Begegnungen
von Horizont zu Horizont

Eine Wanderung
von Franz M. Rinner
Begegnungen, alltägliche Begegnungen der zufälligen Art, der geplanten Art, Begegnungen, die einen Zweck erfüllen, Begegnungen, die keinen Zweck erfüllen, Neugierde, Sehnsucht, Habsucht, Langeweile - Begegnungen als zwischenmenschliches Prinzip, Zweck orientiert oder zufällig.  
     
  Nahezu täglich suchen wir unseren persönlichen Horizont ab, wir schauen an die Grenzen, wir werden gefordert über unsere eigenen Grenzen zu blicken, zu sehen, was es noch zu erreichen gilt, und, ohne es zu bemerken, dehnen wir unseren Horizont, erweitern wir unseren Blick, wir - wie es so schön heißt - wir entwickeln uns weiter. Die Gesellschaft entwickelt Anreize, und wir - als Teil dieser Gesellschaft - nehmen diese Anreize wahr, versuchen eben nicht nur, Ziele vorzugeben, sondern auch zu erreichen.

Wohin auch immer, die Gesellschaft unterliegt einem Fluss der Weiterentwicklung, wohl von Anfang an, wir unterliegen einer permanenten kollektiven Sehnsucht nach Verbesserung der menschlichen Umstände, wir sanieren, wir proklamieren, wir verändern sogar Identitäten, um ein Ziel zu erreichen - die Gesellschaft will ein kollektives Europa, zum Beispiel, und auf dem Weg dorthin tauschen wir sogar unsere geographische Währungseinheit gegen eine gemeinsame Währungseinheit um, nur, um diesem großen Ziel näher zu kommen. Die Horizonte lösen sich auf, neue werden gebildet, die Horizonte werden ausgedehnt, jeder zieht in seine Richtung, andere werden in eine Richtung gezogen. Jedoch, wir begegnen einander, und profitieren von den unterschiedlichen Erfahrungshorizonten.

     
  Wir erleben hier und heute auch eine eigenartige Gleichzeitigkeit - das, was wir hier in der Volksbank erleben, wird auch auf Internet weltweit nachzuvollziehen sein, das Internet - wir haben es auch kürzlich erleben müssen - hebt die geographischen Grenzen auf, wir erleben weltweit eine bedrohliche Gleichzeitigkeit, allerdings auch eine Gleichzeitigkeit von Raum und Zeit, die Grenzen werden verwischt, alles ist gleichzeitig in der Realität möglich, und gleichzeitig ist alles auch in der unendlichen Welt des Internets möglich, wir spiegeln heute die Wirklichkeit mehrfach wieder, indem wir Bilder präsentieren, die uns den Horizont zeigen, indem wir auch den Horizont ausdehnen über die Grenzen dieses Hauses hinaus, wir zeigen diese Bildhorizonte weltweit, wir heben den Horizont auf, die Himmelsrichtungen verlieren zunehmend an Bedeutung.  
     
  Die Horizonte bleiben uns nur noch als geographisches Phänomen, sie sind nach wie vor spannend für künstlerische Interpretationen - die wirtschaftlichen Horizonte haben sich im Nebel der letzten Jahrzehnte aufgelöst.

Ja, die Himmelsrichtungen werden durch das Internet aufgelöst, die geographischen Horizonte funktionieren im Internet nicht mehr, alles ist gleichzeitig und dennoch ununterbrochen erreichbar, alleine die Reihenfolge entscheidet, die Hierarchie der Zeit. Die Horizonte haben ihre Bedeutung verloren, die virtuelle Technik hat zwar die Himmelsrichtungen nicht verändert, sie hat jedoch ihre Bedeutung verändert.

 
     
  Heute lernen wir neue Arten von Begegnungen kennen, denn, ohne einander zu kennen, können wir weit über die Horizonte hinaus miteinander kommunizieren, das Wort "Grenzbereiche" hat eine neue Bedeutung erfahren, Telefon, Printmedien, die täglichen Mails - wir können einander gleichzeitig auf verschiedene Ebenen begegnen.

Wir erleben virtuelle Begegnungen, wir erleben sog. reale Begegnungen, wir erlernen die verschiedensten Arten von Begegnungen, und wir lernen auch, mit dieser neuen Gleichzeitigkeit umzugehen.

 
     
  Das Geld, die Marktwirtschaft nährt unsere Lebensintentionen, die Kommunikation erweitert unseren persönlichen Horizont, jede Art von Begegnung stellt eine Form der Bereicherung dar - so können wir einander eben im virtuellen Raum begegnen, sei es, um Geschäfte miteinander abzuwickeln - wie zum Beispiel hier im Hause - oder einfach um miteinander zu reden, Informationen auszutauschen.

Wir leben am Beginn dieses neuen Jahrtausends mit neuen Horizonten, wir leben mit den neuen Formen der Kommunikation, wir müssen vielleicht nur noch lernen, einander glaubwürdiger zuzuhören.