1911
GESCHICHTE DES KINO SCHÜSSLER
2009
 
Diashow zur Geschichte
 

Im Jahre 1908 begann der Fotograf Gottfried Schüßler mit dem Vorführen von Filmen in Gasthäusern, in Form eines Wanderkinos und brachte damit den Film und das Kino ins Lavanttal.

Am 19. November 1911 eröffnete Gottfried Schüßler dann in Pfundner`s Gasthof in Wolfsberg das "Erste Wolfsberger elektrische Kinotheater" als ständige Einrichtung und begann anschließend mit dem Bau des Kinos im Roßmarkt in Wolfsberg. Nach Fertigstellung des Baues übersiedelte der Betrieb von Pfundner`s Gasthof in den heute noch bestehenden Bau am Roßmarkt. In dieser Zeit des Stummfilms sorgte der damalige Wolfsberger Kapellmeister Gabriel Höfner für die musikalische Untermalung am Klavier. (Dieses Klavier steht heute noch im Kino-Vorraum).


Gottfried Schüßler, 1880 - 1957

Kinosaal 1914

Der erste Kinosaal im Roßmarkt faßte rund 250 Besucher und wurde 1935/1936 erstmals umgebaut und vergrößert, sowie dem neueren Stand der Technik angepaßt.

Ab 1929 begann die Zeit des Tonfilmes, der erste in Wolfsberg gezeigte Tonfilm war "Die weiße Hölle vom Piz Palü", der noch als Stummfilm gedreht und erst später vertont worden war.

1938 übergab Gottfried Schüßler den Kinobetrieb an seinen Sohn Siegfried, der aber bereits 1939 zur deutschen Wehrmacht eingezogen wurde, sodaß ersterer für seinen Sohn vorerst den Betrieb fortführte. Im selben Jahr 1939 wurde dann der Betrieb von der deutschen Gaufilmstelle enteignet und von dieser unter Einsetzung einer Geschäftsführung bis 1945 fortgeführt. In langjährigen Verfahren versuchte Gottfried Schüßler für seinen im Kriegseinsatz befindlichen Sohn gegen die Enteignung anzukämpfen, dies bis zum Reichsgerichtshof in Berlin, allerdings vergeblich. Nach Kriegsende 1945 wurde der Kinobetrieb als "deutsches Eigentum" neuerlich von den Besatzungsmächten beschlagnahmt und vorerst als englisches Besatzungskino bis Ende 1946 fortgeführt. Gottfried Schüßler gelang es aber, den Alliierten nachzuweisen, daß der Betrieb nicht deutsches Eigentum sei, sondern ihm im Jahre 1939 enteignet worden war, und wurde der Betrieb 1947 von der englischen Besatzung rückübertragen.

Kinosaal 1935

Saal 1950
1949, als Siegfried Schüßler sen. aus der russischen Kriegsgefangenschaft heimkehrte und den Betrieb wieder übernahm, ging er sofort daran, diesen zu vergrößern und umzubauen und auf die neuen technischen Gegebenheiten aufzurüsten. Der Kinosaal verfügte nunmehr über 365 Sitzplätze, an der Südseite wurde ein neuer Vorraum angebaut und die Technik auf den neuen Stand angepaßt. Der Farbfilm hatte zwischenzeitig in das Kino Einzug gehalten - die ersten Filme im Cinemascope kamen aus Amerika.
1978 übergab Siegfried Schüßler sen. den Betrieb an seinen Sohn Siegfried jun., der seit diesem Zeitpunkt den Betrieb weiterführt. 1979 wurde die Tonanlage auf Stereoton umgestellt. 1989 erfolgte die Verkleinerung des bis dahin unverändert großen Saales, in der weiteren Folge der Ausbau eines zweiten Saales, sodaß nunmehr zwei Kinosäle, einer mit 130 und einer mit 70 Sitzplätzen, bestehen.

Siegfried und Waltraud Schüßler
 
 

Dr. Siegfried Schüßler mit Familie
Selbstverständlich wurden auch die technischen Standards laufend den neuesten Gegebenheiten angepaßt, Ende der 80er Jahre, im Zuge des Umbaues, dann eine Dolby-Anlage, schließlich eine Dolby-Digital-Tonanlage, sowie eine DTS-Digital-Tonanlage, einschließlich des Surround-Tones. Als 2-Saal-Kino auf dem neuesten technischen Stand, mit bequemen Vollpolsterstühlen, großer Beinfreiheit geht das Kino Schüßler - wenn man vom Zeitraum des Wanderkinos 1908 bis 1911 absieht - in sein neunzigstes Bestandsjahr und ist als eines der modernsten Kinos auch das älteste noch in Betrieb befindliche Kino Österreichs und eines der ältesten weltweit.