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PERCHT,
HOLLE, HEL
Ur-Ahnin, Tödin
Mutter-Göttin
Berg-göttin
Waldfrau
Weber-Göttin
Wintergöttin
Seelenführerin
Unterweltgöttin
Himmlische Spinnerin
Hebamme in Leben und Tod
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Auch
diese Göttin hat viele Namen: Holda, Hulda, Holla, Hollermutter,
im Alpenraum auch unter Percht, Berchta, Berta; im nordeuropäischen
Sprachraum unter Hel, Huldre bekannt. Der Holunderstrauch
ist ihr Wohnort (Holuntar für Holunder
ist althochdeutsch und bedeutet Baum der Frau
Holle). In jedem Hollerstrauch wohnt der Geist der Percht.
Im Englischen heißt der Holunderstrauch Elder-Tree,
was Ahnenbaum heißt. Das althochdeutsche
perahta, von dem sich ihr Name herleitet,
bedeutet Leuchtende oder Glänzende.
Viele Städte und Straßennamen in Europa erinnern noch
heute an die Göttin: Holland, Helsinki, Perchtoldsdorf, Berchtesgarden
(Garten der Percht), Hollabrunn (Brunnen der Holle!), die Reinprechtsdorferstraße,
die Prechtlgasse und der Schwarzenbergplatz (Platz der schwarzen
Percht) in Wien; die Stadt Perg in Oberösterreich, deren Wappen
sogar die alten Farben der dreifaltigen Göttin zeigt: weiß,
rot, schwarz.
Sie wird oft auch mit Metall in Verbindung gebracht, vorzugsweise
mit Eisen (vermutlich, weil sie ja meistens in den Bergen wohnt
und dort viel Eisenvorkommen sind) und kommt daher in manchen Märchen
auch als Frau Eisen vor. Und so trägt
auch die Hauptstadt Burgenlands den Namen der Göttin: Eisenstadt.
Sie wohnt in Bergen, Höhlen, Brunnen und tiefe Mischwäldern.
Sie hütet das Spinnen und Weben, das Garn und das Korn - ein
Wollknäuel, das niemals zu Ende ist (außer du fragst
sie danach) ist eins ihrer Attribute. Sie wacht über die toten
Seelen und holt die Seelen der Sterbenden zu sich. Als Wintergöttin
sind die Rauhnächte (25.Dezember bis 6.Jänner) ihre Zeit:
Da kommt sie von den Bergen herab und sieht nach dem Rechten (sie
hat einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn!), wobei sie
nicht gerade zimperlich ist: Sie braust mit ihrem Wilden Heer wie
ein Sturm durch das Land: Sie erschreckt die Menschen, bestraft
freche und/oder brutale Männer, reißt Zäune und
Bäume um, lässt Fenster zerspringen; Betrunkene stößt
sie in den Straßengraben oder erschreckt sie zu Tode.
Frauen und Kinder beschützt sie aber. Wenn du
Angst hast, dann ruf sie, dann geht sie ein Weilchen mit dir, begleitet
dich, beschützt dich. Sie nimmt dir deine Angst und macht dich
wild und munter, regt dich zu aufregenden Aktionen an. Die Percht
steckt in jeder Frau kleine Lichter an!
Ein weiteres ihrer Attribute - die Spindel (siehe
Bild oben rechts) - weist sie als alte und mächtige Göttin
aus. Die Szene, in der das Mädchen mit der Spindel Wolle spinnt,
bis ihre Finger bluten und sie, nachdem sie in ihrer Verzweiflung
in den Brunnen springt, die Besinnung verliert, um schließlich
die Göttin selbst zu treffen und eine Weile bei ihr zu bleiben
und von ihr zu lernen, kommt in europäischen Märchen oft
vor. Spindel, Blut, Ohnmacht - woran erinnert das? Richtig, auch
Dornröschen ging diesen Weg, um in ihr Erwachsenenleben als
Frau initiiert zu werden...

In
den Rauhnächten darf nicht gewaschen, gesponnen, gewebt geputzt
etc werden, denn als Schutzgöttin der Frauen sorgt sie dafür,
dass diese nicht zuviel arbeiten.
Es gab und gibt auch den schönen Brauch, in den Rauhnächten
für die Percht und ihrem Gefolge im Freien Speisen in kleinen
Schüsseln hinzustellen (z.B eine Schüssel Milch oder Hirsebrei).
Sind die Schüsseln am nächsten Tag leer, ist das ein gutes
Zeichen, denn Frau Holle gilt auch als Beschützerin von Haus,
Hof und seinen Bewohnern. Außerdem speiste sie so in früheren
Zeiten die Ärmsten, denn was die Menschen für die Percht
und ihr wildes Gefolge vor die Tür stellten, holten die armen
Kinder in der Nacht ab. Wer ihren Wohnort, den Hollerstrauch
umschneidet, der zieht sich ihren Zorn zu (klar - wenn jemand deine
Wohnung zerstören würde, wärst du auch nicht gerade
froh!).
Die
Percht ist eine Göttin scheinbar voller Gegensätze: Manchmal
wird sie als wunderschöne Frau in langen weißen Gewändern
beschrieben, und dann wieder als hässliche Alte in zerlumpter
Kleidung und mit wirrem, zersaustem Haar dargestellt. Das eine Bild
(ganz oben links) weist sie als Wintergöttin aus, zu sehen
an der riesigen Schneeflocke. Ihre Jahreszeit ist der Winter - praktisch
jede/r in Europa kennt das Märchen,
in dem Frau Holle ihre Betten ausschüttelt und es somit auf
der Erde zu schneien beginnt! Sie steht also einerseits für
das Helle und Lichte, aber auch für das Dunkle, die Zerstörung,
den Tod... Darauf deutet auch ihr anderer Name hin: Hel, Hölle.
Sie ist ja auch Göttin der Unterwelt!
Aber vielleicht ist die Unterwelt (oft auch Anderswelt
genannt) gar nicht so dunkel und schrecklich, wie uns immer eingeredet
wurde. Der Spruch "Fahr zur Hölle!" ist also dann
vielleicht gar kein Fluch! Sondern eine gastfreundliche Einladung...
:-)
Am Land gab es bis in die 50er Jahre noch die traditionellen Perchtenläufe,
die dann einige Zeit nicht sooo modern waren und daher nicht mehr
durchgeführt wurden.
Doch immer mehr Orte erkannten und erkennen den touristischen Wert
solcher Veranstaltungen und führten die Perchtenläufe
zum großen Gaudium der Zuschauer wieder ein. Allerdings dürfen
(wahrscheinlich seit der Zeit der Hexenverbrennungen) bei diesen
Perchtenläufen nur Männer mitmachen, die sich dabei als
Frauen verkleiden: Sie tragen weibliche Masken und eine oder mehrere
Kaurimuscheln zieren ihre Schamgegend. Ich glaube allerdings nicht,
dass sie wissen, dass die Kaurimuschel ein altes Smbol für
die Vulva ist...
Ganz viel früher tanzten ausschließlich Frauen in den
Perchtennächten, lustvoll und wild, mit hohen Sprüngen
und lauten Juchzern, und zwar so lange, bis die Percht erschien.
Sie zeigte sich meist dadurch, dass sie höher oder weiter springen
konnte als die anderen Frauen.
Die Perchten-Tradition ist vielleicht die wichtigste, die wir uns
zurückholen sollten !
Geschichten von der Percht und anderen wilden Frauen gibts auf
den Seiten der Feministische
Mädchenschule Virginia Woolf.
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