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Im
folgenden findest du eine Hilfestellung für eine Viertelstunde vor dem
Allerheiligsten, welche dich zur Anbetung hinführen soll:
EINE VIERTELSTUNDE VOR DEM ALLERHEILIGSTEN
Es ist nicht nötig, viel zu wissen, um mir zu gefallen - es genügt, dass
du mich sehr liebst. Sprich hier also einfach mit mir, wie du mit deinem
engsten Freund sprechen würdest.
Musst du mich für jemanden um etwas bitten?
Nenne mir seinen Namen und sage mir dann, was du möchtest, dass ich für
ihn tun soll.
Erbitte viel - zögere nicht zu bitten.
Sprich zu mir auch einfach und aufrichtig von den Armen, die du trösten
willst, von den Kranken, die du leiden siehst, von den Verirrten, die du
sehnlichst auf den rechten Weg zurückwünschst.
Sag mir für alle wenigstens ein Wort.
Und für dich, brauchst du für dich nicht irgendeine
Gnade?
Mache mir, wenn du es möchtest, eine Art Liste mit allem, was du brauchst,
und komm, lies sie in meiner Gegenwart.
Sage mir offen, dass du vielleicht stolz, selbstsüchtig, unbeständig,
nachlässig bist ... und bitte mich dann, dir zu Hilfe zu kommen bei den
wenigen oder vielen Anstrengungen, die du machst, um davon loszukommen.
Schäme dich nicht! Es gibt viele Gerechte, viele Heilige im Himmel, die
genau die gleichen Fehler hatten. Aber sie baten demütig ... und nach und
nach sahen sie sich frei davon.
Und zögere auch nicht, um Gesundheit sowie einen glücklichen Ausgang deiner
Arbeiten, Geschäfte oder Studien zu bitten.
All das kann ich dir geben und gebe ich dir. Und ich wünsche, dass du mich
darum bittest, soweit es sich nicht gegen deine Heiligkeit richtet, sondern
sie begünstigt und unterstützt.
Was brauchst du gerade heute?
Was kann ich für dich tun?
Wenn du wüsstest, wie sehr ich wünsche, dir zu helfen!
Trägst du gerade einen Plan mit dir herum?
Erzähle ihn mir. Was beschäftigt dich? Was denkst du? Was wünschst du? Was
kann ich für deinen Bruder tun, was für deine Schwester, deine Freunde,
deine Familie, deine Vorgesetzten? Was möchtest du für sie tun?
Und was mich angeht: Hast du nicht den Wunsch, dass ich verherrlicht werde?
Möchtest du nicht deinen Freunden etwas Gutes tun können, die du vielleicht
sehr liebst, die aber vielleicht leben, ohne an mich zu denken?
Sage mir: Was weckt heute besonders deine Aufmerksamkeit? Was wünscht du
ganz sehnlich? Über welche Mittel verfügst du, um es zu erreichen?
Sage es mir, wenn dir ein Vorhaben schlecht gerät, und ich werde dir die
Gründe für den Misserfolg nennen. Möchtest du mich nicht für dich gewinnen?
Ich bin Herr über die Herzen, und mit sanfter Gewalt bringe ich sie dahin,
wo es mir gefällt, ohne ihre Freiheit zu beeinträchtigen.
Fühlst du dich vielleicht traurig oder schlecht
gelaunt?
Erzähle mir in allen Einzelheiten, was dich traurig macht.
Wer hat dich verletzt?
Wer hat deine Selbstliebe beleidigt?
Wer hat dich verachtet?
Teile mir alles mit, und bald wirst du soweit kommen, dass du mir sagst,
dass du nach meinem Beispiel alles verzeihst, alles vergisst. Als Lohn wirst
du meinen tröstenden Segen empfangen.
Hast du vielleicht Angst? Spürst du in deiner Seele jene unbestimmte
Schwermut, die zwar unberechtigt ist, aber trotzdem nicht aufhört, dir das
Herz zu zerreißen? Wirf dich meiner Vorsehung in die Arme! Ich bin bei dir,
an deiner Seite. Ich sehe alles, höre alles, und nicht einen Augenblick
lasse ich dich im Stich.
Spürst du Abneigung bei Menschen, die dich vorher gern mochten, die dich
jetzt vergessen haben, und sich von dir entfernen, ohne dass du ihnen dazu
den geringsten Anlass gegeben hast?
Bitte für sie, und ich werde sie an deine Seite zurückbringen, wenn sie
nicht zum Hindernis für deine Heiligung werden.
Und hast du mir nicht vielleicht irgendeine Freude
mitzuteilen?
Warum lässt du mich nicht daran teilnehmen, da ich doch dein Freund bin?
Erzähle mir, was seit dem letzten Besuch bei mir dein Herz getröstet und zum
Lächeln gebracht hat. Vielleicht hat du angenehme Überraschungen erlebt;
vielleicht hast du glückliche Nachrichten erhalten, einen Brief, ein Zeichen
der Zuneigung; vielleicht hast du eine Schwierigkeit überwunden, bist aus
einer ausweglosen Lage herausgekommen.
Das alles ist mein Werk.
Du sollst mir einfach sagen:
Danke, mein Vater.
Willst du mir nichts versprechen?
Ich lese in der Tiefe deines Herzens. Menschen kann man leicht täuschen,
Gott aber nicht.
Sprich also ganz aufrichtig zu mir. Bist du fest entschlossen, dich jeder
Gelegenheit zur Sünde nicht mehr auszusetzen, auf jenen Gegenstand zu
verzichten, der dir schadet, jenes Buch nicht mehr zu lesen, das deine
Vorstellungskraft gereizt hat, mit jenem Menschen nicht mehr zu verkehren,
der den Frieden deiner Seele verwirrt?
Wirst du zu jenem anderen Menschen wieder sanft, liebenswürdig und gefällig
sein, den du bis heute als Feind betrachtet hast, weil er sich gegen dich
verfehlte?
Nun gut, gehe wieder an deine gewohnte Beschäftigung zurück. Zu deiner
Arbeit, deiner Familie, deinem Studium.
Aber vergiss die Viertelstunde nicht, die wir beide hier verbracht haben.
Bewahre, soweit du kannst, Schweigen, Bescheidenheit, innere Sammlung, Liebe
zum Nächsten.
Liebe meine Mutter, die auch die deine ist.
Und komme wieder mit dem Herzen, das noch mehr von Liebe erfüllt, noch mehr
meinem Geist hingegeben ist.
Dann wirst du in meinem Herzen jeden Tag neue Liebe, neue Wohltaten, neue
Tröstungen finden.
Anmerkung: Der Text stammt aus dem vorigen Jahrhundert und wurde in
der Art der Fragestellungen beibehalten. Die zunächst ungewohnte Sprache
möge die Beterin / den Beter zur Anbetung hinführen.
Impressum:
Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Pastoralamt der Erzdiözese Wien, 1010
Wien, Stephansplatz 6.
Druck: „HEROLD“, 1032 Wien, Faradaygasse 6
Mit Druckerlaubnis des Erzbischöflichen Ordinariates Wien vom 23. November
1988, Zl. 3679/88,
Generalvikar Rudolf Trpin. |