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Sonne ERSTE REISE ZUR GÖTTIN IN DIE ANDERSWELT Sonne

Ich befinde mich gegenwärtig im 4.Stock eines Hauses und lasse mich von meiner Freundin mittels einer Ayurveda-Behandlung verwöhnen. Wir beschließen, eine Phantasiereise zu machen, eine Reise zur Göttin in die Anderswelt.

Ich schließe meine Augen und atme tief und ruhig. Ich spüre meine Füße/Beine/Arme/Hintern usw. wie sie auf dem Massagetisch aufliegen, spüre meinem Atem nach, ein-aus, ein-aus, ein-aus, und lasse kommende Gedanken weiterziehen und halte sie nicht fest. Ich konzentriere mich auf meinen Atem. So, die Reise kann beginnen.

Ich lasse mich Stockwerk für Stockwerk absinken, bis ich im Keller bin. Ein modriger, feuchter Geruch steigt in meine Nase, aber es ist angenehm kühl hier. Im Kellerboden befindet sich eine Tür mit einem schweren Schloss dran, welches nur lose baumelt. Ich öffne die Tür und sehe eine Wendeltreppe, die sich rechts nach unten dreht und auf der linken Seite ein dickes Tau zum Festhalten. Ich drehe mich auf der Treppe nach unten, die Felsstufen sind glatt, wie abgeschliffen, ausgetreten von den vielen anderen vor mir, die schon diese Treppe hier herunter gegangen sind. Ich taste mich an den Wänden und dem Tau entlang und gelange schließlich in eine Höhle, sieht so ähnlich aus wie eine Tropfsteinhöhle. Wunderschön ist es hier, weißes Licht leuchtet und an der Decke glitzern viele, viele Amethysten. In der Anderwelt, Unterwelt ist es überhaupt nicht so düster, wie ich mir das immer vorgestellt habe!

die Göttin

Ich trete vor einen Spiegel und sehe mein Gesicht: ein schwarzes Gesicht, wie verbranntes Papier, mein Kopf hat irgendwie eine Vogelform, und statt einer Nase habe ich einen Schnabel. Ich gehe nun weiter, überquere eine unterirdische Wiese und sehe einen Spalt im Fels. Da steht sie, die Göttin der Anderswelt, sie ist halb weiss, halb schwarz, die Teilung ist immer genau in der Mitte ihres Körpers, sie wechselt ständig die Farbe, wird dann endgültig schwarz. Sie winkt mich zu ihr. Ich folge ihr durch den Spalt, der immer schmäler wird und wir gelangen in eine weitere Höhle. Dort prasselt ein lustiges Feuer, schemenhaft kann ich einige Figuren erkennen, ah, hier sitzen meine Ahninnen und Ahnen am Feuer, ich höre ihren leisen Gesang, trommeln, rasseln, murmeln...Gerne würde ich mich dazusetzen, doch die Göttin ruft mich zu sich. Ich darf ihr eine Frage stellen, doch mir fällt eigentlich nichts 'wichtiges' ein, bloß 'banales':
Wie lebt es sich eigentlich hier herunten, so dunkel und hell zugleich? Ob die Göttin auch duscht? Hat sie ein Klo?

Sie will ein Geschenk von mir und ich muss erst mal nachdenken, was ich ihr schenken könnte. Ich biete ihr an, eine Zeichnung zu malen, doch sie möchte etwas, was ich ihr gleich geben kann. Ich überlege und zögere, mir fällt die Replik der Venus von Willendorf ein, und mein grauer Stoffelch, an beiden liegt mir sehr viel. Ich kann mich nicht entscheiden und schenke ihr daher beides. Venus und Elchi sind bei ihr sicher aufgehoben, sie wird sie gut behandeln, das weiß ich. Trotzdem fühle ich Trauer und Schmerz beim Zurücklassen des Elchis. "Pass gut auf ihn auf!" möchte ich ihr zurufen. Ja, hier geht's ihm gut. Ich komme ja auch wieder. Die Göttin nimmt meine Geschenke wortlos entgegen und reicht mir eine Schatulle (aus Kupfer? Bronze? Silber?). Ich berge das Geschenk in meinem Gewand. Ich trage so wie sie weite, wallende Kleidung, mittelalterliche Kleidung (bzw. was ich mir unter mittelalterlicher Kleidung halt vorstelle).

Ich muss nun umkehren, schlüpfe durch die Spalte, durch die ich gekommen bin, zurück über die Wiese zur ersten Höhle, wo die Amethysten hell glitzern und schaue nochmal in den Spiegel: Meine schwarze Haut ist stellenweise aufgebrochen, darunter schimmert neue, frische, rosige Gesichtshaut hervor. Ich denke an eine Schlange. Häutung.

Das Tau in der rechten Hand laufe ich die Wendeltreppe hinauf, schnell, immer schneller, bis ich bis zur Bodentür gelange. Ich werfe einen letzten Blick den Tunnel, die Wendeltreppe hinab und bin wieder im Keller. Liegend steige, nein, schwebe ich alle Stockwerke hinauf, bis zum 4.Stock, wo ich im Behandlungsraum gelange. Ich erinnere mich an das Geschenk der Göttin und öffne die Schatulle. Darin liegt ein Zettel, wo mit Bleistift drei Worte aufgeschrieben sind: Selbstbewusstsein, Liebe, Macht - wahrlich, ein mehr als großzügiges Geschenk!

Ich erwache, öffne meine Augen, strecke mich und gähne. Wieder da. Hellwach.


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