death cab for cutie - narrow stairs

 VÖ: 16.05.08 

   

 

 
     Bixby Canyon Bridge
     I will possess your heart
     No sunlight
     Cath...
     Talking bird
     You can do better than me
     Grapevine fires
     Your new twin sized bed
     Long division
     Pity and fear
     The ice is getting thinner

  

Label: Atlantic / Warner

Im Jahr 2005 war es endlich soweit und Death Can For Cutie hatten nicht nur den Status der verschrobenen Nerds abgelegt, sondern vor allem internationale Anerkennung erreicht. Während Transatlanticism (2003) eine Art Aufwärmen war, kann das tolle Album „Plans“ als Durchbruch bezeichnet werden. Es war bzw. ist (geringe Abnutzungserscheinungen!) eine Platte, die mit Leichtigkeit fließt und in Tiefen vorstößt, die man eigentlich gerne vermeidet. Letztendlich lässt man sich aber treiben und fragt sich am Ende ratlos und bewegt, ob so viel Schönheit überhaupt zu ertragen ist. „Plans“ zeichnete sich durch seine Homogenität aus, die gefälligen Radiosingles „Soul meets body“ und „Crooked teeth“ störten da beinahe.

Drei Jahre später hat sich natürlich auch die Erwartungshaltung geändert. Ben Gibbard ist nicht mehr der spießige, introvertierte, studentenhafte Songwriter, sondern Frontman einer Band, die mittlerweile über die Grenzen des Indie-Universums bekannt ist.

„Bixby Canyon Bridge“ beginnt auch nahzu ident wie „Marching band of Manhattan“; das vergleichsweise heftige Drums-Intermezzo samt wummerndem Bass ist dann aber bereits die erste Überraschung.

Alles in allem schafft es das Viergespann aus dem Bundesstaat Washington nicht ganz, erneut eine derart besondere Atmosphäre zu erzeugen, wie das bei „Plans“ der Fall war. Positiv fügt sich jedoch ein, dass im Gegensatz zu damals die erste Singe („I will possess your heart“) einer der besten, wenn nicht der beste Song ist. Vor allem der gemächliche Aufbau des Songs, welcher sich in weiterer Folge zu etwas geradezu Bedrohlichem entwickelt, trägt dazu bei – und sorgt für eine Songlänge von acht Minuten.

Danach: viel Durchschnittliches zwischen poppigen Klängen und ein bisschen Walzer-Geschrammel. Erst „Grapevine fires” vermag wieder zu überzeugen, bevor „Your new twin sized bed” nicht nur Ähnlichkeiten im Titel mit „Brothers on a hotel bed“ aufweist. „Pity and fear“ lässt einen erschaudern und Respekt zollen. Erneut sorgt ein langsamer Aufbau für Spannung, das Ende des von Trommelrhythmen dominierten Liedes ist umso abrupter.

Mit „The ice is getting thinner“ klingt die Platte aus – und hat irgendwie sein Gutes, denn die hinreißend schöne, unaufgeregte Ballade lässt den Hörer und Fan unüberhörbare Schwächen vergessen.

Essential Tracks:

I will possess your heart
Pity and fear
The ice is getting thinner

by Thomas

 
No Use For A Name – The feel good record of the year

 VÖ: 28.03.08 

   

 

 
     Biggest lie
     I want to be wrong
     Yours to destroy
     Under the garden
     Sleeping between trucks
     Domino
     The feel good song of the year
     The trumpet player
     Night of the living living
     Ontario
     Pacific Standard Time
     The dregs of sobriety
     Kill the rich
     Take it home

  

Label: Fat Wreck Chords

No Use For A Name, gerne auch simple No Use oder NUFAN genannt, können ohne Bedenken zum Standardrepertoire des Genres Surf-Punkrock gezählt werden. Klare, meist einfach gestrickte Melodien zeichnen ihre Songs aus; mit einer routinierten Regelmäßigkeit bekommt man pro Album eine Ballade geliefert, unterstützt von einem bis zwei Midtempotracks.


Fans wissen genau, wie viel Ironie im Albumtitel „
The feel good record of the year” steckt, haben doch die Songs der Band nie wirklich auf Trübseligkeit schließen lassen. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit, denn es gilt, bei all der ungetrübten Harmonie was die Melodie anbelangt, sich den Texten zu widmen. Diese sind vor allem seit der ersten Amtszeit von George W. Bush sehr bissig. Waren es davor persönliche Probleme, die man in den Liedern abhandelte, hat sich das lyrische Spektrum der aufgrund ihrer musikalischen Einfachheit oft belächelten Band doch erstaunlich erweitert.


Opener „Biggest lie“ birgt nicht wirklich Überraschungen, „I want to be wrong“ ebenso wenig – Tempo, Refrain, Routine. Man muss sich schon bis Track Nummer drei gedulden: was beginnt wie eine unnötige Schmalzballade (nur bedingt eine Stärke der Band, die bei mit Uptempo-Songs öfter den Nagel auf den Kopf trifft), entwickelt sich zu einem ganz starken Stück, welches so ganz nebenbei den besten Refrain der Band für eine kleine Ewigkeit liefert – und das mag was heißen, verstehen es die Kalifornier doch nur allzu gut, im entscheidenden Teil eines Liedes zu glänzen.

Und so ist der Reigen eröffnet. Man schrammelt munter vor sich hin, geht nur selten runter vom Gaspedal. Und wenn, dann ist das höchst verzichtbar („Sleeping between trucks“). Alles beim alten bei Tony Sly’s Mannen: die Gitarren heulen auf, der Gesang kontrolliert wie immer, das monotone Schlagzeugspiel auch. Etwas mehr Mut zum Risiko hätte nicht geschadet. Dass dies hervorragend funktionieren kann, hat Sly schon im Jahr 2004 mit Lagwagon-Frontman Joey Cape bewiesen („Acoustic“).


Essential Tracks:
I want to be wrong
Yours to destroy
The feel good song of the year

by Thomas

 
the kooks - konk

 VÖ: 11.04.08 

   

 

 
     See the sun
     Always where I need to be
     Mr Maker
     Do you wanna
     Gap
     Love it all
     Stormy weather
     Sway
     Shine on
     Down to the market
     One last time
     Tick of time
  

Label: Virgin / EMI

Wenn man das neue Album der Kooks hört, ist man sich sicher: der Sommer steht vor der Tür. So klischeehaft dies auch nicht, ganz falsch ist es nicht.

„Konk“, das zweite Werk der vier Burschen aus Brighton bringt garantiert jedes Mädel zum Strahlen. Was die Kooks aber auszeichnet ist, dass ihre Stücke auch vom coolen Indie-DJ nicht verschmäht werden. Diese beiden Anforderungen zu erfüllen – das können wirklich nicht viele Bands von sich behaupten. Und Luke Pritchard und co. wirken noch dazu überhaupt nicht, als würden sie sich verbiegen oder gar verkaufen. Sie sind einfach gut in dem was sie tun – charmanter Pop mit wirklich tollen Melodien, vorsichtiger Rock, Midtempo und ein bisschen schneller, dramatische Refrains und noch ein bisschen Posen als Boygroup, die man ruhig gerne haben kann. Das könnte das Erfolgsrezept der Band sein, die erst seit 2004 ihr Unwesen treibt. Und Erfolg, den hatten sie reichlich.

„Inside in / inside out“, ihr Debüt aus dem Jahr 2006, flackerte auf der kleinen Flamme und wurde so zum Dauerbrenner. Denn bald hatten auch die Besserwisser vom europäischen Festland realisiert, dass es sich bei The Kooks um keine „weitere The-Band von der Insel“ handelt, sie es jetzt halt auch gibt und sicher kurzfristig oben mit dabei ist. Man ließ Taten sprechen und die erste Platte hatte Songs, die so gut waren, dass es beinahe unmenschlich war, wie viele dieser Qualitätskategorie auf ein Album gepackt wurden.

Direkte Vergleiche wären eigentlich nicht fair; wenn man „Konk“ hört, kann man diese aber ruhig wagen – die Platte lässt einem gar keine andere Wahl. Das Strickmuster ist ident, die Songs schlichtweg nahezu ebenso gut. Man kann nicht behaupten, Pritchard verarbeitet in den 12 Songs seinen neu erlangten Ruhm. Ebenso wenig hat man sich musikalisch von seinen Prinzipien verabschiedet. Um es auf den Punkt zu bringen: The Kooks klingen genau wie vor zwei Jahren – und dagegen gibt es nichts einzuwenden.

„See the sun” beginnt nahezu genauso ruhig wie „Seaside” damals, um dann loszulegen, ohne eine gewisse Gemütlichkeit von Bord zu werfen. Es wäre nicht korrekt, würde man behaupten, „Always where I need to be” klingt überhaupt nicht wie „Eddie’s gun” vom ersten Album oder „Mr Maker“ hat absolut nichts mit „Ooh la“ am Hut. Vielmehr freut man sich über Parallelen – man fühlt sich irgendwie zu Hause, beschwingt wie damals, als man sich (sehr schnell) mit „Inside in / inside out“ anfreundete.

Mit Überraschungen rechnet man nicht wirklich und doch tut sich insbesondere „Gap“ hervor, welches zu Beginn eher dahintrödelt, um sich sehr bald zum überhaupt besten Kooks-Refrain raufzuschrauben – und dies mag etwas heißen, sind The Kooks doch wahre Großmeister beim Entwerfen von Refrains, die anregen, etwas zu tun (mitwippen, -tanzen, -springen, -summen oder auch -grölen – was auch immer einem beliebt und liegt). Und auch „Sway“ muss man Respekt zollen – der Song hat nicht nur denselben Titel wie das coole Stück der Stones von 1971 („Sticky Fingers“), sondern ebenso hohe Ansprüche.

The Kooks haben sich wenig weiterentwickelt (ja, Luke Pritchard jauchzt wieder, als gäbe es kein Morgen), sondern sind – um sich an einer viel zu oft verwendeten Floskel zu vergreifen – sich selbst treu geblieben. Die Fans wird es freuen, die Kritiker werden milde lächeln – und der Sommer ist gerettet.


Essential Tracks:
See the sun
Gap
Sway

by Thomas

 
r.e.m. - accerlerate

 VÖ: 28.03.08 

   

 

 
     
     Living well is the best revenge
    
Man-sized wreath
    
Supernatural superserious
    
Hollow man
    
Houston
    
Accelerate
    
Until the day is done
    
Mr. Richards
    
Sing for the submarine
    
Horse to water
    
I'm gonna DJ

  

Label: Warner

Das neue REM-Album ist nicht so sensationell gut wie überall behauptet, Vorgängerwerke wie „Up!“, „Reveal“ und „Around the sun“ sind nicht so schlecht, wie sie vielerorts gemacht werden. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der goldenen Mitte.

Zugegeben, die Band aus Athens, Georgia, hatte im Lauf ihres Bestehens schon bessere Momente als „Around the sun“, das von Kritikern und der Band selbst (vor allem Gitarrist Peter Buck) ungeliebte Album aus dem Jahr 2004. Man wirkte schlapp und ideenlos; und doch bot die Platte mit „Leaving New York“ einen der besten und wohl den am meisten berührenden Track der Gruppe (bitte keine Zuschriften, wie romantisch und viiiel besser „Everybody hurts“ sei und überhaupt). Dieser Eindruck bestätigte sich auf dem ansonsten etwas matten Live-Album vom Oktober des Vorjahres, das zwar - wie es sich mittlerweile gehört - samt
DVD daherkommt, in Sachen musikalische Umsetzung und Sound jedoch etwas schwach bzw. sehr schwammig wirkt.

Ganz anders „Accelerate“. Ja, es ist die oft beschworene Rückkehr zur Bestform. Überraschend stellt man jedoch fest, dass nur wenige „REM-typische“ Tracks darauf zu finden sind. Was damit gemeint ist, sind die Midtempo-Hadern der Marke „Imitation of life“ – solcherlei sucht man vergeblich. Dafür findet sich jede Menge von der E-Gitarre getriebener Punkrock mit hohem Tempo („
Living well is the best revenge“, „Accelerate“), dem es zwar an greifbaren Refrains mangelt, dieses Manko aber durch seine ungestüme Inszenierung locker wettmacht.

„Supernatural superserious“ kommt dem, was der geneigte Formatradio-Hörer von der Band erwartet noch am nächsten – sie machen es einem diesmal jedoch wirklich nicht leicht; und darüber freut man sich.

Hochinteressant ist, wie man diesmal das Thema „Balladen“ abgehandelt hat. „Houston“ besticht durch seine behutsamen Klänge, die einen vorsichtig überzeugen. Sobald sich aber eine geradezu hypnotische Wirkung entwickelt kann, ist der Song auch schon wieder zu Ende und wirkt mit gerade einmal zwei Minuten Länge wie eine unfertige Skizze. Das ebenso schöne „Until the day is done“ hat hingegen auf vier Minuten alle Möglichkeiten, sich zu entfalten.

Beim Schlussakt „I'm gonna DJ” fühlt man sich hingegen in die achziger Jahre zurückversetzt. Die Band wirft hier ganz offensichtlich alle Eitelkeiten über Bord, um Partymusik zu liefern, die es in dieser Form eigentlich schon lange nicht mehr gibt. Auch deswegen passt der Song nicht ins Gefüge des mit knapp 35 Minuten etwas kurz geratenen Albums.

Ja, „Accelerate“ hat nicht gerade Überlange. Dafür findet man darauf eine ganze Reihe von Liedern, die ohne Umwege auf den Punkt kommen – manche leider etwas zu früh.

Essential Tracks:

Living well is the best revenge
Supernatural superserious
Until the day is done

by Thomas

 
panic at the disco - pretty. odd.

 VÖ: 21.03.08 

   

 

 
     
     We’re so starving
     Nine in the afternoon
     She’s a handsome woman
     Do you know what I’m seeing?
     That Green Gentleman (things have changed)
     I have friends in holy spaces
     Northern downpour
     When the day met the night
     Pas de cheval
     The piano knows something I don’t know
     Behind the sea
     Folkin’ around
     She had the world
     From a mountain in the middle of the cabins
     Mad as rabbits

  

Label: Decaydance / Fueled By Ramen / Atlantic / Warner

Was uninteressant ist: Dass die Band jetzt auf das Rufzeichen verzichtet. Dass die Band einen modischen Stilwechsel von Cabaret-Chic der 20er-Jahre zu Kostümierung vollzogen hat, die sicher nicht unbeabsichtigt stark an Sgt. Pepper und ein bisschen an „Their Satanic Majesties Request“ erinnert.

Die viel spannendere Frage: Wie sich Panic at the disco seit dem atemberaubenden Debüt „A fever you can’t sweat out“ entwickelt haben. Konnte man den wirklich einzigartigen, hochkomplexen Sound (Brutaldisco? Ravepunk?) konservieren oder hat man vielleicht noch ein paar Songs im petto, die einen wieder ins Jahr 2006 zurückversetzen? Oder schlägt man jetzt eine völlig andere Richtung ein? Die Antwort: man beschreitet Wege, die nur vortäuschen, neu zu sein, jedoch ohne Zweifel für eine Entwicklung stehen. Ob es sich um eine Weiterentwicklung handelt, wird sich weisen.

Wie der Pressetext verkündet, hatte man Pläne für ein Konzeptalbum, die man jedoch bald über den Haufen warf, um zwangloser arbeiten zu können und dabei kreativer sein zu können. Das Resultat schwangt leider zwischen billiger Abkupferung und Gotteslästerung; vor allem aber ist es eines: über weite Strecken hochgradig langweilig und einfach zu unspektakulär.

Es scheint, als hätten die Burschen aus Las Vegas Gutscheine für ein Musikgeschäft bekommen – oder wie lässt sich sonst der übermäßig hohe Einsatz von Streich- oder Blasinstrumenten erklären?


Aber der Reihe nach: Los gehts mit einem Intro mit dem fragwürdigen Titel „
We’re so starving“, darauf folgt die Single „Nine in the afternoon“ – das erste große Paradoxon der Platte. Einerseits ist der Song unterhaltsame Pop-Perfektion und eines der wenigen Highlights von „Pretty. Odd.“, andererseits erheben Panic at the disco damit Langeweile zur Kunstform – wer hätte sich vor zwei Jahren gedacht, dass die Band jemals ein Stück dieser Stilrichtung liefert? Wäre das Lied Teil des Debüts gewesen, man hätte es als seltsames, wenn auch interessantes Zwischenspiel akzeptiert, wenn auch als Schwachpunkt einer ganz starken Platte kategorisiert.


Von „She’s a handsome woman” lässt man sich gerne täuschen, steht der Song doch für den einzigen wirklich starken Moment der Band, bevor alles den Bach runtergeht. Hier zeigt sich die Gruppe von ihrer Zuckerseite – angriffslustig und verschroben, wenn auch zu keinem Zeitpunkt die angestrebten großen Melodien aus dem Auge lassend. Die Gitarrenriffs dürfen als satirisch angesehen werden, ein Schmunzeln ist nicht ausgeschlossen.

Aber dann: man begibt sich in einen Sumpf, in dem schon viele andere Gruppen ertranken. Es ist das weite, verlockende Feld des Psychodelic Pop, der nicht nur an „Pet Sounds“ erinnert, sondern sich derselben Stilmittel bedient – jedoch in einschläfernder Geschwindigkeit. Eigene Ideen: Fehlanzeige.

Das frische, leider im Refrain stark abfallende „That Green Gentleman (things have changed)” als letzter Hoffnungsschimmer – danach begibt man sich voller Melancholie ganz tief ins Vision Valley, um The Vines einen Besuch abzustatten, die dort dahinvegetieren.

„Behind the sea” beginnt wie „Don’t pass me by” und wird zu „Tender 2.0“ – als hätte man darauf gewartet. „Folkin’ around” ist eine derartig offensichtliche Kopie von „The times they are a-changin’“, dass man nur hoffen kann, dass der große alte Dylan ruhig bleibt in Zeiten von „I’m not there“ und anderen, von seiner Seite unerwünschten Umarmungen seiner Person. Während der Rest des Albums junge Fans sicherlich vor den Kopf stoßen wird und sie im Idealfall vielleicht dazu bringt, sich auf eine Entdeckungsreise nach den Inspirationsquellen von Ross, Urie & Co. zu begeben (wohl der einzige positive Aspekt der Platte), ist die schamlose Vorgangsweise bei „Folkin’ around” wirklich eine Unverschämtheit.


„Pretty.
Odd.“ ist das Protokoll eines Suchvorgangs. In der Hauptrolle: eine junge Band, die ihrer eigenen Identität auf der Spur ist. Man darf ihr Glück wünschen, denn sie wird es brauchen. Ihre Glaubwürdigkeit hat sie hiermit nämlich verspielt.


Essential Tracks:

Nine in the afternoon

She’s a handsome woman

by Thomas

 
Immer nie am Meer

 2007 

   

 

 
     
    






  

Hoanzl

„Immer nie am Meer“, das erste Kinoprojekt von Stermann und Grissemann, lief im Kino quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die jetzt erschienene DVD ist auch die Möglichkeit, eine Bildungslücke auszumerzen und herauszufinden, wie der Film eigentlich so ist – bevor alle über alles Bescheid wissen, wenn es soweit ist und das unverwüstliche Duo den ursprünglich nie gewollten Weltruhm erlangt. In diese Richtung scheint es nämlich derzeit zu gehen, hält man sich in seiner Einschätzung an das, was die heimische Medienjournalismus-Gemeinschaft über „Willkommen Österreich“, die Late Night-Show von Christoph Grissemann und Dirk Stermann schreibt. Umwerfend komisch soll sie sein und das beste, was man seit langem in der Donnerstag Nacht im ORF geboten bekam.

Diese übereinstimmende Fehleinschätzung bringt die allgemeine Auffassungsgabe ins Zwielicht – „Willkommen Österreich“ ist abgrundtief primitiv und sollte eher Kopfschütteln hervorrufen als Lachkrämpfe.

Die Sendung ist so gerade gebügelt und konventionell, dass man sich wundert, was das Duo Stermann und Grissemann vor vielleicht fünf oder acht Jahren dazu gesagt hätte. „Willkommen Österreich“ ist Kapitulation vor den Gesetzmäßigkeiten des Fernsehens und ein letztes Zucken, bevor sich das Duo endgültig in die Belanglosigkeit des Mainstream verabschiedet.

Damit verglichen kann „Immer nie am Meer“ eigentlich nicht enttäuschen. Der Film entpuppt sich auch als Plattform für den schwarzen, unaufgeregten Humor, für den Stermann und Grissemann einst bekannt waren. Zu hinterfragen gilt eigentlich nur, ob die Kommentare des deutschen Feuilletons, welche auf der DVD-Hülle zu lesen sind, allesamt im Fieberwahn geschrieben wurden. Vergleiche mit Fassbinder oder die Behauptung, der Film übertreffe das Gesamtwerk von Loriot und Otto – also bitte, meine Herren…

Die merkwürdigen Charaktere des Films sind nicht übertrieben angelegt und von Stermann,  Grissemann und ihrem alten Freund Heinz Strunk souverän interpretiert. Nach einem äußerst unglücklich verlaufenden Autounfall findet sich das seltsame Trio unversehrt mitten im Wald wieder – man sitzt im Mercedes fest, der sich zwischen zwei Bäumen verkeilt hat. Bei dem Auto handelt es sich nicht um irgendein Fahrzeug, sondern um den ehemaligen Dienstwagen von Kurt Waldheim, natürlich mit Panzerglas versehen (Anzengruber alias Grissemann: „gefangen in der Nazikarre“).

Was daraufhin geschieht? Nicht viel – und genau das macht den Reiz des ohne großen Aufwand produzierten Films aus. Man spinnt sich aus, was alles möglich wäre in einer derartigen Situation, während die fast biedere (Nicht-) Handlung ihren Lauf nimmt. Man sieht drei Männer mit Macken auf engstem Raum, die, so scheint es meist, sich mit ihrem Schicksal bereits abgefunden haben. Ihnen wird bewusst, dass es ohnehin nicht viel gibt, wofür man entdeckt und gerettet werden will. Trotzdem unternimmt man den einen oder anderen skurrilen Versuch, sich aus der misslichen Lage zu befreien. Und schon bald, als ein Bub die drei entdeckt, scheint es, man ist gerettet – doch da beginnt die Tortur erst.

Vom programmierten Nichts- oder Wenig-Passieren profitiert der Film weniger als erhofft und auch die spärlichen Wendungen der Handlung dienen nicht gerade einer Spannungssteigerung. Trotzdem ist aus dem Projekt „Immer nie am Meer“ ein sehenswerter, kurzweiliger Film geworden, dessen groteske Szenarien vielleicht sogar als Anschauungsmaterial im Soziologiestudium von Nutzen sein könnten.

Neben dem Hauptfilm gibt es ein nettes Making Of sowie den Kurzfilm Mah Jongg, ein zehn Jahre altes Stermann/Grissemann/Swoboda-Projekt.

Regie: Antonin Swoboda

Produktion: coop99

Drehbuch:
Christoph Grissemann
Dirk Stermann
Heinz Strunk
Antonin Swoboda
Jörg Kalt


Darsteller:

Christoph Grissemann
Dirk Stermann
Heinz Strunk


Laufzeit: 88 Min.
FSK: ab 12

by Thomas

 
Simian Mobile Disco – Clock EP

 VÖ: 29.02.08 

   

 

 
     
     Clock
    
Simple
    
3 pin din
    
State of things






  

Label: Wichita / Cooperative Music

Q Magazine meint einfach nur:
Dance music saved”. Von solch plakativen Stehsätzen gilt es sich natürlich zu distanzieren. Fakt ist jedoch, dass das Duo aus Bristol ihren Erfolgslauf fortsetzen wird. 

Nach dem Vorjahresdebüt mit dem fetzigen Titel „Attack sustain decay release“ gibt es jetzt eine EP, welche all die Stärken der Formation widerspiegelt. Die vier Tracks bewegen sich zwischen Minimaltechno und Mainstream-Elektronik, wobei permanent weitreichende Einflüsse allgegenwärtig sind – welche jedoch nur in niedrigen Dosen eingestreut werden. Und genau diese Handhabe macht die Musik von Simian Mobile Disco einzigartig. 

Ohne Frage lassen sich Querverweise zu The Chemical Brothers, mit denen man auf Tour war, legen (ebenso werden Simian Mobile Disco sicherlich noch oft in Zusammenhang mit Hot Chip und Justice genannt werden), die Eigenständigkeit muss jedoch zu keine Zeitpunkt angezweifelt werden.


Essential Tracks:

Clock
State of things

by Thomas

 
Neil Young – Chrome dreams II

 VÖ: 19.10.07 

   

 

 
     Beautiful bluebird
    
Boxcar
    
Ordinary people
    
Shining light
    
The believer
    
Spirit road
    
Dirty old man
    
Ever after
    
No hidden path
    
The way

  

Label: Warner 

Neil Young gehört zu einer ganz seltenen Spezies: zu jener der wirklich guten Musiker, die seit einer gefühlten Ewigkeit im Geschäft sind, praktisch nie peinlich und immer von Bedeutung waren. Trotz unzähliger persönlicher Rückschläge trotz Neil Young nach wie vor seinem Schicksal, auch in Form seines neuen Albums „Chrome dreams II“. Diese Platte ist ein weiterer Grund dafür, dass sich die Ewigkeit angenehm anfühlt und, sollte es derartig weitergehen, ruhig noch andauern kann.

„Chrome dreams II“, welches kein direktes Nachfolgewerk auf ein vermeintliches “Chrome dreams I” ist (1977 verworfen, es gab EPs mit diesem Namen) repräsentiert den 62jährigen von seiner allerfeinsten Seite.

Schmieriger Rock („Dirty old man“, „No hidden path”) ist ebenso vertreten wie jaulender Blues und Stücke, die man als vertonte Melancholie bezeichnen könnte („Beautiful bluebird“, „Shining light“). All dies geschieht auf höchstem Niveau, die musikalische Umsetzung dieser umfangreichen kreativen Auswüchse ist exzellent. 

Eine Sonderrolle erarbeitet sich „Ordinary people”, eine Art Kurzgeschichte von 18 Minuten - so fesselnd, so wahr! Neil Young besingt, was im Titel beschrieben wird. Alltägliches wird unverblümt wiedergegeben, durchbrochen von einem tollen Refrain und dreckigen Gitarren, die das passende Fundament für die Episoden in den Strophen schaffen. 

„Chrome dreams II“ unterstreicht schlicht und einfach erneut Young’s Können, seine Dringlichkeit und Unverzichtbarkeit.


Essential Tracks:

Boxcar
Ordinary people
Spirit road

by Thomas

 
Kreisky – Kreisky

 VÖ: 11.05.07 

   

 

 
     Probleme mit der Fragestellung
    
Wo Woman ist, da ist auch Cry
    
Verschollen in Europa
    
Vandalen
    
Energie
    
Nichtschwimmer
    
Rolltreppe
    
Autofahrten
    
Alte Männer wie wir regieren die Welt
    
Zucker
    
Halleluja
    
Mit der Musik kamen die Spinner

  

Label: Wohnzimmer / Hoanzl / Broken Silence

Sie bezeichnen sich gerne als junge Altherrenband. Wie man dies zu verstehen hat, darüber kann man streiten. Fakt ist, dass es an Kreiskys Werk einiges gibt, worüber man ausschweifend und höchst unterhaltsam debattieren könnte. Aufreizend ist nicht nur das täuschende CD-Cover oder der provokante Bandname; die Texte haben es ebenso in sich wie die zwingende Musik. 

Während ein Auftritt der Gruppe einer Frontalattacke auf alle menschlichen Aufnahmesysteme des Publikums bezeichnet werden kann, sind auf dem Album überraschend viele ruhigere Momente zu finden. Gerade diese aber sorgen für besondere Spannung, da sie Unbehagen wecken und verstören, sobald man sich den Texten widmet – und daran gibt es kein Vorbei. Menschliche Angründe werden nur angedeutet umschrieben und sind gerade deswegen so zwingend. 

Dabei würde schon die perfekt arrangierte Musik alleine reichen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Jedem der Instrumente wird Freiraum gelassen, um die jeweiligen Grenzen auszuloten. Postpunk wäre jene Kategorisierung, die vielleicht noch am ehesten zutrifft, aber die Formation rund um den charismatischen Sänger
Franz Adrian Wenzl verwehrt sich gekonnt aller Schubladen. Jeder Versuch, sie in eine stecken zu wollen, scheint lächerlich. 

Dabei ist Kreiskys Musik auf gewisse Weise auch äußerst simpel. Zwar sind plötzliche Gedankensprünge und Rhythmus- sowie Harmoniewechsel keine Seltenheit, ist es doch eine gewisse Schlichtheit, die sich durch das Debütalbum der Band zieht, deren Mitglieder auch noch andernorts (Austrofred, MORD) auf sich aufmerksam machen. Äußerst provokant ist die Lautmalerei beim Wiener „e“, noch mehr beim „ei“. Ansätze von eingängigen Strukturen werden bald unbarmherzig zerschnitten wie so manche Seele, von deren Schicksal die Lieder handeln. 

Die wahrscheinlich einzig gültige Verbindung zum einstigen Sonnenkönig ist die Gewissheit zu polarisieren – beabsichtigt, andererseits jedoch auch mit einer Gleichgültigkeit vollzogen, die wesentlicher Teil der Provokation ist.


Essential Tracks:

Wo Woman ist, da ist auch Cry
Vandalen
Autofahrten

by Thomas

 
Blood Red Shoes – Box of secrets

 VÖ: 11.04.08 

   

 

     
     Doesn’t matter much
    
You bring me down
    
Try harder
    
Say something, say anything
    
I wish I was someone better
    
Take the weight
    
ADHD
    
This is not for you
    
It’s getting boring by the sea
    
Forgive nothing
    
Hope you’re holding up

  

Label: V2 / Cooperative Music

Angriffslustig und ohne Umschweife zu Werke gehend – das zeichnet The Subways aus. Und während man sich weiterhin gedulden muss und die Hoffnung auf neues Material des sensationellen Trios langsam aber sicher schwindet, scheint das Duo Blood Red Shoes endlich den verdienten und längst überfälligen Durchbruch zu schaffen. So sehr ihre Musik der von The Subways auch gleicht, so wenig ist die 2005 gegründete Band ein Abklatsch der Kollegen aus Hertfordshire.

„It’s getting boring by the sea” ist nicht nur Titel des Tracks, der
Laura-Mary Carter und Steven Ansell zu UK-weiter Bekanntheit verhalf, sondern auch eine Tatsache – die Mitglieder von Blood Red Shoes fanden im schmuddeligen Küstenort Brighton zueineinander, der abseits von klischeehaften Aufbereitungen für die unaufhörlichen Touristenströme nicht viel zu bieten hat. 

Zum Glück gibt es immer wieder junge Menschen, die ihre Zeit produktiv nutzen. Im Fall der Blood Red Shoes führte dies zu einem Album voll fordernder, erbarmungsloser Songs. Ganz wie The Subways bei ihrem Debüt „Young for Eternity“ vor drei Jahren präsentieren sich auch Blood Red Shoes als eine Band, die schnell zur Sache kommt und wenig Zeit zu verlieren hat. Während die Konkurrenz hin und wieder auf Tempo und Elektrizität verzichtete und so erfreuliche Pausen zum Durchschnaufen ermöglichte („Mary“ sowie das herrliche, stark an The Vines erinnernde „Lines of light“), geht das Duo aus dem Süden rücksichtsloser zur Sache – Punkrock von heute, so hat er sich anzuhören. Mit hohem Tempo humorlos vorgetragen, Pop-Essenzen sucht man vergeblich; der aufreizende Wechsel im Gesang zeichnet den ersten Longplayer von Carter und Ansell aus. Mike Crossey, der als Produzent auch für „Favourite Worst Nightmare“, das Meisterwerk der Arctic Monkeys verantwortlich zeichnet, hat auch hier ganze Arbeit geleistet. 

Der Bandname rührt übrigens von einer Geschichte, die man sich über Ginger Rogers, einst Tanzpartnerin von Fred Astaire, erzählt. Da sie eine Szene unzählige Male wiederholen musste, schienen ihre Schuhe nach einiger Zeit wie neu – ganz in rot statt weiß, wie man es traditionell vom Ballett kennt. Sie waren vollgesaugt mit Blut. So schlimm wird es in den nächsten Monaten vielleicht doch nicht kommen, wenn der eine oder andere Song von „Box of secrets“ in den Discos erklingt (oder natürlich bei den Gigs der Band) – Festlegen sollte man sich jedoch trotzdem nicht, wenn man von der Zukunft dieser unberechenbaren Band spricht.


Essential Tracks:

Doesn’t matter much
This is not for you
It’s getting boring by the sea
Hope you’re holding up

by Thomas

 
Those Dancing Days – Those Dancing Days (EP)

 VÖ: 17.03.08 

   

 

 
     Hitten
    
1000 words
    
Those dancing days
    
Dishoe
     Tasty boy


  

Label: Wichita / Cooperative Music

Sympathischer Girlie Pop – ja auch das gibt es. Selten, aber doch. Those Dancing Days, eine im Jahr 2005 gegründete schwedische Formation ist der beste Beweis dafür, seit die (zu) netten The Like in ihrer Versenkung verschwunden sind.


Das Konzept von Those Dancing Days geht auf (falls es sich beim Konzept um unbeschwerten, keine Message enthaltenden Pop handelt), die Band macht ihrem Namen alle Ehre. Angeführt von „Hitten“, schwedisch für – richtig – Hit, weckt diese EP Vorfreude auf mehr von diesem lockeren Gemisch aus allem, was sich seit „Walking on sunshine“ im Sonnenblumenpop durch menschliche Gehörgänge quälte.


„Hitten“ ist fast verdächtig perfekt, „1000 words“ hat etwas mehr Kontur. Danach folgen ein paar kleine Experimente mit Dancebeats und Stakkatorhythmen. Besser funktioniert das ganze aber, wenn man stromlinienförmiger handelt – so wie beim (sprichwörtlichen) Hit eben.


Essential Tracks:

Hitten
1000 words

by Thomas

 
NOFX – They’ve actually gotten worse live

 VÖ: 16.11.07 

   

 

 
     Intro / Glass war
     Yer wrong
     Franco un-american
     Scavenger type
     Parents
     The longest line
     Amy’s a crack whore
     Eat the meek
     Murder the government
     Monosyllabic girl / I’m telling Tim / See her pee
     Get the stink out
     Pee / Alcoholic
     Ftk / Juicehead
     Herb
     Lori Meyers
     Indifferent dub
     I, Melvin
     Green corn
     Whoops I Od’d
     Stickin’ in my eye
     One more song
  

Wenn es sich so anfühlt, als wäre eine Band schon immer dagewesen, als hätte es sie schon immer gegeben, kann dies wiederkehrendes Ärgernis oder innere Glückseligkeit hervorrufen. Dass auf NOFX letzteres zutrifft, versteht sich von selbst. Und doch schadet es nicht, sich von Zeit zu Zeit bewusst zu machen, wofür die alten Haudegen verantwortlich sind – unzählige Alben, ausufernde Tourneen und viel kindischen Unsinn. Zudem großen Einfluss auf Bands aus völlig verschiedenen Himmels- und Musikrichtungen sowie die Förderung von keiner unwesentlichen Anzahl eben jener.

Aber genug der verkrampften Lobhudelei. „They’ve actually gotten worse live” ist da, das zweite Live-Album der Band, dessen Titel sich – unschwer zu erkennen – auf den des ersten bezieht („I heard they suck live!“, 1995). Was ist neu, was nicht? Unverändert peinlich ist die wirklich unansehnliche Comic-Illustration, die das Album mit dem ersten Eindruck schon abwertet. Ähnlich geschmacklos und unverändert unlustig ist das Gelaber der Bandmitglieder on stage – wenn auch nicht ganz so primitiv wie das, was man sich letzten Sommer auf der Burg Clam (siehe „Last day out“-Review) anhören musste.


Neutral zu bewerten ist die Tatsache, dass man es tatsächlich geschafft hat, keinen Song von „I heard they suck live!“ wieder zu spielen – positiv ist zu Vermerken, dass trotzdem ausreichend Klassiker und Fan Favourites zu finden sind, die jeden Anhänger zufrieden stellen. Weniger schön ist die erneute Bestätigung, dass die neuen Songs bzw. alles, was nach „Pump up the valuum“ (2000) veröffentlicht wurde mit Songs wie
„The longest line“ oder „Stickin’ in my eye“ nicht mithalten kann.

Die Soundabmischung ist in Ordnung und über eine zu sterile Atmosphäre wird sich wohl kein Fan beschweren, wenn er sich „They’ve actually gotten worse live“ zu Gemüte führt. Das Herunterdreschen einer Reihe von ultrakurzen Titeln – von „
Monosyllabic girl“ über „See her pee“ bis „ I’m telling Tim“ ist alles dabei, was dazugehört – macht der Band hörbar ebensoviel Spaß wie dem Publikum. Da findet man sogar den Anonyme Alkoholiker-Witz (Fat Mike: „Hi, I’m Mike and I’m an alcoholic.“ – die Menge: „HI MIKE !!!“) ein bisschen lustig. Kein Wunder, ist er auch eindeutig der am Elegantesten vorgetragene.

Essential Tracks:

The longest line
Monosyllabic girl / I’m telling Tim / See her pee
Green corn
Stickin’ in my eye

by Thomas

 
Heinz – Die bunten Fahnen gehn über die Welt

 VÖ: 05.10.07 

   

 

 
     Augen auf und durch
    
Mein ganzes Herz
    
Sowas hat die Welt noch nie gesehen
    
Uns nicht mehr los
    
Für alle die
    
Taucht mit ab
    
Wenn du strahlst
    
Country Musik
    
Unsere Tage sind gezählt
    
Wann ist das passiert
    
Kreis der Familie
    
Liebe macht und stark
    
Niemals unter

  

Label: Herr Heinz Records / Hoanzl / Release 

Wann ging das alles so schief? Hat man da was verpasst? War dies ein schleichender Prozess oder eine überraschende Wende zum ganz Bösen, wirklich Tiefen? Zeit zu kapitulieren? Vermutlich. Zeitpunkt zur Ursachenforschung? Auf jeden Fall.

Spurensuche: Unverbraucht, frech und originell in den Anfangsjahren, jedoch bereits mit „Pasadena“ (2000) einen Riesenbock geschossen – verdeckt durch „Lässig sein“, unbestritten einen der besten Songs des gesamten Outputs. Ganz stark zurück mit „Karate Karate“, einem dichten Netzwerk an überraschend vielschichtigen Songs. Ebenfalls erfreulich präsentierte man sich zuletzt mit „It’s a crazy world“ – „Komm“ und „Wir sind immer noch“ zeugten von Potential und ein Gespür für Songs, die den Nagel auf den Kopf treffen und wohlig unter die Haut gehen.

Und jetzt? Abgesehen vom leiernden Sound-Mischmasch verläuft die Suche des Hörers nach nur einer wirklich originellen Idee vergeblich. Ebenso kläglich scheitert die Band an den niedrigsten Ansprüchen, die man an sie stellt: zwei, wenn es ganz hoch kommt drei brauchbare Tracks fürs hassgeliebte „Indie-Radio“. Ebenjenes hat wenig überraschend „Mein ganzes Herz“ auserkoren – eine annehmbare Nummer mit netter Hookline. Jedoch gibt man sich erschreckend beliebig und hat folgerichtig im Vergleich zu den legendären Songs von früher (Aufzählungen zwecklos, denn die gab bzw. gibt es wirklich en masse) chancenlos. „Country Musik“ ist natürlich unfassbar „lustig“ – und sonst?

Ein weites Feld ohne jegliche Ideen, selbst die Ansätze zu solchen lässt man vermissen – wäre da nicht… tja, so oft: es gibt da doch noch einen Song, der erschaudern lässt, und zwar im positiven Sinn (vergleichen zu den anderen Liedern). „
Unsere Tage sind gezählt“ heißt er, der Titel wird an dieser Stelle nicht analysiert, das wäre lachhaft. Stattdessen Respekt gezollt, was hier extrem zurückgenommen und akustisch vollbracht wurde. Einfühlsame Gedankenspiele eines einzigen Songs als Therapie gegen das Geschrammel rund um Nummer 9 – das geht sich am Ende dann doch nicht aus.

by Thomas

 
The Wombats - A guide to love, loss and desperation

 VÖ: 16.11.07 

   

 

 
     Tales of girls, boys and marsupials
    
Kill the director
    
Moving to New York
    
Lost in the post
    
Party in a forest (Where’s Laura?)
    
School uniforms
    
Here comes the anxiety
    
Let’s dance to Joy Division
    
Backfire at the disco
    
Little miss pipedream
    
Dr. Suzanne Mattox PHD
    
Patricia the stripper
    
My first wedding

  

Label: 14th Floor / Rykodisc / Rough Trade

Pigeon Detectives, The Holloways, The Cribs, Rooney und jetzt eben The Wombats? Ja, dem ersten Eindruck nach wirkt es doch sehr so, als würden sich die drei Burschen aus Liverpool ohne Murren in die Reihe artverwandter Konkurrenz derzeit erfolgreicher Bands einreihen, die vom Sound her nicht wirklich durch Welten getrennt sind. Jede von ihnen gibt sich ja Mühe, sich durch irgendetwas ein wenig abzugrenzen und eigenständig zu wirken. Den meisten gelingt das nicht, das sollte mittlerweile jeder begriffen haben. Überall hört man ohne Probleme die jeweiligen Idole durch – von ein wenig US-Punkpop bis hin zu ganz viel The Jam und und noch mehr The Clash. Aber sei’s drum – jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Und solange die große Blase der Unbeschwertheit nicht platzt, sollen sie halt rocken und es genießen.

The Wombats versuchen mittels unkonventionellem A capella-Intro einen originellen Einstieg in ihr Debüt „
A guide to love, loss and desperation“, dessen Titel exakt die Themen der 13 Songs widerspiegelt. Somit darf man sich textlich keine Überraschungen erwarten – alles dreht sich um Liebe und Leid im Leben dreier Twenty-Somethings. Alles ganz nett und etwas uninteressant, bis bei „Patricia the stripper“ der Bogen doch deutlich überspannt wird.

Durch erwähnten Einstieg gesteht man Beach Boys-Vorlieben, durch das gnadenlose Dahinschrammeln in LoFi bei „
Party in a forest (Where’s Laura?)“ könnten die Rechtsvertretung von Weezer auf den Plan gerufen werden – anders ausgedrückt: ein Paradebeispiel (wenn die Grenze zwischen gut gemeinter Hommage und gnadenlosem Abkupfern überschritten wird).

Am stärksten ist man aber mit Songs im Stil von „Let’s dance to Joy Division“, welches natürlich schon die halbe Miete ist. „Backfire at the disco“, das radikale „Dr. Suzanne Mattox PHD” oder die Synthies bei „My first wedding” sind sehr gute Gründe, sich dem Album immer wieder zu widmen. „Here comes the anxiety” und „Little miss pipedream”: respektable Bewerbungszeugnisse, was das Beherrschen von ruhigen Momenten einer Platte betrifft – diese Stücke sind mehr als nur seelenlose Pausenfüller, bevor es wieder heftiger zur Sache geht.
The Wombats haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Essential Tracks:

Moving to New York
Here comes the anxiety
Let’s dance to Joy Division
Dr. Suzanne Mattox PHD

by Thomas

 
The Traveling Wilburys – Collection

 VÖ: 08.06.07 

   

 

 
     Disc 1 (Volume 1):
    
Handle with care
    
Dirty world
    
Rattled
    
Last night
    
Not alone any more
    
Congratulations
    
Heading for the light
    
Margarita
    
Tweether and the monkey man
    
End of the line
    
Maxine (Bonus track)
    
Like a ship (Bonus track)

    
Disc 2 (DVD):
    
The true history of the Traveling Wilburys
    
Handle with care
    
End of the line
    
She’s my baby
    
Inside out
    
Wilbury twist

    
Disc 3 (Volume 3):
    
She’s my baby
    
Inside out
    
If you belonged to me
    
The devil’s been busy
    
7 deadly sins
    
Poor house
    
Where were you last night?
    
Cool dry place
    
New blue moon
    
You took my breath away
    
Wilbury twist
    
Nobody’s child (Bonus track)
    
Runaway (Bonus track)
  

Label: Wilbury Records / Rhino / Warner 

Sogenannte Supergroups sind keine Erfindung der letzten Jahre (Audioslave, A Perfect Circle, Velvet Revolver, The Good, the bad & the Queen), es gab sie schon immer: The Highwaymen (Johnny Cash, Kris Kristofferson, Willie Nelson und Waylon Jennings), Crosby, Stills, Nash & Young oder eben The Traveling Wilburys.


Genauso unterschiedlich wie ihre Stilrichtungen sind die jeweiligen Ursachen der Gründung einer solchen Formation. Als die Wilburys zueinander fanden, konnte man nicht unbedingt behaupten, dass ihre Mitglieder gerade auf der Welle des großen Erfolges reiten.

Und so hatte dieses Bandprojekt für alle fünf – George Harrison, Tom Petty, Bob Dylan, Jeff Lynne und Roy Orbison – etwas Gutes an sich. Ohne jeglichen Druck fand man zusammen und schuf in der kurzen Zeit des Bestehens der Band den einen oder anderen Klassiker – zumindest, wenn man die Geschichte des Formatradios und dessen Playlists weltweit unter die Lupe nimmt. Allen voran natürlich das unbeschwerte „Handle with care“, welches wie sämtliche bessere Stücke dieser Komplettsammlung am ehesten Tom Petty zuzuordnen sind. Harrison und Lynne fühlten sich sicherlich auch sehr wohl und dadurch beflügelt, die eine oder andere unwiderstehliche Melodie einzubauen.

Bob Dylans Beitrag hingegen scheint marginal , während einem bei Orbisons Gesangparts höchstens ein kalter Schauer über den Rücken läuft. „Last night“, einer der Songs, die von Dylan getragen werden, wirkt völlig missraten, das ohne Ziel dahinschunkelnde „Congratulations“ ist um nichts besser – Beweise dafür, dass Guilty Pleasures in überhöhter Dosis keine Freude machen. „
Tweether and the monkey man“, bei dem abermals Dylan im Mittelpunkt steht, ist durchaus gelungen, mit Dylans Backkatalog verglichen aber unfassbar harmlos. Ansonsten bietet diese Compilation die Möglichkeit, sich an den schlicht und einfach netten Songs zu erfreuen, welche sich auf Disc 1 relativ unbekümmert zwischen gediegenem Classic Rock und sehr melodischem Pop bewegen. Das zweite Album war von etwas härteren (alles im Rahmen, versteht sich) und schnelleren Tönen dominiert – nicht fehlen darf natürlich der „Wilbury twist“

Etwas tragisch-komisches hatte das ganze Projekt ständig an sich, kommerziell war es höchst erfolgreich. Ein jähes Ende fand es durch den Tod von Roy Orbison, jetzt hat es Rihannas aktuelles Album von der Spitze der UK-Charts verdrängt – na bitte.


Essential Tracks:

Handle with care

Heading for the light
Tweether and the monkey man
The devil’s been busy
She’s my baby
Poor house
Runaway (Bonus track)

by Thomas

 
Led Zeppelin – Mothership

 VÖ: 09.11.07 

   

 

 
     CD1:
    
Good times bad times
    
Communication breakdown
    
Dazed and confused
    
Baby I’m gonna leave you
    
Whole lotta love
    
Ramble on
    
Heartbreaker
    
Immigrant song
    
Since I’ve been loving you
    
Rock and roll
    
Black dog
    
When the levee breaks
    
Stairway to heaven  

     CD2:
    
The song remains the same
    
Over the hills and far away
    
D’yer mak’er
    
No quarter
    
Trampled under foot
    
Houses of the holy
    
Kashmir
    
Nobody’s fault but mine
    
Achilles last stand
    
In the evening

    
All my love
  

Label: Atlantic / Warner

Axl Rose würde nicht singen, wie er es tut (und zu seiner hohen Zeit getan hatte), Steven Tyler wohl auch nicht. Justin Hawkins wäre Betreiber einem mehr schlecht als recht laufenden Chippie in Lowestoft. Und mit dem Begriff Wolfmother würde man eher Romulus und Remus in Verbindung bringen als eine anständige Revivalband.

Klar – Led Zeppelin sind Bestandteil der Lesson One in der School of Rock. Bekanntlich gab es vor kurzem das Comeback-Konzert in London, die Gerüchte über eine Tour oder zumindest den einen oder anderen weiteren Auftritt brodeln. Dazu mag man stehen, wie man will – das Presseecho und die Rückmeldungen der Fangemeinde auf den Gig in London waren durchwegs sehr positiv. Zwangsläufig gespalten gibt man sich natürlich, was die Best Of-Veröffentlichung „Mothe