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Sonne
REISE ZU MEINEN KRAFTTIEREN Sonne

Nach der Einführungsphase (gemütlich hinlegen, bewusstes Atmen, tiefe Entspannung) sitze ich auf einem großen Stein am Meer und frage nach meinem Stirnchakra-Tier. Wer kommt denn da? Zuerst glaube ich fast, es ist eine Spinne und erschrecke. Doch bei genauerem Hinsehen erkenne ich eine rote Krabbe, die mit ihren Scheren klappert. Alles riecht nach Meer und Salz.

Ich räkle und strecke mich gemütlich und lache. Die Krabbe krabbelt mir entgegen und ist offenbar ganz gut gelaunt: "Wenn du so frech grinst, dann zwick ich dich gleich in den Zeh!" Sie setzt sich auf meinen linken Oberschenkel und ich kann spüren, wie es ist, im Meer zu leben, wie es sich anfühlt, von Wellen überspült zu werden und mit ihnen zu tanzen, ich höre das Rauschen der Brandung und gleichzeitig auch die große Stille im Meer.

die  Krabbe - mein Stirnchakratier

Doch nun fühle ich auch Unruhe, Angst. Die Krabbe hat Angst, große Angst. Ihre Unbekümmertheit von vorhin ist wie weggeblasen. Als ich sie frage, wovor sie sich fürchtet, erzählt sie mir von den Fischern draußen am Meer. Sie fangen dich und kochen dich bei lebendigem Leib, erzählt sie. Dann essen sie dich auf. Ich erinnere mich, ja. Mitte August ist in Schweden Krebsfangzeit und in der Tat werden die Krebse lebendig ins kochende Wasser geworfen. Mir schaudert.

Ich versuche, die Krabbe zu beruhigen, fahre mit meinen Fingern vorsichtig über ihren Panzer, streichle sie, fühlt sich schön an. Hübsch ist sie, die Krabbe, mit ihren dunklen, glänzenden Kugelaugen, ständig sind ihre Fühler in Bewegung. Die Krabbe sucht Schutz und Zuflucht bei mir. Ich versichere ihr, dass ich sie weder kochen noch essen werde, dass sie bei mir sicher ist. Muss/will aber auch ehrlich zu ihr sein und gestehe ihr, dass ich schon mal Krebse gegessen habe...Ist aber schon sehr lange her!

Ich frage sie, ob sie mit mir mitkommen mag, denn ich möchte nun weitergehen. Sie nickt und will entweder in meiner Hosentasche oder in meinem Rucksack mitkommen. Ich spüre einerseits Erleichterung, weil sie den Fischern entkommen ist, fühle aber immer noch ihre Angst und Unruhe. Meine Familie, sagt die Krabbe, meine Schwestern und all die anderen, sie sind alle noch da draußen, und deutet mit ihren Scheren auf das Meer. Sie will sie nicht zurücklassen, um allein gerettet zu werden. Aber sie will auch überleben!

Ich kann ja nicht alle mitnehmen, das sind ja sicher hunderte! sage ich. Wieviel sind es denn überhaupt? Naja, so zwölf bis fünfzehn Verwandte hab ich da draußen, sagt die Krabbe. Weißt du was, sage ich, ich mach jetzt einfach meinen Rucksack auf, und wer mitkommen mag, soll einfach hineinhüpfen! Und da kommen sie und springen in meinen geöffneten Rucksack. Da der Rucksack nicht sooo groß ist, passen sie nicht mehr ganz hinein, und 'meine' Krabbe ist zuoberst und schaut aus dem Rucksack raus. Sie winkt und klappert fröhlich mit den Scheren. Wir fühlen uns alle sehr wohl miteinander. Ich freu mich, dass die Krabbe ausgerechnet mich ausgewählt hat.

Wir machen uns auf den Weg, und nach kurzer Zeit ist das nächste Tier da: eine Schlange. Liegt da ganz zusammengerollt und sieht wunderschön aus: gelb-grün schillert sie. Als wir näherkommen, richtet sich ihre Schwanzspitze auf, so wie bei einem lauschenden Hund. Wir begrüßen sie. Die Krabben und die Schlange scheinen sich gut zu kennen, was mich recht wundert, immerhin kommen sie ja aus ganz unterschiedlichen Lebensräumen: die Krabben aus dem Meer, die Schlange aus der Wüste. Viel Zeit zum Nachdenken darüber bleibt mir eh nicht, denn die Schlange schlängelt und ringelt sich um meine Beine und grinst mich an: "Ich wurl dich durch, bis dir schwindlich wird!"

die Schlange - mein Solarpelxus-Chakratier

Das klingt verheißungsvoll, muss ich zugeben, und das meine ich nicht zynisch.
" Ich bin giftig, ja sogar tödlich, für diejenigen, die mit mir nicht umgehen können!" teilt sie mir weiters mit. Ich glaube der Schlange auf's Wort - bestimmt kann kann sie durchaus gefährlich sein. Seltsamerweise habe ich aber keine Angst vor ihr und habe auch keinerlei Zweifel daran, dass wir gut umgehen können miteinander. Die Schlange nagt an meinem linken Oberarm und schielt dabei immer wieder herauf zu mir. Dann schlängelt sie sich herauf und knabbert ein wenig an meinem Ohrläppchen. Die Krabbe winkt aus dem Rucksack heraus und aus einer Laune heraus kitzle ich die Schlange ein wenig am Bauch. Sie muss kichern, und es ist kaum zu glauben, aber die Schlange ist doch tatsächlich kitzlig! Da müssen wir alle ziemlich lachen, tief aus dem Bauch heraus sprudelt wie eine lange zurückgehaltene Quelle das Lachen, hohoho, hahaha und hihihi. Die Schlange kriegt sich kaum mehr ein und als ich sie frage, wofür wir eigentlich einander brauchen, gluckst und prustet sie: "Meine Liebe, du brauchst noch viel mehr Lebenslust und Lachen, Kichern und Kudern! " Klar, das kann ich gut brauchen, und als ich sie frage, ob sie mitgeht, windet sie sich als Antwort wie ein Gürtel um meine Taille, verschränkt Kopf und Schwanzende. "Los geht's!", ruft sie vergnügt und so wandern wir ein Stück weiter am Strand entlang.

Und da ist schon das nächste Tier, scheint regelrecht auf uns gewartet zu haben: ein schwarzer Panther. Wunderschön, sein Fell glänzt in der Sonne und seine gelben Raubtieraugen funkeln. Er hat sehr lange Schnurrhaare. Mit lässigen, nein, lasziven Bewegungen schlendert er auf uns zu, schmiegt sich an mein Bein. Samtweiche Pfotis hat er - aber gefährlich! Er beißt mich in die Wade, sogar recht fest, denn es kommen ein paar Blutstropfen, die er aber sofort ganz sanft wegleckt. Mir fällt auf, dass alle Tiere Gefallen daran finde, an mir rumzuknabbern und -beißen. Der Panther schmiegt sich an mich, legt sich zu meinen Füßen, schnurrt ein wenig und - schläft ein. Schnurrig und süß wie eine Katze und ist doch ein gefährliches Raubtier! Eine Fliege landet auf seinem Rücken, mit einer Schwanzbewegung scheucht er sie weg. Ich streichle ihn, er hat soooo ein weiches Fell und ein breites Goscherl. Er ist eigentlich verdammt groß, ausgestreckt ist er sicher größer als ich. Er verbreitet Ruhe, Stille, Gelassenheit, Souveränität und Erhabenheit. Ich streichle ihn weiter. Ich glaube, er träumt was Schönes.

Dann habe ich eine Idee: Ich denke, die Krabben wären beim Panther sicher gut aufgehoben, er bietet sicherlich mehr Schutz als ich! Ich frage die anderen, was sie davon halten. Der Panther stimmt zu und die Krabben hüpfen aus dem Rucksack heraus und auf den Panther hinauf. Dort klammern sie sich am Fell fest, krabbeln herum und spielen Fangen. Der Panther blinzelt träge in die Sonne, döst und lässt alles mit machen. Die Krabben, die Schlange und der Panther kennen sich übrigens auch sehr gut. Aber mittlerweile wundert mich das nicht mehr.

Wir knotzen alle noch ein wenig faul herum, dann beschließen wir, weiter zu gehen. Alle zusammen. Da kommt eine Möwe aus der Luft und lässt sich kreischend auf meiner Schulter nieder. Mir ist sie ein wenig zu laut und sage ihr das auch. Ein wenig beleidigt steckt sie ihren Schnabel unter einen Flügel. Dann knabbert sie an meinem Ohr und sagt: "Sei auch mal laut! Schreien und schrill sein ist nämlich sehr schön!" Sie sitzt immer noch auf meiner Schulter, tippelt aber ganz unruhig immer von einem Bein aufs andere, fliegt ein Stück weg und lässt sich am Kopf vom Panther nieder. Eine Weile bleibt sie da sitzen und schunkelt bei jedem Schritt mit. Dann fliegt sie wieder eine Runde, kehrt zurück, ich habe das Gefühl, sie will mir was zeigen, mich an einen Ort locken.

Panthers Spuren im Sand

Wir gehen noch eine Weile, durch die atemberaubend schöne Landschaft: Meer, Karst, Felsen, Bäume, Sand. Links von mir schreitet würdevoll der Panther, in seinem Fell tummeln sich die Krabben, auf meiner Schulter sitzt die Möwe und um meine Taille wickelt sich die Schlange. Unwillkürlich muss ich an die Bremer Stadtmusikanten denken und muss lachen.

Die Möwe führt mich zu einem Höhleneingang. Sie flattert ganz aufgeregt umher, die Schlange schaut auch ganz neugierig. Alle wollen, dass ich da hineingehe. Panther, Möwe und Krabben warten draußen vor der Höhle auf mich, die Schlange kommt mit mir mit. Praktischerweise finde ich in meinem Rucksack einen Wollknäuel, von dem ich das eine Ende dem Panther gebe, das andere Ende halte ich in der Hand und wickle es beim Gehen in der Höhle ab. So kann ich wieder zurückfinden, falls ich mich verirren sollte. In der Höhle ist es dunkel, feucht, es riecht modrig. Ganz geheuer ist mir das nicht. Da rieche ich auf einmal Essen - da kocht jemand! Es riecht köstlich und seltsam zugleich, sehr verführerisch. Einerseits würde ich gern wissen, wer da in der Höhle wohnt und kocht, andererseits hab ich aber Todesangst. Geheimnis. Gefahr. Ist das eine Falle? Ich bitte die Schlange, die immer noch um meine Taille gewunden ist, um Rat und sie raunt mir zu: "Kehr um! Kehr um!" Ich drehe um und laufe hinaus. Ich spüre, dass auch die Schlange Angst hat, ich fühle, wie ihr Herz rasch klopft.

Puuuh, wieder draußen, Licht, Sonne, Luft. Da sitzen auch die anderen Tiere. Sie fragen mich, was ich gesehen habe und ich 'beichte', dass ich umgekehrt bin, weil ich solche Angst hatte. Ich bin mir jetzt ganz sicher, dass es für uns beide nicht gut gewesen wäre, wäre ich weitergegangen. Plötzlich geschieht etwas völlig Unerwartetes: Die Schlange reißt ihr Maul auf und verschluckt mich. Ich bin nun drin in ihr, wandere durch ihren Körper, betrachte ihre Wirbelsäule und sehe uns gleichzeitig von außen. Es sieht so aus wie in den Tierfilmen, wenn eine Schlange eine Maus als Ganzes runterwürgt und die Maus als Kugel langsam durch die Schlange wandert. Ich wandere also auch durch die Schlange, eigentlich ist es überhaupt nicht unangenehm, ich wandere und wundere mich und kaum bin ich ganz hinten an der Schwanzspitze angelangt, spuckt sie mich wieder aus.

die Möwe

So. Verdutzt sitze ich im Sand, schaue die anderen Tiere an, die herumsitzen, kichern und mir zuzwinkern. Offenbar hab ich was versäumt! "Na, hast wieder alles beinander?" fragt die Möwe. "Guat hast g'schmeckt!", verkündet die Schlange und wie zum Beweis rülpst sie laut und vernehmlich, grinst mich an. Ich bin immer noch sehr verwirrt, da sehe ich plötzlich, dass da ein paar Meter von mir entfernt meine Haut liegt. Ich habe mich gehäutet. Ich werde einigermaßen nervös, will mir die Haut, meinen Schutz, schnappen und wieder hineinschlüpfen, doch die Tiere raten mir einhellig: "Lass es liegen! Sei froh, dass du sie los bist!"

Es ist verdammt heiß. Die Sonne scheint so starkt, dass die Haut, die dort im Sand liegt, binnen kürzester Zeit verbrennt, wie ein Stück Papier in einer Feuersbrunst. Zum Schluss sind nur mehr ein paar Haut-Schnipsel da, ein kurzes Aufglühen, und der letzte Rest meiner alten Haut ist auch verbrannt. Ich schaue an mir herunter und betrachte meine neue Haut: dünn, rosa und sehr empfindlich sieht sie aus, geschält wie nach einem Sonnenbrand. Leicht verletzbar. Die Tiere kommen auf mich zu, der Panther schmiegt sich behutsam mit seinem weichen Fell an mich, die Krabbe zwickt mich ganz vorsichtig. Ich möchte mehr über meine Häutung wissen. Was bedeutet sie? Was habe ich abgeworfen? Wie soll ich damit umgehen?

Die Tiere sitzen im Kreis, tuscheln miteinander, beratschlagen sich: "Sagen wir ihr es?", "Nein, soll sie besser selbst rausfinden", "Naja, einen Tipp könnten wir ihr schon geben", usw usf. Ich sitze etwas abseits und komme mir schon ein wenig blöd vor. Ich habe das Gefühl, die Tiere kennen sich alle schon ewig und wüssten ganz genau, wer oder was da in der Höhle war, bloß ich kriege mal wieder nichts mit. Außerdem habe ich das ungute Gefühl, eine Probe nicht bestanden zu haben, bin aber doch sehr froh, mich auf den gut ausgebildeten Instinkt und den Rat der Schlange verlassen zu haben.

Die Tiere beschließen, mir über das Geheimnis in der Höhle und über meine Häutung nichts zu verraten. Der Panther kuschelt sich wieder an mich. Langsam werden die Tiere durchsichtig und lösen sich auf. Ich blinzle. Der rote Rucksack ist auch weg, den hat wohl der Panther mitgenommen...

Wieder wach, stehe ich auf und gehe hinaus. Ich fühle mich sehr glücklich, freue mich über meine neugewonnenen Freunde, deren Gegenwart immer noch deutlich spürbar ist, hüpfe durch die Straßen und summe ein selbsterfundenes Lied.

Ein paar Tage später habe ich in der Nacht einen Traum:
Der Panther, der mein Steißbein-Chakra-Tier ist, ist gekommen und hat mich ganz vorwurfsvoll angeschaut und gesagt:"Wie konntest du mich nur vergessen! Ich bin doch bei dir, seit du fünf Jahre alt bist!" Und dann ist er mir direkt in mein Herz gesprungen, hat es verschlungen (im Ganzen!) und hat sich an der Stelle, wo vorher mein Herz war, zusammengerollt.

Und da ist mir wieder alles eingefallen: Ich habe 1975, als ich fünf Jahre alt war, ein Stofftier bekommen, einen schwarzen Panther, den ich über alles geliebt habe. Ich bin dann ein paar Tage später in die Wohnung meiner Kindheit gefahren und hab den Stoffpanther wieder zu mir geholt...

Mein Panther und ich! 1977: mein Panther und ich...

Und nun ist der schwarze Panther mein Herz-Chakratier: er liegt da zusammengekuschelt und passt auf mein Herz auf...