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FRAUEN-KULTORTE
& KULTFRAUEN
Tempelmuseum Frauenberg/Steiermark
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Auch in Österreich gibt es eine Fülle von
matriarchalen Plätzen und Orten. Vor zwei Jahren, als ich wieder
Urlaub in der Südsteiermark machte, besuchte ich das Tempelmuseum
Frauenberg in der Nähe von Leibnitz.
Der Frauenberg ist seit der Jungsteinzeit besiedelt.
In dem von den Kelten bewohnten Gebiet haben die Römer um die
Jahrhundertwende (also das, was gemeinhin Christi
Geburt genannt wird) eine erste Siedlung errichtet, die von
Kaiser Titus Flavius Vespasianus zur Stadt erhoben wurde. In der
Bezeichnung Flavia Solva sind der Name
des Stadtgründers Flavia und der
Name des Flusses Sulm (Solva)
enthalten. Flavia Solva war das Siedlungszentrum der Steiermark.
Auf dem Frauenberg standen vermutlich zwei Tempelanlagen, die aus
der Zeit der Jahrhundertwende vom 1. zum 2. Jahrhundert stammen. 1951
wurde mit archäologische Grabungen begonnen, wo in Gestalt der
Umfassungsmauern des Isis-Noreia-Tempels die ältesten freistehenden
Mauerwerke der Steiermark freigelegt wurden. Darüber befand sich
im 18. Jahrhundert eine Schule.

Der Frauenberg war einer Muttergottheit gewidmet:
in den Überresten des Tempels wurde eine Inschrift gefunden,
die auf die ägyptische Göttin Isis
Noreia verweist. Die Ausmaße des Tempels auf dem Frauenberg
waren 20 mal 11 Meter. Nicht ganz die Hälfte davon war das
eigentliche Heiligtum, in deren Apsis wahrscheinlich eine Statue
der Göttin stand.
Vermutlich zerstörten christliche Missionare
den keltisch-römischen Isis-Noreia-Tempel, dessen Reste als
Ausgrabungen im sogenannten Tempelmuseum heute noch zu sehen sind.
Im Untergeschoß des Museums befinden sich steinerne Sakophage
und Grabdenkmäler, das Modell des Isis-Tempels I und einige
Architekturteile desselben. Auch das Kultbecken sowie dessen Altarstein
sind - neben vielen anderen Bruchstücken - zur Gänze erhalten
geblieben.

Später wurde aus dem Tempel eine Wallfahrtskirche,
die der Gottesmutter Maria gewidmet ist. Wie schwer sich die katholische
Kirche damit tut, dass früher in diesem Tempel eine Göttin
verehrt wurde und wie sie krampfhaft versucht, eine offensichtlich
weibliche Gottheit in den Christussohn
umzudeuten, zeigt dieser Auszug aus einer Predigt:
"Ist diese alte Kultstätte
heute ein Heiligtum der Gottesmutter, so hat das besondere Aussagekraft:
Die heidnische Göttin wird nicht durch Maria ersetzt! - Maria
ist nicht Göttin, sie ist Mutter Gottes. Die Frau an der Stelle
der Göttin verweist auf einen anderen, auf Jesus Christus,
den menschgewordenen Gottessohn. Sie anstelle der Göttin ist
ein Bekenntnis zu Jesus Christus. Er allein ist wahrer Gott und
wahrer Mensch."
Puh, ich musste das mehrmals lesen,
um es zu verstehen und kapier es immer noch nicht ganz: Die Frau
an der Stelle der Göttin (wer? Isis? Maria?) steht dort
also nicht, um die Gottesmutter (das sollte dann ja wohl Maria sein)
darzustellen, sondern sie steht dort, weil sie eigentlich auf ihren
Sohn Jesus verweisen soll. Aus der Göttin Isis wird zuerst
mal die Gottesmutter Maria (die ja selber nicht göttlich ist,
das ist bloß ihr Sohn) gemacht, und die wiederum stellt sich
auch nicht selber dar, sondern repräsentiert Jesus. Hm, klingt
echt logisch...
Wer sich das Tempelmuseum anschauen oder sich genauer
erkundigen möchte, hier die genaue Adresse:
Tempelmuseum Frauenberg
Seggauberg 17
A - 8430 Leibnitz
Telefon: +43 /3452/ 86 3 20
e-mail: tempelmuseum_frauenberg@aon.at
Öffnungszeiten April - Oktober:
Mo - Fr 10.00 - 12.00 Uhr u. 14.00 - 16.00 Uhr
Sa, So, Fei 10.00 - 17.00 Uhr u. nach Vereinbarung
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