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| Die Klassik Sau | | Klassik Sau | Modern Sau | | |
| Die Klassik Sau in der Neuzeit | ||
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Klassik Sau im Altertum Klassik Sau der Neuzeit
Martin Opitz |
Die hier angeführten Dichterfürsten haben nicht nur die allseits bekannte
Weltliteratur geschrieben, sondern auch im geheimen Kämmerlein
geschweinigelt. Und diesen Aspekt ihrer Kunst gilt es hier der
Öffentlichkeit vorzustellen.
Goethe ist eben Goethe, ganz gleich ob es ein Hexametergedicht über ein Thema der Dichtkunst oder Poesie über puren Sex ist. Hier werden zuerst zwei Vertreter dieser Literurform vorgestellt: "Gisander" Johann Gottfried Schnabel und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau und ein anonymer Schreibers. Nicht zuletzt noch ein Traktat über die Weiber von Arthur Schopenhauer. |
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| An die Cynthia Das Fieberliedlin |
Opitz ist Sohn eines Bunzlauer Fleischermeisters. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Beuthen studiert er in Heidelberg. Dann flüchtet er vor den spanischen Truppen in das holländische Leyden, kehrte 1621 über Jütland nach Schlesien zurück, zieht 1622 weiter ins reformierte Fürstentum Siebenbürgen und kehrte 1623 wieder zurück. Mit einer schlesischen Delegation anlässlich des Todes Erzherzog Karls kommt er nach Wien, wo er wegen einer Stegreifdichtung die Würde eines kaiserlich gekrönten Poeten erhält, der 1627 die Nobilitierung folgt. Auf diplomatischen Reisen kommt er nach Berlin, Dresden, Warschau, Prag und Paris. Als Sekretär und Historiograph des polnischen Königs Vladislav IV. stirbt er 1639 an der Pest. |
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| An die Cynthia |
DV gabest mir zwey Küß /
ich gab dir wieder zwey |
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| Das Fieberliedlin |
NEchst ale zugleiche lagen Er lag in heisser flammen / Sie schlug die augen nieder / Sie sprach: mein lieb / mein leben / |
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| Die Insel
Felsenburg vom ehrlichen Merillo |
Johann Gottfried Schnabel (auch Gisander) ist am 7.11.1692 in Sandersdorf bei Bitterfeld geboren und vermutlich zwischen 1751 und 1758 gestorben. Das Leben Schnabels ist nur in Bruchstücken bekannt. Der Sohn eines Pfarrers (der bereits 1694 stirbt) tritt 1702 in die Lateinschule in Halle ein. 1708-1710 nimmt er am Spanischen Erbfolgekrieg teil. 1724 leistet er als Hofbalbier den Bürgereid in Stolberg/Harz. 1731 bis um 1743 gibt er die Zeitung "Stolbergische Sammlung Neuer und Merckwürdiger Welt-Geschichte" heraus. Um 1745 verlässt er Stolberg. Über sein weiteres Leben gibt es keine Nachrichten. Sein wichtigstes Werk "Wunderliche Fata einiger Seefahrer absonderlich Alberti Julii [...] dem Drucke übergeben von Gisandern" wird von Ludwig Tieck bearbeitet und danach unter dem Namen "Die Insel Felsenburg" bekannt. |
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Wunderliche |
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Erzählung |
Als ich vor acht Jahren als Fähndrich in. Z. auf Werbung stund, um sonderlich vor meines Capitains Kompagnie etwa zehn bis zwölf Rekruten anzuwerben, bekam ich auf listige Art einen schönen und wohlgewachsenen Menschen von ohngefähr zwanzig Jahren, welcher seine Studia auf der Schule daselbst absolvierst hatte und bei seinen Eltern nur auf etliche Taler Geld laurete, um damit auf Universitäten zu gehen, womit ihm aber dieselben, weil sie wenig im Vermögen hatten, nicht alsobald helfen konnten. Ebendieses war wohl die meiste Ursache, dass er zwei Dukaten Handgeld und das Versprechen von mir annahm, dass er den ersten Furiersplatz, so unter dem Regimente aufginge, haben sollte. Allein wie es gemeiniglich zu gehen pflegt, dass dergleichen Versprechen nicht gar zu genau gehalten werden, so traf es auch bei dem ehrlichen Merillo zu, denn er musste über Jahr und Tag die Flinte tragen, führete sich aber dabei sehr wohl und gelassen auf, hielt sich in der Montur allezeit reinlich und überhaupt alle seine Sachen sehr ordentlich, frequentierte keine liederlichen Kompagnien, sondern blieb lieber zu Hause, las in den Büchern, so er geborgt kriegen konnte, bemühete sich anbei sonderlich, die französische Sprache fertig reden und schreiben zu lernen, wie er denn auch dieselbe binnen kurzer Zeit fast vollkommen innehatte. Nach der Zeit, da er sich durch sein Schreiben einige Taler Geld erworben, mag ihm wohl auch ein Lüstgen ankommen, in Kompagnie zu gehen, derowegen attachiert er sich stets an die Unteroffiziers und andere reputierliche Leute, welche ihn wegen seiner guten Aufführung und klugen Diskurse lieben und ehren. Nur ist das schlimmste, dass das Geld nicht immer zureichen will; denn die Löhnung langete nicht allzuweit, und nach einiger anderer Soldaten Art, auf Marode oder, besser zu sagen, stehlen zu gehen, war seiner noblen Ambition zuwider, derowegen musste er sich nolens volens nach der Decke strecken und manche lustige Kompagnie meiden. Bei seiner Wirtin, die eine stürmische, geizige Wittbe und bereits etliche vierzig Jahre alt war, hatte er sich seit etlichen Wochen vor empfangene Viktualien in ein paar Taler Schulden gesetzt, durfte sich also, wenn er nicht gemahnet sein wollte, nicht allzu wohl vor ihr sehen lassen, sondern kroch manchen Nachmittag auf den Heuboden, nahm ein Buch mit dahin und las so lange darinnen, bis ihn der Mittagsschlaf überfiel. Ich habe vergessen zu melden, dass wir damals schon nach einem zurückgelegten Marsche von etliche vierzig Meilen bei unserm Regiment umgekommen waren. Jedoch die Geschicht fortzusetzen, wie mir dieselbe von dem Merillo umständlich erzählet worden: So schlummert er eines Tages auf gedachten Heuboden abermals ganz süße; seine Frau Wirtin, die etwa ihr Heu besichtigen will, trifft ihn, und zwar in einer solchen Positur liegend an, die zwar ein junges Mägden, keineswegs aber eine Frau von solchen Jahren zur Liebe reizen sollen. Merillo ermuntert sich zwar und merkt, dass sie vor ihm stehet und ihn beschattet, jedoch aus Furcht, von ihr gemahnet und gescholten zu werden, bleibt er ganz stille liegen und fängt an zu schnarchen als ein Ratz. Die verliebte Alte bleibt eine gute Zeit ganz entzückt zu seinen Füßen stehen, endlich, da sie vermeinet, dass er in dem allerfestesten Schlafe läge, setzt sich ganz sanfte an seine Seite, suchet dasjenige, was ihr Herze begehrt. Weil aber Merillo sich hierdurch nicht ermuntern läßt und ihr die Zeit zu lang werden will, legt sich das verliebte alte Rabenfell auf ihn, liebkost und bittet ihn so lange, bis er ihr denjenigen Dienst leistet, den er, wenn er nur einige Taler im Vermögen gehabt, ihr vielleicht versagt hätte. Sie hat sich hierauf ungemein vergnügt und gütig gegen ihn erzeigt, ihm die Schuld erlassen und noch darzu etliche harte Taler in seine Tasche gesteckt, anbei versprochen, ihn täglich aufs beste zu traktieren und jederzeit mit benötigtem Gelde zu versorgen, daferne er sie in Zukunft ferner vergnügen wolle. Merille, entschließet sich demnach, in einen sauern Apfel zu beißen, um delikate Bissgen zu haben und ein gutes Leben zu führen. Er führete sich weit sauberer in Kleidung und Wäsche auf als sonsten, ging öfters in Kompagnie, spielete auch dann und wann ein Spiel mit, welches vorhero sein Werk nicht gewesen war, doch bei allen dem war er sehr ackurat in Versehung seiner Dienste und suchte sich beständig in der Gunst der Höhern zu erhalten, welches ihm denn erstlich die Korporals- und wenig Monat hernach die Furiersstelle zuwege brachte. Damals gab er denen andern Unteroffiziers einen vortrefflichen Schmaus, der ihm mehr als dreißig Taler kostete, hatte es auch eben nicht weit von sich geworfen, als ihm einige railliert, wie nehmlich er gewiß Frauenzimmerstipendia genösse. Niemand hätte aber auf seine unscheinbare Wirtin gedacht und geglaubt, dass bei derselben die Liebe den Geiz überwunden hätte. Allein die Alte gab alles her, was er von ihr verlangte, beide aber trieben ihr geheimes Liebesspiel so lange, bis sie einsmals von der Tochter beschlichen und in voller Arbeit angetroffen worden. Da sich nun die Tochter unterstehet, der Mutter wegen ihres unzüchtigen Lebens einen Verweis zu geben, wird das gute ehrliche Mägdgen von der erzürnten Mutter dergestalt mit Schlägen traktiert, dass sie in etlichen Tagen nicht aus dem Bette kommen, mithin, ihrer Bedrohung nach, dem Beichtvater nicht anzeigen kann, was sie mit ihren Augen gesehen. Mutter und Tochter versöhnen sich zwar bald wieder, allein in wenig Tagen gehet der Streit und das Drohen der Tochter von neuen an, bald hernach aber wird das Mägdgen frühmorgens in ihrem Bette tot gefunden und unter dem Vorwande, dass sie an einem Schlagflusse gestorben, in aller Stille begraben. Merillo schöpft hierüber arge Gedanken und mutmaßet aus verschiedenen Umständen, dass die Mutter ihre Tochter vielleicht durch Gift von der Welt gebracht, um das Liebesspiel desto sicherer zu treiben. Demnach bekömmt er einen heftigen Ekel und Abscheu vor diesem alten Felle und sinnet auf Gelegenheit, sich mit guter Manier aus den Fesseln derselben zu reißen. Hierzu ereignete sich nun dieses angenehme Mittel: Das alte Weib hatte von ihrem zusammengescharrten Gelde 1200 Stück alte Kremnitzer Dukaten in ihrem Speisegewölbe in die Erde gesetzt. Merillo kömmt ihr von Ohngefähr hinter die Schliche und merkt das Fleckgen; einige Tage hernach aber nimmt er diesen Schatz heraus und vergräbt denselben an einen andern, ihm gelegenern und sichern Ort, Lässet sich aber nichts merken, sondern stellet sich, als ob er immer ärmer und Geld bedürftiger würde, ja er macht sich gar unpäßlich, um der Aufwartung bei seiner alten Sara überhoben zu sein. Diese wartet und pflegt ihn aufs beste, um seine Kräfte wiederherzustellen, eines Tages aber kömmt sie ohnversehns als eine höllische Furie mit zerrauften Haaren und gräßlichen Zetergeschrei in seine Stube gelaufen und stellet sich nicht anders an als ein Mensch, das ganz von Sinnen kommen will. Merillo stellet sich ungemein erschrocken an und fragt, was ihr denn Leides widerfahren sei, worauf sie ihm mit allen Umständen klaget, dass ihr ihr größtes Kapital an 1200 Stück Dukaten weggenommen worden, auch hinzufügt, er und kein anderer müsse es entführet haben, derowegen möchte er es nur bekennen, weil sie ohnedem gesonnen gewesen, dieses Geld mit ihm zu verzehren. Merillo versucht anfänglich, ihr diesen Wahn in Güte zu benehmen, ermahnet sie auch, vorhero recht zu suchen, weil sich das vergrabene Geld oftermalen zu verrücken pflegte. Da sie aber nicht nachlässet, ihm diesen Raub auf den Kopf schuld zu geben, fähret er plötzlich mit anderen Worten heraus und spricht: "Du alte Bestia! kannst du mir so wohl beweisen, dass ich dich bestohlen habe, als ich dir dartun will, dass du, um deine Geilheit desto sicherer auszuüben - worzu du mich sozusagen bei den Haaren gezogen hast -, eine Mörderin an deiner einzigen Tochter geworden bist. Warte, warte", spricht er ferner, "ich will dich altes Luder bald in Schindershänden sehen, weil du mich als einen ehrlichen Unteroffizier zum Diebe machen willst." Hiermit springt er auf, ziehet seine Kleider an und will zum Hause hinausgehen, allein die Alte, welcher das Gewissen schlägt, fällt zu seinen Füßen und bittet mit Tränen, ihr kein Unglück über den Hals zu ziehen, sie wolle gern alles vergessen und, ob sie gleich an dem plötzlichen Tod ihrer Tochter unschuldig, ihm doch noch hundert spec. Taler schenken, nur dass sie durch ihn nicht in bösen Verdacht und Nachrede gesetzt würde. Merillo läßt sich nach langen Weigern endlich besänftigen, nimmt die hundert Taler noch mit und verspricht, ihr weder Guts noch Böses nachzureden, gehet zum Hause hinaus, lässet seine Sachen durch ein paar Musketiers nachholen und kömmt nachhero nicht wieder zu ihr, erfähret aber wenig Wochen hernach, dass sie an einem hitzigen Fieber in größter Raserei dahingestorben sei. Solchergestalt konnte er sich nun seines erworbenen Geldes etwas freier bedienen, doch fing er seine Sachen recht klug an, indem er vorgab, es wäre in seiner Heimat ein naher Anverwandter von ihm gestorben, welcher ihm zu seinem Avancement unter der Miliz ein ziemliches Kapital vermacht hätte. Nebst seiner guten Aufführung machten die geheimen Spendagen, dass er bald hernach Feldwebel wurde, da er sich denn so galant als der beste Oberoffizier auffährete. Er besuchte den Fecht- und Tanzboden fleißig, zeigte viel Courage; seiner guten Conduite wegen waren ihm aber auch diejenigen gewogen, welche einesteils Ursach gehabt hätten, ihn zu beneiden und sich feindselig gegen ihn zu erzeigen. Wegen seiner propren Aufführung und wohlgebildeten Person nun verliebte sich ein Kammerfräulein einer gewissen vornehmen Dame, die als Wittbe in der Stadt lebte, wo wir in Garnison lagen, in unsern Merillo. Ich will die Dame bloß Livicarda und das Kammerfräulein Rosinde nennen. Diese Rosinde kann nicht ruhen, bis sie mit Merillo zu sprechen kömmt. Es geschieht endlich dieses durch Vermittlung einer alten Frau zum ersten Male, als von ohngefähr, in einem Garten. Beide Persollen gefallen einander, werden derowegen ihres verliebten Krams bald einig, worauf denn Merillo voll seiner Geliebten einsmals um Mitternachtszeit in ihrer Gebieterin, der Livicarden, Palast, ja sogar in ihre Schlafkammer geführet wird, allwo sie im größten Vergnügen eine Bouteille Wein und allerlei Sorten von Konfekt miteinander verzehren. Indem sie sich aber anschicken, die allersüßeste Kost der Liebe zu genießen, öffnet sich ganz plötzlich die Tür, welche Rosinde zuzuschließen vergessen. Livicarda kömmt selbsten hineingetreten und spricht: "Siehe da! Ihr artigen Herzgen, trifft man euch also hier beisammen an. Beschimpft ihr solchergestalt meinen Palast? Rosinde! wollet Ihr schon Euren Jungferkranz durch einen Soldaten zerreißen lassen? Und Ihr!" so redet sie den Merillo an, "wer seid denn Ihr? Ich bitte um Vergebung nur derentwegen, dass ich Euch ein standesmäßiges Bad kann zubereiten lassen. Traget Ihr nicht mehr Respekt vor eine solche Dame, wie ich bin, als dass Ihr Euch unterstehst, eine von ihren Fräuleins zu schänden." Merillo will zwar seine Verantwortung und untertänigste Bitte um Gnade vor Livicarden kniend verrichten, doch dieselbe höret ihn nicht, sondern ergreift Rosinden beim Arme und schleppt sie aus der Stube, verriegelt dieselbe und spricht, er solle nur Geduld haben, sie wolle ihm etwas anders weisen. Dass dem guten Merillo nicht allzuwohl bei der Sache gewesen sein müsse, ist leicht zu glauben; er hatte die Fenster betrachtet, um herunterzuspringen, allein sie sind zu hoch und darzu mit eisernen Stäben verwahrst, auch ist die Tür dergestalt befestigst, dass er sie nicht aufbrechen kann. Ob nun zwar sein Verbrechen keine Todsünde war, so wollte ihm doch schon im voraus von einer scharfen Züchtigung und starken Prostitution träumen, derowegen blieb er über eine Stunde lang in den allerängstlichen Sorgen und Bekümmernissen sitzen; nach Verlauf derselben aber stellet sich die zwar sehr schön, doch darbei sehr zornig aussehende Livicarda wieder ein und redet ihn mit folgenden Worten an: "Wohlan! Freveler Soldat! Hier außen vor meiner Tür stehen vier bewehrte Knechte, getrauet Ihr Euch mit Euren Degen durchzuschlagen, so waget Euch hinaus, die Türen meines Palasts sind geöffnet, dass ihr weiterkommen könnet." Merillo fällt abermals zu ihren Füßen, bittet um Gnade, stellet vor, es würde ja einer solchen irdischen Göttin, welcher lauter Güte und Barmherzigkeit nebst anderen unaussprechlichen Annehmlichkeiten aus den Augen leuchteten, eben nicht mit einer Handvoll seines Blutes gedienet sein, zudem so wäre ja das Verbrechen, worzu ihn die hitzige Jugend verleiten wollen, noch nicht vollführet worden etc. etc., worauf Livicarda mit einer etwas gnädigern Miene spricht: "Rosinde hat mir bereits gestanden, wievielmal ihr Unzucht miteinander getrieben habt; werdet Ihr nun auch in diesem Stücke, die reine Wahrheit bekennen, damit ich höre, ob eure Reden übereintreffen, so soll Euch dennoch ein Teil meiner Gnade angedeihen." Merillo bekräftiget demnach mit teuren Schwüren, dass dieses ihre erste geheime Zusammenkunft wäre, und setzet noch hinzu, dass er sich zeitlebens noch mit keinem Frauenzimmer fleischlich vermischt habe. Hierauf erkundigt sie sich wegen seiner Charge, Herkommens und anderer seine Person betreffenden Umstände, und da er sie dessen allen mit wohlgesetzten Worten und manierlichen Gebärden berichtet hat, sagt sie endlich mit lachendem Mund: "Ich glaube Euch alles wohl, nur daran zweifele ich, dass Ihr noch ein reiner Junggeselle seid." Dieses nun versicherte Merillo nochmals mit den kräftigsten Worten, worauf Livicarda mit einer verliebten Miene spricht, dergleichen Wildbret wäre etwas Rares und viel zu delikat vor ein armes Fräulein."Wo mich mein Spiegel nicht betrügt oder ich mir nicht selbst schmeichele, so hielte ich mich fast um ein gut Teil wohlgebildeter als meine Rosinde. Wie gefiele Euch demnach der Tausch, Merillo, wenn Ihr anstatt Rosinden mich karessieren dürftet?" - "Madame!" antwortete Merillo, "Sie suchen vielleicht ein Wort von mir herauszulocken, welches mir das Leben kosten soll; doch muss ich bekennen, dass mir dergleichen übermenschliche Schönheit, wie die Ihrige ist, zeit meines Lebens noch nicht vor Augen gekommen, ich aber bin ein Wurm gegen Dero unvergleichliche Person und genieße mehr als zu vieles Glück, wenn ich nur den Staub zu Dero Füßen küssen darf." - "Eurer Gestalt und Geschicklichkeit nach", versetzte Livicarda, "wäret Ihr würdig, ein geborner Prinz zu sein; demohngeacht aber, wo Ihr vernünftig lieben und schweigen könnet, so steht Euch bei mir dasjenige Vergnügen offen, welches Ihr diese Nacht bei Rosinden zu finden verhofft habt; saget demnach kürzlich Eure Meinung und was Ihr Euch selbsten zutrauet." Bei so gestalten Sachen hielt Merillo mit der Resolution nicht lange zurücke, sondern gab die Livicarden wohlgefällige Erklärung mit zitierender Freude von sich, worauf sie ihm selbst den ersten Kuss gab, ihn nach einigen verliebten Tändeleien bei der Hand nahm und eine Treppe hinunter in ihr Schlafzimmer führete, allwo er auf den gehabten Schrecken erstlich einen guten Trunk von einer köstlichen Herzstärkung tun, hernach sich kommode machen und bei Livicarden, ihrer Meinung nach, die ersten Proben seiner Tapferkeit im Venuskriege ablegen musste. Er hat mir ... teuer zugeschworen, dass ihm damals tausendmal besser um die Leber gewesen als bei seiner alten Wirtin auf dem Heuboden; allein er hätte solches eben nicht nötig gehabt, denn ich konnte es ohnedem wohl glauben sowohl als dieses, dass beide keinen Schlaf in ihre Augen kommen lassen, bis endlich der anbrechende Tag erinnert, dass es Zeit sei, voneinander zu scheiden, da ihm denn Livicarda die Verschwiegenheit nochmals bei Verlust seines Lebens eingebunden, diese erste Visite mit einer guten Handvoll Dukaten, die sie ihm in den Hut gelegt, belohnet, auf folgende Nacht seine Wiederkunft durch eine kleine Gartentür, die sie ihm bezeichnet, verlangst und also diesen wohlbestellt befundenen Venusritter fortwandem läßt. Solchergestalt hatte sich nun Merillo das gestörte Liebesvergnügen bei Rosinden gar nicht gereuen lassen, dieses arme Mägdgen aber hat selbige Nacht ihre heiße Liebesglut in einem kalten Gewölbe abkühlen müssen; folgenden Morgens aber ist sie in einen zugemachten Wagen gesetzt und sechzehn Meilen von dannen zu den Ihrigen geführt worden, weswegen denn Merillo dieselbe nach der Zeit nicht wieder zu sehen bekommen. Livicarda lebte, wie ich bereits gemeldet, als eine Wittbe, indem ihr Gemahl, mit dem sie kaum zwei Jahr in einer sehr vergnügten Ehe gelebt, an einer Blutstürzung nur etwa vor einem halben Jahre plötzlich gestorben war. Sie war sehr schön, ihres Alters ohngefähr einundzwanzig bis zweiundzwanzig Jahr, darbei stark bemittelt. Es hatten sich zwar schon verschiedene Freier bei ihr antragen lassen, allein sie mochte bei jedweden etwas auszusetzen haben, indem sie sehr eigensinnig war, jedoch weil sie sehr propre und delikat lebte, konnten die wollüstigen Liebestriebe wohl ohnmöglich außen bleiben, derowegen suchte sie sich in geheim zu vergnügen, vor den Leuten aber wusste sie sich dergestalt zu verstellen, dass man hätte glauben sollen, es wäre ihr an nichts weniger als an dem Venusspiele gelegen, wie sie denn auch noch niemals gesegnetes Leibes gewesen war; allein die öftern Umarmungen des muntern Merillo verursachten, dass sie binnen wenig Wochen bei sich verspürete, wie sie zwei Lebern im Leibe hätte. Es stiegen ihr dieserwegen verschiedene Grillen in den Kopf, doch alles dieses gibt der Liebe zu dem Merillo nicht den geringsten Stoß, welches er daraus abmerken konnte, da sie ihm immer eine starke Geldsumme über die andere in die Taschen steckte, welches er denn nicht übel anlegte, sondern vermittelst desselben erstlich die Fähndrichs - und etwa drei oder vier Monat hernach die Lieutenantsstelle erhielt, auch einen kavaliermäßigen Staat führete. Mittlerweile wird ihrer beider Liebe und die nächtlichen Zusammenkünfte dergestalt geheim praktiziert, dass kein Mensch das geringste davon erfähret, da aber die Zeit ihrer Niederkunft immer näher herbeikömmt, tritt sie eine Reise in ein anderes Königreich an. Merillo erlangt zu gleicher Zeit Urlaub, auf etliche Monate in seine Heimat zu reisen, also kommen sie beide an einem bestimmten Orte zusammen, allwo Livicarda ihre Bagage und übrigen Bedienten zurücklässet, weiter aber niemand mit sich nimmt als eine einzige vertraute Frau und ein getreues Mägdgen, die von Jugend auf bei ihr erzogen worden. Merillo, der sichWagen und Pferde, ingleichen zwei fremde Bedienten angeschafft, führet sie also etliche fünfzig Meilen weit in das fremde Land hinein, so lange bis der junge Merillo sich zu stark reget und das fernere Reisen verhindert. Indem sich nun beide Verliebte vor ein Paar Eheleute ausgeben, wird das Kind, nachdem es frisch und gesund zur Welt gekommen, in einem Dorfe getauft. Livicarda pflegt daselbst drei bis vier Wochen ihrer Gesundheit, nach diesen lassen sie die alte Frau mit dem Kinde in besagten Dorfe und begeben sich wieder auf die Rückreise. Merillo begleitet sie bis nahe an den Ort, wo sie ihre Suite zurückgelassen, sodann gehet er genommener Abrede nach abermals zurück und nimmt das Kind nebst der alten Frauen und einer tüchtigen Amme mit sich nach Deutschland, bringet es bei gute Leute zur Auferziehung, mit dem Begehren, dass es als ein adeliches Kind traktiert und besorgt werden solle; hierzu deponiert er vorerst fünfhundert spec. Taler, indem er von Livicarden noch einmal soviel empfangen hatte, und verlangst, dass man ihm wenigstens alle Monat einmal von des Kindes Zustande Rapport abstatten solle. Seinen Eltern gibt er bei dieser Gelegenheit auch eine Visite, sagt ihnen aber von der Vermehrung ihres Geschlechts nicht das geringste. Da aber dieselben sich über sein jählinges Avancement zum höchsten verwundern, gibt er bei ihnen vor, er sei einsmals des Nachts von einem Gespenste aufgeweckt worden, welches ihm anbefohlen, gleich aufzustehen und mitzugehen, weil er in dieser Nacht denjenigen Schatz heben könne, welcher ihm bescheret sei, widrigenfalls würde dieser Schatz nach sieben Jahren einem andern zuteil werden. Er als Soldat habe demnach das Herze gefasset und wäre dem Gespenste gefolget, welches ihm den Schatz frei und sicher heben und hinwegtragen lassen, auch weiter nichts von ihm verlangt, als dass er jährlich auf diesen Tag zum Gedächtnisse des gehobenen Schatzes sein Hemde ausziehen und dasselbe einen armen Menschen geben solle. Ich weiß nicht mehr zu sagen, ... was er seinen Eltern und Befreundten noch mehr vor Wind vorgemacht, denn es fehlete ihm niemals an geschickten Einfällen. Er lässet aber ein gut Stück Geld zu Hause, worgegen ihm liegende Güter verschrieben werden, den usum fructum aber schenkt er seinen Eltern, bis er nach gebüßeter Soldatenlust wieder nach Hause käme. Nachdem er nun die Sachen in seiner Heimat gehörig eingerichtet, verkaufte er die Kutsche und die Pferde, bis auf drei tüchtige Reitklepper, gab den ausländischen Bedienten eine raisonnable Belohnung, schenkte ihnen die Liberei, die sie nur wenig Wochen getragen, mit auf den Weg, nahm sich einen Reitknecht aus seiner Vaterstadt an, der ihn zugleich als Laquais bedienen konnte, und reisete, nachdem seine Urlaubszeit beinahe verflossen war, wieder zum Regimente. Das Liebesspiel mit Livicarden fing er also aufs neue an, jedoch muss er auf ihr banges Zureden mehr Behutsamkeit als anfänglich gebrauchen, weilen ihr ohngelegen, dergleichen Fatiguen so bald wieder auszustehen und einen solchen Hazard zu wagen, der vielleicht nicht so glücklich ausschlagen dürfte als der erste. Solchergestalt war nun Livicardens Trauerzeit, und zwar noch ein großer Teil drüber, auf eine ganz plaisante Art verbracht. Es melden sich zwar, wie schon gedacht, verschiedene standesmäßige Freier, muss aber einer nach dem andern mit einem Korbe abziehen, weil sie vielleicht von keinem unter allen vermuten können, dass er so geschickt sei, sie zu vergnügen, als Merillo. Endlich kömmt ein junger feiner Herr namens Ch. mit seiner Werbung bei Livicarden angestochen, zu diesem bekömmt dieselbe Appetit, weiln er dem Merillo an Jahren, Gestalt und galanten Wesen ziemlich zu gleichen geschienen, an Reichtum aber übertraf er fast die Livicarda selbst; allein, sie will dennoch nicht eher zuschlagen, bis sie vorhero ihren Trampelgalan mit guter Manier abgeschaffet hat. Merillo, welcher zwar vor wie nach seine Aufwartung noch bei Livicarden machen muss, merket jedoch gar bald, dass er, nur um ihre Brunst zu löschen, Notknecht sein müsse, indem er nicht des zehenden Teils mehr so zärtlich traktiert und karessiert wird als vorhero. Derowegen fängt er an, sich einigermaßen über ihre Kaltsinnigkeit zu beklagen und ihr vorzurücken, dass sie vielleicht seiner überdrüssig sein müsse, indem sie gemeiniglich nach vollbrachten Liebesspiele einen besonderen Ekel gegen seine Person spüren ließe, worauf Livicarda freimütig bekennet, dass sowohl des Staats als ihr eigenes Interesse erforderte, die Anwerbung des Herrn G. von Ch. nicht auszuschlagen, sondern ihm die eheliche Hand zu geben; derowegen würde er, Merillo, sie nicht verdenken, wenn sie sich gewöhnen musste, sich seiner nach und nach zu enthalten; inzwischen würde sie das mit ihm genossene Liebesvergnügen beständig in geneigten Andenken behalten und allezeit eine gute Freundin von ihm verbleiben. "Wohl gut, Madame!" sagt Merillo mit einer etwas ernsthaften Stimme und Miene, "ich muss mir gefallen lassen, meine Glückseligkeit und Vergnügen, zu welchem ich plötzlich und unverhofft gelanget, auch plötzlich und unverhofft wiederum zu quittieren, schätze mich auch verbunden, vor Dero Interesse mehr als mein Vergnügen aufzuopfern, und bin bereit, das letzte Adieu von Ihnen zu nehmen, doch bitte nur vorhero von ihnen Ordre aus, ob die Frucht Ihres Leibes zum bürgerlichen oder adelichen Stande erzogen werden soll." Sie lässet durch Gebärden nicht undeutlich spüren, dass sie sich über diese Reden alteriert, gehet aber, nachdem sie ihn noch ein wenig warten heißen, in ein Nebenzimmer und kömmt erstlich nach Verlauf einer halben Stunde wieder zurück, da sie denn mit einer negligenten Miene zu ihm spricht: "Ich bin voritzo nicht imstande, Euch zu kontentieren. Gehet diesesmal hin, ich will Euch bei nächster Zusammenkunft in allen Satisfaktion geben." Er macht sein Kompliment und geht ziemlich trotzig seiner Wege, ist aber kaum drei oder vier Schritt von der Gartentür hinweg, als er in der dicken Finsternis, und zwar in einem Tempo, zwei Stiche, einen von vorne in die rechte Schulter und den andern durch die linke Weiche, bekömmt. Er tut einen Sprung auf die Seite, ziehet seinen Degen, um bei weiterer Attaque einen seiner Feinde mit in den Tod zu nehmen, da er aber vermerkt, dass dieselben davonlaufen, hält er nicht vor ratsam, größern Lärm zu machen, sondern schleicht in aller Stille nach seinem Quartiere, läßt einen Feldscher kommen und sich verbinden. Etliche Tage sahe es sehr schlimm mit ihm aus; jedoch weil keine Hauptteile im Unterleibe verletzt waren, wurde er in wenig Wochen vollkommen restituiert. Inmittelst erfuhr er, dass Livicarda ehester Tages mit dem G. von Ch. Beilager halten würde, derowegen trieb ihn der heftige Chagrin an, folgende Zeilen an Livicarden zu schreiben: Geht diesesmal hin, ich will Euch bei nächster Zusammenkunft in allen Satisfaktion geben. Madame! Dieses waren die letzten Worte, so ich neulich von einer vornehmen Dame hören musste, die mich ehedem sehr öfters kommen, aber niemals weggehen heißen. Doch Glücke, Glas und die Liebe eines vornehmen Frauenzimmers gegen eine Mannsperson geringeren Standes zerbricht gar leichtlich, und also bewundere ich nichts, als dass Dero heftige Brunst von so langer Dauer sein und durch mein unermüdetes Bemühen nicht eher als itzo gelöschet worden. Jedoch was will ich von löschen sagen, da vielleicht die Glut dermalen durch den Anblick eines vierschrötigen Landsmannes noch heftiger angeblasen worden, von welchen etwa präsumiert wird, dass er seine Rebus besser machen werde als ein politer Deutscher. Demnach verwundete ich mich auch nicht, dass ich meinen Abschied von Ihnen bekommen, nur wundert mich, dass, da beschlossen gewesen, mir das Lebenslicht ausblasen zu lassen, Sie keine geschicktern Meuchelmörder, sondern solche feige Kanaillen choisiert haben, welche die rechten Fleckgen nicht zu treffen gewusst, sondern, nachdem sie ihre Stöße mit selbst eigener Angst und Zittern angebracht, sich, sobald sie nur meinen Degen aus der Scheide fahren höreten, auf die Flucht begaben. War denn etwa dieses, Madame, die versprochene Satisfaktion? Sollte dieses der Rekompens vor meine oft über die Gebühr angespannete Kräfte sein? Sollte solchergestalt das kostbare Geheimnis erstickt und keinem Menschen kundgemacht werden, ob der arme kleine Livicardomarillus vom Himmel gefallen oder hinter den Zaune gefunden sei, mithin dieses unschuldige Kind zu einer vater- und mutterlosen Waisen gemacht werden? Ja, ja! ich besinne mich, die Staatsraison hat solches absolutement erfordert. Doch nein, Madame! das Militärleben ist vermögend, einem bürgerlichen Körper ein adeliches Herze einzupfropfen. Ob es aber zwar gleich keine Heldentat ist, dergleichen Cameralia, als wir eine Zeit dahero miteinander traktieret, auszuplaudern, so wird doch hoffentlich die galanteWelt, in Betrachtung meiner ausgestandenen Fatiguen, mich nicht verdenken, wenn ich auf Mittel sinne, meinen Hohn zu rächen, welches ich wohl unterlassen, wenn man nicht versucht hätte, mich auf eine so liederliche Art ums Leben zu bringen. Demnach kündige ich Ihnen, Madame! meine vorgesetzte Rache an, worbei ich meinen Körper tausend Gefährlichkeiten exponiere, jedoch garantiere, dass, ob auch mein Körper in tausend Stücke zerteilst würde, dennoch keine menschliche Gewalt vermögend sein soll, die Publikation des Geheimnisses zu verhindern, welches zur Zeit noch meines Wissens niemanden als uns beiden bekennt ist; denn es liegt bereits mit allen ackuraten Umständen der ganzen Welt zur Nachricht aufgeschrieben an einem sichern Orte, welches ich darum getan habe, weil ich nicht weiß, ob ich vor meinem Ende noch imstande sein möchte, solches mündlich publik zu machen. Zwar glaube ich nicht, dass mein vertrauter Umgang mit Ihnen Dero hohen Stande eben so gar sehr despektierlich sein kann, weil ein braver Soldat ebensowohl von Adam und Even herstammet als eine Staatsdame hiesigen Landes. Vielleicht ist auch der Herr G. von Ch. eben so ekel nicht, dass er nach Vernehmung dieser Liebesbegebenheit Dieselben nicht ebenso feurig, als Sie sich ohnfehlbar schon im Geiste vorstellen, embrassieren sollte, wo er ja die Probe nicht bereits abgelegt. Dem sei aber wie ihm sei, so will doch ich erstlich eine mit Pulver, Blei und Blut geschriebene Protestation wider das fernere Verfahren einlegen, um wegen meines mir meuchelmörderischerweise abgezapften unschuldigen Bluts Revange zu nehmen. Solches meldet Ihnen zur dienstlichen Nachricht der beherzte Merillo ... da Merillo eines Tages auf dem großen Platze vor ihrem Palais herumspazieret und wegen seiner in Gurt gesteckten Pistolen mutmaßen lässet, als ob er auf dem G. von Ch., der eben damals von Livicarden traktiert wurde, laurete, schickt sie eine ihrer Getreuen an ihn ab, lässet ihm eine ziemliche Summa Geldes bieten, wenn er sie ferner ungekränkt lassen und sich gar von dannen hinweg in andere Dienste begeben wolle; anbei läßt sie versprechen, sich noch selbigen Abends in einem Schreiben wegen des auf sie gelegten Verdachts, den Meuchelmord betreffend, zu entschuldigen und ihm bessere als vermeinte Satisfaktion zu geben. Dieser stellet sich anfänglich ziemlich spröde, weiln aber dennoch seine Absichten bloß allein auf das Geld gerichtet sind, verspricht er endlich, die Satisfaktionspunkte in seinem Quartiere zu erwarten, begibt sich also, nachdem er vor Livicardens Palais ein Pistol in die Luft geschossen, in sein Quartier. Von ohngefähr fügte sich's, dass ich nebst noch einem Offizier durch solche Straße passierte, weiln wir nun den Merillo im Fenster gucken sahen und wussten, dass er öfters lieber ein paar gute Freunde auf der Stube hatte als in starke Kompagnien ging, trafen ihn aber sehr konsterniert und kaltsinnig an. Doch weiln sich bekannte Offiziers untereinander nicht viel hieran zu kehren pflegen, so machten wir beide auch diesmal uns keine Sorge daraus, setzten uns nieder, spielten ein L'hombre und rauchten eine Pfeife Tobak darbei. Merillo stellete sich, da es Abend zu werden begunnte, etwas unpäßlich und schläfrig an, allein mein Kamerad, der etwas lustiges Geistes war, sagte: "Herr Bruder! du magst im Ernste krank oder schläfrig sein, so gehe ich doch vor Mitternachts nicht vom Flecke." Wie er demnach sehe, dass es nicht anders war, stellete er sich etwas aufgeräumter. Ohngefähr um zehn Uhr des Nachts aber kam sein Bedienter und meldete, dass zwei Personen da wären, welche etwas an ihn zu überbringen hätten. Derowegen sprach Merillo zu mir: "Messieurs, seid von der Güte, nehmet ein Licht und gehet nur auf einige Minute in dieses Nebenzimmer, weil ich nur noch etwas zu negotiieren habe, worvon ich Euch nachhero Part geben will." Wir weigerten uns nicht, dieses zu tun, weil ich aber curieus war zu sehen, was passierete, guckte ich durch das Schlüsselloch und wurde gewahr, dass sein Diener zwei Weibspersonen hineinbrachte, von welchen die eine einen schwer angefülleten Korb truge und von einer sogenannten wohlbewussten Person einen Gruß wie auch ein Schreiben brachte, anbei den Merillo bat, er möchte von der Güte sein und seinen Diener bis an die Ecke der Straße gegen den Markt zu schicken, weiln zwei Weiber unterwegs wären, die das Beste trügen, sich aber vielleicht verirren könnten. Dieser schickte also seinen Diener mit der Laterne fort, trat zum Lichte und erbrach den empfangenen Brief, inmittelst half eine der andern den Korb auf die Erde setzen, welcher, wie wir hernach befanden, mit etlichen wohlversiegelten Kästlein, worinnen lauter Sand befindlich, unten aber mit Steinen beschwert war. Da dieses geschehen, zohen sie eine seidene starke Schlinge hervor, warfen dieselbe dem Merillo mit größter Geschwindigkeit über den Kopf um den Hals, rissen ihn zu Boden, so dass er sich kaum regen, viel weniger um Hülfe rufen konnte. Es ist leicht zu erachten, dass mein Kamerad und ich nicht lange gezaudert haben, dem ehrlichen Merillo in seinen Todesnöten beizuspringen. Ich kam eben noch zur rechten Zeit, demjenigen Stoße Einhalt zu tun, welchen die eine Verteufelte mit einem Dolche in seine Brust tun wollte; indem ich nun bemühet war, dieselbe zu entwaffnen, wollte mein Kamerad dem gurgelnden Merillo die Schlinge vom Halse machen, bekam aber darüber von der andern Bestia einen Dolchstich ins Gesäße und hatte also Ursach, dem Himmel zu danken, dass sie seines hohlen Leibes verfehlet. Ich wurde es so bald als er selbst gewahr, zohe derowegen alsofort meinen Degen und Hieb ihr die Hand, worinnen sie den Dolch führete, vom Leibe, so dass beides zu ihren Füßen fiel. Die andere fetzte ich gleichfalls etlichemal über den Kopf ins Gesicht und über die Hände. Da nun mittlerweile mein Kamerad dem ehrlichen Merillo die Schlinge abgemacht und es dahin gebracht, dass er wieder Luft schöpfen und die Augen eröffnen konnte, stießen wir beide Kanaillen zu Boden, bunden ihnen selbst Hände und Füße so fest als möglich zusammen, befanden aber, dass das eine zwar eine Weibs-, das andere aber eine Mannsperson war. Wir ließen die beiden Mordbestien liegen und strampeln, den ohnmächtigen Merillo aber trugen wir auf sein Feldbette, da ihn denn mein Kamerad den Hals und das Gesichte mit Franzbrannteweine riebe, dessen er kaum eine halbe Stunde vorhero eine ganze Bouteille voll holen lassen, ich aber trat an ein Fenster und rufte;dessen ausgeschickten Diener mit lauter Stimme, allein ich hätte lange rufen mögen, denn derselbe war ebenfalls von etlichen Straßenräubern überfallen, zu allem Glücke aber von der darzukommenden Patrouille noch errettet und in die Corps de Garde gebracht worden. Solches erfuhren wir von einem die Wacht habenden Soldaten, welchem ich befahl, dass er augenblicklich einen von seinen Kameraden, den nächsten den liebsten aufsuchen und ihn sogleich zu uns schicken sollte. Es währete keine drei Minuten, so stellete sich einer ein, dem wir ein Paar geladene Pistolen gaben, um daferne er etwa auf der Straße von Mördern angegriffen würde, sich damit zu wehren, nur aber ohne Zeitverlust einen Feldscher herzubringen. Er kam nebst dem Feldscher eiligst wieder, demnach wurde dem ehrlichen Merillo vor allen andern Dingen eine Ader geschlagen und etwas Arzenei eingeflößet, worauf er sich wieder besinnen, auch einige Worte sprechen konnte. Mein Kamerad ließ sich auch nach seiner Wunde sehen, es wurde aber dieselbe, wiewohl etwas tief, aber doch nicht gefährlich befunden. Die beiden Meuchelmörder wurden gleichfalls verbunden, und unser Soldat musste sie bewachen, der Feldscher aber und ich bewachten unsere beiden Patienten, welche wir in das Nebenzimmer zur Ruhe gebracht hatten. Frühmorgens befande sich unser Merillo ziemlich besser, da aber der Feldscher weggegangen war, um einige Medicamenta zu holen, dankte er uns aufs verbindlichste vor die Rettung seines Lebens, sagte anbei, wir als seine Schutzengel müssten gewiß durch eine besonders gnädige Fügung des Himmels ihm zugeschickt worden sein, da er doch nicht leugnen könnte, dass er gestrigen Abend wegen ein und anderer Grillen lieber allein zu sein gewünschet, wo er aber alleine gewesen, würde er sich nunmehro ohnfehlbar schon im Reiche der Toten befinden. Nach diesen, weiln er merkte, dass aus dem gefundenen und mit Livicardens Namen unterschriebenen Briefe uns ein und anderes von seinen Liebeshändeln müsse bekannt worden sein - denn ohngeacht dieser Brief, unter dessen Durchlesen ihm die Kähle bald zugeschnüret worden war, ziemlich mit Blut besiedelt, er doch noch ziemlich leserlich -, so erzählete er uns verschiedenes von seinen Avanturen, bat sich aber hierbei noch zur Zeit unserer Verschwiegenheit aus und versprach dargegen vor redlich geleistete Hülfe und Lebensrettung uns eine ansehnliche Diskretion zu verschaffen. ... Livicardens Brief aber, den ich noch jetzo in meiner Brieftasche bei mir führe, klinget also: Mein Merillo! Ihr glaubt, dass ich Euch geliebt habe, dass ich Euch aber noch liebe, wollet Ihr nicht glauben; allein ich versichere Euch dessen vollkommen, ja ich rufe den Hirnmel zum Zeugen an, dass ich alle Staatsmaximen verdammen und niemand auf der Welt lieber als Euch zum Ehegemahl haben wollte. Doch wo Ihr vernünftig seid, so erwäget selbst, dass die rasende Wut meiner Landsleute uns alle beide nicht einen Monat lang würde leben lassen. Wie könnet Ihr nun verlangen, dass ich meine zeitliche Glückseligkeit, ja sogar mein Leben in die Schanze schlagen und an Euren und meinem Tode Ursächerin sein sollte? Zwar wie ich aus Eurem Schreiben ersehe, so stehet Ihr bereits in den Gedanken, als ob ich die Bosheit begangen und einen meuchelmörderischen Anschlag auf Euer Leben gemacht; allein mein Gewissen ist von dieser Sünde frei. Ich glaube wohl, dass Euch jemand bei meinem Garten mag aufgepasset haben, denn die Bangigkeit meines Herzens und das auf derselben Stelle gefundene frische Blut, sodann die Nachricht, dass Ihr Euch unpaß befändet, überzeugten mich, dass Euch ein Unglück widerfahren sein müsse. Ich konnte aber keine genauere Nachricht davon einziehen, weil man mir sagte, dass Ihr Tag und Nacht gute Freunde um Euch hättet; unterdessen weil ich in Eurem Unglück unschuldig, so hat Euer auf mich gelegter Verdacht mir wohl mehr Tränen als Euch der Mörderstahl Blutstropfen gepresset. Hierbei bin ich auf die Gedanken geraten, ob etwa einer von meinen Freiern eins von meinen Bedienten mit Gelde bestochen und zur Untreue bewogen, mithin einige Nachricht von unsern geheimen Zusammenkünften erfahren und Euch also auf den Dienst gelauret. Ihr sehet also, dass die Gefahr vor uns beiderseits sehr groß ist, derowegen handelt klug, nehmt von mir sechstausend Taler bar Geld, verlasset diesen fatalen Ort, gehet auf eine Zeit in andere Dienste und machet damit vor diesesmal mich ruhig, Euch aber glücklich und vergnügt. Ja! mein Merillo, folget mir und entfernet Euch auf diesmal, was Euch hinfüro mangeln möchte, sollet Ihr jederzeit par Wechsel von mir zu gewarten haben; denn Livicarda wird Euch nebst ihrem eigenen Fleische und Blute nimmermehr Not leiden lassen. Nach einigen Jahren ist Euch die Zurücckunft unverwehrt, ja Ihr könnet sodann Euer Vergnügen vielleicht in reicherer Maße wieder finden als jetzo, da Ihr es vor verloren schätzet. Folget mir anjetzo, mein Merillo, denn Euer und mein Glück beruhet darauf, bleibt auch versichert, dass ohngeachtet ihrer Vermählung mit einem andem Euch dennoch bis in den Tod beständig lieben wird L. v. c. A. Es ist erstaunlich, wenn man das verzweifelte Gemüte einer solchen falschen Sirene betrachtet, welche zwar Honig im Munde, Strick und Dolch aber in Händen führet.Wenn ich an des Merillo Stelle gewesen wäre, so hätte mich der Jachzorn ohn allen Zweifel dahin verleitet, Livicarden auf ihren Zimmer zu erschießen oder sie aufs wenigste vor aller Welt zu prostituieren. Doch dieser hatte sich von der gesunden Vernunft und seinem eigenen Interesse regieren lassen, setzte demnach folgendes Schreiben an sie auf: Tyrannische Dame! Gestrenge Gebieterin der Henker und Meuchelmörder! Wisset, dass Euer verteufelter Anschlag, mich von zweien verkleideten Furien - wovon Ihr ohnfehlbar die dritte seid - mit Strick und Dolch ums Leben bringen zu lassen, durch Schickung des Himmels abermals rückgängig worden und nicht nach Eurem Wunsche abgelaufen ist; denn Merillo lebet noch, ohngeachtet ihm der Hals bereits zugeschnüret und alle Gedanken vergangen waren. Ja, er lebt noch und vielleicht zu Eurem Unglück, wenigstens Spotte, Hohne und Verachtung bei der honetten Welt. Wisset ferner, dass wo Ihr mir nicht heutigen Tages vor Untergang der Sonnen sechstausend spec. Taler zu meiner Rekreation und zur Auferziehung Eures zur Welt gebrachten uneheligen Kindes, nächst diesen tausend spec. Taler vor vier Personen, welche mir mein Leben errettet und um diese Begebenheit Wissenschaft haben, in mein Quartier anhero sendet, so will ich die in meiner Gewalt habenden Meuchelmörder morgen mit dem allerfrühesten in die Hände der Justiz liefern und nebst Eingebung einer ordentlichen Specie facti der curieusen Welt solche Geheimnisse vor Augen legen, die sich der tausende Mensch von einer solchen Person, wie ihr angesehen sein wollet, wohl schwerlich hätte träumen lassen. Bekomme ich aber das Verlangte ungesäumt, so soll nicht allein alles, was geschehen, unterdrückt und verschwiegen bleiben, sondern es sollen auch die zwei gefangenen Mörder an Euch ausgeliefert werden. Nehmet es als eine besondere Marque meiner ehemaligen Liebe und noch jetzigen Höflichkeit und Gelassenheit an, dass ich mich den Jachzorn nicht verleiten lasse, anders zu verfahren. Überleget Eure Affären aufs beste, inzwischen wird seine Avantage auch zu überlegen bemühet sein Merillo Diese Zeilen lieferte ich auf des Merillo Bitten Livicarden in ihre eigenen Hände,sie erbrach dieselben und wendete sich damit an ein Fenster. Ohngeacht ich ihr nun nicht ins Gesichte sehen konnte, so bemerkte ich doch, dass sie unter dem Lesen recht erzitterte und eine gute Weile als eine Statue auf einer Stelle stehenblieb, endlich besonne sie sich wieder, wendete sich herum, sahe so blaß aus als eine Leiche und sagte zu mir: "Monsieur! weil ich nicht zweifele, dass Sie ein vertrauter Freund von dem Herrn Lieutenant Merillo sind, so bitte ihm von meinetwegen zu melden, dass es zwar einen starken Schein habe, als ob ich an dem ihm begegneten Zufalle schuld habe, allein es ist nicht an dem, sondern ich bin unschuldig und will mich schriftlich deutlicher erklären, auch heute abend, sobald es dämmrig wird, dasjenige übersenden, was er verlangst hat, worgegen ich verhoffe, dass er als ein redlicher Offizier seine Parole halten werde." Wie sie nun Miene machte, sich in ihr Cabinet zu begeben, versprach ich, dero Befehle wohl auszurichten, machte meinen très humble und brachte dem Merillo die fröhliche Post zurücke. Livicarda hielt ihr Wort redlich, denn sobald es abends dämmerig zu werden begonnte, meldeten sich zwei Personen, die eine Sänfte mit sich gebracht hatten, lieferten in sieben Säcken siebentausend spec. Taler an Merillo, welcher die Säcke sogleich aufschnitt, um zu sehen, ob nicht abermals ein Betrug darunter vorginge, mittlerweile stunden unser vier Personen bei einem Tische, worauf sechs Paar geladene Pistolen und vier Pallasche lagen. Da aber Merillo merkte, dass alles richtig sein und die Summa wohl zutreffen würde, ließ er die zwei blessierten Arrestanten verabfolgen, welche in die Sänfte gelegt und fortgetragen wurden, ohne dass weiter jemand etwas von der Hauptsache gemerkt hätte; denn Merillo bewohnete sein Quartier ganz alleine mit seinem Bedienten. Den Brief, welchen er nebst der Geldsumme von Livicarden empfangen, hat er mir nicht gezeiget, doch merkte ich, dass sich sein Zorn gegen dieselbe ziemlich gelegt hatte; denn er ließ sich verlauten, wie er sich nicht genug verwundern könne, dass Livicarda ein so großes Vertrauen auf seine Parole gelegt, und er schlösse fast aus gewissen Umständen, dass sie an der Meuchelmörderei keinen Teil habe; derowegen bat er mich und meinen Kameraden höchlich, alles das, was er uns von seinenLiebesavanturen erzählet, sowohlals alles dasjenige, was in vergangener Nacht und heute passiert, verschwiegen zu halten, damit weder er noch Livicarda prostituiert und auf der Leute Zungen herumtanzen müssten. Wir gelobten ihm demnach nicht nur auf Offiziersparole das Stillschweigen an, sondern verschworen uns auch teuer, weder zu seinem noch Livicardens Verdruß etwas auszuplaudern, und obgleich ich anitzo diese Geschicht erzählet habe, so wird doch ... wohl keiner erraten, was eigentlich vor Personen unter den fingierten Namen gemeinet sein. Jedoch zum Schlusse meiner Erzählung zu kommen, so muss ich bekennen, dass Merillo so liberal war und uns beiden Offiziers jeden fünfhundert spec. Taler vor unsere gehabte Bemühung aufzwange. Dem Feldscher gab er zweihundert, dem Musketier aber wie auch seinem eigenen Bedienten jeden hundert Taler, welche drei letztern in unsern Beisein einen ordentlichen Eid schwören mussten, von dieser Begebenheit und alledem, was sie gesehen und gehöret, nichts auszuplaudern. Mein Kamerad und ich blieben noch einige Tage bei ihm, ausgenommen, wenn mich die Wache traf, brachten auch auf des Merillo Verlangen verschiedene andere Offiziers mit, die ihm, weil er würklich vom Schrecken noch etwas unpaß war, die Zeit passieren mussten. Ferner hielt er alle Nacht vier bis sechs Musketiers von der Kompagnie, bei welcher sein Hauptmann damals nicht gegenwärtig war, in der untern Stube seines Quartiers mit Essen und Trinken frei, welche die Nachtwache mit ihrem Gewehr bei ihm halten mussten, indem er sich immer noch eines meuchelmörderischen Überfalls befürchten mochte. Sobald aber sein Capitain wieder zur Kompagnie kam, nahm Merillo abermals Urlaub zu verreisen, ließ seine beschwerliche Bagage in meiner Verwahrung und machte sich mit einer Extrapost aufs eiligste fort. Wenig Wochen hernach kamen Briefe von ihm, worinnen er bei dem Chef um seinen Abschied anhielt, welchen er auch bald hernach nebst seinen zurückgelassenen Sachen bekam. Nach diesen habe ich zwar den ehrlichen Merillo nicht wieder gesprochen noch gesehen, jedoch vernommen, dass, nachdem er bei einer nordischen Puissance Dienste genommen und sich in ein paar Kampagnen wohl gehalten, er nunmehro den Obristlieutnantsposten erstiegen. Ich aber bin immer noch Lieutenant...,das macht, weiln ich kein Geld, mithin nur einen Sack voll Hoffnung habe, mit der Zeit, wenn es einmal buntüber gehet, höher zu steigen. Unterdessen siehet man doch, wie das Glücke mit dem Menschen zu spielen pfleget; denn hätte Merillo bei dem Frauenzimmer keine Goldgrube gefunden, was gilt's?, er sollte mir wohl noch bis auf diese Stunde Korporal, wenn es viel wäre Furier oder höchstens Sergeant sein. |
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Vergängliche Schönheit Albanie Auf den Mund Auf einen Kuss Vollkommene Schönheit Die Wollust |
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, geboren am 25.12.1617 Breslau, gestorben am 18.04.1679 ebenda. Sohn eines kaiserlichen Kammerrats, Gymnasium Breslau und Danzig, wird dort von Opitz zu Dichtversuchen angeregt und gefördert. 1637 Studium Jura in Leiden. Bildungsreise durch die Niederlande, England, Frankreich und Italien. Seit 1642 wieder in Breslau, 1643 heiratet er und wird dort 1646 Ratsherr. Hoffmannswaldau ist als politischer Gesandter der Stadt mehrfach am Wiener Hof. 1657 erhält er den Titel eines Kaiserlichen Rats, 1677 wird er Präsident des Breslauer Ratskollegiums. Hoffmannswaldau zeichnet sich durch weltmännische Bildung und breite Kenntnis der europäischen Literatur aus. |
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| Vergänglichkeit der Schönheit |
Es wird der bleiche
tod mit seiner kalten hand Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen / Der liebliche corall der lippen wird verbleichen; Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand / Der ugen süsser blitz / die kräffte deiner hand / Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen / Das haar / das itzund kan des goldes glantz erreichen / Tilget endlich tag und jahr als ein gemeines band. Der wohlgesetzte fuß / die lieblichen gebärden / Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden / Denn opfert keiner mehr der gottheit deiner pracht. Diß und noch mehr als diß muss endlich untergehen / Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen / Dieweil es die natur aus diamant gemacht. |
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Albanie Albanie Albanie Albanie Albanie Albanie |
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Mund! der die seelen kan
durch lust zusammen hetzen Mund! der viel süsser ist als starcker himmels-wein Mund! der du alikant des lebens schenckest ein Mund! den ich vorziehn muss der Inden reichen schätzen Mund! dessen balsam uns kan stärcken und verletzen Mund! der vergnügter blüht / als aller rosen schein. Mund! welchem kein rubin kan gleich und ähnlich seyn. Mund! den die Gratien mit ihren quellen netzen; Mund! Ach corallen-mund / mein eintziges ergetzen! |
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Wie zürnst du Florida so
ohne maaß und ziel dass meine zunge hat die gränzen übergangen? Die schuld ist nicht zu groß und that sie dir zu viel Wie hast du sie denn nicht wie sies verdient gefangen? Doch dass dir kundbar sey warum ich es gethan dass ich die zunge dir ließ schlund und gaumen lecken Ich dachte weil sie mehr als billich plaudern kan Sie möchte sonst aus neid mein liebes-spiel entdecken. |
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Beschreibung vollkommener Schönheit |
Ein haar so kühnlich
trotz der Berenice spricht Ein mund der rosen führt und perlen in sich heget Ein zünglein so ein gifft vor tausend hertzen träget Zwo brüste wo rubin durch alabaster bricht Ein hals der schwanen-schnee weit weit zurücke sticht Zwey wangen wo die pracht der Flora sich beweget Ein blick der blitze führt und männer niederleget Zwey armen derer krafft offt leuen hingericht Ein hertz aus welchem nichts als mein verderben quillet Ein wort so himmlisch ist und mich verdammen
kan |
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Die Wollust bleibet doch der Zucker dieser Zeit Es schaut uns die Natur als rechte Kinder an Nur das Gesetze wil allzu Tyrannisch seyn Die Ros entblösset nicht vergebens ihre Pracht Was nutzet endlich uns doch Jugend Wer Epicuren nicht
vor seinen Lehrer hält |
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| Der Zweikampf |
Zu den berühmtesten Werken der erotischen Weltliteratur gehört das Buch "Die amourösen Gespräche der Aloisia Sigaea". Diese Sittengeschichte wird 1659 zum ersten Mal in Lyon gedruckt hat es auch heute noch nichts von seinem ursprünglichen Reiz eingebüßt. Seitdem hat es in der Weltliteratur nur wenige Bücher gegeben, die so oft gedruckt wurden wie eben dieses klassische erotische Werk. Die offensichtliche Tugend der realen Luisa Sigea hindert aber den Verfasser der Sittengeschichte nicht im mindesten, ihr den größten Makel anzuhängen, indem er ihren Namen in Verbindung mit diesem von der Offenheit der Schilderung her doch recht delikaten Werk bringt. Es ist selbstverständlich und auch allen Köpfen seiner Zeit klar, dass keine Frau, vor allem keine durch ihren sittenreinen Lebenswandel bekannte Hofdame, ein derartiges Werk zustande bringen könne. Seit jeher streiten sich also die Geister, wer dieses prächtige klassische Erotikon denn wohl verfasst hätte. So schreibt man die Autorenschaft sowohl Johannes Meursius, berühmter holländischen Professor an der Leydener Universität, als auch dem französischen Advokaten Nicolas Chorier zu. Eines jedoch steht fest: Aus wessen Feder auch immer dieses einmalige erotische Werk stammen möge, es ist ein Meister in der Schilderung delikater Geschehnisse aus dem unergründlichen Reich der Liebe. So liest man in diesem Buch, wie sich die junge Octavia von ihrer erfahrenen Freundin Tullia darüber aufklären lässt, was einem Menschen alles widerfahren kann, wenn die Sinnenlust ihn packt und übermächtig in ihm wird. Alles in allem also wird der Leser stiller Zeuge der intimen Gespräche zweier Freundinnen, die sich über die tausendundeins Variationen der fleischlichen Liebe und ihre reichlich geflossenen sinnlichen Eskapaden unterhalten, wobei kein Blatt vor die süßen Münder genommen wird... |
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Viertes Gespräch |
Tullia: Ich kann dir gar nicht sagen, wie herrlich erfrischt ich mich nach diesem langen Schlummer fühle, der sieben Stunden ununterbrochen meine Glieder umfangen hielt. Du aber, Octavia...? Octavia: Ich bin schon seit einer Stunde wach, nachdem ein furchtbares Traumbild mich bebend und zitternd aufgeschreckt hat. Tullia: Wenn du magst, erzähle mir bitte, was dir träumte. Octavia: Liebe Tullia, mir war so, als wäre ich mit Caviceus zusammen und spazierte mit ihm an dem schattigen, grünen Ufer des Po unter dem Dach der Weidenzweige, die uns vor der Sonnenglut schützten. Caviceus liebkoste meine Ohren und meine Seele mit den sanftesten Bitten, in die seine Liebe ihn sich ergießen ließ. Er bat mich um einen Kuss - ich sträubte mich. Er redete mir zu, ich möchte ihm doch einen schenken. Ich tat es, und er nahm ihn. Als er aber außerdem noch mit der einen Hand an meinen Busen griff und mit dem andern Arm mich umschlang, da vermochte ich durch deine Ratschläge, aber dennoch nur mit Mühe, mich seinen Umklammerungen zu entwinden. Als ich mich von ihm befreit hatte, floh ich vor ihm - er verfolgte mich; und als er mich gerade ergreifen will, da drehe ich mich um und - o Tullia, was für ein Ungeheuer erblicke ich da! Tullia: Hatten sich etwa Wölfe auf Caviceus gestürzt, um deinen Herzallerliebsten zu zerreißen? Oder hatte er sich selbst mit seinem Schwert durchbohrt? Octavia: Was für Witze! Möge er lieber mich mit seinem Dolch durchbohren! Tullia: Schau dieses Mädchen, was für ein drolliges Gesicht sie macht, die Schelmin! Octavia: Ich sah ihn in das grässlichste Tier verwandelt; er glich einem Satyr, sowie wir ihn auf Bildern dargestellt finden, und sah gar nicht mehr wie Caviceus aus. Von Haaren starrte sein ganzer Leib; auf seinem Kopf waren ihm an der Stirn zwei Bockshörner gewachsen, die in eine lange Spitze ausliefen. Die Ohren aber, die Stirn, die Augen, die Nase und das ganze Antlitz hatten sich nicht verändert. Eine Lanze richtete er drohend auf mich, die doppelt solang und so dick war wie bei dem wackersten Mann, der unter dem Zeichen der Venus ficht; der übrige Teil des Körpers hatte wieder Bocksgestalt. Er stürzte sich auf mich, wollte mich schänden, presste seinen Mund auf meinen. Was soll ich noch weiter berichten? Dieses so ungewöhnliche Schauspiel erschreckte mich. Du nun aber, die du so gescheit bist, wirst mir gewiss sagen können, was für ein Unheil mir dieser Traum prophezeit. Tullia: Ich könnte es dir sagen, liebe Base, und ich werde es auch zur gegebenen Zeit tun: aber es hat keinen Zweck, unter den gegenwärtigen Umständen mit dir darüber zu sprechen. Octavia: Lass mich doch nicht länger von Wissbegierde verzehrt werden, meine Gebieterin, mein Gatte! Sag es mir - ich beschwöre dich -, wenn dir je zur Wonne mein Leib gereichte! Tullia: Süße Früchte der Liebe mit andern sagt dir, der blühenden, zarten Schönheit, dieser Traum voraus; dem Caviceus aber kündet er, wenn auch keinen Schmerz, so doch die Verletzung seines ehelichen Lagers. Octavia: O möge mir solche Schande erspart bleiben! Tullia: Diejenigen Männer, deren Ehefrauen nicht der ehrbaren Venus huldigen, sondern sich aus Wollust von andern besteigen lassen, nennt man allgemein "Böcke" oder "Hörnerträger". Octavia: Ich verstehe. So werde ich also in eine solche Treulosigkeit verfallen? Ich werde, meinst du, nicht nur Caviceus gestatten, meinen Leib zu genießen? Lieber möchte ich sterben, als dass ich eine solche Schmach über mich kommen ließe! Oder hast etwa auch du mit ehebrecherischer Wollust zu tun gehabt? Es möge mir fern sein, so etwas zu denken, und hoffe du nicht etwa, mich jemals zu ähnlichem bereit zu finden! Tullia: Hierüber, liebes Mädchen, wollen wir uns zu einer geeigneteren Zeit unterhalten, wenn du deine Jungfernschaft verloren hast und Caviceus dich etliche Monate hindurch bei Tag und bei Nacht zusammengepresst, zerstampft und zerrieben hat. Andere Zeiten, anderer Sinn - verlass dich darauf, das weiß ich ganz genau. Octavia: Du musst ganz andern Sinnes geworden sein; und deine Meinung kann nicht die gleiche sein wie damals, als du Callias heiratetest. Wie könntest du sonst so von mir denken! Tullia: Wer möchte dir wohl deine nicht zu bändigende Leidenschaft zum Vorwurf machen, wenn das Geschick dich zu jener Liebesraserei treibt, zu der es auch mich getrieben hat, der auch Minerva selbst nicht entgehen könnte? Aber hast du in deinem Traum sonst nichts an Caviceus gesehen? Octavia: Nein - ganz und gar nichts; und während dich der tiefe Schlummer noch gefangen hielt, lag ich hellwach da und erwog die ganze Zeit bis jetzt in meinem Herzen, was alles du mir über die Geheimnisse der Liebe enthüllt hattest. Tullia: Je gescheiter du aus meinen Umarmungen in die des Caviceus übergehst, desto köstlichere Früchte wird ihm deine Venus schenken. Dich verlangt es nun, zu wissen, welche Früchte damit gemeint seien; ich aber brenne darauf, dir zu sagen, welch unbeschreiblich süße Lust du nach dieser ersten Nacht durch sie empfinden wirst. Du weißt bereits, dass zwischen deinen Schenkeln durch die beiden Öffnungen, die ich dir beschrieben habe, jene Lanze eindringen soll, die dich bis zur siebten Rippe durchbohren wird. Octavia: Du lachst, Tullia! Wie ist das möglich? Du machst dich über mich lustig! Tullia: Wie dem auch sei, er wird diesen seinen Dolch, der das Zeichen seiner Männlichkeit ist, in jenen Teil deines Leibes senken, durch den du eine Frau bist. Geschlecht wird sich mit Geschlecht vermischen, so dass ihr in dieser Vereinigung wie ein Mensch erscheint, während ihr in Wirklichkeit doch eigentlich zwei seid. Dies aber ist ganz und gar deine Sache! Octavia: Ich möchte alles genau wissen, aber ich habe Angst davor, es zu erfahren. Ich wünschte, ich läge in den Armen meines Caviceus, und doch ängstige ich mich davor. Tullia: Zuerst wird er dich mit seinen Armen wie mit Fesseln umklammern, so dass du ihm nicht fliehend entschlüpfen kannst, und nackt wird er dich nackt ganz eng umschlingen. Octavia: Erzähle mir doch, liebe Schwester, von Callias, wie er sein Recht bei dir geltend machte, als du ihm zur Gattin gegeben wurdest; denn über Caviceus kannst du nichts Gewisses sagen. Tullia: Ich werde dir deinen Wunsch erfüllen; du aber müsstest aus Stein sein, wenn du aus dem Spiel, das Callias mit mir spielte, als er mich entjungferte, nicht erkenntest, was für eins du mit Caviceus wirst spielen müssen. Niemals wird die Erinnerung an die Scherze jener köstlichen Nacht meinem Gedächtnis entschwinden. Octavia: Im Hause schnarcht noch alles. Der Sonnengott, das Auge der Natur, der Vater der Tage, öffnet kaum erst seine schlafschwere Wimper über der Erde; die Augen der Sterblichen schwimmen in stillem Schlummer und in sanfter Ruh'; überall herrscht tiefes Schweigen. So sind wir in jeder Beziehung sicher, ob wir nun plaudern oder ob wir Liebesscherze miteinander treiben wollen. Tullia: Ganz recht. Also höre: Nachdem meine Mutter mich entkleidet und ins Brautbett gebracht hatte, legte sie ein Tuch unter mein Kopfkissen auf das Polster; darauf gab sie Callias und mir einen Kuss und forderte ihn auf, mir, die ich im Bette lag und ganz rot vor Scham geworden war, in ihrer Gegenwart einen Kuss zu geben; dann ging sie, verschloss die Tür unseres Schlafgemachs und nahm den Schlüssel mit in ihr Zimmer, in dem sich viele Verwandte von uns aufhielten, zu denen auch meine liebe Pomponia zählte. Octavia: Du meinst jene Freundin, die mit dir im gleichen Alter stand, die mit dir in innigster Gemeinschaft verbunden war und die dir immer die liebste deiner Gespielinnen war. Tullia: Wenn du den Liebreiz, die bezaubernde Anmut, den Geist jener Frau kenntest, so würdest du Pomponia ebenso innig lieben wie ich. Wenige Monate vorher hatte sie Lucretius geheiratet, einen durch Gaben des Geistes wie durch körperliche Schönheit hervorragenden jungen Mann. Sie hatte mich über alles aufs beste unterrichtet, hatte mir gesagt, was ich bei den ersten Angriffen würde auszuhalten haben, was ich zu tun und was ich zu sagen hätte. Sie hatte es schließlich dahin gebracht, dass ich mit den geringsten Einzelheiten des im Dienste der Venus zu bringenden Opfers Bescheid wusste. Mit beredten Worten hatte sie unsere hiermit verbundenen Gefühle der Wonne gepriesen - Wonnegefühle, hinter denen, bei meiner Juno, alle andern Genüsse weit zurückbleiben. So vorbereitet und belehrt, erwartete ich meinen Gatten, dem ich, wenn auch an Kräften, so doch gewiß nicht an mutigem Entschluss nachstand, hätte ich mich nur nicht so geschämt. Octavia: Aber wozu sollte das Tüchlein dienen, das deine Mutter dir unter das Kopfkissen gelegt hatte? Tullia: Das wirst du gleich sehen. Octavia: Dass du dich in jener Nacht ganz nackt mit Callias ins Bett legtest, erstaunt mich nicht, da ich doch weiß, dass meine Mutter jede Nacht mit meinem Vater nackt zusammenschläft. Tullia: Bezähme noch ein wenig deine brennende Begierde, alles auf einmal zu erfahren, was zu wissen für dich freilich von großem Interesse ist. Du wirst es von mir hören, aber alles zu seiner Zeit. Sobald meine Mutter hinausgegangen war und Callias sah, dass ich ihm allein auf diesem Tummelplatz der Venus ausgeliefert war, entkleidete er sich so schnell, dass er an der inneren Seite des Bettes nackt neben mir stand, ehe ich auch nur dachte, dass er schon ausgezogen sein könnte. Das Schlafgemach war so hell wie am Mittag, da überall Wachskerzen brannten. Ein prächtiger, weißer, von Saft und Kraft strotzender Körper trat mir vor die Augen, und als ich in erheuchelter Scham den Blick senkte, sah ich, wie stattlich und prächtig ihm das Glied herabhing, das in demselben Augenblick sein Haupt erhob, gleichsam als ob der Diener meiner Wonnen aufstünde, um mich zu begrüßen und mir die gebührende Ehre zu erweisen. Bald zog er mir die Decken weg, in die ich mich eingehüllt hatte - denn unsere Heirat fand zu Anfang des Junimonats statt -‚ und stellte meinen nackten Leib seinen Augen zur Schau. Ich bemühte mich, mit der einen Hand meine Brüste, mit der andern mein Gärtlein vor ihm zu schützen und sie seinen Blicken zu entziehen; er aber schob meine beiden Hände mit Gewalt zur Seite, griff an meine Brüste und legte seine ausgestreckte Hand auf die Furche, in die er bald seine Pflugschar senken sollte. Gleichzeitig verschlang er mit gierigem, scharfem Blick die Blüte der Schönheiten aller meiner Glieder und presste immer wieder Küsse auf meine Augen, meinen Mund, meine Wangen, meinen Hals, meine Brüste und meinen Leib. Alsdann steckte er seinen Mittelfinger in meinen Garten, um sich - er hat es mir später in einer innigen Umschlingung selbst zugestanden - meiner Jungfräulichkeit zu versichern; denn er glaubte, er könne sich mit seinem Finger verlässlicher überzeugen, als es mit seiner langen, dicken Stange möglich sein werde. Octavia: Nun sieh doch nur die Bösartigkeit dieses Mannes! Tullia: In dieser Beziehung ist ein Mann wie der andere. Sie alle in gleicher Weise neugierig. Du selbst hast es bei deinem Caviceus erlebt. Dieses Misstrauen können und müssen wir ihnen schon verzeihen. Gewiß fühlt ein keusches junges Mädchen sich von großer Freude durchdrungen, wenn es sieht, dass sein Blümchen unberührt befunden wird, und ebenso erfreut es den Gatten zutiefst, wenn er sie so findet; denn, um dir die Wahrheit zu gestehen, liebes Mädchen, echte Jungfrauen, so wie du es bist und ich in meiner Brautnacht es war, haben stets einen ganz sicheren Beweis ihrer Jungfräulichkeit an jener Stelle, an die sie gehört. Jene Blume der Schamhaftigkeit, die die Alten hymen oder eugium nannten, ist ein Beweis, dass das Mädchen, das sie besitzt, eine Jungfrau ist. Denn ein Mädchen, dem diese Blüte fehlt, so dass man sie nicht wahrnehmen kann, ist ganz gewiss keine Jungfrau mehr; und wenn es nicht mit einem Mann zu tun gehabt hatte, so hat zweifelsohne seine eigene Wollust ihm den Mann ersetzt: diese Jungfrau hat sich selbst ihre Jungfernschaft geraubt, hat sich also selbst Gewalt angetan. Octavia: Du hast es fertiggebracht, dass ich begreife, wie eine Jungfrau sich selbst entjungfert. Tullia: Ich werde dir noch einiges darüber sagen, aber alles zu seiner Zeit. Als Callias sich davon überzeugt hatte, dass mein Pförtlein einen so engen Zugang bot, dass ohne allen Zweifel ein Mann diesen Pfad noch nicht beschritten haben konnte, da warf er sich auf das Bett, umarmte mich und spornte mich mit den sanftesten Worten und den lieblichsten Scherzen zu dem Werk der Venus an. Octavia: Und warst du ganz stumm, warst du ein Stück Holz, ein Stein, du, die du sonst so froh gestimmt, so heiter gelaunt und geistreich bist? Tullia: Mit vor Erregung wallendem Busen brachte ich keine Worte, sondern nur Seufzer hervor. Ich drängte ihn von mir, rief ihn zu mir; ich wich vor ihm zurück, schmiegte mich an ihn; die Scham dämpfte meine sinnliche Begierde und entflammte sie zugleich. ... und diese verhaltene Wonne Reizte nur schärfer die Liebeswut... Callias merkte, wie ich, ohne es eigentlich zu wollen, vor Leidenschaft erglühte, und sagte: "Wohlan, meine Tullia, so neide mir doch nicht meine Glückseligkeit, die ganz von dir abhängt, ganz auf dir beruht. Laß mich, o meine Gebieterin, diesen so lieblichen und reizenden Garten betreten. Öffne du selbst mir dieses Heim der Venus und des Cupido in deinem Garten!" "Siehe, hier ist der Schlüssel!", so sprach er lächelnd und führte dabei meine linke Hand an seine Rute. Er bat mich, ich möchte sie anfassen; ich weigerte mich. "Was fürchtest du denn", sagte er, "meine Bitten zu erhören, um mir zu Gefallen zu sein, die du ganz die meine bist und, was noch viel mehr bedeutet, es ja auch ganz sein willst!" "Gewiß will ich die deine sein", entgegnete ich, "aber besudele mich nicht mit solchen Schändlichkeiten, auf dass ich dieses Lobes würdig sei! Wenn du mich liebst - was ist denn diese deine Liebe, dass du mich zu beflecken suchst? Ein solches Verlangen ähnelt mehr einem Haß als einer Liebe. Hab Mitleid mit mir! Laß dich durch meine Tränen rühren!" Octavia: Weintest du denn? Tullia: Ja, ein paar Tränen rannen mir aus den Augen. "Ei Tullia", rief er, "wenn du mich liebst, so laß diese ganz angebrachte Schamhaftigkeit für heute nacht beiseite! Du liegst nackt an meiner Seite und wagst es, mir, der ich ebenfalls nackt bin, noch länger von deiner Schamhaftigkeit zu reden? Von nun an wirst du niemals keuscher sein, als wenn du in diesem unserm Hochzeitsbett beweist, dass es für dich keine Schamhaftigkeit mehr gibt, die deiner Aufgabe als Frau und meiner Liebeswonne zuwiderliefe. Denn mein sinnliches Verlangen zu befriedigen muss für dich eine Pflicht und Aufgabe bedeuten. Sei - darum bitte ich dich - zu allen andern kälter als Schnee, bei mir aber sei wollüstiger als eine Taube! Was ich also mit vollem Recht von dir verlange, das musst du tun, und darüber hinaus freiwillig noch mehr." Inzwischen war ihm der Schweif auf wunderbare Weise gewachsen und klopfte zitternd gegen meinen einen Schenkel. Octavia: Ach, ich ängstige mich um dich! Ich erzittere, wenn ich an deine Wunden denke, die du empfangen solltest! Tullia: Du wirst albern und redest geziert. Höre eine ernste Sache ernsthaft an, wie du es musst, wenn du bei Sinnen bist! Octavia: Hahaha! Tullia: Callias sagte kein Wort mehr, sondern drückte den einen Schenkel gleichsam wie einen Keil zwischen meine Schenkel und bahnte so seinem ganzen Körper einen Weg zwischen meine Lenden. Er warf sich auf mich und presste seine Brust auf meine. In diesem Augenblick - warum sollte ich es leugnen? - ergriff mich eine heftige Furcht, als ich plötzlich ein so ungewöhnliches Gewicht auf mir fühlte. Er aber zügelte mit der einen Hand seinen rasenden Priapus, setzte seine Wurfmaschine gegen mein Pförtchen und führte den Priapuskopf in meine jungfräuliche Grotte ein. Einen Augenblick später fühlte ich einen gewaltigen Stoß, so, als ob er von oben auf mich herabstürzte, und dann drängte er sich mit großer Anstrengung in mich hinein. Allein, es nützte ihm nichts; denn der Wall und die Mauer meiner Festung waren zu stark und widerstandsfähig. Mit dem ersten und dem zweiten Stoß drang er nicht einmal um eines Fingernagels Breite in das verschanzte Lager ein; bei dem dritten und dem vierten Stoß aber fühlte ich, wie sein Priapus den Geist aufgab und schwach und weich wurde. Dieser Geist ist natürlich der Same, jene heilige Flüssigkeit der Fortpflanzung und der Liebeswonne. Wie ein Wasserfall brach er hervor, ergoss sich in großer Fülle und überströmte den Eingang meiner Grotte. Es war mehr ein Geplänkel gewesen als ein Gefecht nach allen Regeln der Kunst. Dennoch fühlte ich infolge der gewaltigen Stöße an jener Stelle einen heftigen Schmerz, dort nämlich, wo wegen der Schwierigkeit des Zuganges der gewisse Hebel ganz kräftig angesetzt worden war. Octavia: Konntest du dich enthalten, in ein lautes Geschrei auszubrechen? Tullia: Einen Schrei stieß ich aus, und sogar einen ziemlich lauten. Octavia: Aber als du merktest, dass die Sache schon zu Ende war, als sie kaum begonnen hatte, hast du da etwa laut aufgeschrieen? Tullia: Ich erstickte sofort meine Stimme, und gleich darauf sprang Callias lachend mit freudigem Eifer von mir herab und streckte sich neben mir aus. Während er nun aber seinen einen Schenkel über meine Lende schlug, gab er seiner strotzenden Rute eine solche Lage, dass sie beinahe bis an meinen Nabel reichte und dadurch, dass er aus ihr unaufhörlich Tropfen auf Tropfen hervorquellen ließ, meinen ganzen Unterleib benetzte. Da erinnerte ich mich der Worte meiner Mutter, nahm das Tuch, das sie unter mein Kopfkissen gelegt hatte, und trocknete zuerst meines Callias Rute, dann mein Gärtchen und den ganzen Bauch, den er mir nass gemacht hatte. Und während ich Callias abwischte, küsste er mich, entbrannte zu heftigster Glut und fühlte neuen Drang in sich erwachen. Von dem Saft aber, den er gegen die Wände meiner Scheide gespritzt hatte, war ein großer Teil auf die Bettücher herabgeflossen und hatte Flecke hinterlassen, die ich nicht wegwischen konnte. Über diese große Überschwemmung machte Callias später viele Witze, desgleichen über mein Jungfernblut, das die Leinentücher überall befleckt hatte. Octavia: Aber sagtest du nicht, dass der Dolch deines Callias gar nicht so tief in dich eingedrungen sei? Tullia: Du möchtest wohl, dass er tiefer in dich hineinführe? Ja, sei beruhigt, er tat es nachher auch bei mir, und aus dieser Wunde strömte das viele Blut. Nach diesem kurzen, kleinen Gefecht ruhte Callias sich einen Augenblick aus. Dann sagte er: "Meine Tullia, ich möchte sterben, wenn ich dich nicht mehr liebte als meine Augen, mehr als mein Leben; denn nichts Schöneres gibt es unter allen Menschen zu sehen als dich. Bist du eine Göttin, oder bist du ein Weib? In welch harmonischer Wallung schwellen dir deine Brüste! Wie sind sie fest, und in welch passendem Zwischenraum voneinander entfernt!" Zugleich betastete er sie mit der Hand, dann küsste er stürmisch die Brustwarzen, nahm sie in den Mund, beknabberte sie vorsichtig mit den Zähnen und sog an ihnen mit seinen Lippen. Dies reizte mich, mehr als ich je gedacht hätte, zur Wollust und entflammte mich zu einer Glut, die mich ganz und gar verzehrte. Dann ließ er auch seine eine Hand zwischen meine Schenkel herabgleiten und spielte mit den Fingern in dem Flaumhaar des Venusberges; bald auch drückte er die Schamlippen mit den Fingern zusammen und zog sie dann wieder auseinander, steckte einen Finger nach dem andern hinein und entzündete mein ganzes Wesen zur höchsten Glut der Sinnenlust. "Hör auf", rief ich, "mich mit deiner brandstifterischen Hand zu reizen! Halt inne! Warum quälst du mich?" Er aber war ausgelassen vor Freude darüber, dass ich zugab, von ihm in Liebesglut versetzt worden zu sein. Er ergriff meine Linke und sprach: "Dir zu Ehren entzünde ich diese Fackel der Venus. Möge nun sie den Brand löschen, den sie entfacht hat!" Er befahl mir, diese Fackel anzufassen; und ich, die ich schon kühner und lüsterner geworden war, nahm sie in die Hand. Kaum vermochte ich sie mit meinen Fingern zu umspannen. Ich erschrak vor dem harten, steifen, heißen Ding. "Mit diesem Keil", fuhr er fort, "werde ich deine so enge, fest versperrte Pforte sprengen. Sei guten Mutes, meine Nymphe! Um diese Hoffnung verwirklicht zu sehen, hat deine Mutter dich mir übergeben. Wenn sie nun wieder zu uns käme und ich dich ihr unberührt und in dem Zustand zurückgäbe, wie ich dich von ihr erhalten habe, würde sie mich der Schlaffheit beschuldigen und mich als ihren Schwiegersohn schon allein deswegen nicht anerkennen, weil ich außerstande gewesen sei, dich zu begatten." "Ich werde es nicht ertragen können", wandte ich ein, "du würdest mich töten, wenn du einen solch gewaltigen Pflock ganz und gar in meinen Leib hineinpressen wolltest." "Sei du selber", antwortete er, "Schiedsrichterin und Leiterin des Kampfes; bohre du selbst mit eigenen Händen diesen Wurfspieß, so tief es geht, in diese reizende Zielscheibe, die Amor selbst und Venus für ihn aufgestellt haben!" Er bittet mich, den Speer nicht aus meinen Händen gleiten zu lassen; ich gehorche seinem Befehl. Abermals besteigt er mich; ich halte das Ding an meine Pforte, auf dass es unter meinen Auspizien verstohlen hineinschlüpfe. Er hatte sich zwischen meine Schenkel geworfen und hob den einen hoch empor, indem er ihn mit seiner Hand stützte. Ich führte den Spieß an die Öffnung, und sogleich begann er mit großer Kraft zu stoßen. Die Erschütterungen, die zum Teil außerordentlich heftig waren, ertrug ich mit festem Mut. Mit drei Fingerspitzen hielt ich den Speer unverrücklich fest, damit er nicht von dem rechten Weg abkäme, der in den Garten führte. Bald geriet Callias in immer wildere Aufregung, und nun drehte er den Speer mit einer solchen Gewalt in mich hinein, dass er zwei Zoll tiefer in meine Scheide eindrang. Octavia: Hattest du denn gar keine Schmerzen dabei? Tullia: O ja, ich ertrug sie nur mit der äußersten Anstrengung. "Du tötest mich!" kreischte ich mit jämmerlicher Stimme. Dann schrie ich nicht mehr, sondern brach in ein lautes Wehklagen aus. Er ließ sich aber dadurch gar nicht rühren. Als ich nun aber in meiner Not den Speer herausgezogen hatte, da wurde er ungehalten und warf mir vor, dass ich mich einer, wie er sich wörtlich ausdrückte, schändlichen und unverschämten Frechheit erdreistet hätte. Dann zwang er mich, den Spieß wieder in die Öffnung zu stecken, aus der ich ihn herausgeholt hatte. In demselben Augenblick aber fühlte ich einen milchigen Regen, einen sanften Balsam für die Wunde, die er mir beigebracht hatte, aus des Spießes Innerm auf meinen Garten niederströmen -‚ und nun sinkt es in sich zusammen und wird schlaff, dieses bisher so unbändige, jetzt so machtlose Glied. Mir wird ein kurzer Waffenstillstand gewährt. Octavia: Floß jener Regen bis in den innersten Teil deines Gartens hinein? Tullia: Gewiß nicht, süßes Mädchen, nicht ein einziges Tröpfchen. Dieser Boden wurde nur an seinem untersten Saum mit dem köstlichen Tau besprengt. Sobald Callias nun heruntergestiegen war, verlangte er, ich sollte ihn abtrocknen. Dann beklagte er sich bitterlich über mich. "Wenn du mich liebtest, Tullia", so sagte er, "würdest du mir Unglücklichem, der ich vor Liebe zu dir brenne, nicht die wirklichen Früchte dieser Liebe vorenthalten." - "Ich liebe dich", antwortete ich, "und liebe dich über alle Maßen. Aber was soll ich denn tun, ich Ärmste, in diesem angegriffenen Zustand?" - "Weißt du denn nicht", fuhr er fort, "dass jener Teil deines Körpers nicht mehr dir gehört, sondern nach vollem, unzweifelhaftem Rechte mein ist? Was hinderst du mich denn, über mein Eigentum frei zu verfügen? Schickt es sich für eine in den schönen Wissenschaften erzogene Frau, wie du, meine Gattin, meine süße Wonne, es bist, schickt es sich für eine solche Frau, ihre Pflicht so nachlässig zu erfüllen? Denn es ist nicht deine Aufgabe, mir die Geschenke der Venus streitig zu machen." - "Ach Callias", erwiderte ich, "wenn du wüsstest, wie arg jener Schmerz ist, den du mir zufügst, würdest du Mitleid haben mit deiner Tullia, vorausgesetzt, dass du sie wirklich liebtest." - "Dieser Schmerz gereicht dir zur Ehre und zur Zierde", rief er aus; "je heftiger er in Erscheinung tritt, um so ehrenvoller ist es für dich. Aber dieser Schmerz wird nicht ewig währen; ewig dagegen wird die Wonne sein, die in Zukunft dich auf das höchste erfreuen wird. Ferner wirst du für des Vergehens schuldig befunden werden, eine so große Menge keimfähigen Samens nicht in deiner Furche aufgenommen zu haben, durch den ich ja doch hätte Vater werden können. Das ist ein Verbrechen, glaube es mir, ein Verbrechen, wie es kein schändlicheres gibt: du selber nämlich tötest deine und meine Kinder, schon bevor sie geboren sind, du raubst ihnen die Seele, ehe sie sie noch haben. Deine schmachvolle Leidenschaftslosigkeit ist geradezu verbrecherisch." Hierauf entgegnete ich: "Ich will nicht mit dir, liebster Gatte, über diese Dinge streiten. Ich bekenne mich schuldig - verzeih mir! Von nun an wirst du ein gehorsameres Weib haben; allen Schmerz werde ich mit unbeweglicher Seele und mit unbeweglichem Leibe ertragen, um dir angenehm zu sein." - "Aber mein Püppchen", sagte er zu mir, "woher nimmst du nur den Mut, dir einzubilden, du könntest dem Schicksal entgehen, das alle Frauen - jedes Standes und auch diejenigen, die viel jünger in die Ehe gehen als du - täglich zu ertragen haben! Nein, von dieser Dienstpflicht kann dich nichts befreien. Du bist belesen in der griechischen und in der lateinischen Literatur und gebärdest dich, als wärest du eine Unwissende, eine dumme Gans." - Da rief ich lachend: "So steh denn du mir bei, Göttin Pertunda! Was auch immer du mir zu tun befiehlst, um deine Wollust zu befriedigen, werde ich unentwegt verwirklichen. Aber ich sehe schon, wenn Pertunda ihres Amtes waltet, werde ich bald zerstoßen sein." Hierüber lachte Callias so laut, dass meine Pomponia das Gelächter vom Nebenzimmer aus hörte. Als sich aber sein Lachen gelegt hatte, sagte er: "Jetzt bereite dich auf den nächsten Versuch vor; denn mein Glied fängt an, sich wie wahnsinnig nach dir zu sehnen. Wenn ich mich nun auf deine geliebte Brust stürze, dann umschließe mich mit deinen Armen und laß dich durch nichts aus dieser Umschlingung lösen! Tu alles, was ich dir befehle, wenn du willst, dass ich dein Gatte sei, alles, um was ich dich bitte und anflehe, wenn du in mir deinen Liebhaber finden willst. So hebe nun die Schenkel empor, so hoch du es kannst, bis deine niedlichen Füßchen mit den Fersen deine so glatten Hinterbacken berühren." Ich versprach ihm, dies zu tun. Octavia: Und hast du dein Versprechen gehalten? Tullia: "Hab nur Mut", fuhr Callias fort, "für dich würde ich sogar in den Tod gehen, und du widersetzt dich meiner Liebe dadurch, dass du leidenschaftslos bist? Beweise mir in diesem Kampfe deine Liebe! Du kannst es so leicht, und darum musst du es auch." "Lieber wollte ich den Zorn der Venus auf mich nehmen", so antwortete ich, "als dich erzürnt zu sehen." Er verschloss mir den Mund mit Küssen und schwang sich mit freudigem Eifer wieder auf mich hinauf. Ich hebe nun die Schenkel so hoch wie möglich und umklammere ihn, so eng ich es kann. Er aber bringt seine Fackel an die Pforte des Tempels, schiebt mit den Fingern die Schamlippen zur Seite, steckt die Spitze hinein, wirft sich dann mit aller Macht auf mich und stößt die Lanze in jenen halb offen stehenden Teil meines Leibes hinein. Gleich bei den ersten Stößen stak der Dolch drin; ich fühlte nämlich, dass er viel tiefer eingedrungen war als vorher. Mir war es, als würde ich auseinandergespalten, und ich brach in ein langes Wehklagen aus, während Tränenströme mir aus den Augen stürzten. Einen Augenblick hielt Callias inne, indem er sagte: "Ich bewillige dir einen kleinen Aufschub, liebe Tullia; ich habe jetzt schon ungefähr den halben Weg zurückgelegt; überzeuge dich selber!" Mit diesen Worten führte er meine Hand an jene Stelle und sagte, ich möchte mich überzeugen, ob er löge; der letzte Teil des Hindernisses könnte fast ohne Mühe durchbrochen werden, wenn ich mit dazu beitrüge. - Ungefähr die Hälfte des Gliedes war noch draußen, aber allerdings gerade der dickste Teil. Er gab mir nun vibrierende Zungenküsse und zugleich mit der Lanze den Todesstoß. Ich jammere, ich schreie, Tränenbäche schießen mir aus den Augen hervor, und ich rufe: "Weh mir, du tötest mich! Mildere doch wenigstens ein bisschen diese furchtbaren, wilden Stöße!" Dabei hielt ich ihn aber immer innig umklammert und ließ auch meine Schenkel in derselben Lage. Durch diese Stellung meines Körpers erleichterte ich dem Stürmenden, in mich einzudringen. Endlich gelang es dem Feinde, mit einer letzten Anstrengung in seiner ganzen Größe in meine Schanze hineinzugelangen; aber das war auch ein Stoß, wie ich ihn bis dahin noch nicht erlebt hatte. Das Bett krachte bei diesem Ansturm, dass alle, die sich im Nebenzimmer aufhielten, glaubten, es sei auseinandergebrochen. Da stieß ich einen Schrei aus, wie es wohl jemand täte, dem die Eingeweide mit der Spitze einer Lanze durchbohrt worden wären. "Meins ist", rief er, "das keuscheste Weib, das einst die keuscheste Jungfrau war! Übrigens gibt es jetzt nichts mehr, weswegen du dich fürchten müsstest. Offen steht dir und mir der Weg, auf dem wir beide in das Reich der Wollust wandeln können." Mit diesen Worten begann er sich auf und ab zu bewegen, und es tat auch wirklich nicht mehr weh - wenigstens nicht so, dass ich hätte schreien müssen. Einen Augenblick darauf fühlte er den Höhepunkt des Wonnegefühls sich nahen und sagte: "Tullia, bald werde ich das Innerste deines Gartens mit dem Venussaft betauen; ich gebe dir einen Kuss, wenn er zu fließen beginnt." Kaum hatte er dies gesagt, da gab er mir einen Kuss, und ich fühlte mich tief unter dem Herzen von einer reichlichen Menge heißen Blutes überströmt; aber abgesehen von einem leichten Kitzeln spürte ich dabei nichts, woran ich mich hätte ergötzen können. Er dagegen bekundete mir durch stürmische Küsse, durch unkeusche Betastungen und durch sein abgerissenes Stammeln, dass er von der höchsten Wollust durchdrungen war, die er an jener Stelle gefunden hatte, bis zu der er sein lüsternes Glied hineingeschoben hatte. Als er nun dieses Werk vollbracht hatte, stieg er aber noch nicht sogleich aus dem Sattel, sondern sagte: "Ich möchte jetzt meinen Lohn für meine Aufopferung haben, meine liebe, meine allerliebste Tullia! Da ich nun die Burg deiner Schamhaftigkeit besetzt halte, werde ich es machen, wie es die Sieger zu tun pflegen." - "Und wie ist das?" fragte ich ihn; "sag es mir doch, bitte, mein Callias, da du mich besiegt hast und mich in deiner Gewalt hältst! Ich will dir als deine Sklavin dienen, wenn du es verlangst; ich will dich hoch in Ehren halten, wenn du mir die Freiheit schenkst!" - "Die Burg, deren Einnahme mich so viele Mühe und Blutvergießen gekostet hat, werde ich nicht so schnell wieder räumen, wie du dachtest. Du sollst wissen, dass ich der Sieger bin, und deine erbrochene und halbeingerissene Schanze soll die Herrschaft meines siegreichen Gliedes anerkennen." - "Fürwahr", antwortete ich, "ohne Zweifel ist sie eingerissen und erbärmlich zerfetzt. Was für eine weite Grotte hast du aus dem so kleinen Loch gemacht! O ich Arme, ich fühle, dass es bei mir weiter offen steht als eine Flügeltür." - "Nun", sagte er, "je weniger weit du wärest, um so mehr hätte ich zu leiden." Nach diesen Worten fühlte ich sein Glied in meinem Leibe anschwellen, das, nachdem es den Saft ausgespritzt hatte, mir kurz vorher noch schlaff und welk und winzig klein vorgekommen war. Er heißt mich, guten Mutes zu sein, und fragt mich, wie es mir gehe. Ich antworte ihm, dass ich keine Schmerzen mehr spürte, woraufhin er sagt, dass er sich darüber sehr freue, und mir einen Kuss aufdrückt. "Aber", fuhr er fort, "hast du denn auch deinen Anteil an meiner Wollust gehabt?" - "Nicht den geringsten", antworte ich; "welches Wonnegefühl hätte ich denn auch bei dieser wilden Vergewaltigung erleben können?" - "Du wirst bald anders reden, Tullia, und du wirst zugeben, dass es für uns Menschen nichts Süßeres gibt als die Liebe. Aber sei so gut und tu auch ein bisschen für mich: wenn ich mein Gesäß nach unten bewege, so stoße du deins nach oben und bewege es, so heftig du nur irgend kannst! Du wirst es sicherlich besser können als irgendein anderes junges Mädchen - du mit deinem frischen, starken, kräftigen Körper!" - Ich verweigere es ihm, indem ich sage, ich wisse nicht, wie diese Bewegung gemacht werde, die mir so völlig ungewohnt sei. Er aber befiehlt mir, ich solle den Rumpf vorstoßen; und ich tue es; dann läßt er es mich mit einem heftigen Stoß wiederholen, und ich gehorche. Kurz und gut, er machte meine Hinterbacken beweglicher, als seine eigenen es waren; und als er sah, dass ich es einigermaßen begriffen hatte, bat er mich, auch meine Lenden nicht zu schonen. Er stößt heftig; ich stoße noch heftiger zurück. Mit meinen Stößen von unten her dränge ich mich ihm entgegen; er bestürmte mich mit aller Kraft; und so vergalt ich ihm ebenfalls mit aller Kraft die Stöße, die er auf mich richtete. Ich geriet in Schweiß; er wackelte mit den Schenkeln, und während wir so ineinander verschlungen arbeiteten, schien es, als drohte unser Bett zu zerbrechen; denn es krachte so laut, dass man das unstete Geräusch weithin hören konnte. "Meine Seele, meine Venus", flüsterte Callias, "wie glücklich machst du mich! Welcher Mann ist seliger als ich? Ach, ach, meine Seele, es fließt mir - es kommt die süßeste Wonne!" - "Ich fühle es", rief ich, "o weh! Was ist denn das, was ich fühle, mein süßer Callias?" Octavia: Du bringst mich langsam um mit deiner Erzählung! Ich sterbe in der Erwartung eines solchen Wonnegefühls! Tullia: Enger presste sich Callias auf mich; in meine Scheide stieß er mit solcher Gewalt den glühenden Stab hinein, dass es wahrhaftig aussah, als ob er selbst hineinfahren wollte: da strömte in mich hinein ein köstlicher Regen, und zugleich fühlte ich auch mich zerfließen, aber mit so unglaublich großer Wollust, dass ich in meiner Liebesraserei, ohne daran zu denken, was wohl anständig sei, selbst noch mit unermüdlichen Stößen von unten meinen Callias anfeuerte und ihn bat, er möge schneller machen. Dann lösten sich unsere Glieder, und wir sanken beide zu gleicher Zeit ermattet hin. Und ich glaube, dass, wenn Venus selbst bei uns als Kampfrichterin ihres Amtes gewaltet hätte, sie im Zweifel gewesen wäre, wem von uns sie den Lorbeer hätte reichen sollen. Kaum hatten wir wieder etwas Atem geschöpft, der uns bei diesem Doppelritt durch die lange Kampfesdauer beinahe ausgegangen wäre, da hörten wir, wie der Schlüssel in den Querriegel geschoben wurde und die Tür sich öffnete. Gleichzeitig stürzten meine Mutter und Pomponia fröhlich ins Schlafgemach; sie schlossen die Tür hinter sich zu, damit niemand mit ihnen einträte, und schoben den Riegel vor. Octavia: Aber wohl nicht mit einem Riegel wie der deines Callias, mit dem er dir deine Tür versperrt hatte. Hm, hm, hm. Und haben nicht vielleicht deine Mutter und Sempronia um diesen Riegel miteinander gestritten? Hm, hm, hm! Tullia: Du machst noch Witze? Warte nur, innerhalb weniger Stunden wirst du an deiner Tür einen zweipfündigen Riegel spüren! Octavia: Est hic, est animus pili contemptor, (et ille) Qui cuno bene credat emi, quo tendis, amorem. So hast du selber diese beiden virgilischen Verse umgewandelt. Gewiß werde ich als Preis für die Liebe meines Caviceus und für solche Wonnen mein Bestes hergeben. Doch erzähle jetzt weiter! Tullia: Schnell zog ich die Bettdecken herauf, die Callias zu Anfang bis über die Füße zurückgeschoben hatte, und deckte Callias und mich sorgfältig zu, damit nicht die Augen meiner Mutter durch den Anblick beleidigt würden; um Pomponia kümmerte ich mich weniger, denn sie kannte mich so gut, wie ich dich kenne. Meine Mutter lief auf Callias zu, umarmte ihn und rief: "Mein Sohn, hast du tapfer gekämpft? Dass du Sieger geblieben bist, hat mir das Geschrei meiner Tullia bezeugt; ich wünsche dir Glück zu deinem Siege, dir und auch der Tullia. Wenn du nicht gesiegt hättest, wäre sie Braut und Witwe zugleich." - Pomponia aber schlang ihre Arme um mich, küsste mich und überströmte meine Wangen mit Tränen. "Wie fürchterlich hat dieser Henker dich zugerichtet!" flüsterte sie mir ins Ohr. "Als ich dich so schreien hörte, Schwesterchen, habe ich die rücksichtslose Geilheit dieses Taugenichts verflucht. Doch wie geht es dir?" - "Ausgezeichnet", antwortete ich; "wenn auch der Weg sehr schwierig war, so bin ich doch endlich zum ersehnten Genuss gelangt. Durch Todesängste und -schmerzen hindurch bin ich zu den vollen und höchsten Freuden des Lebens emporgestiegen." - "Bist du jetzt Frau?" fuhr sie fort. - "Gewiss bin ich es, und wenn ich mir die Freuden vergegenwärtige, die ich gleich beim ersten Mal genossen habe, nachdem ich entjungfert worden war, so wundere ich mich darüber, dass man so viel Glück fast umsonst erkaufen kann. Von nun an möchte ich lieber, der Tag entbehrte des Sonnenlichts, als dass die Nacht ohne die Werke der Venus wäre." - "Gut, ganz ausgezeichnet!" sagte sie; "fürwahr, die Frau, die nicht in ihrer Jugend die Freuden der Venus genießt, hat, glaube ich, niemals einen Genuss an ihrem Leben." Und gleich darauf lief sie auf Callias zu, gab ihm einen Kuss und nannte ihn ihren Kaiser, unter dessen Feldzeichen Venus einen so schnellen Sieg über eine so reine, so kampfbereite Jungfrau erfochten habe, nachdem sie die Feinde Eugium, Nympha und Hymen erschlagen hätte. Wie du weißt, ist Pomponia in der klassischen Literatur sehr bewandert. Meine Mutter gab dann dem Callias in einem ziemlich großen silbernen Becher gewürzten Wein zu trinken, indem sie sagte: "Er wird dir das Herz erfrischen und dir neue Kräfte geben, mein Sohn. Aber, wenn ich dir raten darf, gönne dir ein wenig Ruhe. Ruhmes genug hast du heute nacht errungen, als du der Jungfernschaft meiner Tullia ein Ende bereitetest." Mir aber gab sie drei gezuckerte Nüsse zu essen, die sie mitgebracht hatte, und flüsterte mir ins Ohr, ich solle meinen Gatten bereden, sich ein paar Stunden der Ruhe zu gönnen. Wenngleich er auch kräftig sei, so bedürfe er nach einer solchen Anstrengung doch des Schlafes und der Ruhe. Dann gingen sie beide. Als Pomponia sich nun von Callias verabschiedete, wünschte sie ihm neuen Mut und neue Lust zum Handeln, mir aber Ausdauer bei dem Werke und unbesiegbare Standhaftigkeit. Inzwischen nun streckte Callias, während meine Mutter und Pomponia sprachen und meine Mutter die Bettücher und Decken in Ordnung brachte, von unten her seine Hand nach mir aus und ließ sie über meine Brüste, meinen Leib und das ganze Schlachtfeld der Venus streifen, auf dem er so tapfer gekämpft hatte. Als nun seine Kräfte von neuem erwachten, rief er Pomponia, die gerade hinausgehen wollte, zu: "Schwesterchen, ich will, dass du selber Zeugin dessen seiest, wie rücksichtslos ich meine Königin behandle - ich, der Taugenichts, deine Schwester!" Und vor ihren Augen sprang er auf mich und bohrte seine gewaltige Lanze in meine strapazierte Scheide hinein. Aufs neue brannten die Wunden, die er mir beigebracht hatte; und ich jammerte vor Schmerzen. "Ach, meine Pomponia", rief ich, "komm und stehe mir bei!" Callias aber stieß in wilder Manier und erschütterte mich und das Bett. Währenddessen liefen Pomponia und meine Mutter laut auflachend aus dem Zimmer. Nach etlichen, allerdings sehr heftigen Stößen verloren sich alle Schmerzen, und es folgte ein so juckendes Kitzeln, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Ich ahme meinen auf mir reitenden Callias nach und bewege die Hinterbacken hin und her. Für diese Bewegung, die ich ganz aus freiem Antrieb machte, dankte er mir durch einen zärtlichen Kuss, als ob ich ihm den angenehmsten Liebesdienst erwiesen hätte. Dieser Ritt dauerte ein wenig länger als die andern. Schließlich fühlte ich mich im tiefsten Innern der Scheide mit Samen überströmt, und zugleich löste sich in meinem Leibe etwas, was mich mit wonnigstem Jucken kitzelte. Alle meine Sinne taten mir kund, dass es keine größere und süßere Wonne geben könnte. Als nun dieses Werk beendet war, zog Callias aus meiner Muschel sein Glied heraus, das schon ruhmlos den Kopf hängen ließ. Ich wollte es mit dem Tuch abtrocknen, Callias aber sagte: "Es ist nicht nötig, mein Aal ist so trocken und rein, als ob er gar nicht in diesem Wonneteich herumgeschwommen wäre." Zugleich betastete er meine Grotte und steckte seinen Mittelfinger ganz tief hinein; er fand die Scheide trocken, ohne ein Tröpflein Saft, und rief: "O mögen die Götter uns gewogen sein! Aus dieser innigen Verbindung, geliebte Seele, hat ohne Zweifel dein Schoss empfangen! Dein Leib, der mir meine Kinder bringen soll, hat meinen und deinen Samen ganz und gar eingesaugt. Sage mir, geliebtes Herz, schien dir nicht in dem Augenblick, allda du empfingst, das Wonnegefühl größer zu sein als alle andern, durch die du jemals in deinem Leben durchpulst worden bist?" - "Ich gestehe es", erwiderte ich; "was mich aber vor allem mit einem unglaublichen Reiz des Genusses kitzelte, das war meine Vorstellung, dass ich ihn durch dich erlebte, dass je Wonnen aus deinem Leibe in den meinen flössen, und allein dieser Gedanke beglückte mich zutiefst." Er küsste mich auf den Mund und sagte: "Und nun ruhe ein wenig, meine Tullia, bis ich dich zu neuen Kämpfen herausfordere und deinem Schiffchen neue Genüsse bereite." Ein süßer Schlummer umfing uns, hielt uns drei Stunden hintereinander in seinen Armen und schenkte uns neue Kraft. Als Callias erwachte, bedeckte er mich mit vielen Küssen, vermochte mich aber nicht dem Schlummer zu entreißen - solch tiefer Schlaf hielt mich umfangen. Wiederum schlug er die Decken ans Fußende zurück. Da sah er mich ausgestreckt vor sich liegen, mit gespreizten Beinen, während ich ihm den Zirkus darbot, den er schon fünfmal mit heißen Achsen durchmessen hatte. Er bewundert die anmutige Schönheit meines Körpers - denn die Kerzen waren noch nicht heruntergebrannt -‚ und lachend betrachtet er die klaffende Fuge meines Schiffchens. Durch diesen Anblick gereizt, stürzte er sich dann plötzlich auf mich und stieß sein strotzendes Glied in die bauschige Rundung meiner Scham hinein. Aufgeschreckt schlug ich die Augen auf. "Du lebst also noch, mein Weibchen", rief er. "Ich fürchtete schon, dass ich es mit einer Toten zu tun hätte, wie man es von Periander, dem Tyrannen von Korinth, berichtet." - "Du wirst es schon fühlen, dass ich noch lebe", entgegnete ich. - "Lass mich's fühlen! Du kannst mir keinen größeren Gefallen erweisen", rief er und küsste mich. Octavia: Was tatest du denn, um ihn wissen zu lassen, dass du lebtest? Ich kann mir schon beinah denken, was du machtest. Tullia: Und was war es denn nach deiner Ansicht? Octavia: Du bewegtest dich so stark unter ihm hin und her, wie es dir nur möglich war. Tullia: Du sagst es. Mit erhobenen Schenkeln kam ich durch meine Bewegungen den Stößen des Callias so geschickt entgegen, dass ich mich jedes mal von unten herauf entgegenstemmte, wenn er den Riegel in meine Pforte hineindrückte. In leidenschaftlichem Kampfe vereint waren sein Geschlecht und meins, waren seine Scham und meine, und hätte Callias einen Samenquell bis zum Scheitel gehabt, so hätte ich ihm dennoch den letzten Tropfen entlockt. Octavia: Dauerte dieser Ringkampf lange? Tullia: Wolltest du ihn nach der Zeit messen, drei viertel Stunden; wolltest du es nach der Wonne, zwei Jahrhunderte. Octavia: O möchten mir solche Jahrhunderte der Wonne gar oft beschert sein! Tullia: Durch sie ertragen wahrscheinlich alle Geschlechter lebender Wesen ihr Dasein. Von dieser maßlosen Aufregung ermüdet, vermochte ich die Anstrengung nicht länger zu ertragen und rief: "Ich bekenne mich als besiegt; lass mich ein wenig Atem schöpfen!" - "Du ergibst dich? Du legst die Waffen nieder, Tullia? Wie träge du bist! Reiß dich zusammen!" - "Ich bitte um Frieden", antwortete ich, "oder um einen kurzen Waffenstillstand. An Körperkräften bist du stärker als ich, nicht aber an Mut - das glaube mir!" Als ich dies sagte, wirft er sich plötzlich auf mich und stößt mit größtem Kraftaufwand die Lanze hinein. Mit reichlichem Tau füllt er mir die Scheide, und auch mir bricht der weiße Saft aus. Der Fülle der Begierden nicht gewachsen, ermatten wir, der eine in der Umarmung des andern. Octavia: Und empfandst du an der Stelle, an der dieser innere Krieg gewütet hatte, gar keinen Schmerz mehr? Vielleicht bin ich zu neugierig, aber, wie ich in der Hoffnung auf die Freuden der Venus erglühe, so bin ich zugleich bekümmert aus Furcht vor dem Schmerz. Ich schwebe und schwanke zwischen Hoffnung und Furcht. Tullia: Schweig, du Törin! Die Schmerzen sind nichts im Vergleich zu den Wonnen. Octavia: Ich will dir ja gern glauben, und mir juckt schon wie Feuer die Scheide. Tullia: Dann kratze dich doch! Oder ich werde es tun - wer sollte wohl etwas dagegen haben? Octavia: Durch deine Erzählungen hast du mich ganz und gar entflammt. Ach, ach! Was treibst du denn da? Du machst mich rasend! Zieh den buhlerischen Finger zurück, liebste Schwester!... Was erlebtest du denn noch mit deinem Callias bis zum frühen Morgen? Tullia: Callias nahm mich schon bald wieder in seine Arme und umklammerte mich mit seinen Schenkeln. Gleich danach bedeckte er meinen Mund mit Küssen und streichelte mir dabei zärtlich mit beiden Händen meine Hinterbacken. Er bat mich, seine Lanze in die Hand zu nehmen und sie zu neuem Kampfe anzufeuern; damit würde ich ihm einen großen Gefallen erweisen. Ich erfüllte ihm den Wunsch. Schon schwoll sein Glied zwischen meinen Fingern an, und lachend drückte er das heiße, steife Ding gegen meinen Nabel und bohrte es mehrere Male hinein. "Wie?" rief ich, "bist du so wild, dass du dir mit deiner Lanze mitten durch meinen Leib hindurch einen Weg zur Wollust bahnen willst? Möchtest du denn, dass ich durchlöchert sei wie das Fass der Danaiden?" Hierüber lachte Callias, und da ich halb auf der Seite lag, so legte er seine Hand unter mein linkes Bein und hob es über seine rechte Seite. "Jetzt will ich dir eine neue Stellung beibringen", sagte er, "halb auf dem Rücken, und halb auf der Seite liegend." Er setzte den Riegel an mein Gartenpförtlein an und schob ihn mit einem Stoß hinein. Da er aber nicht ganz eindrang, sagte er: "Du bist noch unerfahren in diesem Minnedienst, meine Tullia; erlaube, dass ich dich in ihm unterweise!" Ich antwortete, ich könnte diese Kunst wohl von niemandem besser lernen, er möchte nur fortfahren, und er würde an mir eine gelehrige Schülerin haben. Er sagte mir nun, ich solle meinen Venusberg ganz eng an seinen pressen, so dass meine Kleine seinem Dicken den Kopf küsste; so würde er ganz leicht bis in die Tiefe eindringen, nur müsste ich das Bein, das ich über seine rechte Seite gelegt hätte, so hoch wie möglich emporheben. Ich kam seinem Wunsche nach, und mit einem einzigen Stoß versenkte er seine ganze Rute in meiner Scheide. Octavia: Und tat es denn gar nicht weh? Tullia: Das schnelle, starke Reiben nahm mir jedes Schmerzgefühl. Er wollte, dass ich ihm zart die Hoden streichelte; ganz sanft führte er meine Hand an seine Testikel, mit den Fingerspitzen drückte ich sie ihm beide, und augenblicklich schoss der kräftige Quell seines Samens in den Kielraum meines Schiffes hinein und ließ auch mich vor Wollust überschäumen. Und so schwelgten wir beide in höchster Wonne. Während wir uns an diesen Spielen erfreuten, war es bereits heller Tag geworden, und meine Mutter hatte versprochen, uns gleich am frühen Morgen zu besuchen. Während wir nun in enger Umschlingung über alles mögliche plauderten und Küsse tauschten, hörten wir eine Stimme, die näher kam. "Mag nun kommen, was da will", rief Callias, "nichts wird mich daran hindern, in deinen Umarmungen meinen Liebeshunger zu sättigen. Ich habe mir vorgenommen, meine Liebste, dein Rösslein" - er zeigte dabei auf meine Scham - "siebenmal zu reiten. Sechsmal bin ich aufgesessen, es fehlt das siebte Mal, das mich sättigen wird." Sobald er nun merkte, dass meine Mutter sich unserer Tür näherte, bestieg er mich wiederum; und gerade als sie den Schlüssel ins Schlüsselloch schob, rief er: "Auch ich stecke meinen Schlüssel in dein Schloss." Er fing an, hin und her zu rutschen, und bat mich, dass auch ich meine Hinterbacken recht schnell bewegte. Meine Mutter, die inzwischen eingetreten ist, sieht erstaunt das Bett erbeben; ich aber wehklage und seufze schmerzerfüllt. "Was sehe ich denn da, mein Kind?" ruft sie. "War denn die ganze Nacht nicht lang genug für dich? Und war sie nicht auch lang genug für dich, mein Callias, meine Tochter zu genießen?" - "Verzeih mir, Mutter", antwortete ich, "eher wünschte ich mir den Tod, als dass ich von dir in einer solchen Schmach gesehen würde!" - "In Tullia selbst", warf Callias ein, "mühe ich mich um ihr Glück." Und damit stieß er nur noch wilder zu. "Kind", sagte da meine Mutter, "du musst deinem Gatten gehorchen, und vor allem darfst du dich nicht schämen, ihm in dem gehorsam zu sein, was den wichtigsten Teil der Pflichten einer Gattin ausmacht. Ich gehe jetzt, komme aber gleich wieder; inzwischen löscht nur munter euern Liebesdurst und tut einander Genüge!" Als meine Mutter hinausgegangen war, forderte Callias mich auf, seine Stöße durch möglichst schnelle und zahlreiche Gegenstöße zu erwidern. Ich fing an, mit den Hinterbacken hin und her zu rutschen und mich auf und ab zu bewegen - mich entgegenstemmend, wenn er angriff, ihm nachgebend, wenn er wich. Er lobte meinen Eifer und bewunderte meine Gewandtheit. "Ich aber möchte", sagte ich, "dass du meine Liebe zu dir lobtest, die mich durch die mir von dir aufgetragenen Körperbewegungen entehrt. Erkenne meinen Gehorsam an, der sich auch in so schmachvollen Dingen zeigt! Aber ach, Callias, ach - auch mir fließen alle Adern über vor Wollust! Beeile dich mit deinem Werk!" Er müht sich noch eifriger an seiner Arbeit. Und er reitet und reitet ohn' Unterlass. Aber, als ob der Saftquell in ihm versiegt wäre, es trat kein Tropfen mehr aus seinem Brunnenrohr hervor. Mich küssend und kneifend, spornte er mich an, ihm, dem sich Mühenden, behilflich zu sein und ihn im gestreckten Galopp zu der ersehnten höchsten Wonne zu tragen. Ich gebe die Sporen, und durch meine vielen Stöße überschwemme ich mich mit meinem Liebessaft; er aber gelangte erst lange nach mir ans Ziel... Nachdem er nun, in meinen Armen liegend, die matten Glieder etwas ausgeruht hatte, erhob er sich, rief seine Diener und zog sich an. Dann gab er mir einen Kuss und bat mich, ich möchte es entschuldigen, dass er so träge gewesen sei. "Verzeih mir", sagte er, "diese unmännliche Schlaffheit, dass ich in dieser so schönen Rennbahn nur so wenige Ritte gemacht habe." Gerade als er diese Worte sprach, kam meine Mutter zurück, und in ihrer Begleitung, freudiger von mir begrüßt als der Sonnenschein, erschien Pomponia, mein anderes Augenlicht. Jede trug eine Schale, angefüllt mit einer Brühe, der das Gelb mehrerer Eier beigegeben war. Meine Mutter reichte dem Callias die eine Schale und Pomponia mir die andere. Ich schlürfte meine Brühe mit Behagen. Callias sagte, dass er sie nicht benötige; aber er trank sie dennoch. Hierauf empfahl mir meine Mutter, mich auszuruhen; "denn, ich weiß", sagte sie, "du bist in dieser Nacht auf langen Liebespfaden geritten, dass du leicht krank werden könntest, wenn du deinen zarten Körper nicht sorgfältig pflegtest." "Wir haben im ganzen sieben Meilen zurückgelegt", warf Callias ein, "und es ist durchaus verständlich, dass sie erschöpft ist, hat sie mir doch durch ihre unentwegte Munterkeit die Reise nicht lang werden lassen." "Hierüber werden wir später sprechen", bemerkte Pomponia, "du aber stärke inzwischen durch Ruhe und Schlaf deine Glieder, die durch die Anstrengungen während der Nacht müde geworden sind!" Octavia: Durch deine Schilderung, liebe Schwester, kann ich mir jetzt vorstellen, was meiner Jungfernschaft bevorsteht. Aber, wenn meine Ahnung mich nicht trügt, erwartet mich Beschwerlicheres, als du es ertragen hast; dafür werde ich aber vielleicht größere Wonnen genießen, als du sie erlebtest. Denn mein Nestchen da unten hat einen engeren Zugang, als es bei dir der Fall war - um so schwieriger wird es zu erobern sein; dagegen wird Caviceus mich mit einer um drei Zoll längeren Lanze angreifen, als Callias sie hat, und deswegen werde ich um so süßere Venusfrüchte ernten, je tiefer er in das Heiligtum der Venus eindringt. Tullia: Ich kann dir zu deiner vollkommenen Glückseligkeit nicht mehr wünschen, mein Schwesterchen, als dass Venus dir genauso günstig und gewogen sei, wie sie es mir war. Nun aber wollen wir das Bett verlassen, süßes Mädchen! Morgen wirst du als eine so schöne Frau aufstehen, wie du heute ein schönes Mädchen bist. Ich glaube, du bist jetzt auf den Kampf, der dir bevorsteht, genügend vorbereitet. Octavia: Das bin ich, so wahr mich Venus lieben möge! Ja ich möchte sogar, dass meine Standhaftigkeit gepriesen würde. Ohne zu weinen und ohne zu jammern, werde ich alles mutig ertragen. Tullia: Dazu rate ich dir nicht, mein Herzchen. Caviceus selbst würde es dir übel nehmen, wenn du dich allzu tapfer zeigtest. Wenn du keinen Laut von dir gäbest, würde er dir vielleicht Unzüchtigkeit vorwerfen. Es spricht im allgemeinen für den Mann, wenn das Mädchen, um das er ficht, im Ringen um den Preis der Venus weint und jammert. Man sagt, diese Wehklagen seien der letzte Laut, den man vernähme, wenn die Jungfräulichkeit erlösche. Welche Schlüsse man daraus zieht, das sage dir selber! Octavia: Gut, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast! |
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Über die Weiber |
Mit den Mädchen hat es die Natur auf Das, was man im dramaturgischen Sinne, einen Knalleffekt nennt, abgesehen, indem sie dieselben, auf wenige Jahre, mit überreichlicher Schönheit, Reiz und Fülle ausstattet, auf Kosten ihrer ganzen übrigen Lebenszeit, damit sie nämlich, während jener Jahre, der Phantasie eines Mannes sich in dem Maße bemächtigen könnten, dass er hingerissen wird, die Sorge für sie auf Zeit Lebens, in irgend einer Form, ehrlich zu übernehmen; zu welchem Schritte ihn zu vermögen, die bloße vernünftige Überlegung keine hinlänglich sichere Bürgschaft zu geben schien. Sonach hat die Natur das Weib, eben wie jedes andere ihrer Geschöpfe, mit den Waffen und Werkzeugen ausgerüstet, deren es zur Sicherung seines Daseins bedarf, und auf die Zeit, da es ihrer bedarf; wobei sie denn auch mit ihrer gewöhnlichen Sparsamkeit verfahren ist. Wie nämlich die weibliche Ameise, nach der Begattung, die fortan überflüssigen, ja, für das Brutverhältnis gefährlichen Flügel verliert; so meistens nach einem oder zwei Kindbetten, das Weib seine Schönheit; wahrscheinlich sogar aus dem selben Grunde. Dem entsprechend halten die jungen Mädchen ihre häuslichen, oder gewerblichen Geschäfte, in ihrem Herzen, für Nebensache, wohl gar für bloßen Spaß: als ihren allein ernstlichen Beruf betrachten sie die Liebe, die Eroberungen und was damit in Verbindung steht, wie Toilette, Tanz u. s. w. Je edler und vollkommener eine Sache ist, desto später und langsamer gelangt sie zur Reife. Der Mann erlangt die Reife seiner Vernunft und Geisteskräfte kaum vor dem acht und zwanzigsten Jahre; das Weib mit dem achtzehnten. Aber es ist auch eine Vernunft danach: eine gar knapp gemessene. Daher bleiben die Weiber ihr Leben lang Kinder, sehn immer nur das Nächste, kleben an ! der Gegenwart, nehmen den Schein der Dinge für die Sache und ziehen Kleinigkeiten den wichtigen Angelegenheiten vor. Die Vernunft nämlich ist es, vermöge deren der Mensch nicht, wie das Tier, bloß in der Gegenwart lebt, sondern Vergangenheit und Zukunft übersieht und bedenkt; woraus dann seine Vorsicht, seine Sorge und häufige Bekommenheit entspringt. Der Vorteile, wie der Nachtheile, die Dies bringt, ist das Weib, in Folge seiner schwächern Vernunft, weniger teilhaft; vielmehr ist derselbe ein geistiger Mops, indem sein intuitiver Verstand in der Nähe scharf sieht, hingegen einen engen Gesichtskreis hat, in welchen das Entfernte nicht fällt; daher eben alles Abwesende, Vergangene, Künftige, viel schwächer auf die Weiber wirkt, als auf uns, woraus denn auch der bei ihnen viel häufigere und bisweilen an Verrücktheit grenzende Hang zur Verschwendung entspringt. Die Weiber denken in ihrem Herzen, die Bestimmung! der Männer sei, Geld zu verdienen, die ihre hingegen, es durchzubringen; wo möglich schon bei Lebzeiten des Mannes, wenigstens aber nach seinem Tode. Schon dass der Mann das Erworbene ihnen zur Haushaltung übergibt, bestärkt sie in dem Glauben. - So viele Nachtheile Dies alles zwar mit sich führt, so hat es doch das Gute, dass das Weib mehr in der Gegenwart aufgeht, als wir, und daher diese, wenn sie nur erträglich ist, besser genießen, woraus die dem Weibe eigentümliche Heiterkeit hervorgeht, welche sie zur Erholung, erforderlichen Falles zum Troste des Sorgen belasteten Mannes eignet. In schwierigen Angelegenheiten, nach Weise der alten Germanen, auch die Weiber zu Rate zu ziehen, ist keineswegs verwerflich: denn ihre Auffassungsweise der Dinge ist von der unsrigen ganz verschieden und zwar besonders dadurch, dass sie gern den kürzesten Weg zum Ziele und überhaupt das zunächst Liegende ins Auge fasst, über welches wir, eben weil es vor unserer Nase liegt, meistens weit hinwegsehen; wo es uns dann Not tut, darauf zurückgeführt zu werden, um die nahe und einfache Ansicht wieder zu gewinnen. Hiezu kommt, dass die Weiber entschieden nüchterner sind, als wir; wodurch sie in den Dingen nicht mehr sehn, als wirklich da ist; während wir, wenn unsere Leidenschaften erregt sind, leicht das Vorhandene vergrößern, oder Imaginäres hinzufügen. Aus der selben Quelle ist es abzuleiten, dass die Weiber mehr Mitleid und daher mehr Menschenliebe und Teilnahme an Unglücklichen zeigen, als die Männer: hingegen aber im Punkte der Gerechtigkeit, Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit, diesen nachstehen. Denn in Folge ihrer schwachen Vernunft übt das Gegenwärtige, Anschauliche, unmittelbar Reale eine Gewalt über sie aus, gegen welche die abstrakten Gedanken, die stehenden Maximen, die fest gefassten Entschlüsse, überhaupt die Rücksicht auf Vergangenheit und Zukunft, auf Abwesendes und Entferntes, selten viel vermögen. - Demgemäß wird man als den Grundfehler des weiblichen Charakters Ungerechtigkeit finden. Er entsteht zunächst aus dem dargelegten Mangel an Vernünftigkeit und Überlegung, wird zudem aber noch dadurch unterstützt, dass sie, als die schwächeren, von der Natur nicht auf die Kraft, sondern auf die List angewiesen sind: daher ihre instinktartige Verschlagenheit und ihr unvertilgbarer Hang zum Lügen. Denn, wie den Löwen mit Klauen und Gebiss, den Elefanten mit Stoßzähnen, den Eber mit Hauern, den Stier mit Hörnern und die Sepia mit der Wasser trübenden Tinte, so hat die Natur das Weib mit Verstellungskraft ausgerüstet, zu seinem Schutz und Wehr, und hat alle die Kraft, die sie dem Manne als körperliche Stärke und Vernunft verlieh, dem Weibe in Gestalt jener Gabe zugewendet. Die Verstellung ist ihm demnach angeboren, deshalb auch fast so sehr dem dummen, wie dem klugen Weibe eigen. Von derselben bei jeder Gelegenheit Gebrauch zu machen ist ihm daher so natürlich, wie jenen Tieren, bei Angriff, sogleich ihre Waffen anzuwenden, und empfindet es sich dabei gewissermaßen als seine Rechte gebrauchend. Darum ist ein ganz wahrhaftes, unverstelltes Weib vielleicht unmöglich. Eben deshalb durchschauen sie fremde Verstellung so leicht, dass es nicht ratsam ist, ihnen gegenüber, es damit zu versuchen. - Aus dem aufgestellten Grundfehler und seinen Beigaben entspringt aber Falschheit, Treulosigkeit, Verrat, Undank u. s. w. Der gerichtlichen Meineide machen Weiber sich viel öfter schuldig, als Männer. Es ließe sich überhaupt in Frage stellen, ob sie zum Eide zuzulassen sind. - Von Zeit zu Zeit wiederholt sich überall der Fall, dass Damen, denen nichts abgeht, in Kaufmannsläden etwas heimlich einstecken und entwenden. Weil im Grunde die Weiber ganz allein zur Propagation des Geschlechts da sind und ihre Bestimmung hierin aufgeht; so leben sie durchweg mehr in der Gattung, als In den Individuen, nehmen es in ihrem Herzen ernstlicher mit den Angelegenheiten der Gattung, als mit den individuellen. Dies gibt ihrem ganzen Wesen und Treiben einen gewissen Leichtsinn und überhaupt eine von der des Mannes von Grund aus verschiedene Richtung, aus welcher die so häufige und fast normale Uneinigkeit in der Ehe erwächst. Das niedrig gewachsene, schmalschultrige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt: in diesem Triebe nämlich steckt seine ganze Schönheit. Mit mehr Fug, als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das unästhetische nennen. Weder für Musik, noch Poesie, noch bildende Künste hab! en sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit; sondern bloße Äfferei, zum Behuf ihrer Gefallsucht, ist es, wenn sie solche affektiven und vorgeben. Das macht, sie sind keines rein objektiven Anteils an irgend etwas fähig, und der Grund hievon ist, denke ich, folgender. Der Mann strebt in Allem eine direkte Herrschaft über die Dinge an, entweder durch Verstehen oder durch Bezwingen derselben. Aber das Weib ist immer und überall auf eine bloße indirekte Herrschaft verwiesen, nämlich mittels des Mannes, als welchen allein es direkt zu beherrschen hat. Darum liegt es in der Weiber Natur, Alles nur als Mittel, den Mann zu gewinnen, anzusehen, und ihr Anteil an irgend etwas Anderem ist immer nur ein simulierter, ein bloßer Umweg, d. h. läuft auf Koketterie und Äfferei hinaus. Sie sind sexus sequior [das geringere Geschlecht], das in jedem Betracht zurückstehende, zweite Geschlecht, dessen Schwäche man demnach schonen soll, aber welchem Ehrfurcht zu bezeugen über die Maßen lächerlich ist und uns in ihren eigenen Augen herabsetzt. Als die Natur das Menschengeschlecht in zwei Hälften spaltete, hat sie den Schnitt nicht gerade durch die Mitte geführt. Bei aller Polarität ist der Unterschied des positiven vom negativen Pol kein bloß qualitativer, sondern zugleich ein quantitativer. - So haben eben auch die Alten und die orientalischen Völker die Weiber angesehen und danach die ihnen angemessene Stellung viel richtiger erkannt als wir mit unsrer altfranzösischen Galanterie und abgeschmackter Weiberveneration, dieser höchsten Blüte christlich-germanischer Dummheit, welche nur gedient hat, sie so arrogant und rücksichtslos zu machen, dass man bisweilen an die heiligen Affen in Benares erinnert wird, welche, im Bewusstsein ihrer Heiligkeit und Unverletzlichkeit, sich Alles und Jedes erlaubt halten. |
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