Goethes "Italienische Reise", schrieb Herbert von Einem, "ist kein Reisebuch, kein Führer, dem
sich ... der Italienreisende anvertrauen soll. Sie ist Selbstdarstellung,
ein Stück seiner Autobiographie". - Und doch haben sich, bis heute,
Generationen von Italienreisenden aus Deutschland und aus anderen Ländern
diesem Werk anvertraut, weil sie über die Auseinandersetzung mit ihm ein
Bild, "ihr" Bild, von der Geographie, der Bevölkerung, den
Sitten, vor allem der Kunst Italiens zu gewinnen hofften und tatsächlich
auch gewonnen haben.
Zwischen Goethes Reise und uns liegen beinahe 200 Jahre. Viele Kunstwerke,
die Goethe sah, stehen heute an einem anderen Ort, haben andere Namen,
werden anderen Künstlern zugeschrieben oder anders gedeutet. ~
Zu J.W.G.: Johann Wolfgang von
Goethe (1749-1832) verbrachte seine Jugend in Frankfurt, zog in seiner
Studienzeit nach Leipzig und Straßburg und arbeitete ab 1771 als Anwalt
wieder in seiner Heimatstadt Frankfurt. 1775 wurde er an den Hof von
Weimar berufen, wo er (mit Unterbrechungen wie der Italienischen Reise)
bis zu seinem Tod blieb.