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    Literaturlexikon Prosaformen
     
    Ein kleines Lexikon über die verschiedenen Prosaformen für an Literatur Interessierte.
     
   

Agglomerationen sind Wortfolgen, bei denen das selbe Wort mit unterschiedlicher Bedeutung mehrfach hintereinander vorkommt. Z.B.: Wenn Radeln hinter Radeln radeln, radeln Radeln Radeln nach.

Anagramme sind Wortgebilde, die exakt aus den gleichen Buchstaben, nur in anderer Reihenfolge, aufgebaut sind. Z.B.: Leo Adrian Jakob – Radiokanaloje, Philipp Kantas – Lastkahnpippi, Ralf Frederik Jakob - Fabrikjodlerfreak

Anthologie ist eine Sammlung ausgewählter, ursprünglich getrennt publizierter literarischer Texte zumeist von mehreren Autoren wie Gedichte, Aphorismen, Epigramme, Sprüche, Kurzgeschichten, Erzählungen, Romanen, politischen Schriften etc. Eine Sonderform der Anthologie ist das Lesebuch.

Aposiopese verschweigt das Wichtigste durch Auslassungszeichen. Zum Beispiel: "Ich werde dich..."

Ballade kommt von italienisch ballata und provenzalisch balada: Tanzlied. Die Ballade war ursprünglich ein provenzalisches Tanzlied, das von Tänzern gesungen wurde. In der Literatur bezeichnet Ballade eine altfranzösische Versform, die in der Regel aus drei acht- bis zehnzeiligen Strophen mit einer abschließenden vierzeiligen Strophe, dem so genannten Geleit, besteht. Meistens verwendet die Ballade jambische oder anapästische Tetrameter des Reimschemas ababbcbC. Das Geleit, eine Widmung an eine wichtige Persönlichkeit oder Personifikation, weist das Reimschema bcbC auf. Die letzte Zeile (C) der ersten Strophe wird als Refrain in jeder folgenden Strophe wiederholt. Eine weitere häufig gebrauchte Form der Ballade besteht aus einer zehnzeiligen Strophe mit fünffüßigen Versen und dem Reimschema ababbccdcD; das Geleit umfasst fünf Zeilen des Reimschemas ccdcD.

Ellipse kommt aus dem griechischen (elleipsis) und bedeutet soviel wie Mangel. Die Ellipse gehört in der Rhetorik zu den durch Auslassung gebildeten Wortfiguren. Eine Ellipse ist möglich, wenn die Bedeutung der Aussage durch den Zusammenhang hinreichend erklärt ist. Ein Beispiel aus der Umgangssprache: "Tag" für "Ich wünsche dir einen guten Tag". Die Ellipse unterscheidet sich von der mit ihr verwandten Aposiopese dadurch, dass letztere gerade das Wichtige verschweigt.

Erzählung ist die epische Form, mündliche oder schriftliche Darstellung von realen oder fiktiven Ereignisformen. Meist in Prosa, aber auch in Versform. Als literarische Gattung ist die Erzählung von Offenheit der Form und Vielseitigkeit der Möglichkeiten bestimmt. Sie ist weniger figurenreich, kürzer und weniger komplex als der Roman, aber nicht so knapp wie Skizze und Anekdote.

Essay ist ein kürzerer Aufsatz, in dem (ursprünglich wissenschaftliche) Erkenntnisse populär gemacht werden. Das Wort kommt aus dem Englischen und heißt Versuch, Probe, zu lateinisch exagium: das Wägen. Eine in Prosa verfasste und stilistisch hochstehende, zumeist kürzere Abhandlung mit sprunghaft-unsystematischem, intuitiv-assoziatorischem Charakter. Durch seinen ästhetischen Anspruch unterscheidet sich der Essay vom journalistischen Feuilleton oder vom Traktat, durch seine subjektive Formung vom Bericht. Thematisch ist er nicht festzulegen. Gegenstandsbereiche sind etwa soziologischer (Georg Simmel), kunsthistorischer (Jacob Burckhardt), philosophischer (Gottfried Wilhelm von Leibniz), literaturgeschichtlicher (Odo Marquart) oder wissenschaftlicher Natur (Werner Heisenberg, Robert Jungk, Carl Friedrich von Weizsäcker).
Bedeutende Essayisten sind Thomas De Quincey, Henry Thoreau, Ralph Waldo Emerson, Friedrich Nietzsche, Aldous Huxley, José Ortega y Gasset, Henri Bergson, Anatole France, Karl Jaspers, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Virginia Woolf, T. S. Eliot, Stefan Zweig, Heinrich und Thomas Mann, Hugo von Hofmannsthal, Ernst Robert Curtius, Rudolf Borchardt, Karl Kraus, Gottfried Benn, Robert Musil, Ernst Jünger, Siegfried Kracauer, Hilde Spiel, Albert Camus, Jorge Luis Borges, Susan Sontag, Umberto Eco, Octavio Paz, Walter Jens, Hans Magnus Enzensberger, Peter Sloterdijk, Josef Pieper, Werner Kraft, Peter Schneider und Barbara Sichtermann.

Fabel ist eine "moralisierende" bzw. "belehrende" Form. Sie bietet ein Gleichnis, das ein allgemeines Problem (z.B. "Die Großen fressen die Kleinen") konkretisiert, wobei es jedoch für die Eingängigkeit der Fabel wichtig ist, dass sie die realistische Ebene menschlicher Verhältnisse verlässt und stattdessen hauptsächlich Tiere handeln und sprechen lässt, um uns das Allgemein-Menschliche zu veranschaulichen.
Im engeren Sinn wird heute diejenige selbständige, kurze episch-didaktische Gattung in Prosa- oder Versform als Fabel bezeichnet, die eine allgemein gültige Lebensweisheit oder belehrende, sentenzhafte Weisheit vermittelt, die üblicherweise als "Moral" (Fachbezeichnung Epimythion) am Ende der Geschichte zusammengefasst wird. Themen der Fabel sind in der Regel Auseinandersetzungen zwischen Tieren, die mit meist stereotyp verwendeten menschlichen Charaktereigenschaften ausgestattet sind (der schlaue Fuchs, der mächtige Löwe etc.); seltener können die Handlungsträger auch Pflanzen oder Gegenstände aus der unbelebten Natur sein. Dabei wird der Vergleich in allen Einzelheiten ausgeführt, auch wenn die Umstände und Ereignisse nicht immer realistisch sind (sprechende Tiere), im Gegensatz etwa zur Parabel oder dem Gleichnis, wo die Ereignisse zwar in der erfahrbaren Realität angesiedelt sind, aber nicht in allen Vergleichspunkten übereinstimmen müssen.
Auch die Kürzestfabel des 1920 geborenen deutschen Dichters Wolfdietrich Schnurre erfüllt alle Kriterien wie dialogisch, Einheit von Handlung, Ort und Zeit, Polarisierung, Pointierung: "Mach, dass du wegkommst!" schnaubte der Stier die Mücke an, die ihm im Ohr saß. "Du vergisst, dass ich kein Stier bin", sagte die, und stach ihn gemächlich.

Fantasy (englisch fantasy: Phantasie) ist eine Unterkategorie der phantastischen Literatur, die durch ein Figuren- und Handlungsrepertoire der gänzlich imaginären Realität von Mythen, Märchen und Sagen sowie durch die Verwendung von Elementen der Abenteuer-, Horror-, Utopie- und Sciencefiction-Dichtung in beliebiger Mischung gekennzeichnet ist. Seit den siebziger Jahren ist Fantasy in hohen Auflagen verbreitete serielle Unterhaltungs- bzw. Trivialliteratur, zumeist in Taschenbuchform, und wird von darauf spezialisierten Autoren verfasst. Zu den Klassikern zählen der phantastische Roman The Hobbit (1937; Der kleine Hobbit) sowie die Romantrilogie The Lord of the Rings (1954; Der Herr der Ringe) von John R. R. Tolkien, Marion Zimmer Bradleys The Mists of Avalon (Die Nebel von Avalon) und die Schriften von H. P. Lovecraft. Weitere Bestsellerautoren des Genres sind u. a. Stephen King, Raymond E. Feist, Terry Pratchett und Peter S. Beagle. Der enorme Erfolg der Fantasy-Romane ist aufschlussreich als Zeitphänomen, wobei die Tagtraumwelten der Texte gesellschaftskritische Tendenzen ebenso aufweisen können wie eine eskapistische New-Age-Mystik. Der feste, vorwiegend jugendliche Leserstamm organisiert sich zum Teil in Clubs, Fangemeinden und Internet-Kontaktgruppen.

Feature ist ein Essay für Radio bzw. Fernsehen, bei dem das Verfahren einer literarischen Gattung auf andere Medien übertragen wird.

Fragment (lateinisch fragmentum: Bruchstück), in der Literatur ein unvollständig überliefertes oder ein unvollendet gebliebenes Werk. Ersteres gilt für viele Werke der Antike oder des Mittelalters; letzteres kann den Tod des Autors oder die aus unterschiedlichen Gründen erfolgte Aufgabe des Werks (Scheitern am Thema, Desinteresse, Neuorientierung des Autors etc.) als Ursache haben. Von Wolfram von Eschenbachs Willehalm bis zu Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften sind viele große Werke der Literaturgeschichte Fragmente geblieben. Im Mittelalter war es nicht selten, dass Fragmente von anderen Autoren fertig geschrieben wurden. Vor allem in der Romantik wurde das Fragment bewusst als Form gewählt und die Unabgeschlossenheit als wesentlicher Ausdruck verstanden. Beispiele hierfür sind Friedrich Schlegels Luzinde und der Heinrich von Ofterdingen von Novalis.

Gleichnis ist in der Literatur ein sprachliches Gestaltungsmittel, bei dem eine Vorstellung oder ein Sachverhalt (Sachsphäre) zur Verdeutlichung mit einem analogen Vorgang oder Zustand aus einem vertrauten anderen, meist sinnlich-konkreten Lebensbereich (Bildsphäre) verglichen und beide durch Vergleichspartikel (so-wie) ausdrücklich aufeinander bezogen werden. Der einzige, wechselseitig die Bedeutung erhellende Berührungspunkt zwischen Sach- und Bildsphäre wird tertium comparationis genannt. Dadurch ist das Gleichnis von der Fabel unterschieden, bei der mehrere Bezugspunkte zwischen den Bereichen existieren. Bekannteste Beispiele für Gleichnisse in der Literatur sind die episch breit ausgestalteten Gleichnisse Homers, von denen die Ilias 182, die Odyssee 39 enthält, sowie die Gleichnisse der Bibel, die der Ermahnung oder Belehrung und als Stütze der Argumentation dienen ("Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischt, bis das Ganze durchsäuert war;" Lukas 13, 20-21). Die Parabel ist ein zur Erzählung erweitertes Gleichnis, wird vom Gleichnis im engen Sinn aber oft unterschieden.

Glosse (mittelhochdeutsch glóse, zu lateinisch glossa: Erläuterung, Anmerkung) ist allgemein eine Randbemerkung bzw. ein zumeist polemisch-spöttischer Kurzkommentar zu Tagesereignissen im Feuilleton sowie im Rundfunk und im Fernsehen. Als Terminus der Textkritik bezeichnet der Begriff die Erklärung und/oder Übersetzung eines fremden oder ungebräuchlichen Wortes und erscheint als Interlinear-Glosse, als Kontext-Glosse oder als Marginal-Glosse, wird also zwischen die Zeilen gesetzt, in den fortlaufenden Text eingefügt oder an den Rand geschrieben. Das Abfassen und Sammeln von Glossen in Glossaren war ein Schwerpunkt der antiken Philologie; auch die ältesten althochdeutschen Schriftdenkmäler sind als Übersetzungen lateinischer Wörter oder Wendungen Glossensammlungen (Abrogans, um 765; Kasseler Glossar, um 800).

Kurzgeschichte ist eine epische Form, mit geringem Umfang, konzentrierter Komposition, Ausarbeitung des Details und Reduktion auf ein Moment inmitten alltäglicher Begebenheiten. Kurzgeschichte, Lehnwort des amerikanischen "short story". Im Gegensatz zu den großen Prosaformen Roman und Novelle kurze, verdichtete literarische Erzählung. Die Kurzgeschichte verwendet meist ein schmales Figureninventar in einer komprimierten, geradlinigen Handlung und zielt auf eine dramatische, effektvolle Klimax. Die in der epischen Prosa häufige thematische Vielfalt tritt zurück zugunsten einer zentralen Aussage.

Die (deutsche) Kurzgeschichte charakterisiert sich vom Aufbau und vom erzählerischen Abfolge her, an ihrer relativen Kürze. Die Geschichte kann in einem Zug fertiggelesen werden und beschreibt einen auf den Punkt gebrachten Auszug aus dem Leben, oder eine bestimmte Lebenssituation. Das hat bedeutende stilistische Auswirkungen, denn man kann nicht eine kurze Geschichte schreiben, der wie ein Wasserkopf eine romanartige Einleitung vorangestellt ist. Also wird man ohne lange Vorbereitung mitten hinein ins Geschehen geführt. Einige knappe Hinweise über Ort und Zeit des Geschehens am Anfang der Geschichte müssen genügen. Das alles zusammen macht die Qualitäten dieser Erzählform aus: der eher unvermittelte oder knappe Einstieg in die Geschichte, dargestellt in einer zumeist gerafften, nicht allzu ausladend Sprache der Kurzgeschichte. Die Kurzgeschichte ist einepisodig und vermeidet aufwendige Orts- und Zeitsprünge (Ausnahmen bestätigen hier die Regel). Die Protagonisten werden vor allem durch ihr Sprechen und Handeln charakterisiert, weniger durch ihr Denken oder gar über die durch den Erzähler referierte Biografie. Die Redeweise ist zumeist direkt oder indirekt, seltener die erlebte Rede – die ja mehr den Blick in als auf die Figuren lenkt. Kurzgeschichten sind nicht selten dialogisch dominierte Erzählungen. Die Kurzgeschichte wird fast immer im Erleben des Hier und Jetzt wiedergegeben, nicht in Erinnerungen und schon gar nicht in Spekulationen des Erzählers selbst. Die moralischen Schlüsse werden nicht vom Erzähler erklärt, sondern müssen sich im Kopf des Lesers manifestieren.

Bedeutende Autoren der sind Mark Twain, O. Henry, Stephen Crane, Thomas Wolfe, Ernest Hemingway etc. Hemingways Kurzgeschichten stecken trotz des knappen Stiles scheinbar voll unwichtiger Details. Sie dienen indessen nur dazu, das Seelenleben seiner Figuren in feinsten Nuancen darzustellen. Neben der von James Joyce (Dubliners, 1914) und Franz Kafka (Die Verwandlung, 1915) begründeten modernen Kurzform ist im Nachkriegsdeutschland vor allem Hemingways lapidare Prosa Vorbild für die Kurzgeschichte (Wolfgang Borchert, Günter Eich, Heinrich Böll u. a.), wobei die deutschen Nachahmer selten an das amerikanische Original heranreichen.

Literatur (lateinisch: Sprachkunst, Schrift) ist die Bezeichnung für jeden mit Hilfe eines sinnvoll geordneten Zeichen- bzw. Schriftsystems materiell festgehaltenen Text, im engeren Sinn der Bereich der Belletristik (schöngeistige Literatur) bzw. der - teils populärwissenschaftlichen - Fachpublikationen (Fach- bzw. Sachliteratur). Aber auch vermeintlich triviale Schriften werden dem Bereich zugerechnet (Unterhaltungs- und Trivialliteratur).

Märchen (zu Mär, von althochdeutsch maren: verkünden, rühmen), Erzählung mit phantastisch-wunderbaren Elementen ohne raumzeitliche Festlegung, zu deren Personal Zauberer, Hexen, Feen, Gnome, Geister, Zwerge, Riesen, Drachen, redende Tiere, eingreifende Naturgewalten, verwunschene Menschen etc. gehören. Zumeist wird auf Figurenebene ein typisierender Kampf von Gut gegen Böse ausgetragen, wobei am tröstlichen Ende zumeist das Gute siegt. Dabei sind die Übergänge zu anderen Erzählformen wie Legende, Schwank, Sage, Fabel, Novelle usw. oftmals fließend. Märchen wurden zunächst mündlich tradiert; diese Volksmärchen waren zunächst an den Vortrag eines Erzählers in einem Hörerkreis gebunden, wobei Gestik und Mimik eine bedeutende Rolle spielten - eine Tradition, die in manchen orientalischen Ländern heute noch gepflegt wird (siehe Volksdichtung). Für den deutschsprachigen Raum wurden Volksmärchen von den Brüdern Grimm in ihren Kinder- und Hausmärchen (2 Bde., 1812 und 1815) gesammelt (siehe Grimms Märchen).

Ein Märchen hat wohl einige Eigenschaften mit der literarischen Form der Kurzgeschichte gemeinsam und greift sich als Thema eine schwierige und bedrohliche Lebenssituation heraus. Nach einer kurzen Einleitung wird die Entwicklung der Helden und des Geschehens detailliert beleuchtet. Mit der erfolgreichen Absolvierung des gezeigten Lebensabschnittes ist natürlich auch das Ende der Geschichte erreicht. Der Höhepunkt der geschilderten Entwicklung bleibt durch dieses dramaturgische Erfordernis aber auch besser in der Erinnerung des Lesers haften.

Novelle ist eine Prosa-, selten auch Verserzählung von mittlerem Umfang, die sich durch straffe Handlungsführung, formale Geschlossenheit und thematische Konzentration auszeichnet. Gegenstand ist, nach einer Definition Johann Wolfgang von Goethes, "eine sich ereignete unerhörte Begebenheit", eine Begebenheit also, die einen gewissen Anspruch auf Wahrheit erhebt und von etwas Neuem oder Außergewöhnlichem erzählt. Als charakteristische Merkmale novellistischen Erzählens gelten, ohne jedoch normative Verbindlichkeit beanspruchen zu können, die Zuspitzung auf einen "Wendepunkt" hin (entsprechend der Peripetie im Drama) und die Strukturierung durch ein sprachliches Leitmotiv oder durch ein Dingsymbol (Paul Heyses "Falkentheorie"). Häufig werden Novellen zu Zyklen verbunden oder einzelne Novellen in Rahmenerzählungen eingebettet: Techniken, die es ermöglichen, die Erzählsituation sowie die jeweiligen zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zu beleuchten.
Nach Vorläufern in Humanismus, Barock und Aufklärung begann mit Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1795), nach dem Vorbild Boccaccios als Zyklus mit Rahmenhandlung angelegt, die Geschichte der deutschen Novelle. Auch Christoph Martin Wieland folgte mit dem Hexameron von Rosenhain (1805) der italienischen - und französischen - Tradition. Bis hin zu Gottfried Kellers Sinngedicht (1881) entstanden weitere Novellenzyklen, doch trat seit der Romantik und den Novellen Heinrich von Kleists die Einzelnovelle immer stärker in den Vordergrund. Auch Goethes Novelle (1828) gehört in diesen Zusammenhang. Neue Ausdrucksmöglichkeiten gewann die Novelle in der Romantik durch die Integration märchenhafter, phantastischer und dämonischer Elemente (so bei Ludwig Tieck, Achim von Arnim, Clemens Brentano, Friedrich de la Motte Fouqué, E. T. A. Hoffmann, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff). Nach der Novellistik der Biedermeierzeit (Annette von Droste-Hülshoff, Jeremias Gotthelf, Franz Grillparzer, Eduard Mörike, Adalbert Stifter) erreichte die deutsche Novelle im Realismus ihren künstlerischen Höhepunkt (Gottfried Keller, Theodor Storm, Conrad Ferdinand Meyer). Im Kontext des Naturalismus beginnt mit Gerhart Hauptmanns "novellistischer Studie" Bahnwärter Thiel (1888) die Geschichte der modernen, Anregungen von Émile Zola, Anton Tschechow, Guy de Maupassant und anderen aufnehmenden deutschen Novelle, die sich über Autoren wie Thomas und Heinrich Mann, Arthur Schnitzler oder Alfred Döblin bis zu Günter Grass und Martin Walser als äußerst fruchtbar erwiesen hat. Charakteristisch für die Entwicklung im 20. Jahrhundert ist eine Erweiterung der formalen Ausdrucksmöglichkeit, nicht zuletzt durch eine Annäherung an andere Formen des Erzählens.

Palindrome (Wider- oder Gegenläufern) sind Wörter oder Sätze, die vorwärts und rückwärts gelesen gleich lautend sind. Z.B.: Reittier, Ex-Ehe-Hexe

Parabel (griechisch parabole: Gleichnis) ist die literaturwissenschaftliche Bezeichnung für eine Erzählung lehrhaften Charakters, die eine durch Analogieschluss zu enträtselnde allgemeine Wahrheit des menschlichen Lebens enthält; diese muss durch einen Vergleich des Textes (dem Dargestellten) mit der außersprachlichen Realität (dem Gemeinten) vom Leser erst gewonnen werden. Im Unterschied zur Fabel ist der Gegenstandsbereich der Parabel nicht als Ganzes auf das Gemeinte übertragbar, sondern lediglich in einem Teilbereich. Vom Gleichnis im strengen Sinn wird die Parabel ebenfalls oftmals unterschieden, da sie keine direkte Verknüpfung der Gegenstandsbereiche (so: wie) zulässt; dem Gleichnis wird diese Verknüpfung oftmals in Form einer klaren Moralaussage vor- oder nachgestellt. Die Parabel ist fester Bestandteil der buddhistischen und hebräischen Literatur. Auch im Neuen Testament wird sie als Erhellungsmedium einer (hier: göttlichen) Wahrheit genutzt. Das berühmteste Beispiel ist die Parabel vom verlorenen Sohn, die auf eine religiöse Botschaft des Glaubens hin interpretiert werden soll. Für die Epoche der Aufklärung war die Parabel ein "Hebel der Erkenntnis".

Plot der Kerninhalt bzw. der Handlungsstrang einer Geschichte.

Poesie kommt aus dem griechischen, eigentlich "Das Machen". Bezeichnung für Dichtung, besonders für Versdichtung, im Gegensatz zur Prosa. Prosa (zu lateinisch prosa oratio: die geradeaus gerichtete, schlichte Rede), Bezeichnung für alle sprachlichen Mitteilungsformen, die nicht durch formale Aspekte wie Metrik oder Vers gebunden sind. Dabei reicht die Spannweite von der Alltagssprache über Wissenschaftsprosa bis hin zur kunstvoll gestalteten Form (Erzählung, Roman, Novelle, Essay etc.). Mit der Kunstprosa der Rede befasst sich die Rhetorik. Als Gestaltungsmittel bedient sich die literarische Kunstprosa etwa der Betonung der Sprachmelodie und des Rhythmus sowie einer ausgeprägten Metaphorik. Eine Zwischenform zwischen Prosa und Lyrik sind die freien Verse.

Prosa (zu lateinisch prosa oratio, die geradeaus gerichtete, schlichte Rede) ist die Bezeichnung für alle sprachlichen Mitteilungsformen, die nicht durch formale Aspekte wie Metrik oder Vers gebunden sind. Dabei reicht die Spannweite von der Alltags- über Wissenschaftsprosa bis hin zur kunstvoll gestalteten Form (Erzählung, Kurzgeschichte, Roman, Novelle, Essay etc.). Mit der Kunstprosa der Rede befasst sich die Rhetorik. Als Gestaltungsmittel bedient sich die literarische Kunstprosa etwa der Betonung der Sprachmelodie und des Rhythmus sowie einer ausgeprägten Metaphorik. Eine Zwischenform zwischen Prosa und Lyrik sind die freien Verse bzw. das Prosagedicht.

Roman, nach heutigem Verständnis ein erzählender, im Gegensatz zu Kurzgeschichte und Novelle umfangreicher Prosatext. Der Roman profiliert sich erst zu Beginn der Neuzeit als eigenständige Gattung, gewinnt aber seit seiner Akzeptanz als "hohe" Literatur im 18. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung und entwickelt bis heute eine schier unerschöpfliche Vielfalt des Erscheinungsbildes. Mit dem Beginn der industriellen Buchproduktion um 1800 und der Formierung einer modernen, d. h. extensiv konsumierenden Literaturgesellschaft setzt der Siegeszug des Romans zur populärsten Prosa- und Literaturgattung ein. Einerseits als triviales "Lesefutter" in Fülle verbreitet, fordert er andererseits als Sprachkunstwerk beständig zu neuen Experimenten heraus, wobei im 20. Jahrhundert die Handlung als strukturbildendes Element zunehmend in den Hintergrund tritt zugunsten multiperspektiver, häufig am Filmschnitt orientierter Darstellungsweisen.

Sachtext stehen im Gegensatz zu fiktionalen Texten.

Satire hat das Ziel der Einsicht in die Lächerlichkeit, Kritikwürdigkeit oder gar Gefährlichkeit der geschilderten Sachverhalte.
Satire, literarische Form der Kritik an individuellen, gesellschaftlichen oder allgemeinmenschlichen Schwächen, oft in aggressiv-anklägerischer Weise. Die häufigsten Stilmittel der Satire sind die Ironie, die karikierende Überspitzung eines Sachverhalts und die Konstruktion sachfremder Zusammenhänge, in denen Vertrautes absurd erscheint. Die Satire ist stets an ihr soziohistorisches Umfeld gebunden und hat entsprechend immer neue Formen herausgebildet, von denen sich einige, wie die Literatursatire, gleichwohl als langlebig erwiesen haben. Der Begriff ist eine Eindeutschung des lateinischen satura, was ursprünglich soviel wie "Durcheinander" bedeutet, bereits damals aber als literarische Gattungsbezeichnung üblich war.

Science Fiction (von englisch science: Wissenschaft; fiction: Fiktion, Einbildung) ist ein Sammelbegriff für alle Formen von Literatur mit phantastischem oder utopischem Inhalt, die sich auf der Basis naturwissenschaftlich-technischer Erkenntnisse mit zukünftigen Entwicklungen oder Ereignissen und deren Auswirkungen auf das menschliche Leben befassen. Durch dieses Interesse unterscheidet sie sich stark von der ihr nahe stehenden Fantasy-Literatur, die eher märchenhaft-phantastische Züge aufweist. Übergänge sind jedoch fließend.

Science Fiction im engeren Sinn gibt es seit dem 19. Jahrhundert, in dem sich ein dezidiertes Interesse an Naturwissenschaft und Technik herauszubilden begann; als Gründungsväter und zugleich exponierteste Vertreter gelten u. a. Jules Verne und H. G. Wells. Der Philosoph und Schriftsteller Kurd Laßwitz (1848-1910, Pseudonym L. Velatus ) schuf mit Auf zwei Planeten (1897) ein frühes deutschsprachiges Beispiel des Genres. Der Begriff Science Fiction entstand in den dreißiger Jahren im angloamerikanischen Raum; in Deutschland begann er sich erst nach dem 2. Weltkrieg durchzusetzen. Die Frage der literarischen Vorläufer ist umstritten und abhängig davon, ob man eher das Moment des Phantastischen oder das des Utopischen in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt (siehe phantastische Literatur; Utopie). Immer wiederkehrende Themen der Science Fiction sind vor allem Spekulationen zur Überwindung von Raum und Zeit (der "vierten Dimension") durch neue Technologien sowie die Beschreibung von Hightechwaffen und die Erfindung neuer Kreaturen oder Lebewesen durch wissenschaftliche Manipulationen (Roboter, Androide oder Klone etc.).

Tagebuch ist eine Abfolge autobiographischer Berichte, die in chronologischer Form die (zumeist täglichen) Erlebnisse ihres Verfassers verzeichnen, und dies zumeist unmittelbar nach dem Erlebnis selbst. Tagebücher von Dichtern werden oftmals bereits im Bewusstsein späterer Publikation verfasst. Diese Art der Tagebuchliteratur beschäftigt sich oftmals mit zeitgeschichtlicher, kultureller und politischer Problematik und hat mit der ursprünglichen Form des Tagebuches, das private Ereignisse festhält, meist nur wenig gemein. Ein Beispiel für ein privates Zeugnis, das später zum zeitgeschichtlichen Dokument avancierte, ist das Tagebuch der Anne Frank (1950), das die Erlebnisse einer Jüdin während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland schildert. Lediglich am Rande autobiographisch hingegen ist das Reisetagebuch eines Philosophen Hermann Graf von Keyserlings (1855-1918), der eine tatsächlich unternommene Reise zu essayistischer Betrachtung nutzt. Der Literaturwissenschaft gibt das Tagebuch von Schriftstellern oftmals Aufschluss über den literarischen Prozess ihres Schaffens bzw. über ihre dichtungstheoretische Position. Zu den bedeutenden deutschsprachigen Tagebuchschreibern gehören Goethe, Joseph Freiherr von Eichendorff, Christian Friedrich Hebbel, Franz Kafka und Thomas Mann.

Tempora ist die Zeit in der erzählt wird. In der Realität gibt es drei Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In der deutschen Grammatik gibt es 6 Tempora: Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Präsens, Futur I, Futur II. Diese Tempora haben Funktionen, u.a. auch die Darstellung von Zeitbezügen, aber z.B. wird das Futur auch oft in Vermutungen gebraucht, z.B.: Wo steckt er denn? - Er wird wohl noch zu Hause sein. (Siehe z.B. Duden 4 "Die Grammatik".) Man sollten aber Grammatik und Realität auseinanderhalten bzw. Zeiten und Tempora nicht verwechseln.

Textmontage ist die sprachliche Modifikation eines bestehenden Werkes. In dieser Schreibanimation geht es darum, den Duktus, die Rhythmik und Metrik anderer Prosatexte oder Gedichte nachzuvollziehen, indem Originalwörter durch eigene Wörter ersetzt werden. Dies wiederum kann teilweise geschehen (ein Teil der Originalwörter bleibt bestehen) oder ganz (das Gedicht besteht nur mehr aus meinen eigenen Wörtern). Was auf jeden Fall bleibt sind Metrik, Strophenform und Silbenanzahl des Originals. Der Endreim kann sich ändern, sollte aber in seiner Form (zum Beispiel a, b, a, b) erhalten bleiben. Der Sinn des neuen Textes kann dabei natürlich ein völlig anderer werden als der des Originals.

     
     
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