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Richtlinien für einen guten Schreibstil

Was bei Erzählungen bzw. Geschichten, aber zum Teil auch bei Sachtexten "gut" ist, kann natürlich auch vom persönlichen Geschmack abhängig sein. Dennoch habe ich hier einige mir wichtige Punkte aufgelistet, an die ich mich selber natürlich auch möglichst halten möchte ;-)
  

Titelbild - Buchseite


Grundsätzliche Überlegungen

Warum überhaupt etwas schreiben?

Das Schreiben von Geschichten - Kurzgeschichten, Novellen, Romanen, was auch immer - ist ein Bedürfnis, ein Verlangen, ein Hobby, wie auch immer - das eigentlich ziemlich viele haben. Das zeigt sich daran, dass selbst in kleineren Bibliotheken oder Buchhandlungen oft tausende Bücher vorrätig sind, ganz zu schweigen von den endlosen Treffern gängiger Suchmaschinen und den Millionen von Büchern, die bei manchen Händlern angeblich bestellt werden können. Man könnte sich denken, wer das alles lesen soll - aber auch in Bereichen wie Musik oder Malerei sind ja schließlich viele tätig, aber nur wenige allgemein bekannt und berühmt. Auch wenn die Schriftstellerei wahrscheinlich vielen als ein Traumberuf erscheint, so ist es eben nur für wenige eine wirklich realistitsche Alternative zu einem "üblichen" Beruf. Wie auch immer, ein ausgeprägtes Interesse und zumindest ein bisschen Kreativität vorausgesetzt - probieren kann man's ja, und sei es nur um von Freunden oder ein paar Leuten im Internet Reaktionen auf die eigenen Geschichten zu bekommen und eben die eigenen Gedankenwelten zu "verwirklichen".

Der Versuch, mit Schreiben Geld zu verdienen, hat auch schon für viele das Gegenteil bewirkt - da will so mancher Verlag nach einer positiven Rückmeldung Druckkostenbeiträge und vielleicht auch Lektoratsspesen haben, und am Ende steht man dann mit einem Stapel Bücher da, die niemand haben will und die sich höchstens im Freundeskreis verschenken lassen. Besser ist also, sich höchstens auf diverse "Book on demand"-Angebote für einzelne Bücher und nicht mehrere 100 oder 1000 Stück einzulassen, wenn schon jemand zunächst Geld von einem haben will.

Worüber überhaupt?

Wer sich einmal einen Namen gemacht hat, kann wahrscheinlich so ziemlich über alles schreiben, das ihm oder ihr gerade einfällt. Wer und was das gerade ist, ist bei einem kurzen Blick in die Bestsellerlisten oder auf die größten Bücherstapel in der Roman-Abteilung einer Buchhandlung zu sehen. So weit muss man natürlich erst einmal kommen. Wer also prinzipiell Lust zu schreiben hat, sich aber bei der Wahl des Themas noch nicht so sicher ist, sollte sich erst einmal darüber Gedanken machen.

Eine Frage stellt sich auf jeden Fall: Schreibe ich etwas, das die Leute lesen wollen - oder schreibe ich etwas, das mir selbst gefällt? Der optimale Fall ist natürlich, wenn Zweiteres mit Ersterem so weit wie möglich zusammenfällt, aber was ist schon optimal? Es ist ja schön, wenn jemand in letzter Zeit aus ein paar spontanen Einfällen und einer Inspiration heraus etwa eine Horror-Geschichte geschrieben hat, die er selbst für spannend hält und extra noch zwei Mal durchgelesen und stilistisch noch etwas verbessert hat - wenn dann aber auf den gängigen Literatur-Plattformen im Internet nur zwei Kritiken kommen, von denen eine eher durchschnittlich und eine vernichtend ist, dann ist das auch nicht gerade motivierend. Vielleicht haben dann eben einige Dinge gefehlt, die sich die meisten Leute wünschen - zumindest jene, die gern lobende Kritiken schreiben wenn sie etwas positiv anspricht.

Letztlich lassen sich aber wohl nur jene Themen wirklich gut schreiben, die einem auch selbst sehr interessieren. Man muss eben in Kauf nehmen, dass manche Geschichten nur ein bestimmtes Publikum ansprechen bzw. nur von diesem geschätzt werden und nicht die breite Masse, die einen entweder ignoriert oder mit schlechten Kritiken überhäuft. Manchmal wird auch gesgt, dass man mit den Dingen, über die man schreibt, auch schon reale Erfahrungen gemacht haben soll - ganz stimmen kann das aber nicht, weil dann ja kaum jemand Geschichen schreiben könnte, die etwa zur Zeit der österreichischen Monarchie oder auf einem Raumschiff spielen.

Warum Kurzgeschichten?

Während einem bei Erzählungen in Form von gedruckten Büchern (die trotz aller Computertechnik wohl noch sehr lange existieren werden) vor allem Romane mit ein paar hundert Seiten begegnen, so sind es bei der Literatur-Szene im Internet vor allem Kurzgeschichten. Das hat schlicht und einfach den Grund, dass diese einfacher und schneller zu schreiben sind als etwa ein Roman mit 300 Seiten, selbst wenn sehr viele Ideen und Handlungselemente da sind. Definiert ist eine Kurzgeschichte an sich als eine kürzere Erzählung (im äußersten Fall etwa 30 typische Buchseiten), die eine eher geringe Handlungstiefe und zum Teil so wie ein Witz eine überraschende Pointe hat.

Bei vielen "Kürzest-Geschichten" ist dies der Fall - aber es muss eben nicht unbedingt so sein. Man kann Ideen für zwei oder mehr längere Handlungsstränge, eine ausführliche Darstellung der handelnden Personen, gewisse Charakter-Entwicklungen und mehrere Handlungsorte haben - und am Ende kann ein Text herauskommen, der entweder hunderte Seiten lang ist, oder aber auch (in einzelnen Zeichen mit Leer- und Satzzeichen bzw. in Bytes gemessen) "nur" etwa 20 000 bis 50 000 Zeichen, in Seiten dargestellt also in der Größenordnung von 5 bis 30. Bemerkenswert ist ja auch, dass ein typischer Spielfilm etwa 1 1/2 bis 2 Stunden dauert - sich das inhaltlich gleiche Buch, auf dem er basiert, aber unmöglich in dieser Zeit lesen lässt - obwohl das nicht wirklich vergleichbar ist, weil ein Bild ja angeblich mehr als 1000 Worte sagt (Illustrationen im Text sind also vielleicht auch einen Versuch wert ...).

Es ist also alles eine Frage der Erzählweise und "Handlungsdichte" an sich - wie lang ein Text ist, wieviele Details er enthält und ob er Kurzgeschichte, Anekdote, Novelle, Roman oder einfach nur Erzählung oder Geschichte genannt wird, ist letztlich Geschmacks- und Auslegungssache. Schlimm ist allerdings, wenn wie etwa bei manchen Wettbewerben eine bestimmte Maximal- oder Mindestlänge vorgegeben wird oder man sich aus Angst, dass ein zu langer Text abschreckend wirken könnte, selbst beschränken will - das kann dann zu einem langatmigen "Strecken" oder auch zu einem "gedrängten" Schreibstil oder einem zu plötzlichen Ende führen.


Rein inhaltlich

Ausgelutschte, verrufene und beliebte Themen

Jedes Thema hat in der Öffentlichkeit einen bestimmten Ruf und ist mit bestimmten Klischees behaftet. So haftet Genres wie etwa Science Fiction, Fantasy und Horror zum Teil an, unreif oder überhaupt nur etwas für Kinder und Tagträumer zu sein. Natürlich gibt es etliche Texte in diesem Bereich, die sehr erfolgreich waren und dies widerlegen, aber diese Ansichten werden einem eben manchmal begegnen. Da der Bereich naturgemäß nur teilweise auf realen Begebenheiten basieren kann, wiederholen sich auch bestimmte Einfälle manchmal. Klassische Themen sind etwa Raumschiffe, Zeitmaschinen, Welten mit Elfen und Zauberern oder mit Geistern, Monstern und durch die Nacht schleichenden Serienmördern. Diese werden zwar von einigen als "ausgelutscht" kritisiert, haben aber recht große Fan-Gemeinden und sollten bei diesen gut ankommen, wenn sie auf einem gewissen Mindest-Niveau geschrieben sind. Selbst eigene, scheinbar neue und unkonventionelle Einfälle, können aber eben von manchen augelutscht und schon oft dagewesen genannt werden, weil es eben doch schon einmal jemand in ähnlicher Form geschrieben hat.

Ein Themenbereich, der manchmal mit Science Fiction gleichgesetzt wird und jedenfalls generell einen guten Ruf genießt, sind Utopien - eigentlich aber eher das Gegenteil davon, Dystopien (negative Zukunftsvisionen wie der "Überwachungsstaat"). Was eine auf der momentanen Realität beruhende paradiesische oder auch schreckliche gesellschaftliche Zukunftsvision ist, kann natürlich zum Teil auch Ansichtssache sein. Oder vielleicht ein ganz heißer Tipp - die Tragigkomödie oder die (aber bitte wirklich bissig geschriebene) Satire.

Wenig falsch kann man scheinbar mit Krimis machen. Obwohl es immer wieder um Mord und manchmal auch um Dinge wie Entführungen und Raubüberfälle geht und es dann oft jene waren, die zunächst am wenigsten verdächtig waren, so wird dieses Genre offenbar nie langweilig. Obwohl hier manche vielleicht an billige Taschenbücher denken, so gibt es genauso Krimis, die laufend in höchsten Tönen gelobt werden. Hilfreich dürfte auch ein besonders interessanter oder ungewöhnlicher Schauplatz sein, wie das im Bestseller-Bereich bis jetzt etwa ein Kloster oder Venedig waren.

Was immer funktionieren wird, sind auch Liebesgeschichten in allen Variationen. Hier gelten die gleichen Regeln wie bei Krimis, zusätzlich können etwa auch soziale Unterschiede so eine Geschichte sehr interessant machen.

Philosophie und Gesellschaftskritik

Ungelöste elementare Fragen der Menschheit - etwa über das Universum und das Leben - können ein sehr gutes Thema sein. Ein klassisches Thema in diesem Bereich ist etwa auch, ob das was wir sehen, wahrnehmen und messen können auch wirklich wirklich ist - oder was die Realität eigentlich ist oder ob es sie überhaupt gibt. Allerdings besteht bei zu allgemeiner Auseinandersetzung mit diesen Themen wieder die Gefahr, dass der Text zu einfallslos wirken kann.

Kritische Anmerkungen darüber, wie schlecht die Welt doch ist und das in allen Variationen und Ansichtsweisen, kommen auch oft gut an - dafür reicht auch schon eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaft in der eigenen unmittelbaren Umgebung. Auch Überlegungen, ob etwas ethisch vertretbar ist und was in einer bestimmten Situation das kleinste Übel ist, können interessant sein.

Eine alltägliche Situation und eigene Erlebnisse oder Träume können aber so oder so immer ein guter Ausgangspunkt oder ein Handlungselement bzw. eine Szene sein.

Sex sells

Eines ist sicher - Sex sells, alles, das irgendwie auch nur eine Anspielung oder Andeutung von nackter Haut und Bettszenen hat, verkauft sich einfach besser. Dieses Grundgesetz der Werbewirtschaft lässt sich ohne Weiteres auch auf den Literatur-Bereich übertragen. Vielleicht liegt es auch gerade an der heute möglichen offenen Beschäftigung damit, die aber zum Teil immer noch mit konservativen Moralvorstellungen zusammentrifft, womit erst recht Aufmerksamkeit erregt wird.

Selbst bei völlig jugendfreien Geschichten kann schon ein entsprechender Titel ausreichen, um erfolgreicher zu sein und in der Masse überhaupt aufzufallen. Natürlich, es gibt auch etliche erfolgreiche Erzählungen, die keine sexuellen Anspielungen enthalten, aber es ist eben dennoch eine Komponente, die ganz beiläufig vieles interessanter machen kann.


Sex in Geschichten ist aber auch eine Gratwanderung - werden etwa Sex-Szenen nur als "Aufputz" und Selbstzweck und nicht als glaubwürdiger Bestandteil der Handlung an sich eingefügt, so kann sich der Effekt auch schnell ins Gegenteil umdrehen. Schließlich ist alles eine Frage, ob man lieber als anspruchsvoll gelten und von der Kritik gelobt werden will, oder lieber insgesamt erfolgreich ist. Auch die Filmwirtschaft steht bei der Konzeption eines Films oft vor dieser Entscheidung. Eine besondere Kunst ist es, beides zu vereinen. Es wird vielleicht auch eher stilvoller wirken, nicht alles in allen Details zu beschreiben, außerdem spielt natürlich auch hier der "Show, don't tell"-Faktor mit, also besser durch den Schreibstil eine anschauliche Atmosphäre erzeugen, statt direkt genau beschreiben.

Die Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen ist unterschiedlich, teilweise wird die Rechtsmeinung vertreten, dass auch sehr deutliche Szenen in einem entsprechenden, umfangreicheren Kontext nicht als "Pornografie" gewertet werden, und somit auch keinen besonderen Alters- und Verbreitungsbeschränkungen unterliegen. Speziell wenn diese Rechtsansicht von anderen nicht geteilt wird, können auch handelnde Personen unter 18 Jahren sehr heikel werden.

Unbedingt provozieren!

Wer möglichst viel Aufmerksamkeit erregen will, sollte sich unbedingt ein kontroversielles Thema aussuchen. Manche Aktions-Künstler arbeiten schließlich auch so. Sätze- bis seitenweise rohe Gewalt, Einbau von harten Drogen, wüste Beschimpfungen, vulgäre Ausdrücke und natürlich Sex in mehr als sonst üblichem Ausmaß sind dafür gut geeignet, oder überhaupt ein Text, der vom Inhalt her gerade noch gesetzlich erlaubt ist. Lange Diskussionen sind einem sicher - und das sorgt wiederum für Aufmerksamkeit. Sofern die Gratwanderung an der allgemeinen Geschmacks-Grenze gelungen ist, wird sich die Kritik dann in zwei Lager spalten, wobei jedes Lager viel größer ist, als es das bei einer thematisch ähnlichen Geschichte ohne große Provokationen vielleicht gewesen wäre.

Dieser Ratschlag lässt sich entweder leicht ironisch sehen - oder sehr ernst nehmen.

 

Der Einstieg - einfach drauflos schreiben?

Bei einer Geschichte ist es wichtig, eine Idee für eine Anfangsszene und eine Grundidee für die Handlung zu haben. Das Ende muss aber noch nicht feststehen, und die Handlung kann sich natürlich auch vom Grundgerüst weg weiterentwickeln. Natürlich wird es oft von Vorteil sein, wenn besonders die Anfangsszene so interessant geschrieben ist, dass sie sehr zum Weiterlesen anregt, und dann auch später nicht nur alles so "dahinerzählt" wird. Überraschende Handlungswendungen und einige parallele Erzählstränge, mehr als 2-3 gleichzeitig aber vielleicht besser nicht, können gute Stilmittel sein. Auch Überlegungen zu ausgeprägten Charaktereigenschaften der handelnden Personen, und wie sich diese vielleicht weiterentwickeln, können nicht schaden.

Prinzipiell ist zunächst aber nicht einmal eine Einstiegsszene nötig, wichtig ist dass überhaupt einmal eine Szene existiert, die auch mitten in der Geschichte stehen kann. Auch ungefähre Beschreibungen von Szenen bzw. Notizen können fürs Erste ausreichen, zunächst fehlende Szenen können später immer noch ausformuliert werden. Mehrere Versionen der Textdatei speichern oder die Anmerkungen in der Roh-Version stehenlassen kann bei der Arbeit auch von Vorteil sein.

Einfach so mit dem erstbesten Satz anfangen ist auch eine gute Methode, um Schreibblockaden und momentane Unlust zu überwinden. Falls diese anhalten sollte, kann man auch einfach so einmal eine Abhandlung über diese Blockade an sich schreiben. "Heute ist Dienstag, der ..., und ich wollte eigentlich ..., aber ...".


Überarbeiten lässt sich der Text später immer noch - das ist auch viel einfacher, wenn schon eine erste Version bzw. ein Grundgerüst vorhanden ist und man sich zunächst nicht mit einer möglichst gut überlegten und immer wieder geänderten Wortwahl aufgehalten hat. Auch das spätere Umstellen von Textteilen - so dass etwa eine nonlinere Erzählung daraus wird und erst später erwähnt wird, wie es zur Anfangsszene gekommen ist, nach und nach oder auf einmal, ist natürlich machbar.

Bei der endgültigen Version wird auch öfters dazu geraten, den Text zu straffen, also einige nicht unbedingt nötige Details und Füllwörter zu entfernen - hier habe ich auch schon von 10% der Textmenge gehört. Trotzdem sollte das aber natürlich nur ein grober Richtwert sein, und nicht Dinge voreilig gelöscht werden, die einem eigentlich wichtig sind. Besonders am Anfang des Textes ist es wohl auch besonders wichtig, dass dieser nicht zu langatmig und unübersichtlich wirkt. Auch ist es oft von Vorteil, den fertigen Text erst einmal eine Weile "liegen zu lassen" (die Empfehlungen, wie lange, gehen auseinander) und dann mindestens noch einmal "drüber zu gehen", bis es wirklich "passt" - eine voreilige Veröffentlichung ist also nicht unbedingt eine gute Idee.


Show, don't tell

"Zeigen, nicht erzählen" ist eine häufig genannte Empfehlung für das Schreiben von Kurzgeschichen und ähnlichen Texten. Wie aber soll man nur mit Worten etwas zeigen und nicht erzählen? Gemeint ist, detaillierte und durchaus auch indirekte Beschreibungen der momentanen Handlung und weniger einen sachlichen "Polizeibericht-Stil" zu verwenden, und so ein plastischeres Bild der Szene entstehen zu lassen. Details können etwa sein wie sich etwas angefühlt hat, wie laut etwas war, wie etwas geschmeckt hat, wie warm oder kalt es war und nicht nur wie es ausgesehen hat, also "alle Sinne ansprechen", oder jedenfalls mehrere. Es kann auch ein scheinbar nebensächlicher Vorgang sein, dessen Wirkung man sich denken kann, ohne dass sie direkt aufgeschrieben wird. Wird also z.B. in einer Geschichte eine Bombe gezündet, muss nicht dort stehen "sie explodierte", sondern es sollte eher beschrieben sein wie alles zitterte, wie die Leute dort reagieren etc.

Ein eher schlechter Stil wäre also etwa ein einfaches Aufzählen von "Er ging... Er nahm... und dann... Anschließend..."  Oder anders gesagt, statt etwa "Er hatte einen furchtbaren Job" zu schreiben, wird es eher besser klingen, ein, zwei Handlungen zu beschreiben, die er in diesem so macht ("Trotz der drückenden Hitze ließen sich die Fenster nicht öffnen. Er nahm den schon viel zu abgenutzten Lötkolben von der zerfurchten Holzplatte, suchte nach dem Lötzinn und..."), so dass man sich denken kann, worum es geht anstatt es direkt zu lesen. Genauso könnte, anstatt zum Beispiel "In der Küche herrschte ein Chaos" zu schreiben, auch der momentane Zustand der Küche in einigen Sätzen beschrieben werden, ohne dabei eine direkte Wertung wie "unordentlich" oder "fürchterlich" abzugeben. Der Text sollte aber andererseits auch nicht mit zu vielen nebensächlichen Details überladen werden.

"Show, don't tell" ist aber trotzdem keine immer gültige Grundregel. Handlungsabschnitte, die für die Geschichte nicht wichtig sind, die aber trotzdem zu ihrem Verständnis nötig sind (zum Beispiel eine Reise von einem Schauplatz zu einem anderen, auf der nichts Besonderes passiert) können auch kurz in einem oder zwei Sätzen erwähnt werden, da der ganze Text sonst schlicht zu lang(weilig) werden könnte. Dinge wie der "Polizeibericht-Stil" können natürlich auch bewusst als Stilmittel eingesetzt werden, was aber dann auch so erkennbar sein sollte. 

Obwohl das Abweichen von diesem Stil oft oder zumindest manchmal negative Kommentare nach sich zieht, sollte man trotzdem zunächst einfach "drauflos" schreiben - einzelne Szenen lassen sich später immer noch besser ausformulieren. Die "Show, don't tell"-Regel lässt sich mitunter auch durch den Einsatz von Dialogen "umgehen".
Außerdem kann es zum Teil natürlich auch Ansichtssache sein, was jetzt als "Erzählen" und was als "Zeigen" empfunden wird, und was jetzt wirklich besser oder genauso gut klingt.


Vergangenheit oder Gegenwart

Geschichten sind üblicherweise durchgehend in der Vergangenheit geschrieben ("Sie ging an diesem Tag..."). Beschreibungen wie "Der Zug fährt jeden Tag um zehn Uhr" oder Abschweifungen in die Zukunft wie "Morgen wird wahrscheinlich..." sind aber auch innerhalb eines in der Vergangenheit geschriebenen Textes möglich. Ein "ist" statt ein "war" kann aber ein möglicher Fehler sein.

Es ist natürlich auch möglich, in der Gegenwart zu schreiben, eine Geschichte kann dadurch mitunter besonders realitätsnah wirken ("Es ist kalt. Ich gehe um die Ecke und sehe dort..."). Das Durchhalten dieses Stils, ohne zwischendurch in die Vergangenheit zurück zu fallen, ist aber etwas schwierig, er wirkt natürlich auch etwas ungewohnt.


Perspektive - Ich-Form oder dritte Person

Sowohl eine Erzählung aus der Perspektive einer "ersten Person" (also die "Ich-Form") oder aus der Perspektive einer "beobachtenden" und "alles sehenden" Person (die aber selbst nicht an der Handlung teilnimmt) sind üblich. Bei diesem "Dritte-Person-Stil"  braucht man grundsätzlich zumindest für die Hauptperson ziemlich bald einen Namen (immer nur Formulierungen wie "Sie ging..." könnten bald langweilig werden), bei der Ich-Form kann dieser auch später erwähnt werden oder die handelnde Person kann mitunter überhaupt namenlos bleiben. Eine mögliche Fehlerquelle bei der Ich-Form ist, dann doch wieder plötzlich in den Dritte-Person-Stil zu wechseln - oder umgekehrt. Sie wirkt aber jedenfalls meist sehr glaubwürdig, natürlich und birgt ein geringes Fehlerrisiko.

Beim "Dritte-Person-Stil" wird noch zwischen der "allwissenden" (auktorialen) und der Perspektive aus der Sicht einer bestimmten, nicht allwissenden Person (personale Perspektive) unterschieden. Dies kann zu ungewollten Perspektivenwechseln führen bzw. von anderen als solcher bemängelt werden. Üblich dürfte eher ein Stil sein, bei dem über Personen oder Dinge in Sichtweite die Formulierung "er/sie" oder der jeweilige Name statt "ich" verwendet wird, und der sich nicht unbedingt so anhören sollte, als ob eine weiter entfernte Person über jemand oder etwas berichtet, bei kurzgeschichten.de (externer Link) gibt es ein Beispiel dazu. Dies ist also quasi so, als ob man durch die Augen der jeweiligen Person sehen und darüber berichten könnte. Vorteil gegenüber der Ich-Form ist, dass direkt auf die Perspektive einer anderen Person gewechselt werden kann.

Eher ungewöhnlich, aber auch möglich ist ein "Zweite-Person-Stil", also eine Erzählung aus der Perspektive einer Person, die an der Handlung teilnimmt und unmittelbar über eine andere Person berichtet. Dies kann womöglich in der Gegenwart geschehen, also in etwa so wie

Du betrittst einen schmalen, dunklen Gang, eine Staubschicht liegt auf dem Boden. Ich folge dir langsam.

Hier können sich die Perspektiven zwischen zwei oder mehreren Personen abwechseln, was aber jeweils ausreichend gekennzeichnet bzw. ersichtlich sein sollte.

Es sind auch - hier wird es dann kompliziert - Mischformen aus diesen Perspektiven möglich. Zusätzlich ist auch ein übergeordneter "Erzähler" möglich (der im Einzelfall auch direkt das Publikum ansprechen kann), welcher mit dem Autor selbst zusammenfallen kann, aber nicht muss. Eine "voll-auktoriale" Perspektive, welche alles weiß und sieht und auch öfters zwischen Orten und Personen hin und her springt, könnte natürlich als etwas seltsam und verwirrend empfunden werden.


Wörtliche Rede, Dialoge

Es sieht eher besser aus, wenn bei einer Unterhaltung jede Aussage einer Person in einer neuen Zeile steht, eine zusätzliche Leerzeile zwischen den sprechenden Personen ist eher nicht nötig. Eine solche kann allerdings beim Übergang von Dialogen zu Fließtext gut aussehen. Einzelne kurze Aussagen oder Zitate können auch im Fließtext stehen oder kurze Antworten eventuell mit Gedankenstrichen statt einer neuen Zeile oder einem neuen Absatz abgerenzt werden. Diese werden oft als Bindestrich bzw. Minuszeichen dargestellt bzw. eingegeben, korrekterweise handelt es sich um einen längeren Strich – was oft auch von Textverarbeitungen automatisch umgewandelt wird.
 
"Ist das wirklich wahr?", fragte sie.
"Ja, es ist wahr", antwortete er.
"Dann lassen wir es halt."

Ein kräftiger Wind kam auf, durch den die Kälte noch einschneidender wurde.

"Du, mir ist kalt, reden wir später weiter", erwiderte er gelassen.
"Wie du meinst."
 
"Gute" Dialoge können durchaus auch Dinge wie Gegenfragen statt "üblicher" Antworten enthalten, möglich ist etwa auch, dass jemand statt mit Worten mit Körpersprache oder auf lange Fragen nur mit sehr knappen Worten antwortet. Manche meinen auch, dass sich Dialoge auf das Wesentliche konzentrieren und nicht zu viele Nebensächlichkeiten enthalten sollten.

Es ist nicht nötig, immer "sagte [Name]" hinzu zu fügen, wenn auch so im Laufe des Dialogs klar ist, wer gerade redet. Die Satzzeichen sollten immer innerhalb der Anführungszeichen und nicht danach stehen, der Beistrich bei einem angefügtem "sagte/antwortete/kreischte..." aber grundsätzlich nach diesen. Wird nichts angefügt, sollte der Punkt am Satzende auch innerhalb der Anführungszeichen stehen. Ein vorgesetztes "Er sagte:" ist auch möglich.

Im Englischen ist die Stellung der Satzzeichen unterschiedlich, beispielsweise "Is this really true?" she asked. In diesem Fall wird kein Beistrich verwendet, wenn die direkte Rede jedoch kein Frage- oder Rufzeichen hat, dann steht ein solcher im Gegensatz zum Deutschen innerhalb der Anführungszeichen. Bei einem Vorsatz wie He said folgt danach ebenfalls ein Beistrich (jedoch vor den Anführungszeichen) statt einem Doppelpunkt.

Je nach Geschmack bzw. gewünschtem Schriftsatz können statt dem einheitlichen Anführungszeichen " auch getrennte Anführungszeichen für unten und oben 
„  “ (wie häufig auch bei Handschrift üblich) oder spitze Anführungszeichen »« (im Buchdruck üblich, die Reihenfolge kann in anderen Sprachen unterschiedlich sein) verwendet werden - das lässt sich bei Bedarf später immer noch leicht mit einer Textverarbeitung ändern.


Namen

Es kann etwas schwierig sein, für die Charaktere passende bzw. gut klingende Namen zu finden. Bei autobiografisch angehauchten Texten bietet sich natürlich der eigene Name und die von persönlich bekannten Leuten an. Es ist nicht nötig - außer vielleicht wenn es als Stilmittel ausdrücklich gewollt ist - die Namen in jedem Satz zu wiederholen, "er" oder "sie" ist im Fließtext oft ausreichend wenn noch klar ist, wer gemeint ist. Auch abgekürzte Namen wie "S." sollten höchstens als bewusstes Stilmittel eingesetzt werden, da dies viele recht seltsam finden dürften.

Prinzipiell ist ein beliebiger, zum Kulturkreis in dem die Geschichte spielt passender Name ausreichend. Soll die besondere Bedeutung eines Namens eine Rolle spielen, so empfiehlt sich ein Namenslexikon wie etwa http://www.behindthename.com/ (englisch, jedoch mit Beschreibungen von Namen aus verschiedenen Kulturen). Achtung, es kann im Internet auch ähnliche Angebote geben, die auf den ersten Blick frei zugänglich wirken, aber in Wirkichkeit kostenpflichtig sind - besonders, wenn die Eingabe von persönlichen Daten verlangt wird.


Die Auflösung

Bei manchen erfundenen Situationen kann es schwierig sein, eine passende Auflösug bzw. Aufklärung zu finden. Auf jeden Fall sollte das Ende nicht zu sehr "an den Haaren herbeigezogen" sein, es sollte auch nicht zu plötzlich kommen - hier könnte der Eindruck entstehen, dass man nicht mehr weiter gewusst und nur schnell zu einem Ende kommen wollte. Problematisch und enttäuschend kann auch eine "alles nur geträumt"-Auflösung sein. Das Ende muss natürlich nicht unbedingt glücklich sein, besonders wenn das nicht zum Stil der Geschichte passen würde. Gerade hochgejubelte Geschichten haben oft ein negatives oder nur ein "Teil-Happy-End", wenn es ein Happy End sein soll, dann sollte es schon eher eine Satire werden - oder auch nicht.

Einige gängige Möglichkeiten sind jedenfalls:

Rein technisch

Womit überhaupt schreiben?

Rein technisch spielt sich das Schreiben von Texten heute oft über eine Computer-Tastatur ab. Alles ist heute digital und arbeitet zusammen, und was analog ist, lässt sich zumindest digitalisieren. Handschriftliche Aufzeichnungen sind zwar auch eine Möglichkeit, aber es ist auch mit einem Scanner und aktueller Texterkennungs-Software schwierig bis unmöglich, gängige Handschrift dann später in elektronische Form zu verwandeln. Auch Spracherkennungs-Software (es gibt ja auch Diktiergeräte oder Handys mit Sprachaufzeichnungs-Funktion) ist noch nicht ganz ausgereift. Recht gut ginge das hingegen noch mit Papierseiten, die - ganz im Retro-Stil - mit einer Schreibmaschine geschrieben wurden.  Somit bleibt also realistischerweise ein Computer - ein Notebook / Laptop / Netbook hat außerdem den Vorteil, dass man an so ziemlich jedem Ort schreiben kann, der einem gerade passt.

Es ist nicht unbedingt nötig, sich schon beim Schreiben lange mit Textformatierung und Gliederung aufzuhalten - auch das lässt sich später immer noch machen. Nur ausreichend Absätze, anstatt alles in einem durch zu schreiben, machen sich auch schon in der ersten Version gut. Prinzipiell reicht zunächst auch ein einfacher Texteditor statt einer sperrigen Textverarbeitung - nur wer häufig Dinge wie kursiven Text, Überschriften, Einrückungen und andere Dinge als Stil- bzw. Textgestaltungsmittel verwendet, fügt diese vielleicht lieber gleich mit einer Textverarbeitung ein. Neben dem bekannten Microsoft Office geht das genauso mit LibreOffice, welches ebenfalls Textdokumente in einem dazu kompatiblen Format speichern kann und auch ähnliche Möglichkeiten bietet.

Zur Umschreibung von Formatierungen in reinen Text-Systemen sind folgende Symbole üblich:

/kursiv/
*fett*
_unterstrichen_

Drinnen oder draußen schreiben?

In Mitteleuropa stellt sich besonders von etwa Ende April bis September die Frage, ob man lieber drinnen oder im Freien schreibt. Es kann durchaus motivierend sein, zur Abwechslung auch einmal an ungewohnten Orten bzw. umgeben von Grün und einem leichten Luftzug zu schreiben. Oder wie wäre es damit, sich nach Möglichkeit eine Umgebung zu suchen, in der auch die eigene Geschichte spielt? Da ließen sich dann sogar reale Wahrnehmungen als Inspiration nutzen und in passender Form direkt einbauen.

Nun haben aber nicht alle einen Garten oder zumindest einen Balkon zur Verfügung, und selbst wenn, können diverse Nebengeräusche wie Autoverkehr, laute Unterhaltungen oder Gartenarbeit und Baustellen störend sein. Auch in Parks und sonstigen Grünflächen ist es in Großstädten - ein Notebook/Netbook mit funktionierendem Akku oder eventuell auch Sonderlösungen wie diverse Handheld-Geräte mit externer Tastatur vorausgesetzt - oft nicht besser, noch dazu kann hier das Gefühl da sein, von anderen beim Schreiben beobachtet zu werden und sich dann erst recht nicht konzentrieren zu können. Eine mögliche Strategie ist auch, einfach den Text zu speichern und etwas weiter zu gehen, wenn man sich gestört fühlt. Natürlich gibt es auch genug wirklich ruhige Orte, die aber dann schon ziemlich abgelegen sein können, herumschwirrende Insekten gibt es dort dann aber auch.

Schließlich kann es aber sogar innerhalb des eigenen Hauses bzw. Wohnung interessante, ungewöhnliche Orte zum Schreiben geben, während man sich unterwegs eher Inspirationen holen und eventuell Notizen dazu machen kann.

Ablenkungen

Wenn eine Internet-Verbindung zur Verfügung steht, dann ist das oft die größte Ablenkung, die einem vom Schreiben abhalten kann. Das Internet ist toll, um Dinge für die Geschichte zu recherchieren - sei es die Schreibweise eines Wortes, bestimmte Fakten, wenn etwas besonders realitätsnah sein soll oder auch Fotos von bestimmten Orten oder Landschaften und Geländeprofile bei Google Earth. Leider kann das aber auch dazu verleiten, dann lange herum zu surfen. So hat sich in letzter Zeit etwa auch Wikipedia als wertvolle Quelle des Wissens etabliert (die man allerdings nicht kritiklos als einzige verwenden sollte) - da sich aber alle ehrenamtlich am Schreiben von Artikeln beteiligen können, kann dies auch zum ständigen Nachbessern und Ergänzen anregen, anstatt das weiter zu schreiben, das man eigentlich wollte. Da muss man eben durch - und wenn der Text dann fließt, dann kann einem auch immer weniger ablenken.

Textformate und E-Books

Abgesehen von gedruckten Büchern gibt mehere Möglichkeiten, einen Text zu veröffentlichen - zum Beispiel so wie hier als HTML-Seite, oder in einem Forum oft über "Copy & Paste", also Markieren, Kopieren und im ausgewählten Eingabefeld des Forums einfügen. Für "professionelle Textdokumente" wird im Internet häufig PDF verwendet, hier können dann auch Seitenzahlen, zum Beispiel als automatische fortlaufende Nummerierung in einer Fußzeile; und eine Titelseite gut aussehen. Um dieses Format wird manchmal ein Geheimnis gemacht oder der Eindruck erweckt, man brauche dazu riesige Software-Pakete. Tatsächlich lassen sich diese aber auch ganz einfach mit der PDF-Funktion des frei verfügbaren LibreOffice erstellen, oder mit einem Programm, welches sich als Druckertreiber installiert und über die Druckfunktion jedes Programms eine PDF-Datei erzeugen kann.

Die Ansichten darüber, was ein E-Book (elektronisches Buch) ist, können unterschiedlich sein - prinzipiell aber eine Textdatei, für die es verschiedene gängige Formate gibt, welche zum Teil auch auf mobilen Geräten gelesen werden können (siehe Möglichkeiten zum Lesen von elektronischen Texten). Wenn Text-Formatierungen wie etwa kursiver Text oder Bilder nicht besonders wichtig sind, kann das im einfachsten Fall auch eine reine Textdatei (.txt) sein. Um technische Probleme bei der Anzeige zu vermeiden, kann es von Vorteil sein, für diese Version keine ausgefallenen Sonderzeichen zu verwenden und auch getrennte Anführungszeichen für oben und unten durch einheitliche " zu ersetzen. Der Begriff "E-Book" sollte vielleicht auch nicht zu laut verwendet werden, weil er nicht nur für Romane und verschiedene Sachbücher, sondern auch im Zusammenhang mit diversen "Erfolgs-E-Books" häufig verwendet wird, mit denen man nach den berühmt-berüchtigten Pyramidensystem angeblich ganz einfach viel Geld verdienen kann.

Bei im Internet veröffentlichten, formatierten Textdateien basiert die Seitenanzahl häufig auf dem DIN A4-Format. Bei gedruckten Büchern ist jedoch die sogenannte "Normseite" üblich, die kleiner ist und maximal 30 Zeilen mit maximal je 60 Zeichen im linksbündigen "Flattersatz" (also nicht Blocksatz oder Spalten) umfasst, in der Praxis also im Bereich von etwa 1500 Zeichen pro Seite. Siehe dazu Das Literatur-Café - Normseite (externer Link).

 

Rechtschreibung und Schreibstil

Rechtschreibung allgemein

Korrekte Rechtschreibung wird von vielen wichtiger genommen, als sie eigentlich ist. Obwohl eine Häufung von Rechtschreibfehlern und schwache Geschichten gar nicht so selten Hand in Hand gehen, kann natürlich auch ein mit auffälligen Schreibfehlern behafteter Text inhaltlich gut sein. Es ist vielleicht mit einem Zug oder Bus vergleichbar, der zwar etwas zerkratzt ist und einige Dellen hat, aber deswegen genauso gut und sicher fährt; trotzdem ist es eben ein Schönheitsfehler, der viele abschreckt. Viele Fehler sind auch schlichte Tipp- und Flüchtigkeitsfehler wie vergessene oder zu viele Buchstaben, Wörter und Satzzeichen.
Im Gegensatz zum allgemeinen Schreibstil - wo es zwar auch allgemeine Richtlinien gibt was gut ist, der aber letztlich eine persönliche Sache ist - gibt es eben feste Rechtschreibregeln (egal ob diese jetzt "alt" oder "neu" sind), deren Missachtung oder Unkenntnis von vielen als Störung des Leseflusses betrachtet wird. Zwar hat mich das nicht selbst betroffen, aber schon in der Schule fand ich es oft ungerecht, wenn jemand in Deutsch nur wegen Rächtschreip-Välern eine schlechtere Note bekommen hat, obwohl der Text nach Ansicht des Lehrers ansonsten "sehr gut" gewesen wäre.

Abhilfe kann ja ganz einfach eine dieser oft zitierten Rechtschreibprüfungen von Textverarbeitungsprogrammen oder ein mindestens noch einmaliges Durchlesen der weitgehend kompletten Version schaffen - da finden sich dann oft vergessene oder überflüssige Buchstaben, und für zu oft wiederholte Wörter fällt einem vielleicht ein besseres Synonym ein (oder dem "Thesaurus"). Generell sollte ein Text vor dem Veröffentlichen auch mindestens noch einmal aufmerksam durchgelesen werden. Bei der Rechtschreibprüfung einer Textverarbeitung kann es auch zu Fehlern kommen, zum Teil können Wörter auch fälschlicherweise für ein falsch geschriebenes anderes gehalten werden.

Deutsche Sprache und ihre Eigenheiten

Es kann als Unvollkommenheit der deutschen Sprache bzw. als möglicher Problempunkt angesehen werden, dass mit der männlichen Form (etwa Studenten, Radfahrer, Zuschauer, Österreicher) häufig alle unabhängig vom Geschlecht gemeint sind, während die weibliche Form (Studentinnen...) nur für das weibliche Geschlecht gilt und noch dazu meist mit einer Anhängung wie -in bzw. -innen an die männliche Form gebildet wird. Gerechtfertigt wird das zum Teil damit, dass grammatikalisches Geschlecht (Genus) und biologisches Geschlecht (Sexus) völlig verschieden seien, hier unzulässigerweise gleichgesetzt oder verwechselt würden, und alternative Schreibweisen eine Zerstörung der Sprache wären. Das mag sein, ändert aber nichts daran, dass im gängigen Sprachgebrauch für allgemeine und biologisch männliche Form oftmals das gleiche Wort vorgesehen ist. Ob man die traditionelle Schreibweise verwendet oder versucht, (auch) Alternativen zu benutzen, ist letzlich eine Sache des persönlichen Schreibstils. Auch wurde es erst ab etwa 1990 bzw. im Laufe der 1980er verbreitet üblich, sich darüber Gedanken zu machen - das sollte auch berücksichtigt werden, falls eine Geschichte/Erzählung vor dieser Zeit spielt. Ähnliche Schreibweisen gibt es aber beispielsweise auch im Spanischen, wo auf -o endende Wörter häufig männlich und auf -a endende weiblich sind, aber auch -o als allgemeine Form verwendet wird (z.B. nosotras - wir (Gruppe von Frauen), nosotros - wir (Gruppe von Männern), aber auch nosotros - gemischt bzw. allgemein).

Das teilweise übliche "Binnen-I" (z.B. "RadfahrerInnen", was aber häufig so wie die weibliche Form ausgesprochen wird, angemessen wäre eher eine kurze Pause in der Wortmitte) ist nicht in der offiziellen Rechtschreibung vorgesehen, und wird von größeren Teilen der Bevölkerung nicht verwendet und teilweise auch heftig abgelehnt. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, ausdrücklich beide Geschlechter ausgeschrieben zu erwähnen ("Liebe Wienerinnen und Wiener!"), was aber zu deutlich längeren und umständlicheren Sätzen führen kann.

Eine Möglichkeit, dies alles auch ohne lange und möglicherweise "geschwollen" oder übermäßig "politisch korrekt" klingende Sätze zu umgehen, ist jedenfalls eine allgemein als neutral angesehene Umschreibung, wie zum Beispiel "Wer hier mit dem Rad fährt, weiß genau..." statt "Die Radfahrer wissen genau, dass hier...", "Personen", "Leute" oder "Bevölkerung" statt "Einwohner" oder "Bürger", "Lehrkräfte" statt "Lehrer", "Fahrpersonal" statt "Fahrer" (kann aber so wie "Studierende" statt Studenten schon ein bisschen "geschwollen" wirken), "Personal" oder "Angestellte" statt "Mitarbeiter",
"niemand" statt "keiner", "alle" statt "jeder(mann)" oder auch "alle können machen, was sie wollen" statt "jeder kann machen was er will". Manche Wörter mit -ende oder -enden wie etwa "Reisende" machen sich auch generell ganz gut.

"Man"
("Kann man das essen?", fragte sie)  bedeutet aber nicht unbedingt "Mann", sondern leitet sich von "Mensch" ab - es ist als Stilmittel aber durchaus möglich, "mann" zu schreiben, wenn nur Männer gemeint sind oder "frau" im Fall von Frauen. "Wer" (etwa in "Werwolf") leitet sich dagegen zwar von "Mann" ab, ist aber schon seit längerer Zeit ein allgemeiner Begriff.

Wer allerdings lange überlegt, ob es jetzt "der Radio" oder "das Radio" heißt, sollte sich überlegen, ob er oder sie eine Geschichte schreiben oder Sprachwissenschaft betreiben will. Im Englischen fällt auch dieses Problem weg, weil alles "the" heißt. Soweit ich das von anderen gehört habe, ist das Merken, ob ein Wort jetzt einen männlichen, weiblichen oder sächlichen Artikel trägt, scheinbar ein großer Problempunkt, wenn jemand Deutsch als Fremdsprache lernt, weil eben auch unbelebte Dinge generell ein Geschlecht haben.



Die s-Schreibung


Beistriche (Kommas) und Satzgliederung

Diese können nach der neuen Regelung (welche 2006 aber zum Teil wieder zurückgenommen wurde) weitgehend "nach Gefühl" gesetzt werden, besonders wenn ein Satz ohnehin schon durch Worte wie "und" oder "oder" gegliedert ist. Im Zweifelsfall sieht ein Beistrich zu viel aber eher besser als einer zu wenig aus, besonders bei langen Sätzen. Alternativ kann man natürlich auch einmal einen Punkt machen und den Satz in zwei oder mehrere aufteilen. Besonders lange Sätze über mehrere Zeilen sollten höchstens als bewusstes Stilmittel eingesetzt, sonst aber eher vermieden werden.


Zahlen und Abkürzungen

In Fließtexten sieht es im Allgemeinen besser aus, wenn (überschaubare) Zahlen als Wort ausgeschrieben werden ("Drei Züge standen im Bahnhof."). Manchmal wird empfohlen, nur (ganze) Zahlen bis 12 auszuschreiben, aber auch "Vierundneunzig" oder "Hunderteins Komma Acht" kann durchaus gut oder besser aussehen. Zum Teil gilt das aber auch als veraltet.

Auch Abkürzungen wie usw. oder z.B. sollten in Geschichten eher nicht verwendet werden, diese sind mehr etwas für Sachtexte oder persönliche E-Mails oder Briefe. Bei "zum Beispiel" sind unterschiedliche Schreibweisen verbreitet, wie
zB zusammengesetzt und ohne Punkte, z.B. ohne Abstand und mit Punkten, oder manchmal auch z. B. mit Abstand dazwischen. Wenn eine Abkürzung häufig oder üblicherweise als solche ausgesprochen wird (LKW, CIA, FBI ...), dann sollte auch eher die Abkürzung und nicht die ausgeschriebene Bezeichnung verwendet werden, außer vielleicht in einzelnen Fällen, um einen Begriff zu bekräftigen oder zu erläutern.


Absätze und Kapitel

Kurzgeschichten im klassischen oder auch erweiterten Sinn müssen nicht unbedingt in Kapitel eingeteilt sein (die eine Nummer tragen können, oder auch nicht), ein Kapitel sollte üblicherweise zumindest einige Standardseiten lang sein. Bei etwas längeren Texten bzw. bei größeren Szenenwechseln oder bei eventuellen Perspektivenwechseln bietet sich alternativ zu einer Kapitel-Einteilung auch eine besondere Absatztrennung an - wie zum Beispiel drei Sterne.

Vorteilhaft sind aber meistens Absätze, also wie hier zu sehen zur Gliederung der Handlung öfters einmal eine Leerzeile, anstatt den ganzen Text in einem durch zu schreiben. Ob die erste Zeile eine Absatzes eingerückt ist oder nicht, ist Geschmackssache bzw. in manchen Schriftsätzen üblich. Absätze sollten bei Dingen wie Szenen- oder Perspektivenwechseln, Stimmungsänderungen, großen Orts- oder Zeitveränderungen (etwas bei einem Aufwachen am nächsten Tag) oder plötzlichen besonderen Ereignissen eingefügt werden.


Als / Wie

Formulierungen mit "Als ..." sind oftmals die bessere Wahl bzw. werden als richtig oder besser klingend angesehen, also "Als ich auf den Bahnsteig trat, fuhr der Zug gerade ein" statt "Wie ich auf den ...". Ebenso ist oftmals "Als ob" statt "Wie wenn" angemessen ("Sie hatte ein seltsames Gefühl, so als ob sie etwas vergessen hätte."). Hier scheint es aber gewisse Unterschiede im Sprachgebrauch zwischen Österreich und Deutschland zu geben.

Bei direkten Vergleichen gilt jedenfalls "Sie ist genauso groß wie ihr Bruder" und "Sie ist größer als ihre Schwester" - "wie" entspricht dann Gleichheit, und "als" Ungleichheit. Die Formulierung "als wie" gilt dann allgemein als falsch bzw. wird nur umgangssprachlich verwendet.

 

Sonstige wesentliche Rechtschreibregeln

Die "alte" deutsche Rechtschreibung ist seit 1. August 2005 nicht mehr offiziell gültig. Zumindest Privatpersonen steht es aber natürlich frei, diese auch weiterhin zu verwenden. Es dauert vermutlich mindestens noch einige Jahre, bis sich die neue Rechtschreibung allgemein etabliert hat. Da einige Punkte wie etwa die Getrennt- und Zusammenschreibung immer noch strittig waren, gab es im Jahr 2006 noch einige Korrekturen der Reform.


(zuletzt geändert am 15.10.2011)

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