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Publizistin   Ute Uttendorf
     

eBooks und Verlagskultur
Urheberrecht bei Werken im Netz

  Ute Uttendorf ist eine scharfsichtige Grafikerin, Fotografin, engagierte Typographin und Mediendesignerin. Außerdem Lektorin, Publizistin und Herausgeberin.
     
     
eBooks und Verlagskultur
   

Das Interview befasst sich vor allem mit der Elektronisierung der Welt der Bücher. Mit dem Thema Papier raus, Elektronik rein. Ein Literaturgespräch über die technischen Aspekte des elektronischen Buchs (e-Book) und über Books on Demand (BOD).

Das Literaturgespräch mit Ute Uttendorf hat Babette Babenham vom Magazin Nexus New York per E-Mail geführt. 

 

   
   

eBook - was ist neu daran?

Ein eBook macht das gleiche, wie ein gedrucktes Buch. Es repräsentiert dem Leser Text und Bilder und erzeugt so diese unvergleichliche Imagination im Kopf des Lesers. Ein eBook hat als technologische Grundlage nicht Papier, sondern Elektronik und die Texte werden auf einem Bildschirm statt auf Papier dargestellt. Und beim Bildschirm, da hapert's heute leider noch immer.

eBooks stehen erst ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Die vorhanden Technologie ist noch so schwerfällig, dass sie kaum zum Lesen einlädt. Trotzdem kann man schon erste Ansätze erkennen. Derzeit besteht auch noch keine Gefahr, dass das gedruckte Buch ernstlich abgelöst wird. Nur eben "noch nicht", die Zukunft gehört dem eBook, daran ist nicht zu zweifeln.

Wie ist das Gefüge Autor, Verlag, Buchhandel, Leser?

Das eBook wird das Gefüge Autor, Verlag, Buchhandel und Leser nachhaltig verändern. Es muss und wird in Zukunft sicherlich neue Formen der Inhalteverwertung geben. Es wird mehr und mehr Autoren geben - das finden sie ja auch schon bei Book on Demand -, die ihre Bücher direkt produzieren. Die Kosten hierfür sind bei eBooks minimal und daher sind auch die finanziellen Risiken für Verleger extrem niedrig. Es werden sich daraus auch eine neue Arten und Formen von Literatur entwickeln. Es werden mehr Sachen ausprobiert, weil der Kosten- und Mindestauflagendruck nicht mehr da ist. Und sicherlich wird es mehr direkte Zugänge von Autoren und Verlagen zu Endkunden geben, so wie das Internet viele Wertschöpfungsketten verändert. Der Buchhandel und die Handelsketten müssen sich auf diese neue Situation einstellen und entsprechend mit neuen Konzepten darauf reagieren.

Frau Uttendorf werden in Zukunft Verlage überflüssig?

Wenn die Autoren nun selbst ihre Werke vermarkten und vertreiben werden Verlage im vermehrten Maße überflüssig. Stephen King hat angekündigt, nach dem Erfolg von Riding the Bullet, einer Erzählung, die erstmals nur in elektronischer Form veröffentlicht worden ist, nun die nächste digitale Veröffentlichung selbst und ohne Verlag herauszubringen. Auch Agenturen übernehmen ja immer mehr Verlagsaufgaben.

Ich sehe darin keine Gefahr, sondern eine Chance für viele Autoren, einen direkten Zugang zu den Lesern zu bekommen. Wenn Stephen King sich dafür entscheidet, und die technischen Möglichkeiten hierfür bestehen, dann wird man ihn davon nicht abhalten können.

Wir denken aber nach wie vor, dass die Verlage der wesentlichste Coach für Autoren und eine Marke, ein Qualitätsmerkmal für den Kunden sind. Wir stellen fest, dass drei Viertel unserer neuen Titel von ePublishern sind, also nicht von bekannten und renommierten Verlagen stammen, aber zwei Drittel unserer Umsätze kommen aus dem restlichen Viertel von bekannten Verlagen. Kunden kaufen also nach der Marke des Verlages, was diese natürlich stärkt. Deswegen arbeiten Verlage auch gerne mit uns zusammen.

Ruinieren die Medienkonzerne die Buchkultur?

Eindeutig ja. Publikumsverlage sparen, produzieren fast nichts neues. In letzter Zeit ist in großen Verlagen kaum ein erwähnenswertes Buch neu erschienen. Das Ideenfeld bleibt denjenigen Verlegern überlassen, die mit dem Überleben kämpfen. Der Preisdruck auf diese kleinen Verlage ist ungeheuer. Und da bietet nur das Internet einen Ausweg.

Zum Beweis: Das erste Buch Kafkas wurde in 800, das erste Brechts in 600 Exemplaren gedruckt.

e-Bücher im Internet gegen Gebühr, wird's das geben?

Man muss sich jedoch auch darüber im klaren sein, dass Information auch zukünftig kostenpflichtig sein wird. Im Moment ist die Situation im Internet etwas verkehrt herum: die Surfer im Internet bezahlen das wenigste und die Leute, die Inhalte ins Netz stellen, das meiste - Arbeitszeit und Volumengebühren. Diese Situation muss sich ändern. Es wird aber sicher nur einen Bruchteil davon kosten, als das was wir für den Kauf einer Tageszeitung oder Büchern ausgeben. Die Kosten dafür werden sich so zwischen 10 und 30 % der jetzigen Ausgaben einpendeln.

Werden nicht durch den Wegfall der Materialkosten die Bücher günstiger?

Es ist keine Illusion zu glauben, dass die Verbreitung der Bücher über die Lesegeräte oder über das Internet billiger wäre als die Verbreitung des Buches in gedruckter Form. Sie haben zwar die Kosten der Speicherung und bei älteren Texten auch die der Digitalisierung. Aber es ist in der Kostenstruktur ein wesentlicher Unterschied, weil durch die digitale Form die Herstellungskosten exorbitant gesenkt werden.

Werden die elektronischen Texte billiger werden?

Mittelfristig wird sich ein günstiger Marktpreis für eBooks entwickeln, weil Materialkosten wegfallen. Aufgrund der Kostensituation und aufgrund anderer Dinge wird er sicherlich unter dem Papierpreis liegen. Wo genau, das lässt sich im Moment noch nicht vorhersagen. Es mag sein, dass aber eBooks, wenn sie sogar vor dem Hardcover oder kurz danach veröffentlicht werden, das gleiche kosten werden.

Wie wird das Verhältnis von eBooks zu normalen Büchern sein?

Ich denke nicht, dass man das jetzt schon aufteilen und sagen kann, wo jetzt wem was weggeschnappt wird. Ich denke eher an Wachstum. Nicht desto trotz ist es so, dass wir für die nächsten ein bis drei Jahre einige Millionen Geräte geplant sind, und dann wird es entscheidend sein, wann wer diese Geräte kauft, wenn wir mit unserem Angebot erreichen können. Denn auch heute ist es so, dass ein Großteil der Buchumsätze von sogenannten Viellesern gemacht werden. Vielleser wiederum, wenn sie unser Angebot akzeptieren, haben die meisten Vorteile. Es kommt nicht so sehr darauf an, wieviel Geräte verkauft wurden, sondern ob wir die richtigen Personen mit unserem Angebot erreichen.

Was sagen sie zu Books on Demand

Ein Book on Demand wird erst gedruckt wenn es verkauft ist.

"Books on Demand" (BoD) ist ein Service der Bücher nur bei Bedarf und in jeder beliebigen Auflage produziert und gleichzeitig Verfügbarkeit garantiert und für die notwendige Vertriebslogistik sorgt. Denn: BoD-Titel werden in der Buchdatenbank für den Druck bereitgehalten. Gedruckt wird erst nach Eingang der Bestellung, geliefert innerhalb einiger Tage.

Außerdem sind diese Bücher nie vergriffen. Das Auflagenrisiko und alle damit verbundenen Kosten für Lagerhaltung, Kapitalbindung und Vernichtung gehören für immer der Vergangenheit an.

© 1998 Projekt Literotik

     
Urheberrecht bei Werken im Netz
   

 

Das Literaturgespräch mit Ute Uttendorf hat Babette Babenham vom Magazin Nexus New York per E-Mail geführt. 

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Wie kommt man zu einem Urheberrecht bei seinen Werken?

Werk im Net gelten mit der erfolgten Publikation im Internet gemäß § 8 UrhG als veröffentlicht. Der Internetauftritt ist deshalb mit seinem Design und den Inhalten entsprechend dem österreichischen UrhG und dem Welturheberrechtsabkommen (WUA) geschützt, unbefugte Verwendung und nicht autorisierte Verbreitung sind nicht gestattet.

Elektronische oder gedruckte Nutzung dieses Informationsangebots oder eine kommerzielle Weiterverbreitung sind nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers gestattet. Das Raubkopieren unserer Texte und Bilder wird urheberrechtlich geahndet.

Autoren und Herausgeber einer Homepage haben praktisch keinerlei Einfluss auf die aktuelle oder zukünftige Gestaltung und die Inhalte der mit Links verknüpften Seiten. Es gibt derzeit über 2.000,000.000 (zwei Milliarden) Sites im Netz, die alle irgendwie miteinander verlinkt sind.

Für alle Angaben auf auf privaten Website sollte man einen Haftungsausschluss dokumentieren und darauf hinweisen, dass Schreib- und Datenfehler innerhalb der einzelnen Sites nicht ausgeschlossen werden können.

Besteht durch die Digitalisierung der Texte nicht die zunehmende Gefahr von Raubkopien?

Der Verbreitung des oben erwähnt King Textes musste im Konkurrenzformat für das Glassbook eingestellt werden, da es kurzfristig geknackt wurde und rasch Raubkopien im Umlauf waren.

Die Gefahr ist natürlich da, wenn es nicht sichere Systeme und Plattformen gibt. Das sehen die Verlage auch ganz deutlich. Unser Angebot an die Verlage besteht in einer sicheren Plattform, bei der der Kopierschutz an das individuelle Lesegerät gebunden ist, so dass die Verlage ein großes Vertrauen haben. Dies reflektiert auch unser Geschäftsmodell: Unser einziger Erlösstrom ist die Partizipation am Content. Die Geräte subventionieren wir derzeit noch. Das macht uns für die Verlage, auch bezogen auf das Vertrauen in unser eigenes Copyright-System, sehr vertrauenswürdig.

Aber gedruckte Bücher schützen ja auch nicht vor elektronischen Raubkopien, alles was an klassischer Literatur im Netz ist, ist geskannt. Und das sind Tausende Werke.

Beim Projekt Literotik wird zum Schutz des Urheberrechts ein literarischer Fingerabdruck verwendet.

Was ist das rechtlich neue bei elektronischen Büchern?

Das schwierigste Problem ist sicherlich die Copyright-Frage. Nach den europäischen Copyright-Gesetzen kann man nicht mit einer groben Formel als Verleger alle Rechte eines Autors kaufen. Das europäische Urheberrecht verlangt, dass man jedes Recht, das man vom Autor erwirbt, detailliert spezifizieren muss. Man kann also z.B. nicht sagen, man kauft die Rechte für die digitale Verwertung, sondern man muss genau spezifizieren, welches Recht man für welche Verwertung kauft und was man dem Autor dafür bezahlt. Das große Problem dieser Angelegenheit ist eigentlich zweifach: Zum einen ist es nicht schwierig, diese Einzeldinge zu definieren, das andere ist es festzulegen, welche Preise man dem Autor und Urheberrechtsinhaber zahlt. Auf der einen Seite wissen die Autoren und Agenten noch nicht, was sie dafür verlangen können. Sie sehen natürlich große Chancen in diesen Verwertungsmöglichkeiten und auf der anderen Seite, weil natürlich die Verkaufsmöglichkeiten noch nicht so sehr gewaltig sind, wissen die Verleger nicht, was sie den Autoren bezahlen können. Aus diesem Grunde ist es ja so, dass es für das Rocket eBook beim Start nur 500 Titel gibt und dies sozusagen nur erste tastende Schritte und Versuche sind, weil bis heute noch eine Art Berührungsangst besteht, sich bei den finanziellen Vereinbarungen festzulegen.

Genügt eine kleine Modifikation im Vertrag?

Es ist nicht damit getan, dass im Vertrag eine Klausel enthalten ist, die dem Verlag die Verbreitung mittels digitaler Medien überträgt, Sie müssen jede einzelne Verbreitungsart extra definieren und festlegen, so wie dies derzeit, für Hardcover, Taschenbuch- und Buchclubausgaben der Fall ist. Bei jeder dieser Verwertungsarten definieren Sie genau, u.U. welche Vorauszahlungen der Autor bekommt und welches Honorar in Prozent von der jeweiligen Veröffentlichung ihm zusteht. Genauso müssen sie dies auch für die digitalen Verwertungsmöglichkeiten machen, sonst haben sie als Verleger die Rechte nicht erworben.

Was passiert nun und wie könnte eine Lösung aussehen?

Ich glaube, dies ist ein bisschen das Henne-Ei-Problem: Natürlich werden sich diese Textgeräte nur dann verbreiten, wenn auch genügend Software, also Inhalte da sind, auf der anderen Seite werden natürlich die Verleger und Autoren nur Inhalte zur Verfügung stellen, wenn die Hardware eine gewisse Verbreitung hat. Deshalb wird es nur gehen, wenn beide Seiten aufeinander zugehen und die Autoren und Agenten nicht zuviel Geld von den Verlegern verlangen, weil es sonst natürlich für die Verleger wirtschaftlich unsinnig ist, diese Form der Verbreitung zu nutzen, weil im Moment einfach noch nicht genügend Abspielbasis da ist.

Was ist ein literarischer Fingerabdruck?

Ein literarischer Fingerabdruck ist eine Methode der Identifizierung eines ganz speziellen Exemplars der Ausgabe eines Textes, indem man winzige Textteile so variiert, dass keine Ausgabe der anderen gleicht. Es gibt dann keine zwei Ausgaben, die genau dasselbe Texte haben, und dieser Textteile bleibt bei jedem Kopiervorgang unverändert. Um die Fingerabdrücke einzubauen, werden winzige Modifikationen eingebaut. Sie können dann anhand ihres Textmusters zugeordnet und katalogisiert werden; so entsteht ein fast unfehlbares Identifizierungssystem.

Mit zunehmendem Erfordernis zum Schutz des Urheberrechts im elektronischen Massenmedium Internet stellte sich heraus, dass man jedes Exemplar eines Texte lediglich individuell wie eine Handschrift gestalten müsse. Das heißt, die Exemplare haben alle zwar den gleichen Inhalt, doch gibt es geringe Abweichungen in der Typographie. Durch den Vergleich der literarischer Fingerabdrücke am Tatort mit denen des Verlages kann die Polizei eindeutig feststellen, welchen Ursprung die unerlaubte Ausgabe hat. Neuere wissenschaftliche Entwicklungen erlauben zudem die Anfertigung von so genannten genetischen Fingerabdrücken.

Der genetische Fingerabdruck basiert auf der Verwendung von Textproben eines literarischen Werkes als Mittel der Identifizierung. Um einen genetischen Fingerabdruck zu erhalten, wird der relevante Textabschnitt aus dem Werk isoliert. Segmente des Textes, die verwendet werden können, um eine Ausgabe von einer anderen zu unterscheiden, werden in Abschnitte eingeteilt und als Proben angeordnet.

Die Genauigkeit der genetischen Fingerabdrücke wird aus verschiedenen Gründen in Frage gestellt. Zunächst deshalb, weil nicht die kompletten Text-Stränge, sondern nur einzelne Segmente betrachtet werden; es besteht daher die Möglichkeit, dass die ausschnittsweisen Textproben einer Ausgabe zufällig identisch mit denen einer anderen sind. Daher besteht trotz der Feststellung, dass zwei Textproben identisch sind, immer noch die Möglichkeit, dass das untersuchte Muster allgemein bei einer bestimmten Gruppe von Ausgaben auftauchen könnte. Dazu wurden umfassenden Studien angestellt, die die Eindeutigkeit des genetischen Fingerabdrucks bestätigen. Außerdem ist aufgrund der Tatsache, dass die Untersuchungsergebnisse von einem Parser interpretiert werden, ein Irrtum praktisch ausgeschlossen.

Welches Buch würden Sie persönlich doch lieber gedruckt lesen?

Bücher mit vielen farbigen Bildern auf dickem Papier wie bei aufwändigen Fotobänden. Da gehört die Sinnlichkeit des Angreifens tatsächlich dazu, und die kommt bei mir auch eher bei einem Papierbuch herüber. Ob ich mir allerdings so ein zwei mal zwei Meter Buch wie das neueste von Helmut Newton kaufen werde, das kann ich mir nicht vorstellen.

© 1998 Projekt Literotik

     

 

   
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