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    Grimmanuels Märchenwelt
     
Märchen
Legenden
  Kleinodien deutschen Volksguts

Die hier veröffentlichen Märchen und Sagen sind uralte Mythen, die neu erzählt und in einheitlicher Form aufgeschrieben sind.

     

Vorwort der Herausgeberin
Einleitung und Zugang
Die Deformation der Märchen
Die Originalmanuskripte
Psychologische Grundlagen
Metamorphose zur Frau
Märchen verstehen
Medienverzeichnis
Schutzrechte
 

 

Grimmanuel - eigentlich Gregor Immanuel XXII. Grimm - hat die Rekonstruktion der Originaltexte der grimmschen Märchen begnadet ausgerichtet. Seine Märchen sind von den Prüderien der Gebrüder Grimm befreit und dafür mit praller Sexualität gefüllt. Schneewittchen und Aschenputtel sind als Sexgöttinnen die Heldinnen der Märchenschlösser und Märchenwälder und so manche Hexe kann sich im Märchenland einen köstlichen Braten bereiten.

Der Herausgeber
Helfried Helpfau

PS Hier geht's zu den Originalmärchen

     
    Vorwort der Herausgeberin
   

Märchen für Kinder haben oft besonders grausame Inhalte. In einer der Versionen von "Hänsel und Gretel" werden Kinder im Ofen "braun wie Brot gebacken" und dann als Dachziegel für das Pfefferkuchenhäuschen verwendet.

Überlieferte Märchen geben elementare psychologische Zusammenhänge, eingebettet in einen spannenden Handlungsverlauf, wieder. Trotzdem sind sie uralte mündliche, später schriftliche, Überlieferungen der einfachen Menschen. Zu Kinder- und Hausmärchen werden sie erst durch die Bearbeitung und Entschärfung durch aufklärungsverliebte Literaten wie etwa den Gebrüdern Grimm.

Die vorliegende Ausgabe der Märchen enthalten, nach heutigem Empfinden und moderner Rechtslage, extrem erotische Darstellungen. In diesen Mythen sind auch viele der seit Menschengedenken ausgeführten Sexualpraktiken wie Inzest, Kinderschändung, Sadismus, Masochismus, Lustmord, Vergewaltigung, Zoophilie und Homoerotik mit eingeschlossen. Selbst die Märchen der Gebrüder Grimm sind nach heutigem Empfinden nicht mehr für unsere Kinder und Jugendlichen geeignet, da wir ja alle durch die Gehirnwaschanlage der abendländischen Zivilisation durchgeschleust wurden und drastische Grausamkeiten nicht mehr akzeptieren wollen, auch nicht wenn sie fiktiv sind. Und Märchen sind natürlich auch nichts für gehirngewaschene Mitteleuropäer, die an erotischen Darstellungen dieser Art Anstoß nehmen.

Die Märchen der Gebrüder Grimm dürfen Kindern und labilen oder frömmlerischen Personen weder zugänglich gemacht, noch von diesen gelesen werden, das trifft im verstärkten Ausmaß für die Originalmärchen des Grimmanuel zu. Alle die an diesen Texten Anstoß nehmen, sei trotzdem noch einmal gesagt: Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Fiktion und Realität, zwischen Denken und Tun. Ließe man diese Gegensätzlichkeit aber unberücksichtigt, fiele ein erheblicher Teil der Weltliteratur der Rechtsprechung oder der Zensur zum Opfer.

Wien, im November 1998

Die Herausgeberin
Ute Uttendorf

PS An Zustimmungen und/oder konstruktiven Kritiken ist die Herausgeberin immer interessiert.

     
    Einleitung und Zugang
   

Ein prinzipieller Irrtum unserer Zeit scheint zu sein, dass Märchen für Kinder erdacht, erzählt und aufgeschrieben worden sind. Märchen sind für alle da, manchmal ist ein Märchen eben besser für Kinder und manchmal besser für Erwachsene geeignet. Dass es Märchen für Erwachsene gibt, sieht man heute noch im Maghreb, wenn man einen Märchenerzähler erlebt. Das Publikum ist durchwegs erwachsen.

Die Sammlung der "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm sind Volksmärchen, die von Jakob Ludwig Karl Grimm (1785-1863) und Wilhelm Karl Grimm (1786-1859) nach der Überlieferung im Volke aufgeschrieben wurden. Diese Märchen zeichnen sich durch ungezügelte und leichtfertig wiedergegebene Grausamkeiten aus. Die Brüder Grimm dürften aber die Kunst der Liebe nicht verstanden haben, denn der Sex in den Geschichten ist fein säuberlich eliminiert.

Der Zyklus der Märchen des Gregor Immanuel XXII. Grimm enthält thematisch zusammenstellte Märchen, die von den Prüderien der Gebrüder Grimm befreit sind. Die Gebrüder haben damals in ihrer unendlichen Prüderie alle Märchen von Sexualität und Erotik gereinigt und so zu den lauwarmen und flachen Gebilden gemacht, die überall als die Kinder- und Hausmärchen bekannt sind. Gregor Immanuel Grimm verfügt aber über die vom Volk wirklich erzählten Originaltexte und Urfassungen der Volksmärchen, die mit der Sexualität der Märchenfiguren nicht geizen. Hänsel und Gretel entpuppen sich als Lustpärchen, Schneewittchen und Aschenputtel sind die Sex enthemmten Heldinnen der Märchen.

     
    Die Deformation der Märchen durch die Gebrüder Grimm
   

Geschichten, Mythen und Märchen waren seit jeher dem Menschen ein willkommener Wegbegleiter. In manchen Kulturen gibt es immer noch Märchen- und Geschichtenerzähler als eigenen Berufsstand. Die Märchen waren überall Sache der Erwachsenen, solange die Völker Analphabeten waren, denn die erzählten Geschichten ersetzten ihnen das Buch, die Illustrierte, das Kino, den Rundfunk, das Fernsehen und das Internet. Mythen befriedigten das Informationsbedürfnis, die Lachlust, die Klatschsucht, das Kribbeln, die Angst, die Wollust und den Sensationshunger. Märchen wurden von Erwachsenen für Erwachsene erzählt, die Kinder hörten mit, so wie sie eben damals alles mit erlebten - vom elterlichen Schlafzimmer bis zum frühen Sterben. Die Kindkultur mit ihren wirtschaftlichen Auswüchsen war noch nicht erfunden.

Märchen sind ursprünglich durchaus nicht den Kindern zugedacht und nicht für diese bestimmt gewesen, wie sich aus der Thematik und dem Inhalt entnehmen lässt. Das Märchen ist aber von Generationen von Kindern begierig aufgenommen worden und es besteht auch heute noch eine unverändert starke Nachfrage, obwohl sich die Art der Märchendarbietung erheblich gewandelt hat.

Die schriftliche Fixierung der Erzählungen durch bürgerliche Autoren, wie durch die Gebrüder Grimm für die bürgerlichen Kinder des 19. Jahrhunderts hat dazu beigetragen, dass erbarmungslose Veränderungen an der Thematik der Märchen, dem kindlichen Gemüt entsprechend, stattgefunden hat. Die Titulierung - Kinder- und Hausmärchen - ihres gesammelten "Volksguts" platzierte die Märchen deutlich in den Bereich der Kinderstuben des Bildungsbürgertums. Die Gebrüder Grimm weisen in ihrem Vorwort von 1819 besonders darauf hin, dass sie "jeden für das Kinderalter nicht passenden Ausdruck ... sorgfältig gelöscht" hätten und entblößen sich dadurch als Urkundenfälscher und Heuchler. Sie arbeiteten dabei so sorgfältig, dass sie oft auch Märcheninhalte wegließen, zensierten, die behandelten Themen mitsamt ihrer Sexualität ganz entfernten und dafür Gewalt, Verstümmelungen und Tod verharmlosten... aber das kennen wir ja aus der modernen Filmindustrie. Man kann zusätzlich davon ausgehen, dass den sich als christliche Bildungsbürger gebenden Brüdern Grimm von den Erzählern aus dem Volk bereits eine "purifizierte" Form der alten Legenden aufgetischt wurde. Die so kindgerecht deformierte, heute bekannte Form der deutschen Märchen, entspricht keinesfalls den ursprünglichen Inhalten.

Die Kinder- und Hausmärchen sind von den Gebrüdern Grimm wissentlich und vorsätzlich falsch aufgezeichnet oder beliebig umgeschrieben worden. Die Märchen sind von ihnen an über 11.000 Stellen verändert worden. Ein echtes Kinder- und Hausmärchen haben daher viele von uns nie gelesen.

"Wir haben uns bemüht, diese Märchen so rein als möglich aufzufassen. Kein Umstand ist hinzugedichtet oder verschönert und abgeändert worden." So beginnt die Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen von Jakob und Wilhelm Grimm. Naja wer's glaubt.

     
    Die Originalmanuskripte der Märchen
   

Nunmehr haben sich die Originalmanuskripte des totgeschwiegenen Lebenskünstlers Gregor Immanuel XXII. Grimm (1666 - 2033) gefunden, die als die eigentlichen Urfassungen der Grimmschen Märchen anzusehen sind. In dieser Fassung der Märchen sind in einigen Passagen apokryphe Teile über die raffinierte Kunst der Liebe erhalten, die damals von den Gebrüdern Grimm aus Schlamperei, Trägheit, falsch verstandener Pädagogik und stumpfer Prüderie nicht aufgeschrieben worden sind. Passagen, die nicht zur Handlung beitragen, aber vor allem die häufigen Wiederholungen von gleichen Abläufen, wurden von Gregor Immanuel Grimm immer gekürzt wiedergegeben. Die schwer beschädigten Originalmanuskripte wurden in jahrelanger in mühevoller Arbeit rekonstruiert und nun liegen die ersten Märchen in Form von E-Texten vor. An der äußerst schwierigen Rekonstruktion der weiteren Märchen wird oft nächtelang mit Eifer gearbeitet. Vielfach müssen die beschrieben Praktiken mit neutralen Testpersonen oder gemeinsam von Autor und Lektorin in zeitaufwändiger Kleinarbeit auf ihre Ausführbarkeit überprüft werden. Die Praktiken sind oft schon seit Jahren aus der Mode gekommen oder überhaupt in Vergessenheit geraten.

Damit steht nunmehr neben einer prinzipiellen Einsicht in die damalige Lebensweise und das Gesellschaftssystem auch ein Spiegel der Sexualität der vergangenen Jahrhunderte zur Verfügung. Die nunmehr vorliegenden Märchen, deren Inhalt in den Raum der Sexualität transferiert ist, sind insgesamt weit weniger gewalttätig als die der Gebrüder Grimm. Was dabei aber zu schaffen macht, ist die ungeheure Grausamkeit der Inhalte selbst, die sich in der Welt der Sexualität ziemlich widerwärtig anhört. Gedämpft hat das die Herausgeberin, indem in Abstimmung mit dem Autor zumindest alle Handlungspersonen, die nach heutiger Auffassung keine Verbrechen begangen haben, am Schluss unversehrt sind.

Trotz umfangreicher Forschungsarbeiten ist der wahre Grund für die von den Gebrüdern Grimm vorgenommenen Kürzungen in den zentralen Teilen der von ihnen gesammelten und heraus gegebenen Märchen heute nicht mehr feststellbar. Aber wahrscheinlich heißen die Brüder Grimm im Original auch prüder Grimm.

     
    Psychologische Grundlagen
   

Märchen zeigen, wie Menschen Gesetze unterlaufen und sich aus ihnen befreien. Der Held im Märchen muss Proben bestehen, durch die er seinen Mut oder den Besitz magischer Kräfte oder auch seine Klugheit beweist. In vielen Märchen geht es um meist grausame Reifeweihen, die den Übergang vom Kindsein in die Welt der Erwachsenen begleiten.

Die Reifeweihen gehen auf die Jägergesellschaften des Paläolithikums (bis 8000 v.C) zurück, und wurden den Mädchen und Jünglingen in Form von Erzählungen geschildert. Daher stellt die Initiationssequenz ein Urgerüst der Erzählkunst dar. Diese findet ihren ersten Niederschlag in Zaubermärchen wie Blaubart, Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, die vom Verschlungenwerden, vom Gebratenwerden, vom Verstümmeltwerden der Kinder erzählen, was später, ahistorisch, ohne den entsprechenden kulturanthropologischen Hintergrund, als unnötige und unverständliche Grausamkeit gesehen wird. Denn diese Zaubermärchen werden im Laufe der Jahrtausende immer wieder umgestaltet und uminterpretiert. So nimmt das Initiationshaus im feudalen Zeitalter die Gestalt eines Palastes oder eines Schlosses an, das von Tieren bewacht wird.

Märchen befassen sich in Fiktionen mit Entwicklungsproblemen unseres Lebens und behandeln vielfach ödipale und narzisstische Schwierigkeiten. Das Märchen zeigt die Geschichte vom kindlichen Helden. Alle potentiell zerstörerischen kindlichen Beziehungen können im Märchen anschaulich in Entwicklungsprozesse integriert werden. Ödipale und narzisstische Schwierigkeiten werden in die Tat umgesetzt und dementsprechend endet alles in der völligen physischen Vernichtung von einzelnen handelnden Personen. Trotz der Eifersucht der Mutterfigur überleben Schneewittchen, Aschenputtel, Rapunzel, Hänsel und Gretel nicht nur, sie finden sogar das höchste Glück - die eigene Unabhängigkeit und das selbst erworbene Glück. Die feindseligen Figuren werden in den Märchen vernichtet.

Diese Märchen wollen zeigen, dass ödipale Verstrickungen und Schwierigkeiten sich nicht einfach von selbst auflösen. Wer aber mutig gegen diese komplizierten emotionalen Familienbeziehungen angeht, gelangt zu einem weit besseren Leben als jemand, der sie nicht gelöst hat. Der Entwicklungsschritt vom Nesthocker zum Nestflüchter ist mit vielen Schmerzen behaftet. Im Märchen gibt es lebensbedrohliche Gefahren, die erfolgreich überstanden werden. Nicht Tod und Vernichtung, sondern eine höhere Integration in die äußere Gesellschaft ist am Ende des Märchens die Belohnung der Helden, die sich von ihrer Herkunftsfamilie getrennt haben.

Märchen haben durchwegs in einer ausweglosen Situation ihren Ursprung, die typisch ist für Jugendliche. Meist entsteht diese Situation durch die Beziehung zwischen Kindern und deren Eltern. Sobald die Stellung des Kindes innerhalb der Familie für es selbst und für seine Eltern zum Problem wird, beginnt der Prozess, in welchem das Kind für ein Entkommen aus dieser tödlichen Dreiecksbeziehung kämpft. Damit begibt sich der Held auf den Weg zu sich selbst.

Die Liebe der Kinder zu einem Elternteil und umgekehrt ist das Natürlichste auf der Welt. Jedoch kann dadurch auch Eifersucht der Eltern gegenüber den Kindern entstehen. Auch Kinder sind eifersüchtig, entweder auf die Eltern selbst oder auf deren Vorrechte.

Ödipale Eltern, die z.B. selbst die eigene Mutter nie für sich alleine hatten, werden auf das eigene Kind eifersüchtig, da sie fürchten, dieses würden ihnen den Partner wegnehmen. Die Verlassensängste werden im Märchen aktiv bekämpft und führen zu einem sichtbaren, äußeren Konflikt.

Narzisstische Eltern fühlen sich meist von ihrem Kind bedroht, da sie selbst altern und ihre Schönheit verlieren. Sie ziehen sich in eine Seifenblase zurück, die vor der realen Umwelt schützen soll. Die reale Welt und ihre realen Probleme bleiben draußen. Die Person will nur in Ausnahmesituationen in die reale Welt hinausgehen und sich ihren Problemen stellen und sie lösen.

Die Mutterfigur ist für Schneewittchen, Aschenputtel, Rapunzel, Hänsel und Gretel eine gefährlich tödliche Bedrohung. Diese Narzissmen und ödipalen Verstrickungen richten die Kinder physisch fast zugrunde.

Das Märchen sieht die Welt aus der Perspektive des Helden, mit dem sich der Leser identifizieren kann. Die Eifersucht der Mutterfigur ist nicht zu übersehen und deshalb wird eine andere Erklärung vorgeschoben, wie zum Beispiel die Schönheit des Kindes oder dessen Wertlosigkeit oder der Mangel an Lebensmittel.

In "Schneewittchen" und in "Rotkäppchen" treten männliche Figuren auf, die den Vater repräsentieren. Meist ist es ein Jäger, der als Symbol für einen Beschützer die bedrohlichen Tiere (Ängste) verjagen kann. Der Jäger im Märchen ist eine Figur, die wilde Tiere zähmt und freundliche Tiere schützt.

In "Schneewittchen" ist das Heim nicht so trist wie bei "Hänsel und Gretel" oder "Aschenputtel", jedoch sind die Zwerge nicht imstande es vor den tödlichen Angriffen der Mutterfigur zu beschützen. Wenn die Heldin die Gefahren des Erwachsenwerdens nicht selbst durchlebt und schlussendlich alleine gemeistert hätte, hätte sie nie einen Königssohn zum Mann bekommen. Am Schluss steht im Märchen für die gewonnene Reife immer eine soziale Belohnung und die physische Vernichtung des Gegners.

Wir alle wurden eines Tages aus dem Paradies unserer Kindheit vertrieben und haben die Erfahrung gemacht, was gut und was böse ist und dass unsere Persönlichkeit in zwei Teile gespalten ist. Das Märchen zeigt uns in Symbolen, dass wir die ungezügelte Leidenschaft unter Kontrolle bringen müssen, wenn sie uns nicht zugrunde richten soll. In vielen Märchen kommt es vor, dass deren Helden während ihrer Entwicklung in einen tiefen Schlaf fallen oder vorübergehend aufhören zu existieren. Das Wiedererwachen symbolisiert das Erreichen einer höheren Stufe der Reife. Diese Metapher überzeugt den Leser davon, dass er keine Angst davor zu haben braucht, seine kindliche Abhängigkeit aufzugeben.

     
    Die Metamorphose vom Kind zur Frau
   

Die Metamorphose vom Kind zur Frau geht über ein Stadium der Verpuppung: Aschenputtel in der Küche, Schneewittchen zuerst im Heim der Zwerge und dann im Glassarg, Hänsel und Gretel im Hexenhaus. Das Geschehen baut sich um diese Phase der Veränderung auf und schafft den Übergang von der Unberührtheit und der Naivität der Kindheit in das sexuell bestimmte soziale Umfeld des Erwachsenseins. Der schlagartige Wechsel der Biologie des Kindes zu der der Frau wird in einer sozial und zeitlich exakt definierten Phase durchlaufen.

Ödipales Verhalten ist primär das Begehren des Kindes, das einen Elternteil über die kindlich naive Liebe hinaus unbewusst auch sexuell begehrt. Eine wesentlich größere Bedeutung hat im Märchen die vorbeugende oder abwehrende Reaktion des anderen Elternteils, der seine Verlassensängste durch die Vernichtung des Kindes zu bekämpfen versucht. Ebenso wichtig ist die daraus sich entwickelnde Schutzreaktion des naiven Kindes, das ja offensichtlich vorerst einmal diesen Angriff nicht deuten kann. Die Heldin im Märchen wächst objektiv über die Mutterfigur hinaus und vernichtet ihre Widersacherin auch physisch, wenn auch durch das Eingreifen Dritter. Wir wollen das den ödipalen Dreisprung nennen: die liebevolle Mädchen-Vaterbeziehung, die durch Verlassensängste belastete Vater-Mutterbeziehung und die Hassbeziehung der Mutter in Richtung Tochter.

Etwas, was heute den Frauen in der realen Welt nur in Ausnahmen gelingen kann. Beseelt mit dem lebenslangen Streben der Mutter, zu beweisen, dass sie der Tochter ebenbürtig und deshalb anzuerkennen ist, rennt die Mutterfigur mit dem Kopf gegen eine Wand. Die Tochter greift die Mutterfigur weder an, noch sucht sie ihr Heil in der Flucht. Sondern sie opfert sich selbst und zerstört sich im Laufe der lebenslangen Auseinandersetzung dabei. Männer und Kinder werden ebenfalls der Mutterfigur geopfert und bleiben auf der Strecke. Was bleibt, sind "Freundinnen", die den gleichen Kampf führen und den sie auch nicht gemeinsam mit ihren Antiheldinnen gewinnen können.

Der Heldin im Märchen gleichen diese Frauen nicht im Entferntesten, moderne Frauen lassen die Mutterfigur (viel zu lange) für sich sorgen - wenn es sein muss auch so lange die Mutter das physisch kann. Und lassen sich zum Ausgleich dafür vor den Karren der Ödipuskomplexe der Mutter spannen. Die Tochter kann es der Mutter nie recht machen. Systemtypisch ist der Ausspruch der 94jährigen Mutter zu ihrer 74jährigen Tochter "Was weißt denn du schon".  Das Ende des heutigen Dramas ist mit dem physischen Tod der Mutterfigur nicht erreicht - da die Tochter das Abbild der mütterlichen Forderungen bis zu ihrem eigenen Ende als Modell des geforderten Verhaltens im Kopf hat. Und natürlich nach den jahrzehntelang erprobten, aber nie Ziel führenden Regeln weiterlebt. Die märchenhafte Lösung des ödipalen Verhaltens kann von den Frauen unserer Welt nicht erreicht werden. Ein einzigartiges Versagen unserer Gesellschaft.

     
    Märchen verstehen
   

In jedem eigentlichen Märchen wird schließlich ein elementarer menschlicher Beziehungskonflikt durchgespielt, der von der Ablösung zu Selbstfindung und am Ende zu eigenständigen Partnerschaft führt. Die zwar anfangs scheitern kann, aber am Ende dennoch erkämpft wird. Das heißt also, dass stets die Ablösung eines weiblichen oder männlichen Kindes von der Mutterfigur oder der Vaterfigur die Grundlage ist. Womit sich vier Elementarsorten des Beziehungsmusters in Märchen darstellen lassen.

Märchen verstehen, heißt dem Leben zuhören. Die Märchenwelt wird bestimmt durch Intuition, Phantasie und Poesie. Ihre Bilder und Symbole zeigen Wahrheiten in tieferem Sinne, zeitlose menschliche Lebensmuster, die wir hinter die Kulissen unserer Alltagswelt verdrängt haben. Die Märchenbilder selbst sind im "Kindergarten der Menschheit" entstanden.

Personen, die in den Märchen vorkommen, sind als eigene Wesen zu sehen und Sinn-Bilder innerseelischer Vorgänge. Wir haben die Bild- und Symbolsprache weit gehend verlernt. Aber auch wir brauchen Symbole, Bilder, Geschichten, die von unseren Sehnsüchten, Hoffnungen und Erfahrungen sprechen.

König und Bauer, reich und arm, Mutter und Stiefmutter, Drache und gute Fee. Diese Bilder liegen nicht im Äußerlichen der Persönlichkeiten. Es sind Urbilder für innere Qualitäten, für ihre Entwicklung, ihr Reifen oder Fehlen. Solche Bilder sind hintergründig und unendlich vieldeutig. Daher ist auch ein wesentliches Merkmal des Märchens seine Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit. Die Symbol- und Bildabläufe können daher auch nicht nur auf einen einzigen, eindeutigen Bedeutungsgehalt hin interpretiert werden. Deutungen auf vielen Ebenen und aus vielen Richtungen sind möglich und wünschenswert.

In den meisten Märchen sind die Heldinnen, mehr als die männlichen Helden, eben nicht passiv. Sie lösen sich von ihrer - fast nie intakten - Familie. Anstatt sich dem elterlichen Produktionsbereich einzuordnen, gehen die Helden auf Wanderschaft und bestehen gefährliche Abenteuer und lösen schwierige Aufgaben. Die Heldinnen dagegen erobern sich Sympathie, Liebe und Glück außerhalb des Einflussbereichs der, ihr Leben und ihr Glück bedrohenden (Stief-)Mutter.

     
    Medienverzeichnis
   

Die größte und umfassendste Online-Märchensammlung der prüden Gebrüder Grimm mit Variationen findet sich im Projekt Gutenberg, dem sich dankenswerter Weise der Spiegel als Retter angenommen hat.

http://gutenberg.spiegel.de

Die Dissertation "Der nicht natürliche Tod und andere rechtsmedizinische Sachverhalte in den deutschen Volksmärchen" der Medizinerin Barbara Beier aus 1998 beschäftigt sich ausführlich mit der Forensik von Märchenstoffen.

     
    Schutzrechte
   

© 1666-2033 Copyright Handlungsabläufe und Texte:
Gregor Immanuel XXII. Grimm

© 2000-2004 Copyright Typographie, grafische Umsetzung und Design: Freies Literaturprojekt Literotik

Die Originalmärchen des Gregor Immanuel XXII. Grimm sind urheberrechtlich geschützt und daher ist die unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - ausdrücklich verboten.

Das Kopieren der Märchen selbst zu privaten Zwecken ist nicht gestattet, auch dürfen die Märchen des Gregor Immanuel Grimm nicht elektronisch weitergegeben oder kommerziell genutzt werden.

     
     
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