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Sonne GESCHICHTE GOTLANDS TEIL 2 Sonne

Die Stadt musste eine hohe Geldstrafe zahlen, weil sie ohne Zustimmung des Königs die Stadtmauer errichtet hatte, ihre Handelsprivilegien - der Sachsenherzog Heinrich der Löwe verlieh 1163 den Gotländern das Recht auf sicheren und zollfreien Handel in Sachsen, dafür sollten die Lübecker die gleichen Rechte in Visby nutzen können - jedoch mussten sie aufgeben. Die Bauern hatten verloren.

Ende des 13 Jhdts. war der Höhepunkt der Blütezeit, Visby war eine der größten Städte Nordeuropas mit ca 6000 bis 8000 Einwohnern. 1313 versuchte der schwedische König Birger Magnusson die jährlichen Tributzahlungen zu erhöhen, was ihm aber nicht gelang. Er wurde von den Gotländern gefangengenommen und musste die angestrebte Steuererhöhung zurücknehmen. Somit war das alte Schutzbündnis zwischen Schweden und Gotland zerbrochen. Die Händler jedoch wussten die starke Hanse auf ihrer Seite,die natürlich nichts dagegen hatte, noch größeren Einfluss in der Ostsee wahrzunehmen,die Bauern wiederum fanden einen Partner im Deutschen Ritterorden.

Mitte des 14.Jhdts dezimierte die Pest die Bevölkerung Gotlands um ca. ein Drittel, was einen starken Niedergang des Ostseehandels bedeutete. Lübeck wandte sich von Visby ab und das gemeinsame Siegel der Gotlandfahrer(Christuslamm mit Siegesfahne) wurde für ungültig erklärt.

Siegel der Gotlandfahrer

Lübeck war zum Rivalen geworden und versuchte, den ehemaligen Partner Visby loszuwerden, was aber erst 1525 endgültig gelang. 1361 brach der dänische König Valdemar Atterdag auf, um Gotland zu erobern. Dänemark war durch den starken Hansebund Gotlands mit Deutschland geschwächt, und Valdemar wollte Dänemark zur Großmacht in der Ostsee werden lassen. Gotland war immer noch sehr reich und Valdemars Überfall war sorgfältig geplant: Am 24.Juli überraschte er die Insel mit seinem Angriff und metzelte in wenigen Tagen die gotländischen Bauern nieder, während die gut bewaffnete Stadtbevölkerung auf der Stadtmauer stand und dem Morden zusah. Sie schlossen die Tore der Stadtmauer vor den verzweifelten Bauern und beobachteten die Ausrottung ihrer Handelskonkurrenten. Die Stadtbewohner selbst kauften sich durch hohen Tribut frei. Valdemars Soldaten plünderten die Stadt aus und raubten viele Schätze, die Bürger jedoch blieben verschont und kamen mit dem nackten Leben davon.

Einer der vielen Legenden nach hatte sich die Tochter des Goldschmieds Nils in den Dänenkönig verliebt(oder umgekehrt) und verriet ihm in einer Liebesnacht einen Geheimgang unter der Stadtmauer und gab somit die Stadt Visby den Eroberern preis. Zur Strafe wurde sie lebendig eingemauert, daher der Name "Jungfrauenturm" für den Turm kurz vor dem Ende der Stadtmauer nahe dem Meer.

1394, Gotland hatte sich kaum von den verheerenden Feldzügen der Dänen erholt, fielen die Vitalienbrüder in Gotland ein. Das waren Piraten, die den abgesetzten schwedischen König Albrecht von Mecklenburg gegen die Unionskönigin Margarethe von Dänemark unterstützten.Von Gotland aus unternahmen sie ihre weitausholenden Raubzüge. Sowohl die Hanse als auch der Deutsche Ritterorden fühlten sich in ihrem Handel sehr gestört und beschlossen, den Seeräubern den Garaus zu machen. Was auch gelang.

Nach der Vertreibung der Piraten übernahm der Deutsche Ritterorden für zehn Jahre die ehemalige (tributpflichtige) Schutzfunktion des schwedischen Königs, wobei es zu neuem Aufschwung kam. Die Steuern waren niedrig, Gotland wurde von erneuten Eroberungsversuchen durch die Dänen geschützt, und der Orden versuchte auch, Land- und Stadtbewohner miteinander auszusöhnen. 1408 verkaufte der Deutsche Ritterorden Gotland an Königin Margarethe von Dänemark, eine Tochter Valdemar Atterdags.

Erik von Pommern, Margarethes Nachfolger, konnte sich als Unionskönig nicht so recht durchsetzen, nacheinander wurde er aus allen schwedischen Reichen vertrieben. Er setzte sich auf Gotland fest und errichtete ein despotisches Regime. Er ließ Schloss Visborg bauen und dafür brauchte er Geld, viel Geld. Er erhöhte die Steuern enorm, zwang die Bevölkerung zu Fronarbeit am Schlossbau, ansonsten lebte er recht einträglich von der Seeräuberei - ganz so wie die Vitalienbrüder.

1449 belagerten die Schweden Erik von Pommern, er konnte jedoch fliehen. Trotzdem mussten sich die Schweden zurückziehen, somit blieb Gotland dänisch. In der Folge regierten dänische Lehnsherren die Insel. 1525 überfiel Lübeck Gotland, raubte, plünderte und zerstörte viele Kirchen. Schloss Visborg konnten sie aber nicht einnehmen. 1530 wurde die Reformation eingeführt und wenig später wurde Gotland ein eigenes Bistum. 1570 war dann endlich Frieden, Schweden erhob Anspruch auf die Insel, Gotland blieb jedoch weiter unter dänischer Lehnherrschaft. Erst 1645, als Schweden unter König Gustaf II Adolf zur Großmacht wurde und Dänemark eine Provinz nach der anderen dem ehemaligen (aber immer noch verfeindeten) Unionspartner abgeben musste, verzichtete Dänemark auf Gotland.

Gotland war nun schwedisch. Die Gotländer sahen das aber durchaus nicht als Befreiung vom dänischen Joch an, waren sie doch früher einmal unabhängig und nur durch ein Schutzbündnis mit Schweden verbunden gewesen. Gotland war für Schweden wirtschaftlich auch nicht von großer Bedeutung, da die Erträge aus der Landwirtschaft zum Lebensunterhalt der abgedankten Königin Kristina dienten. Auch später versuchten die Dänen Gotland wiederzuerobern, was aber nur für drei Jahre gelang (1676 - 1679). Dann mussten sie es an Schweden zurückgeben, nicht ohne vorher bei ihrem Abzug Schloss Visborg in die Luft zu sprengen, von dem kaum etwas übrigblieb. Danach war endlich Ruhe und die Insel konnte sich erholen.

Zaghaft wurde eine neue, eigene Handelsflotte aufgebaut, Lübeck kam wieder ins Spiel, und wieder zogen einige Kaufleute nach Visby. Nach dem Friedenschluss 1721 zu Nystad trat endlich eine längere Friedensperiode ein. Holz, Kalk und Teer wurde exportiert, und zahlreiche Kalköfen und Sägemühlen wurden gebaut. 1741 besuchte der schwedische Botaniker Carl von Linné die Insel und erforschte die ungewöhnliche Fauna. 1810 wurden die Ruinen unter Denkmalschutz gestellt und 1878 wurde die erste Eisenbahnlinie eröffnet ( Visby - Hemse).
In den beiden Weltkriegen lag das zum neutralen Schweden gehörende Gotland mitten im Kriegsgetümmel.

1945 brachte der schwedische Wohlfahrtsstaat einen stetigen Anstieg des Lebensstandards. 1995 wurde die Altstadt Visbys in die UNESCO World Heritage List aufgenommen.

Heute leben auf Gotland ca 58 000 Menschen, ca 22 000 davon in und um Visby.


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