst, wenn er sagt: Ihr macht die wichtigste Arbeit auf Erden! Folgen wir dem Aufruf der Mutter Theresa, wenn sie für uns betet, dass wir aufstehen werden für das Leben und für das ungeborene Kind!"

    Die Youngsters, unter Anleitung der erwachsenen, mehr oder weniger prominenten, selbsternannten Lebensschützer, können nämlich nie früh genug lernen, was es mit der Fristentötung (so nennt Jugend für das Leben die Fristenlösung in einem Bericht über das Abstimmungsergebnis in der Schweiz) auf sich hat!


    Was also tun?

    Das Aktionskomittee für das Selbstbestimmungsrecht der Frau ist ein Bündnis von parteilichen und von autonomen Feministinnen in Österreich. Es wird immer dann tätig, wenn Angriffe auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau im reproduktiven Bereich stattfinden und dieses Recht von den Frauen verteidigt werden muss.

    Forderungen zur aktuellen Situation der Umsetzung der Fristenlösung sind: Abtreibung raus aus dem Strafgesetz, sofort!
    Tabufreie Sexualaufklärung in den Schulen! Abtreibung und gesundheitsverträgliche Verhütungsmittel (für Männer und Frauen) auf Krankenschein!
    Abtreibung in allen öffentlichen Spitälern und in ganz Österreich!
    Reproduktive Forschung in Frauenhand! Änderung der gesetzlichen Regelung wie in Frankreich, wo Personen, die eine Frauen an einer von ihr verlangten Abtreibung behindern oder gar bedrohen, mit hohen Geldstrafen bzw. Gefängnis belegt werden.

    Abtreibung ist Frauenrecht!
    Kontakt:
    Selbstbestimmungsrechtderfrau@gmx.net


    Kampagne "Stoppt die radikalen Abtreibungsgegner - Frauenrechte verteidigen!"

    Info der SLP

    Einige Web-Adressen zum selbsttätigen Recherchieren

    Ein guter Magen ist aber Voraussetzung!

    PRO-LIFE Seiten:

      http://www.hli.org
      http://www.humanlife.ch
      http://www.youthforlife.net
      http://www.forerunner.com
      http://www.mttu.com (mit zahlreichen Links zu anderen Hardcore pro-life sites)
      http://www.prolifeaction.org/sidewalk_counseling_closed.htm
      http://www.interlife.org
      http://www.prolife.net
      Prisoners of christ


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