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Sonne ZWEITE REISE ZUR GÖTTIN IN DIE ANDERSWELT Sonne

Ich schließe meine Augen und atme tief und ruhig. Ich spüre meine Füße/Beine/Arme/Hintern usw. wie sie auf dem Boden aufliegen, spüre meinem Atem nach, ein-aus, ein-aus, ein-aus, und lasse kommende Gedanken weiterziehen und halte sie nicht fest. Ich konzentriere mich auf meinen Atem und fühle die Erde, auf der ich liege, fühle, wie sie mich hält und trägt.

Am Erdboden imaginiere ich eine Holztür, die ein Symbol zeigt, und in das Erdinnere führt.
Das Symbol kenne ich gut aus Schweden: in Nordeuropa wird es auf Straßenschildern u.ä. verwendet, um eine Sehenswürdigkeit anzuzeigen. So sieht es aus:

So, nun geht's die Treppe hinunter, meine Hand gleitet links über das Tau, immer weiter, die Treppe ist aus Stein gehauen und dreht sich nach rechts, spiralig geht's weiter tief nach unten. Unten angelangt entdecke ich in der Höhle einen Teich: Dunkel, kühl, verheißungsvoll liegt er da und lockt mich. Ich springe sofort hinein. Die anderen stehen bzw gehen um den Teich herum. Ich tauche. Dunkel und klar zugleich, kühl, angenehm kühl ist das Wasser. Dann sehe ich einen Gang bzw einen Tunnel, ich schwimme hinein. Dann ist das Wasser plötzlich fort und ich kann durch den Tunnel gehen, er ist gerade so hoch, dass ich aufrecht gehen kann.

Am Ende des Ganges steht SIE, dunkel, schwarz, nur schemenhaft erkennbar. Sie winkt mich mit gekrümmtem Zeigefinger zu sich - jaja, ich komm ja schon! - Hmmm, ein Geschenk, was soll ich ihr nur schenken? Wieder mal fällt mir nichts ein und fast bin ich schon stolz, dass ich so un-materiell und durchgeistigt bin, dass ich nichts habe, was mir echt fehlen würde, müsste ich es hergeben. Da deutet sie auf meine Silber-Halskette. "Nein, nicht die Kette!" schießt es mir durch den Kopf.

"Na, wohl doch noch nicht so ‚durchgeistigt', was?", grinst sie mich hämisch an. OK, ich gebe ihr halt die Kette, hänge sie ihr um den Hals, wo sowohl die Kette als auch die Göttin sofort zu schimmern und zu strahlen beginnen. Ich bemerke, dass die Göttin nun gar nicht mehr dunkel und schemenhaft wie zu Beginn ist: Sie trägt einen roten Mantel mit einem langen weißen Umhang. Ich kann auch ihr Gesicht erkennen, alles um sie herum strahlt, leuchtet. Und jetzt grunzt sie - laut und vernehmlich. Grunzt wie ein Schwein. Satt, fett und wohlig. Während ich noch überlege, ob sich das eigentlich für eine Göttin geziemt, muss ich auch schon lachen. Die Göttin grinst auch und sagt: "Eure Erhabenheit und Heiligkeit geht mir sowieso schon lang auf die Nerven, ihr Menschen seid immer so theatralisch!" Ich gluckse und kichere, die Göttin lacht wieder laut und satt.

Baubo

Baubo fällt mir ein, die Bauchgöttin ohne Kopf und Füße, die Göttin des Humors und der ordinären Witze, die auf einer Sau reitet, um sich fortbewegen; Baubo, die schließlich die Idee hatte, Demeter aufzuheitern und ins Leben zurückzuholen. Demeter war bekanntlicherweise vom Verlust ihrer Tochter Persephone an die Unterwelt so verzweifelt, dass sie die Erde verdorren ließ. Baubo ritt zu Demeter, tanzte wild, wackelte mit ihren Brüsten und erzählte ihr ein paar schmutzige Witze. Da sie ja keinen Mund hatte, ließ sie ihre Vagina sprechen: Sie hob ihr Kleid und grinste Demeter mit ihrer sprechenden Vagina an. Und weil das wirklich sehr witzig aussah, musste Demeter lachen und danach versprühte die Göttin wieder ihre gewohnte Kraft und Energie, und die Erde wurde wieder fruchtbar.

Auch die Göttin aus der Anderswelt und ich haben viel Spaß miteinander: wir kichern, grunzen und kugeln uns gemeinsam vor Lachen. Da dreht sie sich plötzlich um und geht; winkt mir noch zu. Ich fühle mich überrumpelt: zuerst grapscht sie sich meine Kette, und dann haut sie einfach ab?! "Und was ist mit mir?" rufe ich ihr hinterher - "wirst schon sehen, wirst schon sehen" grinst sie schelmisch und weg ist sie. Ich schlucke. Hm, starker Abgang…

Ich gehe den Tunnel zurück, der sich wieder mit Wasser füllt, ich schwimme, erreiche den Teich, in den ich abgetaucht bin. Zwei schlangenartige Wesen spielen da, die Körper der beiden sind so ineinander verwickelt, dass ich nicht sehe, was zu wem gehört. Die Form der beiden ineinander verschlungenen Wesen ist so wie das Symbol auf der Holztür. In der Mitte ist ein kleiner Zwischenraum, ein Loch, da tauche ich hindurch, tauche an die Wasseroberfläche, bin wieder oben: neben dem Teich in der Höhle. Jetzt die Treppe hinauf, schnell, schnell hinaufgedreht, durch die Holztür durch, rauf an die Erdoberfläche.

Ich atme tief und bin WIEDER DA.



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