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| Autoren | | Friedburg | Grimm | Helpfau | Lengau | Uttendorf | | |
| Publizist | "xLibris" Friedhelm Friedburg | |
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Sammler erotischer
Literatur Ghostwriting und Textklinik |
xLibris - eigentlich Friedhelm Friedburg - ist initiierender Autor des Projektes Literotik, einer virtuellen Bibliothek für deutschsprachige Literatur. Er erarbeitet die Sammlung von Texten des Projektes Literotik, einer kolossale Fülle deutschsprachige, erotische Literatur im Kosmos des Internets. In seinem Interview spricht er über pornografischer Manuskripte und gibt Antwort auf Fragen über Fantasie und Ausdruck. | |
| Sammler erotischer Literatur | ||
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Das Interview befasst sich vor allem mit den Aspekten der im Internet herumschwirrenden erotischen Literatur. xLibris besitzt die größte deutschsprachige Sammlung erotischer Belletristik. Ein Literaturgespräch über die musealen Aspekte des Sammelns und Katalogisierens erotischer bis pornografischer Manuskripte im Internet. Das Literaturgespräch mit xLibris hat Babette Babenham vom Magazin Nexus New York per E-Mail geführt. |
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Sie sammeln pornografischer Manuskripte?Ich bin ganz einfach neugierig auf erotische Erfahrungen, Erfindungen und Schöpfungen der Anderen. Begierig auf die Beschreibung prickelnder Erlebnisse und anregende Phantasievorstellungen. Ich sammele erotische Texte, indem ich sie mir gnadenlos aus dem Internet greife, katalogisiere, zielbewusst verbessere und übersetze. Mein besonderes Interesse gilt dabei dem weiten Feld der exotischen Formen literarischer Sexualität und deren verführerischen Sublimierungen und Transformationen. Die reale Welt ist etwas anders als die literarische Produktion. Liebe, Erotik und nackte Wollust zählen zu den wichtigsten Bestandteilen des Lebens. Anspruchsvolle erotische Literatur verzückt die Sinne, beflügelt den Geist und erregt die Phantasie. In meiner Sammlung sind Gedichte, Kurzgeschichten, Erzählungen ebenso vertreten, wie der erotische Roman. Sie gelten als erotischer Seismologe, gibt es Trends?Ein erotischer Seismologe löst die kunstvoll gehaltene Spannung zwischen einer, die abendländischen Grundwerte beachtenden, Sammlung und einer nach wie vor hoch problematischen, vom Geruch der Gewalt und des Missbrauchs von jungen Menschen und Tieren umwehten Praktiken auf, indem er penibel an der Zusammenstellung einzelnen Werke arbeitet. Am Ende verfeinert sich so die Beschreibung eines in mehrere Richtungen offenen Zustandes der erotischen Literatur zur perfekten Saulus-Paulus-Metamorphose: Einst war literarische Sexualität eine böse Erscheinungsform, jetzt ist sie eine brave Lustspenderin in einsamen Stunden. Das Programm der Sammlung ist Hedonismus, wieso?Es soll keine Sammlung der Skandale sein, sondern eine der Lebenslust. Dass die Menschen über den Verlag sprechen ist kein Fehler. Hedonismus als Programm ist eine Anstrengung, ein Leben lang. Legale Sinneslust sollte nicht auf dem Niveau des Magens hängen bleiben, sie darf auch tiefer gehen. Schlappschwänze und Feiglinge sind sowieso von dieser Art der Literatur ausgeschlossen. Der Leser kennt keinen Bildungskanon mehr, er liest auf eigene Faust und ist verführbar geworden. Für die Leseentscheidung ist eine reißerische Rezension wichtiger, als der eigentliche Text. Im Spätsommer vor nunmehr fünf Jahren wurde die Idee geboren, einen literarischen Salon ins Leben zu rufen. Die Ideengeber und Organisatoren freuen sich über die Möglichkeit, Eigenes und Fremdes einem geneigten Publikum präsentieren zu können. Gibt es auch erotische Literatur ohne Saft und Kraft?Ich habe nichts dagegen, wenn Leute eine schlimme Kindheit hatten und nicht schreiben können, und eigentlich interessiert mich das überhaupt nicht. Schlimm ist nur, wenn solche Leute glauben, schreiben zu müssen. Ist etwas gut geschrieben, lasse ich mir fast alles gefallen, aber ich leide unter der großen Gruppe von Autoren, die ihrem Weltbild sprachlich nicht gewachsen sind. In essayistischen Werken wird meist nur intellektueller Dünnpfiff gesammelt, der in verschiedenen Zeitschriften, Interviews und Briefen unter sich gelassen wurde. Oft nimmt das tragische Ausmaße an. Mancher Autor wäre ja so gern ein Großer Böser Wolf, ein neuer Robespierre, ein zweiter de Sade, ein Stalin des Kulturbetriebs, aber leider reicht es nicht, besonders nicht bei bürgerlichen Mittelklassemoralisten, die sich ins Paradies der verlorenen Unschuld zurücksehnen. Verstünde sie vom Schreiben soviel wie von Masturbation, man müsste ihnen allen den Nobelpreis verleihen. Schriftsteller dieser Art sind Legion, es genügt ein kurzer Blick in die Texthalden von Suhrkamp, Rowohlt-Katakomben oder in die Textgrüfte von Fischer. Um nur ja nich Kritik auszulösen vermeiden sie alles was mit Sexualität zu tun hat. Erotik, Liebe, Ehe, Geliebte, Beziehung, Familie, Befruchtung, Zellteilung und Reifung wird systematisch ausgespart. Sexuelle Fantasien, sind das alte Sehnsüchte und Ängste?Sexuelle Fantasien gehen oft auf ganz frühe Erfahrungen, die erste Begegnung mit der eigenen Sexualität zurück. So halten sich Szenarien, die in der Pubertät oder noch früher entstanden sind, über Jahrzehnte hinweg. Natürlich mit späteren Erfahrungen angereichert, ergänzt und ausgemalt. Wie in einem Film - die Szene mag immer wieder umgeschrieben werden, die Essenz bleibt die gleiche. Wenn ein achtjähriges Mädchen sich im Himmelbett ein Leben als angebetete Prinzessin ausmalt, dann ist es kein Wunder, wenn die sexuellen Fantasien der erwachsenen Frau um das begehrt Werden in luxuriösen Interieurs kreisen. Ein Junge, dessen erste feuchte Träume von einer Klassenkameradin mit sprühend grünen Augen ausgelöst wurden, kann als Mann in seinen Fantasien durchaus immer wieder von grünen Augen gebannt sein. Die Parallelen können auch indirekter sein: das Gefühl frischer Bettwäsche auf den Brüsten, das Sonnenlicht, das beim ersten Onanieren ins Zimmer fiel... Ebenso oft ist der erste Sex mit dem ersten Mann, der ersten Frau so prägend, dass er als Fantasie weiterlebt. Viele Menschen akzeptieren solche Fantasien nur schuldbewusst. Als ob sie fremd gingen, als ob noch jemand Drittes mit im Bett wäre, während sie ihrem Partner in die Augen schauen. Leider sind nicht alle in der Erinnerungen bewahrten Vorstellungen angenehm. Sie können sich mit Ekel und Abscheu verbinden, mit erlittener Gewalt, vor allem bei Frauen, die in frühen Jahren das Opfer von Missbrauch oder Vergewaltigung waren. Trotzdem können sie erregend wirken. Da spielt die Psyche einen grausamen Streich. Mehr dazu unter den "negativen Fantasien". Gibt es "schlimme" Fantasien?Im Prinzip gibt es absolut keine schlimmen Fantasien. Es gehört zum Wesen der Fantasie (nicht nur der sexuellen), dass sie Tabus bricht. Und dass Sie in den Chambres Séparées Ihrer Lust Dinge tun, vor denen Sie in der Wirklichkeit zurückschrecken, weil sie verboten sind. Durch die Konvention, die Moral, durch das Schamgefühl. Dass Sie dort wildesten Gruppensex treiben, dass Sie sich sadistischen und/oder masochistischen Szenarien hingeben. Sie mögen das als "abartig" oder "pervers" empfinden, wenn Sie wieder in die Realität auftauchen. Aber zu quälenden Schuldgefühlen besteht zunächst einmal kein Anlass. Eine Gewaltfantasie macht Sie ja auch noch nicht zum Schläger, eine Mordfantasie nicht zum Mörder. Das Ausleben steht dann auf einem anderen Blatt. Sex spielt sich doch ohnehin nur im Kopf ab! Und wenn ich mich ganz einfach so meinen Tag-Träumen hingebe... Dann ist das ist nicht jugendfrei. Gibt es "negative" Fantasien?Negative Fantasien die gibt’s sehr wohl. Missbrauch, Vergewaltigung, Sex als Trauma, als widerwärtige Sache - gerade Frauen schleppen solche negativen Fantasien jahrelang mit sich herum. Sie tauchen regelmäßig auf, obwohl sie nicht erwünscht sind, sie bestimmen ihr Sexualleben. Sie können sogar erregende Wirkung haben - fast automatisch mit dem Gefühl von Schuld und Selbsthass "danach". Hier ist das Outen besonders schwer, aber auch besonders wichtig, denn es gibt Wege, diese unerwünschten Fantasien loszuwerden. Fragt sich nur, wem Sie sich am besten offenbaren. Ihrem Partner? Der könnte damit, bei allem Verständnis, auch überfordert sein. Sie sollten therapeutische Unterstützung suchen. Und den Austausch mit anderen, denen es ähnlich geht. Dann werden Sie irgendwann auf den Ursprung Ihrer Fantasie stoßen (falls sie ihn noch nicht kennen). Gibt es gesperrte Bereiche?Natürlich, gibt es gesperrte Bereiche mit Manuskripten, deren Veröffentlichung in unserer Kultur eine kriminelle Handlung darstellt. Tut leid, aber diese Bereiche sind dann nur für seriöse Sexual- oder Literaturwissenschaftler und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Nur mit einer entsprechenden Legitimierung kommt man hier hinein. Nach welchen Kriterien wird katalogisiert?Die Katalogisierung erfolgt eigentlich nach den Kriterien der sexuellen Vorlieben. Welchen Umfang die einzelnen Kategorien haben, hängt von der Produktivität der Autoren ab. Und da gibt es eben größere und kleinere Themenkreise in der Phantasie der Sexualität zwischen Mann und Frau. Die zwei großen Themenkreise sind Sexualität in der Familie und Fetisch bis hin zum Sado-Machismus, dann gibt es jede Menge erotische Sience Fictions, Fantasies, Urlaubsgeschichten und Tierfabeln. Auch Sexualität zwischen Partnern mit großem Altersunterschied wird immer wieder literarisch herausgearbeitet. Aber sehen Sie sich doch einfach das Inhaltsverzeichnis an, dann wird es schon klar, wo die Schwerpunkte der Autoren liegen. Wo bleiben die gleichgeschlechtliche Fantasien?Ein Mann stellt sich vor, wie er mit einem knackigen Callboy ins Bett geht. Eine Frau träumt davon, dass sie sich von zwei attraktiven Arbeitskolleginnen verwöhnen lässt. Macht uns das automatisch schwul oder lesbisch? Oder bisexuell? Nein! Sexuelle Fantasien sind nicht gleichzusetzen mit sexuellen Vorlieben oder geschlechtlicher Orientierung. Vielleicht bringen sie einfach nur die homoerotischen Anteile ans Licht, die in jedem von uns drin sind. Natürlich kann man weiter in sich hineinhorchen, wenn man entsprechende Fantasien hat. Ist es vielleicht mehr als nur diese Fantasie? Findet man nicht nur den Callboy anziehend, sondern Männerkörper generell? Oder soll es ein Schwanzweibchen sei, ein weibliches Gesicht mit langen Haaren, prallen Brüsten, einem steifem Penis und mit Saft gefüllten Hoden. Macht einem der Sex mit dem eigenen Partner so viel Spaß, wie man sich erträumt? Oder würde man es tatsächlich einmal als Frau gerne mit einer Kollegin versuchen? Tut man es, steht einem allerdings möglicherweise noch ein ganz anderes Outing bevor... Babette Babenham im Interview mit Helfried Hellpfau. © 2002 Projekt Literotik |
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| Ghostwriting und Textklinik | ||
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Das Interview befasst sich vor allem mit Ghostwriting und Textklinik. Das Literaturgespräch mit xLibris hat Babette Babenham vom Magazin Nexus New York per E-Mail geführt. |
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Sie betreiben eine Textklinik, was ist das?Lange schon gibt es Korrekturbüros, Lektoratskanzleien, Layoutgestalter und Buchrestauratoren, das alles kostet nicht wenig, wenn man das in Anspruch nimmt. Nun bietet unser Verlag eine Textklinik an und die kann je nach Anlassfall auch absolut kostenlos ein. Dabei nehme ich mich der eingereichten Texte an. Gibt es Schwachpunkte in Orthographie und Grammatik, Stolperstellen im Sprachrhythmus, Schwächen in der Typographie oder Ungereimtheiten im Plot, dann greife ich ein und kuriere diese Textstellen. Herr Friedburg übersetzen Sie auch Geschichten?Manchmal ist der Plot einer Geschichte wirklich gut, der Stil auch, aber die Sprache selbst entspricht nicht ganz dem, was man sich erwartet. Und so übersetze ich eben viele Geschichten aus den Niederungen des Dunkeldeutsch in klares Hochdeutsch, damit sie besser lesbar sind und die Zeit überdauern können. Manchmal frische ich ältliche Geschichten einfach nur auf und das nicht nur in Hinsicht auf den Jahrtausendwechsel, die europäische Währung oder die aktuelle Rechtschreibung. Diese Form der Übersetzung ist nichts Neues, so hat Friedrich Torberg die außergewöhnlichen und absurden Texte von Albert Paris Gütersloh ordnen und ins Standard-Deutsche übersetzen müssen, bevor er sie herausgeben konnte und diese dadurch ein Teil der Weltliteratur geworden sind. Sie verdienen Ihr Geld mit Ghostwriting; wie geht das?Ja leben muss man auch von irgendwas und da ist für mich das Ghostwriting und Textservice die wichtigste Einnahmequelle. Mein Ghostwriter- und Textservice umfasst alles, was mit Schreiben im Allgemeinen und Besonderen zu tun hat. Ich unterstütze damit Menschen, die eine Idee für einen Artikel oder ein Buch haben, aber einfach zu wenig Zeit dazu haben, die Idee auch druckreif auszuarbeiten. Man kann und muss nicht alles können; schon aus Zeitgründen nicht. Meine Auftraggeber profitieren von meiner langjährigen Schreiberfahrung. Ich habe mich da auf die Erstellung von Auftragstexten verschiedenster Art spezialisiert. Als Ghostwriter füge ich die, vom Auftraggeber bereitgestellten Einzelfragmente zu einem schlüssigen Ganzen zusammen. Manchmal trage ich noch zusätzliche Informationen zusammen. Ein Ghostwriter muss schnell, diskret und flexibel in Thematik und Stil sein. Schließlich ist es der Name des Auftraggebers, der nach erfolgreicher Publikation auf dem Buchdeckel steht, und es ist wichtig, dass er sich mit dem Inhalt 100-prozentig identifizieren kann. Immer gehe ich vom Inhaltlichen aus, das der Auftraggeber liefert. Dann erarbeitet ich, in enger Zusammenarbeit mit ihm, die Gliederung und Struktur des Projekts und erstellte den Text in mehreren Durchläufen. Meine Arbeit ist erst beendet, wenn das Manuskript in Druck geht. Spielt beim Sammeln das Copyright eine Rolle?Beim Sammeln für den privaten Bereich selbst spielt das Copyright eigentlich keine Rolle. Das Problem tut sich erst bei einer Veröffentlichung auf. Sollte jemand einer seiner Geschichten in der Veröffentlichung gefunden haben, vielleicht unter einem anderen Namen oder unter Anonym, dann sollte er eine kurze Mail an den Verlag schicken, was wir mit der Geschichte machen sollen. Vielleicht können wir sie ja auch weiterhin hier in diesem Rahmen präsentieren. Ich versuche zwar immer den Autor jeder Geschichte ausfindig zu machen und per Mail anzusprechen, aber durch die verschlungenen Wege des Internets ist mir das nicht immer möglich. Mir ist klar, dass sämtliche Geschichten dem Copyright der Autoren unterliegen und nicht ohne deren Einverständnis weiter kopiert und auf beliebigen Plattformen veröffentlicht werden dürfen. © 1998 Projekt Literotik |
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