Aus meiner Literatur-Werkstatt

von  Franz M. Rinner
über Franz M. Rinner
Zuerst schreibe ich eine Idee in ein Notizheft, meist unterwegs, am liebsten allerdings in einem Kaffeehaus, dann übertrage ich diese Notizen mit Kugelschreiber in ein besonderes Notizheft, von dem ich weiß, dass darin nur die "auserwählten", die "besseren" Gedanken eingetragen werden, meist ein Ringbuchheft, zuletzt setze ich mich vor meinen Schreib-Computer und beginne mit der eigentlichen Arbeit; am liebsten sitze ich vor dem Computer, wenn rundum der Schreibtisch zusammengeräumt ist, als könnte mich nichts mehr von meinen Gedanken ablenken.
  Gerne trinke ich während der Arbeit Tee, wenn es möglich ist, Grünen Tee, höre im Hintergrund orientalische Musik und lasse den Fernseher gegenüber ohne Ton laufen, die stummen vorbeiziehenden Bilder vermitteln mir den Eindruck, nicht alleine zu sein. Zudem steht auf meinem Schreibtisch immer ein Glas mit Kalk-Muscheln, eine Anregung, die mich immer wieder an das Meer und seine Unendlichkeit erinnert, ein Bild, das für mich in grobem Gegensatz zu meiner Endlichkeit steht.
     
  Warum ich schreibe?  
  Vielleicht ist Schreiben die Herausforderung, Lebensbilder zu ordnen, vielleicht sehe ich im Schreiben aber auch eine Möglichkeit, Kreativität auszuleben. Vielleicht will ich nur Geschichten erzählen, um zu überleben. Vielleicht. (Schreiben gehört zu meinem Leben). Täglich. Vielleicht.

Vielleicht aber glaube ich auch nur, etwas mitteilen zu müssen. Zudem meine ich, dass meine Mitteilungen lesenswert sind.

 
     
  Vielleicht oder: ein Versuch über mich!  
  Franz M. Rinner über sich im Frühling 2003

Ich höre gern orientalische Musik, bin oft am Semmering und viel zu selten auf Korfu, esse kein Grießkoch, möchte einmal für einen Monat quer durch China reisen, ich bin schon oft in Triest gewesen, wo ich jedes Mal mit der Straßenbahn in den Karst hinauf fahre, sehe mich eher als Nachtmenschen - "je später, desto Rinner" - , trage im linken Ohrläppchen seit unserem fünften Hochzeitstag ein goldenes Flinserl, arbeite (gern, was man mir vielleicht nicht glauben wird) als Bibliothekar an der Niederösterreichischen Landesbibliothek in Sankt Pölten, trinke lieber Bier als Wein, höre gern langen Lebensgeschichten zu, esse gern chinesische und japanische Speisen, verfolge mit einer gesunden Leidenschaft gute Fußballmatches im TV (Brasilien-Fan), ich liebe Istanbul und habe schon den Nil bereist, ich bin verheiratet, meine Frau heißt Ilse, lese gern und viel, bin auch gern im Kino, lebe in einem großen Freundeskreis, bezeichne mich als religiösen Kosmopoliten, spreche leidlich Englisch und ziemlich schlecht Französisch, sammle alle Filmprogramme jener Filme, die in österreichischen Kinos liefen (derzeit über 8000 Stück), unser Sohn heißt Philipp und sitzt eigentlich immer nur vor dem Computer, die Tochter Theresa spielt am liebsten mit ihrer schwarzen Katze, gehe gern einmal in der Woche schwimmen, bin Internet-Fan, sammle Bilder aus der Phase des Wiener Phantastischen Realismus- soweit ich es mir leisten kann, lebe bewusst in Mödling, bin in der Früh meist relativ wortkarg, bin versichert und verfüge über zwei Konten, sitze gern im Flugzeug, schreibe mit Bleistift und überarbeite meine Texte am Computer, wohne in einem Reihenhaus, schlafe - wenn möglich - leidenschaftlich gern zu Mittag (geht nicht immer), betrachte oft und oft den Sternenhimmel und ärgere mich immer wieder darüber, dass ich über das Weltall so wenig weiß, möchte unbedingt einmal in meinem Leben für einen Monat in Israel wohnen, hasse Schnee und vor allem Glatteis, wiege im Moment 65 Kilo, habe den Humor von meiner Mutter erhalten, bin eigentlich faul, lebe gern mein Leben, sammle CDs mit griechischer Musik, wollte ursprünglich entweder Lokomotiv-Führer werden, aber auch Reiseschriftsteller wär’s gewesen, wasche ungern Geschirr, habe überhaupt noch nie gebügelt, glaube schon lang nicht mehr, dass unser Leben einfach ist, bin fast ein Pedant im Zimmerzusammenräumen, fotografiere anspruchslos aber oft, betreibe dafür kaum Sport, bin ziemlich schlecht in meiner Gartenpflege, weiß noch immer viel zu wenig über klassische Musik - höre dennoch gerne Mozart, Mahler und Tschaikowsky, liebe Requiems, trage einen (mittlerweile) grauen Vollbart, bin relativ klein, dafür Brillenträger (Gleitsichtbrille), schreibe ungern in Versen, bin politisch meist auf der Seite der sozial Benachteiligten, der Minderheiten, derer, die vielleicht eine Stimme brauchen, weiß viel über Geschichte und wenig über Mathematik (außer vielleicht, dass Pythagoras auf Samos gelebt hat, bis man ihn von dort vertrieben), bin gern unter Freunden, aber auch gern allein, meine Kinder behaupten häufig, ich höre schlecht (vielleicht habe ich in meiner Jugend zu oft zu laut Musik gehört, The Doors, Beatles natürlich, und die Stones, und Jethro Tull, und Colosseum, und Procol Harum), ich betrachte gern die ewigen blauen Wellen des Meers, bin überhaupt leidenschaftlich gern am Meer, habe oft zu wenig Zeit für all meine Interessen, liege auch gern am Sonntag lange im Bett, gelte irgendwie dennoch als ausgeglichener Mensch, stehe lieber unter der Dusche als ich in der Badewanne sitze, ärgere mich über Intoleranz und Dummheit, suche nach meinem ultimativen Gedicht, bin mit meiner Arbeit nie wirklich zufrieden, möchte noch allerhand und viel schreiben, trage ungern Krawatten, dafür am rechten Unterarm meist einen Armreifen, ich empfinde Schreiben als eine der letzten Tätigkeiten, die Abenteuer beinhalten, habe keine Sehnsucht nach Scheinwelten, für mich ist das Schreiben eine spannende Angelegenheit, hasse Bienenstiche, schätze die anregende Ruhe sakraler Räume, vermeide Berge jeder Größe (ich war einmal in meinem Leben auf der Rax, am Schneeberg und in Masada - das genügt), besuche gern Museen und Ausstellungen, habe sich schon zuviel Pizza in meinem Leben gegessen, trinke nicht ungern Grünen Tee, nasche gern Erdäpfel-Chips, sitze viel zuwenig in Kaffeehäusern, fürchte mich vor Fahrten auf Sesselliften und in Seilbahnen, empfinde laute Menschen als unangenehm, vermeide strikt die Tätigkeit des Schuheinkaufens, bin ein Fan des italienischen und französischen Films, habe als Kind Briefmarken und Matchbox-Autos gesammelt, rieche gerne Weihrauch, das Meer und Benzin, bewundere Steven Spielberg, Franz Kafka und Egon Schiele, mein Lieblingsbuch, das ich bis jetzt herausgegeben habe: eine Anthologie über Triest, sammle versteinerte Muscheln und Erinnerungen, ich fühle mich als Nebenerwerbsschriftsteller, so wie es Nebenerwerbsbauern gibt, trage nie Nachthemden, sitze gern auf unserer Terrasse, mag rote Ribiseln, kenne mich bei Schwammerln nicht aus, schätze meine täglichen Rituale, hab' den Eindruck ein intensives Leben zu führen, in der letzten Zeit lern' ich sogar kochen, heiße Franz Mathias Rinner nach meinen beiden Großvätern, freu’ mich natürlich darüber, dass es mich gibt, schon seit vielen Jahren, am liebsten aber sitze ich in meinem Arbeitszimmer, umgeben von weißen Regalen, inmitten meiner Bücher und arbeite...
    Vielleicht ist Schreiben eine Herausforderung, um mir meine Lebensbilder zu ordnen, vielleicht sehe ich im Schreiben aber auch eine Möglichkeit, Kreativität auszuleben. Vielleicht will ich nur Geschichten erzählen, um zu überleben. Vielleicht. (Schreiben gehört zu meinem Leben). Täglich. Vielleicht.