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<Wenn es aber so ist, dass ein Produktionssystem etwa
10% Dinge macht, die es produzieren sollte und die man will, und der
Rest ist Reststoffe, dann kann irgendetwas mit dem Produktivitätsbegriff
nicht stimmen. Produktionssysteme die extrem hohe Reststoffanteile
haben, können meiner Ansicht nach nicht als produktiv bezeichnet
werden.>
Non
- Profit-Organisationen, ein dritter Sektor der Wirtschaft, eine Sendung
von Heidi Dumreicher:
Ein
Umwälzungsprozess ist in der Wirtschaft in Gang. Er betrifft das
Eigentum, die Interaktionsformen, die Politikformen. Ein Prozess, der in
seiner räumlichen Weite und seiner Eingriffstiefe größere Dimensionen
hat, als bisherige Umstrukturierungen. Die sozio-kulturelle Vielfalt
wird abgebaut, man bereitet sich auf den globalen Wettbewerb vor. Alle
werden dann in Zukunft um die gleichen Gegenstände in Konkurrenz treten
und vor Ort entsteht ein ungeheurer Modernisierungsdruck. Man sucht
Problemlösungen, ohne hinreichende Klärung des Problems.
Deshalb ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema
"Neue Wirtschaftsformen" wesentlich. Die Wirtschaft allein
wird die Fragen der neuen Organisation von Wirtschaft nicht lösen können.
Für die Betroffenen ist es oft schwer zwischen den realen Problemen und
ihren ideologischen Dimensionen zu unterscheiden. Im
Beschleunigungsprozess, den die Wirtschaft zur Zeit durchläuft, werden
oft angebliche Erfordernisse antizipiert, ohne das klar ist, wohin die
Massnahmen führen werden. Beispielsweise wird weltweit die Diversität
abgebaut, doch tatsächlich ist Diversität wichtig, auch und gerade für
die globale Leistungsfähigkeit. Diversität bedeutet Elastizität und
damit Krisenfestigkeit.
Während die etablierte Ökonomik nach wie vor einem Homo-Ökonomikus
festhält, dessen wirtschaftliche Tätigkeit ausschliesslich von monetären
Überlegungen geleitet wird, sind heterodoxe ökonomische Theorien im
Entstehen, die ihre Aufmerksamkeit den neuen Sektoren der Wirtschaft
zuwenden, in denen es nicht um Profitmaximierung geht. Von diesen
heterodoxen Ansätzen soll heute die Rede sein.
Wenn man von Wirtschaft spricht, dann denkt man meist an zwei
Institutionen, in denen sie sich abspielt. Markt einerseits, Staat
andererseits. Doch liegt dazwischen ein dritter Sektor, dessen Existenz
bisher vernachlässigt wurde, der Non-Profit-Sektor. Das

in Berlin hat es sich zur Aufgabe gestellt, Forschung
auf diesem Gebiet zu betreiben. Geschäftsführer ist der Politologe
Rupert Strachwitz.
Er beschreibt, dass hier ein ganz neuer
Wirtschaftsfaktor im Entstehen ist:
<Der
sogenannte Non-Profit-Sektor ist eigentlich nicht im entstehen, sondern
es hat ihn immer gegeben. Man hat ihn nur nicht gesehen, von Aussen. Man
hat immer vermutet, es gäbe den Staat, der sei für alles Öffentliche
zuständig, und es gäbe die Wirtschaft, die würde also alles Eigennützige,
Privatnützige regeln oder bearbeiten. Und erst über die letzten zehn,
zwanzig Jahre ist aus Amerika kommend die Einsicht gewachsen, dass es
dazwischen einen sehr eigenständigen Sektor gibt, der auch eigenen
Regeln folgt, der weder Staat noch Wirtschaft ist.
Der setzt sich zusammen aus den großen Wohlfahrtsverbänden, den
Stiftungen, den Kulturvereinen und vielen anderen Organisationen, und
der sich kaum verfasst. Es gibt keine zentrale Organisation, hat kein
großes Zusammengehörigkeitsgefühl, und es gibt ihn aber doch.>
Einige
Organisationen, die diesem dritten Sektor zuzuordnen sind, kennt die Öffentlichkeit.
Die "Caritas" etwa, oder grosse Umweltriesen wie
"Greenpeace" oder "Global 2000". Doch wichtiger als
Größe ist, so Strachwitz, die Vielzahl der kleinen Organisationen und
Vereine. Traditionell sind sie dem Dienstleistungssektor zugeordnet, und
machen Sozialarbeit oder Pflegearbeit. Doch immer wichtiger werden die
sogenannten Themenanwälte, englisch "Advocacy- Groups", die
öffentlich eintreten für Anliegen der Gesellschaft.
<Vereine
gibt’s ja enorm viele und das reicht vom Taubenzüchterverein bis zu
Organisationen wie Greenpeace oder Amnesty, sehr engagierten Themenanwälten,
bis zu Caritas mit ihren Dienstleistungen, oder bis zu den Förderstiftungen,
die Fördermittel für den Gemeinnützigen Bereich bereithalten. Dazu
gehören natürlich auch die Sportvereine, die für ihre Mitglieder
immer wichtiger werdende Leistungen erbringen, u.s.w.>
Wichtig
im Dritten Sektor, ist ein hohes Mass an Freiwilligkeit und die
Tatsache, dass sie autonom ihre eigenen Entscheidungen treffen. Bürgerinnen
und Bürger tun sich zusammen, das ist das Wesentliche. Ob es um einen
Taubenzüchterverein oder einen Fussballklub, oder um die
Wiederherstellung eines historischen Marktplatzes geht.
<Natürlich
wenn die nur am Eck stehen, "der Platz ist ein bisserl dreckig und
kehren wir da mal zusammen", da entsteht noch keine gemeinnützige
Organisation. Aber wenn die zusammenstehen und sagen," also der
Marktplatz, der ist so schön, eigentlich historisch, aber er verfällt,
jetzt tun wir da mal was in Gang setzten, damit der wieder restauriert
wird." Und dann werden die Bürger eingeladen, Mitglieder zu werden
in einem Verein, der sich dann vielleicht gründet. Und dann wird ein
Vorsitzender gewählt und wenn die Organisation Glück hat, ertrinkt sie
nicht in den Formalien und streitet sich nicht allzusehr um die Satzung
oder um die Funktion des dritten stellvertretenden Schatzmeisters,
sondern kommt wirklich ans arbeiten, und dann wird sie sehr schnell in
der Öffentlichkeit auch wirksam werden.
Dazu gibt es inzwischen, nachdem man vor dreissig Jahren solche
Organisationen grundsätzlich als Störenfriede abgetan hat, ja
inzwischen in der Gesellschaft einen Konsens, dass solche Organisationen
eine wichtige Aufgabe erfüllen und man verschafft ihnen auch durchaus
eine Plattform.>
Vereine
sind ein Vorfeld der Politik, so die Interprätation von Rupert
Strachwitz. Man lernt ein Anliegen zu verfolgen, von der Presserbeit über
das Organisieren von Veranstaltungen, bis zum "Fun-Raising".
Wesentlich für die Vereine ist auch, dass sie die Bedeutung des Lokalen
Agierens betonen. Die grossen Wirtschaftsunternehmen sind ja nicht
darauf angewiesen, was am Ort getan wird und für Mitbestimmung kaum zu
haben.
<Menschen
wollen aber gerne mitreden, bei Dingen mitentscheiden. Und dieser Wunsch
nach Mitentscheidung, der völlig legitim ist, der vollzieht sich zu
einem sehr hohen Anteil heute in solchen Organisationen, und ich glaube,
dass wird noch sehr viel wichtiger werden, wenn wir eine gesunde
Gesellschaftskultur entwickeln wollen. Also der Gesellschaft zum Umbau,
die Einrichtung einer Bürgergesellschaft wird sehr stark davon abhängen,
dass wir diesen Organisationen einen hohen Stellenwert einräumen.>
Manche
Dienstleistungen wechseln aus dem Non-Profit-Bereich in den Marktsektor
über, z.B. derzeit die Kranken- und Altenfürsorge. Das kann eine sehr
sinnvolle Entscheidung sein, denn für Strachwitz ist auch vom
Standpunkt der Gesellschaft aus, das wesentliche am Verein nicht so sehr
die Dienstleistung, also die Versorgung von Kranken in Spitälern,
sondern die zivilrechtliche Organisation von Vorhaben aller Art.
<Ob
das eine Haus gelb oder rosa angestrichen wird, dazu gibt es Fachleute,
die kann man dafür bezahlen, u.s.w. Aber diesen Impuls ingangsetzten,
dass kann man nicht bezahlen. Das kann man über den Markt nicht machen,
dass kann man nur, wenn sich Leute mit Herz und Verstand dafür
engagieren, die Zeit zur Verfügung stellen, die Zeit stiften, indem sie
ökonomische Überlegungen ausser Acht lassen und sagen, dass ist uns
aus ganz anderen Gründen wichtig, u.s.w.>
Wichtig
bei den Non-Profit-Organisationen ist vorallem neue Aufgaben
wahrzunehmen und neue Modelle zu entwickeln, oder vorzuleben. Es gab
eine Zeit, da war die Versorgung mit Krankenbetten mieserabel. Damals
war der Einsatz von kirchlichen Institutionen wesentlich. Heute kann die
Versorgung auch marktwirtschaftlich organisiert werden, und die Kirchen
können sich zurückziehen und neuen Aufgaben widmen. Beispielsweise der
Frage, wie die Arbeitswelt neu zu organisieren wäre. Dabei geht es
nicht so sehr um die Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern darum, ein
konkretes Gerechtigkeitsproblem zu lösen.
Vereinstätigkeit wird oft verniedlicht, ein Verschönerungsverein kommt
leicht in die Gelegenheit belächelt zu werden. Doch für Rupert
Strachwitz liegt die Bedeutung des Dritten Sektors darin, Ventil für
den "Wunsch nach Mitgestaltung" zu sein, und Übungsgelände für
demokratische Strukturen. Die angelsächsische Diskussionskultur hat im
kontinentalen Europa allerdings einiges voraus. Die netzartige Stuktur,
die als Nährboden dafür dient, sich um verschiedenste Dinge
anzunehmen, könnte Vorbild für den Dritten Sektor europaweit sein.
Community-Foundations sind ein Beispiel dafür, wie neue
Organisationsformen aussehen könnten. In München gibt es eine solche Bürgerstiftung,
die Stadtviertelarbeit betreibt und als Stiftung von vielen kleinen
Geldgebern getragen wird. Jugendfragen, Seniorenthemen, Stadtinitiativen
sind die vorrangigen Themen. Und für Strachwitz tragen sie zu einer
Kultur der Gemeinschaft bei, als Komplementär zur Globalisierung und
Europäisierung vieler Prozesse.
"Bedürfnisslogik
statt Konkurrenzlogik", könnte man einen gemeinsamen Nenner dieses
Dritten Sektors nennen, so Frank Elstner von der Universität Bremen,
Institut für institutionelle Ökonomik.
Und statt dem üblichen Nullsummenspiel, "dein Verlust ist mein
Gewinn", steht ein Plussummenspiel auf dem Programm, eine
Formulierung, die er vom Träger des alternativen Nobelpreises Hans
Peter Dürr übernimmt.
Ein Beispiel dafür kann man in Italien nachprüfen, das Projekt
"Drittes Italien","Terza Italia". Emilia Romania,
Toscana, Venedo, also das Italien dazwischen, zwischen dem traditionell
hochentwickelten Norden und dem nachhinkenden Süden, haben es geschafft
mit Hilfe ihrer traditionellen altindustriellen Struktur, von einer sehr
armen Region in zehn, fünfzehn Jahren zu einer der reichsten Regionen
in Italien zu werden, die mit ihren Produkten aus der Leder- und
Keramikindustrie weltmarktfähig ist.
<Die
Industrieseite bestand in wesentlichen Teilen aus Familienbetrieben, überwiegend
handwerksähnliche Betriebe, in der Größenordnung zwischen 20 bis 200
Beschäftigte, die sich nicht nur traditioenell als Zulieferer vernetzt
haben, sondern die angefangen gemeinsam gepoolt, Produktionnovation zu
machen. Sich zum Beispiel ganz massiv wechselseitg Lieferkredite gegeben
haben, sehr flexibel plötzlich ihre Beschäftigten auch ausgeliehen und
ausgetauscht haben, Maschinen ausgetauscht haben und sich ausgeliehen
haben.
Und das Ganze basierte im Prinzip auf einem regionalen Klima des
Vertrauens, auf allen Seiten. Im wesentlichen war es eine Akteursachse
von regionalen öffentlichen Akteuren und lokalen öffentlichen
Akteuren, also Kommunalverwaltung und der Regionalverwaltung, der Emilia
Romania hauptsächlich, mit Unternehmensnetzwerken. Also den spontanen
Organisationen dieser Mittelbetriebe, die also Verbünde gemacht haben,
z.B wie gesagt um Arbeitskräfte auszuleihen und zu poolen, um ihre
Maschinen zu poolen, um Technologie gemeinsam zu entwickeln, also
Innovationsverbünde.
Als dritter Akteur in diesen Netzwerkstrukturen waren die Gewerkschaften
interessanterweise, die es geschafft haben aus dieser klassischen
Gewerkschaftsorientierung in Italien, also "Unternehmer sind
Feinde" herauszukommen und zu sagen, wenn es eine regionale
Vernetzung gibt, mit einer "negotiated economy" oder
vereinbarten Ökonomie, also wo man drüber spricht, wie soll die
Einkommensverteilung aussehen, dann können alle Seiten, auch wir als
Gewerkschaft Vertrauen entwickeln, und das ist dann das Öl auf dem dann
plötzlich auch ganz viel läuft.>
Statt
eines Wettlauf nach unten, eines "Rais to Buttom", der sich für
Regionen verheerend auswirkt, ist mit "Terza Italia" ein
Modell entstanden, das Frank Elstner als Trichter für die Zukunft
bezeichnet. Der Export und Import von solchen neuen Modellen ist für
die Zukunft mindestens so wichtig, wie das erwirtschaften von Gewinnen.
<Was dann beschrieben wird, auch in der Literatur ganz
intensiv ist, dass man dann plötzlich sah, dass abends um zehn, in
einem Handwerksbetrieb der normale Arbeiter von der Maschine mit dem
Entwicklungsingenieur zusammen, diese Gruppen zusammensaßen und
Produkt- und Verfahrensinnovationen besprochen haben. Plötzlich
entstand eine ganz hohe Bindung, der Arbeitnehmer an die Region und eine
große Bereitschaft der Arbeitnehmer zur Flexibilität. was das
interessante daran auch ist, ein Gegenmodell eigentlich zur neoliberalen
Programmatik entwickelt worden ist. D.h., die Region hat sich saniert,
weil dieses vereinbarte Vertrauen plötzlich da war, und das war
sozusagen das Schmiermittel für den Modernisierungsprozess, d.h. Angst
vor Innovationen spielte plötzlich keine große Rolle mehr, wie wir es
ja oft sonst als Hinderungsgrund sehen, dafür das altindustrielle
Regionen sich modernisieren können, wobei ich Modernisierung jetzt
immer im besten Sinne des Wortes mein und nicht im neoliberalen
Weltmarkt.>
Unternehmen
die traditionellerweise auf Konkurrenz setzen, werden hier zu Partner
einer gemeinsamen Zukunft.
<Wenn
es einem Unternehmen schlecht geht, dann tun sich drei vier andere
Unternehmen, die sozusagen am engsten dran sind im größeren Netzwerk
zusammen, und helfen diesem Unternehmen. Und das sind Dinge, die man
sonst einfach gar nicht glauben mag, weil man sie so gar nicht kennt,
unter dem Aspekt des Gegeneinanders im Markt, aber da unter dem Aspekt
der Vernetzung hat dieses stattgefunden, wobei man sagen muss, auch die
ganz konventionellen Handelskammern haben da wesentlich mitgeholfen, plötzlich.
Und insofern sieht man auch, dass die Handelskammern dann auch eine ganz
andere Rolle bekommen, als Informationsbroker, aber eben auch als
Koordinatoren in einem flexiblen und sehr innovativen Prozess des
Miteinanders der Firmen.>
So
entstanden lokale Produktionskluster in bestimmten Gemeinden, wobei in
jeder Gegend eine gemeinsame Branche ganz massiv vertreten war, die dann
die überbetrieblichen Infrastrukturen gemeinsam nutzen konnte.
<Also
eine Forschungs- und Entwicklungskapazität gebündelt aus Betrieben,
also aus Entwicklungsingenieuren plus Leuten aus der nächsten
regionalen Universität, wurde dort in der Gemeinde installiert, mit
Hilfe der lokalen Akteure. Also ganz offene Strukturen plötzlich, das
Öffnen der Grenzen der traditionellen Unternehmen, und überhaupt das
Öffnen der Grenzen aller beteiligten Akteure, seien es die
Gewerkschaften, seien es die lokalen öffentlichen Akteure. Die
Handwerksbetriebe haben ihre Grenzen geöffnet und was auch intensiv da
festgestellt wurde ist, dass die Kollegen das normale Betriebsgeheimnis
preisgegeben haben, es gibt dieses "Cross-Lie-Sensinsing",
dass in der Erfindung die man im Zweifelsfalle hat und normalerweise zum
Patent anmelden würde, dass man diese Erfindung innerhalb des
Netzwerkes an die beteiligten Kooperanten weiterkommuniziert und das auf
Gegenseitigkeit, und das sind schon phänomenale Dinge, die da passiert
sind.>
Diese kooperative Wirtschaft brachte ganz neue Allianzen.
Sie war eine Schulung für die Gewerkschaften, ebenso für die
Unternehmen. Ein markantes Beispiel für die Möglichkeit der "negotiated
economy", als der transparent gesellschaftlich verhandelten Ökonomie.
Das Umdenken erreicht aber nicht minderheftig die Theoretiker, die
Forscher in den Universitäten. Als ich noch am monetären
volkswirtschaftlichen Gesamtsystem gearbeitet habe, hat mich die tatsächliche
Produktivität eines Systems noch nicht interessiert, berichtet Günther
Strassert vom Institut für Regionalwirtschaft in Karlsruhe. Dann
widmete er sich der Frage, wieviel gewünschte Produkte und wieviel
Reststoffe die moderne Industrie produziert und kam zu verheerenden
Ergebnissen. Die Industrie produziert zu 80 bis 90% Reststoffe und
dazwischen fallen dann auch ein paar Personenkraftwagen an. Inzwischen
ist Strassert auch dazu übergegangen, den Haushalt als wirtschaftliches
Unternehmen einzustufen, dessen Produktivität deutlich besser liegt,
auch wenn diese Behauptung noch schwer wissenschaftlich zu überprüfen
ist. Haushalt ist eigentlich das Urbild der Ökonomie.
<Einerseits
ist er der Ursprung der Ökonomie und unserer heutigen
Produktionswirtschaft, weil er alle Produktionstätigkeiten die heute in
Unternehmen durchgeführt werden im Haushalt hatten. Damals wurde ja in
der Familie alles hergestellt was man zum Leben braucht, und die
Arbeitsteilung hat sich ja dann erst im Laufe der Zeit der
Spezialisierung, ob Schuhe oder Kleider, entwickelt. Heute behandeln wir
den Haushalt oder die privaten Haushalte in der Statistik stiefmütterlich,
weil wir nicht so recht wissen, was wir damit anfangen sollen.
Zum einen gibt es die grosse Diskussion, dass in Haushalten auch
produziert wird, aber da liegt der Schwerpunkt der Diskussion darauf,
dass man die Haushaltsmitglieder anständig bezahlen muss, für ihre
Leistungen die sie erbringen. Weniger im Vordergrund steht der Aspekt,
dass der Haushalt eben eine Produktionseinheit ist, weil er wie jeder
andere Produktionsbetrieb auch transformiert, nämlich energetische und
stoffliche Inputs in andere energetische und stoffliche Outputs.
Insofern unterscheidet sich ein Haushalt, ob er klein oder gross ist, in
nichts von einem Produktionsbetrieb.>
Vom
Standpunkt des Ressourcenverbrauchs und des transformierens ist also ein
Haushalt ein Unternehmen.
<Alles
was der Haushalt an Nahrungsmitteln einkauft, einschliesslich Getränke,
Kleidungsstücke und alles was er Konsum nennt, benötigt, wird
transformiert und wird zu Reststoffen, feststoffart oder flüssiger Art
oder gasförmiger Art. Aus Nahrungsmitteln werden alle Arten von Fäkalien
und Reststoffen die man als Biomüll oder sonst wie entsorgt. Beim
Haushalten ist es ja nun sehr verbreitet alle möglichen Dinge ins Klo
zu spülen. Jedes Mal wenn man sich mit der Kanalisation in Städten
befasst, sieht man was Haushalte alles abgeben in dieses unterirdische
Kanalsystem.>
Das
machen Haushalte stofflich gesehen. Und das machen Unternehmen auch.
Problem: die einen machen es fürs Geld, die anderen unabhängig von der
Entlohnung. Während sich ein Unternehmen aber als Verwerter von
Rohstoffen definiert, wäre ein Haushalt mit einer solchen
Eigendefinition kaum einverstanden.
"Nein wir machen das, wie, ja warum denn?", in Diskussionen
die Strassert provozierte, stiess er auf grosse Sprachlosigkeit bei den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
<Die
drücken sich Drumherum, zu sagen, dass das was mit dem Lebenssinn zu
tun hat, den sie sehen. Wenn man fragt, warum hörst du die Musik die du
hörst, warum willst du diesen Tanz tanzen und der andere wird lieber
lesen, oder wandern, oder Schi fahren, das hat doch alles mit den
individuellen Auffassungen von dem Sinn des Lebens zu tun.
Um es jetzt wieder ökonomischer zu fassen, könnte man sagen, dass sie
durch all diese Aktivitäten in sich selbst investieren. Sie wollen sich
dadurch nicht nur eine Freude machen, sondern sie gehen doch studieren,
um ihre Kapazitäten, ihre Talente, ihre Fähigkeiten auszunutzen und
weiter zu entwickeln, um irgendwie selbst als Persönlichkeit eine
andere Qualitätsstufe zu erreichen. Und ich meine man könnte das in
Analogie sehen zu Investitionen die man macht, um das Sachkapital zu
verbessern, indem man es also qualitativ oder quantitativ verbessert. So
investieren die Haushalte mit all ihren Aktivitäten in sich selbst,
auch in ein Kapital, nämlich in das Humankapital.>
Frage:
Wieso ist die Erzeugung von Konsumgütern Hauptbestandteil der
Berechnung des Bruttonationalproduktes?
Zur
Erinnerung, das ist die Summe aller Dinge, die in einem Jahr produziert
werden und noch da sind. 50 bis 60% der statistisch erfassten Daten sind
Konsumgüter.
<Die Statistik unterscheidet da ja nicht, zwischen
Brillantringen und Baumwollunterhosen. Wenn ich richtig liege mit der
Interpretation, dass das was Haushalt an immateriellen Leistungen
erbringen, ob das gleichzusetzen ist mit Investitionen ins Humankapital,
dann müssen die Konsumgüter anders beurteilt werden, die können nur
dann im Sozialprodukt bleiben, wenn die Menge der Konsumgüter ein
passender Indikator ist für Investitionen ins Humankapital, und diesen
Zusammenhang kann ich nicht sehen.
Das würde ja heissen, habe ich mehr Konsumgüter gekauft, dann bin ich
auch talentierter und schlauer geworden. Man kann sich an der Konsumgütermenge
pro Haushalt ablesen, wie viel Investitionen ins Humankapital
stattgefunden haben, wie viel schlauer der Mensch geworden ist oder persönlich
oder charakterlich gefestigter ausgeübt oder gefördert hat. Dafür
kann doch die Konsumgütermenge überhaupt kein passender Indikator dafür
sein. Sondern da muss man sich was anderes ausdenken.>
Statt
der Konsumgüter, so Strassert, sollte die Leistung der Haushalte in das
Bruttosozialprodukt einbezogen werden. Mütter und Väter sind dann
nicht Haushaltsvorstände sondern Arbeitskräfte.
<Dann
gibt’s schon durchaus zahlreiche und detaillierte Schätzungen, wie
man z. B. die Leistung einer Hausfrau ermitteln und entlohnen kann,
indem man ihre Tätigkeit an einem Tag auffächert in Putzfrauentätigkeit,
in die Tätigkeit einer Köchin und die Tätigkeit einer Konkubine und
die Tätigkeit einer Kindererzieherin, und jedes Mal dafür Preise
bestimmt und das dann zusammenzählt. Doch, das gibt es tatsächlich
solche Rechnungen. Das Problem ist dabei, dass man bei dieser
Differenzierung zu immensen Zahlungen kommt, von denen man dann wieder
zurückschreckt, weil man sich nicht vorstellen kann wer das bezahlen
soll.>
Ob
Haushalte einen eigenen Sektor bilden, oder Teil des entstehenden
Dritten Sektor sind, darüber sind sich die Forscher noch nicht einig.
Non-Profit dürften sie aber wohl bleiben. Jedenfalls befinden wir uns
damit mitten in der Diskussion um die ehrenamtliche, freiwillige, bürgerschaftliche
Arbeit.
Ein Forschungsprojekt der Johns Hopkins Universität erfasst in über 20
Ländern weltweit dieses Phänomen, das im Steigen begriffen ist.
Eckehart Briller vom Wissenschaftszentrum Berlin:
<Wir
haben den gesamten Bereich der Erziehung auch der Weiterqualifizierung
und der Weiterbildung, das sind neue Tendenzen die sich gerade im
Bereich der Selbsthilfe zeigen, so dass wir hier neue Tätigkeitsfelder
haben und das lässt sich auch sehr deutlich in Zahlen ausdrücken.
Beispielsweise hat der Anteil der Bürger in Deutschland, der im Bereich
der Selbsthilfe aktiv ist, so ein Ausmass erreicht , wie der Anteil der
Bürger die Mitglied der Parteien sind.>
Selbsthilfe
meint in diesem Zusammenhang einerseits Gruppen, die gemeinsame
Probleme diskutieren, etwa Eltern behinderter Kinder. Meint aber im
Zeitalter der Arbeitslosigkeit auch immer mehr gemeinsam nach Jobs oder
Arbeitsprojekten zu suchen, oder auch solche zu gründen. Das
Ehrenamtliche darf aber nicht zum Ersatz für normale Erwerbsarbeit
dienen, oder dazu, dass der Staat Aufgaben die er nicht mehr finanzieren
will, jetzt auf billige weise auslagert.
<Wenn
wir beispielsweise ja davon ausgehen, dass sich in der Zukunft die
Arbeitszeit weiter verringern wird, dann haben die Bürger auch natürlich
mehr Zeit für andere Tätigkeiten und dadurch auch die Möglichkeit in
solchen Organisationen wirksam zu werden.>
Während
früher ein Sportwart praktisch lebenslänglich seinen ehrenamtlichen
Job ausführte und auch bei der freiwilligen Feuerwehr die
Mitgliedschaft über viele Jahre geht, zeichnet sich im Zeitalter der
Beschleunigung auch hier ein neuer Trend ab.
<Die
Leute möchten eher kurzfristig in Projekten mitarbeiten, sie möchten
eher mal wechseln, nicht mehr Mitglied in einer Organisation, in einem
Verein von der Wiege bis zur Bare sein, also sie möchten einfach die
Vielfalt stärker nutzen.>
Die
USA gelten in Sachen Freiwilligenarbeit oftmals als leuchtendes
Beispiel. Museen, Kirchen, Vogelzähler, ohne ehrenamtliche Tätigkeit,
wären sie alle nicht denkbar. Dafür gibt es, so Echart Briller
kulturelle Gründe.
<Wir
haben eine hohe Mobilität im Wohnverhalten, also die Leute ziehen sehr
oft um, wechseln sehr oft die Arbeit, und dieses Engagement in
Organisationen bedeutet oft auch die Möglichkeit um Kontakte
herzustellen, sich in die neue Gemeinschaft zu integrieren. Also sie
sind für meine Begriffe oft Ersatz für die fehlenden Kontakte in
anderen Bereichen.>
Die
Studie erhebt welche Argumente anführen, wenn man sie nach ihren Gründen
für ihre ehrenamtliche Tätigkeit fragt.
<Ein
häufiges Argument weshalb sich jemand engagiert, tritt in unseren
Befragungen auf, und heisst, "es macht Spass" und das denk ich
zeigt das schon, dass hier auch diese Komponente sehr wichtig angesehen
wird, das Zusammensein mit Gleichgesinnten oder Ähnlichgesinnten, die
gemeinsame Tätigkeit. Das sind sicherlich Faktoren, die hier eine
grosse Rolle spielen.>
Weitere
Nennungen: sich selbst verwirklichen, Leute treffen, Fähigkeiten und
Kenntnisse anwenden, etwas Neues lernen. Da soll jemand sagen, dass man
von der Beteiligung vom Non-Profit-Sektor nicht profitiert.
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