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| Satelliten-TV-Verschlüsselungssysteme |
Vor allem auf
diversen
Satellitenkanälen (heute vor allem digital),
teilweise auch im Kabel-TV (wo üblicherweise laufende
Kabelgebühren für ein Grundangebot verlangt werden und
zusätzliche, teilweise über Satellit frei empfangbare Sender
noch einmal extra kosten). In manchen Ländern außerhalb des
deutschen Sprachraums werden auch einige terrestrische Sender
verschlüsselt, sowohl analog als auch
digital (DVB-T).
In UK werden
fast
alle
oder zumindest sehr viele Sender verschlüsslt gesendet,
deutschsprachige Sender werden
hingegen
grundsätzlich
nicht verschlüsselt. Eine Ausnahme bildet jedoch das digitale
Sky (vormals DF1, Premiere digital, Premiere World, Premiere). Dadurch
hat sich früher teilweise
die nicht immer richtige Meinung "digital = verschlüsselt, analog
= unverschlüsselt" entwickelt, da digitaler Fernsehempfang in
Deutschland und Österreich bei dessen Markteinführung
überhaupt
nicht verbreitet war.
Mit dem zum
Verschlüsselungs-System (auch CAS = Conditional Access System, oder deutsch Zugangskontrollsystem)
passenden Decoder, der dann oftmals über ein Scart-Kabel an den
Satellitenreceiver angeschlossen wird und das entschlüsselte
Signal dann wieder in diesen zurück leitet. Bei digitalen Sendern
ist ein digitaler Satellitenreceiver mit Common
Interface (CI) nötig. Sowohl bei analogen als auch digitalen
Systemen gibt es außerdem auch Receiver-Decoder-Kombinationen.
Gegebenfalls
ist auch noch eine Smart-Card (auf der der aktuelle Code-Schlüssel
enthalten
ist)
erforderlich. Der Code kann bei manchen Systemen leicht geändert
werden,
in diesem Fall werden die Smart-Cards einfach ausgetauscht.
Es gab
früher Programme wie "FreeTV", "MoreTV" oder "MarDec", mit denen
man das
Bild verschlüsselter Sender direkt auf einem Computer
entschlüsseln konnte. An Hardwarevoraussetzungen war dabei ein
Prozessor mit allermindestens 166 - 200 MHz und eine Grafik- bzw.
TV-Karte mit Videoeingang nötig. Viele dieser Programme waren auf
Karten mit dem BT8xx-Chipsatz
optimiert oder sind ohne diesen erst gar nicht gelaufen.
Das
Entschlüsseln bzw. Decodieren eines Senders über andere Wege als ein
offizielles Abonemment ist prinzipiell rechtlich problematisch und kann von den Sendern zivilrechtlich oder
möglicherweise auch gerichtlich verfolgt werden, zum Beispiel als Erschleichung
einer Leistung und dergleichen. Die in den
Karten/Decoderschlüsseln
enthaltene Software ist natürlich auch ausdrücklich
urheberrechtlich
geschützt und darf daher nicht so ohne weiteres als "Piratenkarte"
oder Software für den Computer bzw. digitale Satellitenreceiver
weiterverbreitet oder manipuliert werden. Von den Sendern oder
Entwicklern der Verschlüsselungssysteme wird üblicherweise auch
regelmäßig rechtlich dagegen vorgegangen.
In Österreich und Deutschland können neben den Programmen von Sky (vormals Premiere) auch noch einige andere Programme ganz legal und offiziell abonniert werden, in der Schweiz gibt es stattdessen Teleclub. Decoderkarten, mit denen die Digitalpakete von ORF und SF DRS entschlüsselt werden können, werden nur mit Wohnsitz in Österreich bzw. der Schweiz und bei Vorliegen einer gültigen Rundfunkanmeldung gegen eine einmalige Gebühr ausgegeben. Auf Anfrage gibt es auch mehr als eine Karte pro Wohnadresse.
Bei
diesem System
wird jede der
Bildzeilen,
aus denen das Bild besteht, an einem bestimmten von 256 möglichen Punkten geschnitten, um
diesen
Punkt gedreht und dann invertiert ("cut and rotate"). Die Reihenfolge
der
Bildzeilen bleibt dabei gleich, die zB 155. Bildzeile bleibt auch die
155. Das Bild wird dadurch völlig zerstört. Da nur die
aktiven
Bildzeilen
(mit sichtbarer Bildinformation) verschlüsselt werden, bleibt der
Teletext,
der ja in der Austastlücke (zwischen den sichtbaren
Bildinformationen,
genauer gesagt zwischen den einzelnen Halbbildern) übertragen
wird,
unverschlüsselt.
In letztgenannter werden auch zum Entschlüsseln benötigte
Informationen
übertragen.
Eine Zeit lang gab es dann auch die Variante Videocrypt II, weshalb das ursprüngliche Videocrypt dann Videocrypt I genannt wurde. Dieses Verfahren unterscheidet sich von Videocrypt I nur dadurch, dass zur Datenübertragung andere Bildzeilen in der Austastlücke als bei VC 1 verwendet werden. Die beiden Systeme sind dadurch nicht kompatibel. Dies vermutlich, damit die paar Leute, die das damalige mitteleuropäische "Multichoice" sahen, ja nicht auf die Idee kamen, die britischen Sky-Sender zu decodieren.
Es ist aber möglich, in einem Videocrypt I/II-Dualmodus zu senden, so dass Decoder beider Sorten verwendet werden können. Dadurch ist die Austastlücke aber schon ziemlich voll, und es können nicht mehr so viele Teletext-Seiten (oder theoretisch andere Zusatzsignale wie VPS oder VideoDAT) übertragen werden. Die Videocrypt-Karte muss aber zum jeweiligen Decodertyp passen. Wie bei VC1 ist es auch hier möglich, "offen" (siehe weiter unten) zu senden.
VC II wurde vor allem für das mittel-/osteuropäische Multichoice-Paket verwendet (z.B. MTV, Adult Ch., Filmnet), während sich in VC 1 kodierte Sender meist an die Britischen Inseln wenden und auch nur dort offiziell abonniert werden können. Es wurde auch von Mitte 1995 bis ca. 1997 für MTV Europe bzw. die deutsche MTV-Version verwendet - hier ein offizieller Informationstext von damals. Der Verlust an technischer Reichweite für das bis dahin frei empfangbare Programm dürfte aber in keinem Verhältnis zu den Einnahmen aus Pay-TV-Gebühren von ca. 25 Euro pro Jahr und verkauftem Abonemment gestanden sein.Videocrypt erfordert meist eine Smart-Card, wofür Original-Karten, "Piraten-Karten" (unsicher, da fernabschaltbar), "Battery/Flash-Cards" (funktionierte auch nach Codewechsel, aber deutlich teuer, haben einen Flash-Speicher), sowie das "Season"-Interface (zusammen mit einem Computer und der aktuellen Software) verwendet werden konnten. Nach einem radikalen Codewechsel bei "Sky" gab es dann aber bis zur Abschaltung des Systems offenbar fast nur noch importierte Originalkarten (entsprechend teuer).
Bei Videocrypt wurde zum Teil auch "offen" (soft) gesendet. In diesem Fall wurde der Entschlüsselungscode gleich mitgesendet, und es war zum Entschlüsseln nur ein Decoder, aber keine Karte erforderlich. Dies dient nur lizenzrechtlichen Zwecken und wurde z.B. beim britischen "Channel 5" verwendet. Da VC1-Decoder nur auf den Britischen Inseln weit verbreitet sind bzw. früher waren, sparte sich der Sender so das Geld für europaweite Senderechte.
Decoder bewegten sich preislich etwa um die 150 EUR und sind (waren) in vielen Satelliten-Fachgeschäften (in Österreich und Deutschland kaum in Elektro-Großmärkten) zu bekommen. Das Modell "Thomson SVA-1" soll sehr verbreitet und nicht allzu teuer gewesen sein, als gut und teuer wurden Decoder von "Pace" beschrieben.
Es gibt auch
Software, die
Videocrypt
direkt auf dem Computer entschlüsseln kann, die Qualität war
jedoch mit den damaligen Prozessoren sehr schlecht und wäre
eventuell erst ab
Taktfrequenzen von etwa 1 GHz einigermaßen gut gewesen.
Das
Prinzip dieses
Systems - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen digitalen System
Nagravison - besteht
darin,
dass
die
Reihenfolge der Bildzeilen ständig vertauscht wird. Die 2. Zeile
kommt
zB an den Platz der 182., die 182. kommt dafür an den Platz der
87.
usw
("line-shuffling", es gibt in einem Halbbild 32768
Vertauschungsmöglichkeiten).
Auch hier werden nur die aktiven Zeilen erfasst, der Teletext
bleibt
also
auch ohne Decoder lesbar. Auch der Ton kann durch Verschiebung der
Tonfrequenzen verschlüsselt werden.
Das
Bild
wird weniger stark zerstört als bei Videocrypt, es ist noch
in
groben
Umrissen zu erkennen. Senkrechte Linien sind zB noch ungestört
sichbar.
Beim bloßen richtigen Ordnen der Bildzeilen bliebe das Bild aber
noch
schwarz/weiß,
das Farbträger-Signal wird üblicherweise erst
anschließend
entschlüsselt.
Trotz des relativ
einfachen
Prinzips war
das System lange Zeit ziemlich sicher. Mit dem Aufkommen halbwegs
leistungsfähiger Computer mit TV-Karten gab es aber dann
zahlreiche
Programme, die das Bild in recht ansehnlicher Qualität
entschlüsseln konnten. Premiere (World) dürfte das offenbar
nicht als große Bedrohung gesehen haben. Um 1995 soll es auch
Hardware-"Piratendecoder" gegeben haben. Diese
arbeiten
ebenfalls ohne Schlüssel und sollen damals um den
stolzen
Preis von ca. 700 EUR wahlweise für PAL- oder für
SECAM-Sender
angeboten worden sein.
Decoder gab es zumindest bei Premiere analog offiziell nicht zu kaufen, sondern nur vom Programmveranstalter gegen Kaution und Monatsgebühr zu mieten.
Syster wurde von Premiere und Teleclub verwendet, von spanischen und französischen Sendern (Canal+) soweit mir bekannt bis heute. Angeblich zeigt ein Decoder mit Premiere-Schlüssel bei Teleclub eine Fehlermeldung an, bei den (damaligen) spanischen Sendern auf Astra erscheint jedoch überhaupt keine Meldung. Premiere analog wurde am 28.02.2003 abgeschaltet.
Ein spanischer Sender (Canal+ Espana, Hispasat) soll sein Programm gleichzeitig in Syster und Videocrypt verschlüsselt haben, um damit dann ausschließlich terrestrische Sender in Spanien zu versorgen. Das kommt offenbar billiger als eine Richtfunkstrecke.
Dies ist ein
systemspezifisches Verfahren der MAC-Norm (meist als D2-MAC). Es gibt
die Varianten Eurocrypt M und
S. Es ist Videocrypt recht ähnlich, auch hier ist eine Karte
notwendig. Das verschlüsselte Bild sieht auf einem
D2-MAC-Receiver/Eurocrypt-Decoder
ohne Karte ähnlich wie das Videocrypt-Bild aus (horizontale,
flimmernde Linien). Auch bei diesem Verfahren ist es
aber möglich, "offen" / "soft" zu senden.
Eurocrypt-Decoder sind bzw. waren etwas teurer als solche für VC. Sie können so weit mir bekannt an die gängigen PAL-Receiver angeschlossen werden, ein eigener D2-MAC-Receiver ist nicht notwendig. Auf einem PAL-Receiver sieht man MAC/Eurocrypt-Signale nur als wüstes Geflimmer. Wird ein völlig unverschlüsseltes D2-MAC-Signal auf einem PAL-Receiver empfangen, so kann man - wenn auch sehr schlecht - mitunter noch einige Bilder erkennen.
Selbst MAC allein,
ohne
Eurocrypt,
wurde oft als Verschlüsselung "missbraucht", da es, zumindest
in
Mitteleuropa,
nicht sehr weit verbreitet war. Kabel
1 (vormals "Kabelkanal"),
wurde früher
exklusiv im deutschen Kabel-TV angeboten und über Satellit
dann sogar noch in Eurocrypt coderiert. Das System wurde jedoch
häufig von nordeuropäischen Sendern wie etwa "TV 3 Norwegen"
verwendet. Dabei war es als Weiterentwicklung des PAL-Standards
gedacht. Das Bild wird nach einem technisch besseren Verfahren
übertragen,
der Ton digital, es scheiterte in Mitteleuropa jedoch
kläglich weil sich kaum jemand eine neue Empfangsanlage neben den
gängigen Astra-Anlagen installieren wollte. Diese Rolle hat aber
dann PALplus übernommen, da es technisch voll
kompatibel
zu PAL ist.
Dieses System wird meines Wissens seit Ende August
1996 nicht mehr verwendet. Angeblich wurde dieses oder ein sehr
ähnliches System auch für die Verschlüsselung der
"Telekino"-Kanäle bei UPC Telekabel
(Wien/Graz/Klagenfurt) verwendet.
Dies ist ein recht einfaches System. Das Sync-Signal (Synchronisationssignal), das neben der Helligkeits- und Farb-Information für die Darstellung des Bildes nötig ist, wird verschoben. Es ist auch möglich, die Farben zu invertieren. Über das TV-Gerät wird der Fernsehton (und auch der aller Tonunterträger) in der Regel nur teilweise wiedergegeben, über den Audio-Ausgang des Receivers ist er hingegen einwandfrei zu hören. Das Bild ist je nach Videosignalpegel noch mehr oder weniger gut zu erkennen, es sieht verzerrt bis zerhackt aus.
Luxcrypt wurde von
Sendern aus
den
Benelux-Ländern (zB RTL 4) verwendet. Es war keine Karte
erforderlich.
Die Decoder waren recht günstig (ca. EUR 70 für einen
Luxcrypt-Nachbaudecoder,
die "Profi-Decoder" kosteten etwas mehr) und wurden zum Teil auch zum
Beispiel in Deutschland in Fachgeschäften verkauft.
Früher gab es
noch andere,
ähnliche
Systeme, zB. "Satpac" (Filmnet) oder "Payview 3" (Teleclub, wechselte
später zu Nagravision/Syster). Eine Zeit
lang soll die griechische Version von "Filmnet" mit alten
Teleclub-Decodern entschlüsselbar gewesen sein.
DISCRET 12
(zeitweise auf RAI auf
Eutelsat 13 Grad Ost, ohne Karte. Soll eher selten und oft nur z.B. bei
Sportübertragungen verwendet worden sein)
NOKIA LINE
SHUFFLING (???)
ENIGMA (???)
CRYPTOVISION (???)
SMARTCRYPT (???)
Zu den gängigsten DVB-spezifischen Systemen (Digital Video Broadcasting) gehören bzw. gehörten:
Die Decodermodule sind entweder in die digitalen Satellitenreceiver
integriert ("geeignet für Premiere", "ORF Digital-fähig" ...)
oder können als CAM (Conditional Access Module) bei
Geräten mit einem CI-Steckplatz (Common Interface) verwendet
werden. Diese Module entsprechen technisch den von Notebooks/Laptops bekannten
PCMCIA-Karten (PC Card) und haben wiederum einen Steckplatz für die
Decoderkarte. Manche Module wie
"Alphacrypt" beherrschen mehrere
Systeme oder sind (was eventuell rechtlich bedenklich sein kann)
programmierbar. Module für Videoguard gibt es Berichten nach nur engeschränkt bis gar nicht.
Es ist technisch
möglich, bei einem digitalen Sender mehrere verschiedene Systeme gleichzeitig zu verwenden (auch als Simulcrypt bekannt). Zum
Entschlüsseln ist dann nur ein Empfangsgerät nötig, das
ein beliebiges davon beherrscht.
(zuletzt geändert am 04.02.2010)