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Beispiele » Ahninnen rufen und ehren
Für dieses Ritual müsst ihr zu zweit sein bzw Zweiergruppen
bilden. Immer zwei Frauen stehen sich gegenüber und legen jeweils
ihre ausgestreckten Hände auf die Schultern der anderen, dabei
schauen sich beide in die Augen. Zuerst spricht eine der beiden
Frauen den folgenden Text und die andere hört zu, danach macht
ihr dasselbe umgekehrt, also diejenige die zuerst zugehört
hat, spricht jetzt den Text und die andere hört zu.
"Du bist meine Zeugin: Ich rufe die Ahninnen,
die in meinem Blut leben und die Ahninnen, die meinen geistigen
Weg begleiten. Ich bin so alt wie die Schöpfung, in meinen
Adern rauscht das Meer und in meinen Knochen ruht uralter Stein.
Ich bin reines Bewusstsein auf seiner Reise durch das Leben. Ich
bin neugierig und ich werde nie aufhören, neugierig zu sein.
In meinem Blut leben jene Ahninnen, die mir ähnlich waren,
im Kessel meines menschlichen Geistes leben die Ahninnen, die mich
lieben und schützen. Ich befreie mich aus den Verstrickungen
von Schuld, Sühne und Angst und lebe ab sofort mein Leben in
Gelassenheit. Ich rufe die Ahninnen und Ahnen, die meine Freunde
sind und mir dabei helfen möchten, die Blutlinie und die Geistlinie
meiner Familie zu reinigen und zu heilen. Ich übernehme Verantwortung
über mein Leben. Steht mir bei, damit ich mit euch und meinen
Gefährten in dieser Welt und für diese Welt meine bestes
geben kann
".
Während ich meine Ahninnen rufe, verändert sich das Gesicht
meiner Partnerin/Zeugin: Ihre Lippen werden groß und breit,
schwulstig, die Nase verformt sich, die Augenbrauen tanzen im Gesicht
herum, die Augen kann ich fast gar nicht anschauen, die Haare stehen
in alle Seiten und Richtungen ab - struppig und zerfurcht sieht
sie aus. Das Gesicht erinnert mich an die Perchtenmasken, die seltsam
und zumeist erschreckend und furchterregend aussehen. Dann ist meine
Ahnin da: es ist meine Oma (die "Acher-Oma", wie wir sie
als Kinder nannten, ich habe sie immer sehr gemocht). Vor sieben
Jahren ist sie gestorben. Nun sieht sie genauso aus wie zu Lebzeiten,
ist aber bedeutend lustiger und fideler: Sie schwingt das Tanzbein,
hüpft durch die Gegend, fuchtelt mit ihrem Stock vor meiner
Nase herum (warum hat sie einen Stock? wundere ich mich - die Oma
hat doch nie einen Stock gehabt!) und stößt dabei immer
wieder laute Juchzer aus. Ich freue mich, dass es ihr gut geht und
dass sie so lustig ist, und nun bei mir ist. Seit ich den Geist
meiner Mutter erfolgreich verscheucht habe, habe ich mich doch ab
und zu etwas alleine gefühlt. Auch wenn das, was da war, beengend
und einschränkend war, hinterließ es doch eine gewisse
Leere. Aber jetzt bin ich nimmer allein, jetzt ist ja meine Oma
bei mir!
Später am Abend, ich liege schon im Bett, sitzt meine Ahnin,
die Oma, beim Tisch. Ich frage sie, ob sie vielleicht diesselbe
wäre wie die Göttin
aus der Anderswelt, die sich meine Halskette gekrallt hat. Meine
Oma sitzt bloß da und wackelt mit dem Kopf: "Find's raus,
find's raus" murmelt sie und gluckst
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