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Schreiben - und an Verlage schicken?



Warum "Lang-Geschichten" und nicht nur Kurzgeschichten?

Kurzgeschichten finden sich im Internet recht häufig. Obwohl diese durchaus auch eine Länge in der Größenordnung von mehreren und nicht nur einigen wenigen Buchseiten haben können, und es auch etwas mehr Handlungstiefe geben kann, als nur eine kurze Szene zu beschreiben, so habe ich mir bei vielen Geschichten auf diversen Literaturplattformen am Ende "Was, das wars schon wieder?" gedacht, oder der Text geht manchmal überhaupt über kaum mehr als 20 Zeilen (nicht Seiten), und die Kommentare dazu sind viel länger als die eigentliche Geschichte. Obwohl in manchen Foren häufig über "zu lange" Texte gejammert wird oder diese garnicht erst gelesen werden, wenn sie einmal dort auftauchen, so haben wohl auch viele Leute Ideen, die für mehr als eine kurze Szene reichen und wünschen sich, diese auszubauen und einfach weiter zu schreiben - warum nicht? Die Vorgabe einer Maximallänge mag bei diversen Literatur-Wettbewerben nötig sein, um annähernd gleiche Voraussetzungen zu schaffen, bedeutet aber doch eigentlich eine starke Einschränkung der Kreativität.


Warum nicht gleich an einen Verlag schicken?

Viele, die einen Roman oder einen sonstigen umfangreichen Text geschrieben haben, würden diesen gern in Form eines gedruckten Buches sehen, idealerweise auch noch ein Honorar dafür bekommen und reichen es daher bei einem Buchverlag ein. Das Problem ist allerdings, dass die großen, bekannten Verlage kaum Manuskripte von Unbekannten annehmen und dann, sofern irgendwie darauf reagiert wird, bestenfalls eine Absage schicken. Eine andere Möglichkeit sind kleinere Verlage, besonders wenn sich diese auf einen zum eigenen Text passenden Themenbereich spezialisiert haben. Diese können entweder mehr oder weniger mühsam recherchiert werden, oder sind in diversen Listen oder Internet-Foren zu finden. Auch dort ist aber nicht selten zu hören, dass diese "Wäschekörbe voller Einsendungen" bekommen. Obwohl die Chancen möglicherweise besser sind, muss man aber auch hier mit Absagen oder erst gar keinen Antworten rechnen. Der Tonfall kann Erfahrungsberichten nach auch etwas direkter sein, wie etwa Kommentare im Stil von "Hau ab, du hast keine Chance und kein Talent, deinen Mist wollen wir hier nicht", oder die Formalitäten bei der Abwicklung der Einreichung können vielleicht etwas seltsam sein. Wer einen Text veröffentlichen will, sollte aber ohnehin zumindest einigermaßen mit konstruktiver negativer Kritik umgehen können. Noch eine Möglichkeit ist so etwas wie romansuche.de, wo man einen Roman-Auszug veröffentlichen und darauf hoffen kann, von einem Verlag "entdeckt" zu werden.

Sicherlich ist es wahrscheinlich ein besonderes Gefühl, ein richtiges Buch mit einem selbst verfassten Text in der Hand zu halten - und ein wirklich guter Text, gründliches Recherchieren von passenden Verlagen und viel Ausdauer können möglicherweise tatsächlich zum Erfolg führen. Trotzdem ist es aber wohl auch von Vorteil, die "richtigen Leute" zu kennen, und eine mehr oder weniger große Menge an Glück nötig. Etwas einfacher kann es möglicherweise über eine Literatur-Agentur sein, die dann ihrerseits Verlage kontaktiert. Auch hier gibt es aber Agenturen, die schon für die Annahme des Auftrags ein Honorar fordern, und nicht erst bei einer erfolgreichen Vermittlung. Da dann natürlich eher nur Werke angenommen werden, bei denen in nächster Zeit eine realistische Chance auf eine Buchveröffentlichung besteht, kann es in der Praxis auf diese Weise auch schwieriger sein, als es sich anhört. Selbst wer so weit kommt, von einem Verlag angenommen zu werden, kann aber gängigen Abhandlungen über die Literaturszene nach aber ohnehin nur in wenigen Fällen gut davon leben und bekannt werden.

Es gibt aber eine einfache Möglichkeit, ein Buch herauszubringen, und zwar bei einem sogenannten "Druckkostenzuschuss-Verlag" (kurz DKZ-Verlag oder DKZV), auch bekannt als "Zuschussverlag" oder "Dienstleistungsverlag". Diese sind daran zu erkennen, dass recht deutlich um Einsendungen geworben wird ("Autoren gesucht", "Schreiben Sie?" etc.), was bei anderen Verlagen nicht der Fall ist - weil diese ohnehin genug davon bekommen. Eine typische Formulierung ist auch das Angebot, Manuskripte zur "kostenlosen Prüfung" einreichen zu können. Der Haken dabei ist, dass man hier zunächst selbst eine Menge Geld investieren muss, die geforderten Beträge können in der Größenordnung von bis zu mehreren 1000 Euro liegen. Nach einer freundlichen Zusage bzw. mit dieser kommt üblicherweise ein kostenpflichtiges Angebot zur Inverlagnahme, wird dieses abgelehnt oder nicht darauf reagiert, so könnte einige Zeit später ein etwas günstigeres folgen. Besonders wenn der Anschein entsteht, dass dort nicht alles genommen wird, sieht das zunächst einmal wie ein großer Erfolg aus, und anders können Unbekannte heute gar kein Buch herausbringen, wird zumindest gesagt.

Zwar weisen viele dieser Verlage zumindest gleich nach der Einreichung auf die Kosten hin, und man erhält das eigene Werk als "richtiges" Buch mit ISBN-Nummer, aber vielen Berichten nach ist das Geld dann meistens ohne den gewünschten Erfolg weg. Wer auf diese Weise ein Buch veröffentlicht, wird in der Literatur-Szene außerdem ohnehin oft nicht ernst genommen. Um eine Androhung von Klagen wegen übler Nachrede und dergleichen zu vermeiden, wird es hier auch sicher keine Warnung vor bestimmten Verlagshäusern geben - die Geschäftsmethoden sind jedoch oftmals ziemlich gleich. Ich habe jedenfalls einmal bei einem österreichischen Verlag ein Angebot einer Auflage von 3000 Stück zu einem Preis von mehr als 4000 Euro bekommen - sehr viel Geld, wenn man sich nicht sicher sein kann, was draus wird und dann sogar im Erfolgsfall ein "was, du hast bei einem DKZ-Verlag veröffentlicht?" zu hören bekäme.

Eine Variation dieses Prinzips ist direkt selbst in Auftrag gegebenes "Book on Demand", wofür, wenn die Auflage frei gewählt werden kann, deutlich weniger Geld investiert werden muss. Es sind auch sehr kleine Stückzahlen möglich, es können nach Bedarf weitere Exemplare gedruckt werden, und auch diese Bücher sind (je nach bestellten Zusatzleistungen) theoretisch in Buchhandlungen bestellbar. Auch kann es einen wesentlichen Preisunterschied bedeuten, ob ein Lektorat enthalten ist oder nicht. Dieses umfasst übrigens nicht nur die Korrektur von Rechtschreibfehlern, sondern auch allgemeine inhaltliche Überarbeitungen. Eine "Masche" ist auch, zwar keine Druckkosten bezahlen zu müssen, dafür aber zwingend Lektoratsspesen, damit ein Buch veröffentlicht wird. Bei anderen Geschäftsmodellen besteht der Preis für eine Veröffentlichung wiederum darin, selbst eine Mindestanzahl von Büchern kaufen zu müssen. Ebenso ist es möglich, dass einem eine Restauflage zum Kauf angeboten wird, die sich "leider nicht verkauft hat".


Veröffentlichungen im Internet

Nachdem es also mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein kann, ein Buch herauszubringen, bleibt immer noch eine leicht erreichbare Möglichkeit mit einer zumindest theoretisch sehr großen Reichweite - das Internet. Hier bieten sich zum Beispiel passende Literatur-Foren oder private Websites an. Es gibt wahrscheinlich etliche frustrierte Autoren und -innen, die bis jetzt vielleicht nur mit Absagen oder mit Verlagen konfrontiert waren, die sich dann doch als DKZ-Verlag entpuppt haben, und dadurch viele unveröffentlichte, aber vielleicht zumindest für ein bestimmtes Publikum gute und interessante Texte. Warum also nicht den Weg einer Internet-Veröffentlichung probieren? Die Wahrscheinlichkeit, "entdeckt" zu werden, könnte ähnlich hoch sein, und es kostet nichts, wenn jemand sowieso einen Computer, Internetzugang und technische Grundkenntnisse hat.

Wer hobbymäßig Musik macht, braucht heute auch nicht mehr unbedingt eine Plattenfirma mit ähnlich hohen Hürden, um zumindest in gewissem Umfang bekannt zu werden - und sogar so manche etablierte Band pfeift schon drauf und bietet ihre Musik offiziell selbst zum Download an. Auch wenn das nicht unbedingt als Maßstab genommen werden kann, und gedruckte Bücher immer noch einen sehr hohen Stellenwert haben, so haben auch "E-Books" eine gewisse Verbreitung, wenn auch nicht so sehr, wie sich das früher so manche vorgestellt haben. Zwar wird es wohl manchmal belächelt - aber nicht nur mit speziellen, kaum verbreiteten E-Book-Lesegeräten kann man Textdateien lesen, sondern auch auf heute gängigen Handys. Für Musik, Videos und Fotos gibt es ja schon seit längerer Zeit diverse "Web 2.0"-Plattformen - und ähnlich gängige für Texte sind vielleicht auch nur noch eine Frage der Zeit.

Manche machen sich Sorgen, dass sie ihre Geschichte nie wieder einem Verlag anbieten können, wenn dieser nur bisher unveröffentlichtes Material annimmt. Ein im Internet veröffentlichter Text gilt aber oft "nicht wirklich" als Veröffentlichung, auch wenn die Ansichten darüber unterschiedlich sind und es wohl auch auf die Verbreitung bzw. Bekanntheit ankommt. Genauso kann es aber auch eine Möglichkeit sein, überhaupt Aufmerksamkeit zu erregen und gefunden zu werden - vielleicht eher, wenn das Auftreten einigermaßen professionell wirkt und nicht unbedingt groß "hallo hier bin ich, ich suche dringend einen Verlag, bitte melden" dabei steht. Bei Bedarf kann der Text später jedenfalls immer noch gelöscht werden, auch wenn er dann über web.archive.org oder vielleicht den Google-Cache eventuell noch gefunden werden kann.


Die Web-Plattform "Lang-Geschichten"

Dies ist ein Internet-Projekt, das ich mir einmal überlegt habe, weil ich neben den relativ vielen Kurzgeschichten- und Gedichte-Seiten eine auf längere Texte spezialisierte Plattform vermisst habe. Einen ersten mir bekannten Ansatz dazu gibt es aber seit 2008 im Literaturforum Österreich (externer Link) im Bereich "Langprosa".

Darunter habe ich mir jedenfalls eine Sammlung von Texten vorgestellt, die einen gewissen Umfang haben, also keine "Kürzest-Geschichten", Gedichte, Experimentaltexte und dergleichen, sondern Prosa-Texte ("herkömmliche Sprache") ab einem untersten Minimum von ungefähr 20000 Zeichen und jedenfalls einer ausgeprägten Handlung, die ansonsten auf verschiedenen anderen Plattformen unter vielen kurzen Texten "untergehen" würden. Das ist natürlich nur ein Richtwert für die Mindestlänge, manche schaffen vielleicht auch in wenigen Seiten eine dichte Roman-Atmosphäre, während in anderen Geschichten auch in 100000 Zeichen kaum etwas passiert. Auch eine Million Zeichen (was einem recht dicken Buch mit mehreren 100 Seiten entspricht) und noch mehr können aber nicht "zu lang" sein, wenn der Text eben gut ist und zum Weiterlesen animiert.

Zielgruppe sollen auch jene sein, die nicht um jeden Preis bei einem Verlag genommen werden wollen und nicht davor zurückschrecken, ihre längeren Texte frei ins Internet zu stellen.

 

Externe Links



(zuletzt geändert am 07.09.2009)

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