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Sedna


Sonne SEDNASonne
Meeresgöttin
Alte des Meeres
Königin der Tiefe
Königin der Stürme
Mutter aller Meergeschöpfe
Sedna mit ihren Robben und Walen

Spirale Sedna, auch Nuliajuk genannt, ist die wichtigste Göttin der Inuit. Ihre Gefährten sind die Robben und Wale, die gemeinsam mit ihr am Meeresboden sitzen. Sie ist in jedem Wassertropfen gegenwärtig und in jedem Fisch.

Die Inuit verehren Sedna als jene Göttin, die ihnen alle Jagdtiere bereithält - oder auch vorenthält - wenn sie ihre Gebote missachten. Sedna entscheidet, welches ihrer Tiere gefangen und gegessen werden darf und welches ihrer Tiere verschont werden muss. Sie mahnt die Jäger, nicht mehr zu fischen, als sie essen können. Über sinnloses Abschlachten ihrer Tiere wird sie sehr ungehalten: Dann entzieht sie den Überfluss aus den Netzen der Fischer und lässt das Meer toben und schickt einen gewaltigen Sturm. Oder sie holt einen Jäger oder eines seiner Familienmitglieder mit hinunter in die Tiefe. So verleiht Sedna ihrem Groll und ihrem Ärger Ausdruck. Deshalb sollten vor allem Jäger großen Resepkt vor ihr haben und sie ehren. Wenn schon lange kein Fang mehr gemacht wurde und die Inuit zu hungern beginnen, dann schicken sie ihren Schamanen zu Sedna, um sie zu besänftigen. Dazu muss der Schamane zu ihr hinunterschwimmen und ihr langes schwarzes Haar kämmen - das hat sie gern und beruhigt sie. Wenn die Sache gut gemacht wird, dann erlaubt sie den Inuit, von den Tieren des Meeres zu essen, die Jagd wird also erfolgreich sein. Wenn ein Jäger dann eine Robbe fängt, dann soll er etwas Wasser in das Maul des Tieres fallen lassen, als Geste des Dankes an Sedna und ihre Güte, dass sie ihm gestattet, mit ihren Tieren seine Familie zu nähren.

Sedna

SpiraleSednas Geschichte handelt von Vertrauen, Schmerz und Verrat. Besonders der zweifache Verrat ihres Vaters hat mich sehr berührt. Am Anfang der Geschichte ist Sedna noch in der Lage, diverse freiende Männer abzulehnen. Doch dann ändern sich die Machtverhältnisse. Der Vater scheint über die Fähigkeiten seiner Tochter bestens Bescheid zu wissen ("kocht und näht gut - prima Hausfrau", ich nehme an, sie führt ihm den Haushalt). Er verschachert seine Tochter wie ein Stück Vieh an den nächstbesten Mann, der des Weges kommt, einen Fremden, was ich mit einiger Mühe noch als 'guten Willen' des Vaters durchgehen lassen könnte: Er möchte nicht, dass seine Tochter hungern muss, und der Fremde sieht gut gekleidet und gut genährt aus und der Vater möchte Sedna gut versorgt wissen und er weiß ja nicht, dass der Fremde nicht gut zu Sedna sein wird. Gegen ihren Willen übergibt er sie dem Fremden. Als sie sehr unglücklich ist und nach ihrem Vater ruft (offenbar hat sie immer noch Vertrauen zu ihm!), bereut dieser zwar seine Tat und möchte seine Tochter wieder zurückholen. Doch hier passiert der zweite Verrat, den ich noch viel schlimmer als den ersten finde: Anstatt sie vor den Angriffen des Vogels (=ihrem Mann)zu schützen, gibt er sie nicht nur preis, sondern stößt sie sogar höchst persönlich aus dem Kajak und schlägt mit dem Paddel auf sie ein, um sein eigenes Leben zu retten. Er hat ihr Vertrauen missbraucht. Der Schmerz und die Wut über diesen Verrat erhalten Sedna am Leben - sie stirbt nicht, sondern macht eine Verwandlung durch: Aus der jungen Frau, die gutmütig und vertrauensselig von ihrem Vater überrumpelt und verraten wird, wird eine zornige, mächtige Göttin...

die tanzende Göttin

SpiraleHier Sednas Geschichte im Detail:

Einst war Sedna eine junge, wunderschöne Inuit-Frau, das bei ihrem Vater wohnte. Sie war wirklich sehr, sehr schön und viele Männer wollten sie gerne heiraten, doch sie wollte keinen, denn niemand gefiel ihr. So ging das einige Zeit, bis ihr Vater eines Tages sagte: "Sedna, wir haben nichts mehr zu essen und müssen bald hungern. Du solltest jetzt heiraten. Der nächste Jäger, der vorbeikommt und dich heiraten möchte, den musst du nehmen." Sedna ignorierte ihren Vater. Doch eines Tages kam ein sehr gut gekleideter Mann, dessen Gesicht aber nicht zu erkennen war, in die Gegend und Sednas Vater pries seine Tochter an: "Ich habe eine wunderschöne Tochter, sie kann kochen und nähen und gibt sicher eine erstklassige Ehe- und Hausfrau ab!" Sedna wurde unter großem Protest in den Kajak des fremden Mannes verfrachtet und die Reise ins neue Heim ging los. Bald kamen sie zu einer Insel und Sedna blickte sich um: Doch hier war schlichtweg nichts! Keine Hütte, kein Zelt, nur nackte Felsen und Steine. Der Jäger stand nun vor Sedna, nahm seinen Hut ab und lachte böse. Nun erkannte Sedna, dass ihr Ehemann kein Mensch, sondern ein verkleideter Rabe war. Sie schrie auf und wollte davonrennen, doch der Rabe schleppte sie zur Klippe. Sedna schaute ihr neues Heim an: ein Büschel Tierhaare und Federn, ausgebreitet auf kaltem Fels. Das einzige, was es zu essen gab, war Fisch, denn ihr Mann, der Rabe, brachte jeden Tag rohen Fisch von der Jagd. Sedna war sehr unglücklich und fühlte sich miserabel. Immer wieder weinte und schrie sie den Namen ihres Vaters in den Wind. Der heulende arktische Sturm trug ihre Klagen zu ihrem Vater, worauf dieser sich ziemlich schuldig fühlte für das, was er seiner Tochter angetan hatte. Er beschloss, sie zu retten. Er stieg in seinen Kajak und paddelte tagelang durch das eisige arktische Wasser. Als er ankam, stand Sedna gerade am Strand, sie umarmte ihren Vater und stieg in sein Kajak. Nach vielen Stunden bemerkte Sedna einen dunklen Schwarm am Himmel. Sie bekam Angst, denn sie vermutete, dass es ihr Mann war, der - böse und verärgert - nach ihr suchte. Und richtig: der große schwarze Rabe stürzte sich herab auf den Kajak. Sednas Vater nahm seinen Paddel und versuchte, den Vogel so zu vertreiben. Doch es half nichts. Immer wieder griff der Rabe an, das Meer wurde immer stürmischer, das Boot schleuderte hin und her und drohte zu kentern. Da bekam es der Vater ordentlich mit der Angst zu tun und er ergriff seine Tochter und warf sie über Bord in das eiskalte Meer. "Hier, nimm nur deine Frau, aber bitte tu mir nichts!" schrie er dem Raben zu. Sedna schrie und kämpfte sich ab, und als ihr Körper im eisigen Wasser taub und gefühllos wurde, schwamm sie zum Kajak und klammerte sich mit den Fingern an den Bootsrand. Ihr Vater, der voller Angst war und nur mehr an sich selbst dachte, hämmerte und schlug mit dem Paddel auf ihre Finger. Sedna schrie und bat ihn, damit aufzuhören, doch es war vergeblich. Ihre gefrorenen Finger zersprangen und fielen ins Meer. Als ihre Finger auf den Meeresgrund sanken, verwandelten sie sich in Robben. Sedna versuchte wieder verzweifelt, zu schwimmen und sich am Kajak ihres Vaters anzuklammern. Er schlug mit dem Paddel auf ihre Hände, die nun auch schon so gefroren waren, dass sie abbrachen und ins Meer fielen. Ihre Hände verwandelten sich in Wale und andere Meeressäugetiere. Sedna hatte nun keine Kraft mehr zu schwimmen und begann zu versinken. Sedna, verletzt und rasend vor Schmerz und Zorn über das, was ihr angetan worden war, starb aber nicht. Sie verwandelte sich und wurde zur Göttin des Meeres, und das ist sie auch noch heute...

 

 

 

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