Impulstext: Der Evangelist Lukas

  Mit dem Advent beginnt das sog. „Lukasjahr“. Das heißt, dass an den Sonntagen im kommenden Kirchenjahr schwerpunktmäßig das Evangelium aus dem Lukasevangelium vorgelesen wird. Das Lukasevangelium ist aber auch besonders für die Weihnachtszeit bedeutend wegen der Kindheitsgeschichte Jesu.
Daher einige Gedanken zu dieser biblischen Person.

Die geschichtliche Person des Lukas tritt fast völlig hinter seine Schriften, nämlich das dritte Evangelium (= Lukasevg.) und die Apostelgeschichte zurück. Deshalb können wir nur mittels konkreter Texte etwas von der realen Person des Lukas erfahren.
Lukas entstammte der Tradition nach einer angesehenen Familie in Antiochia, der Hauptstadt Syriens und war, wie es der Kolosserbrief 4,14 angibt, von Beruf Arzt.
Er war Heide und soll um das Jahr 43 zum Christentum gefunden haben.
Die Apostelgeschichte berichtet davon: „Einige (der Jünger) verkündeten nach ihrer Ankunft in Antiochien auch den Heiden die Frohbotschaft vom Herrn Jesus. Die Hand des Herrn war mit ihnen und eine beträchtliche Anzahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.“ – Apg. 2,20.
Barnabas und Paulus scheinen ihm Lehrer und Führer gewesen zu sein. Seither war Lukas der ständige Begleiter des Apostel Paulus, was wir wiederum aus der Apostelgeschichte erfahren. Lukas reiste mit Paulus von Troas nach Philippi, war mit ihm zusammen in Jerusalem und blieb an seiner Seite auch in Rom, als Paulus dort in Gefangenschaft geriet.
Im zweiten Brief an Timotheus, der zumindest dem Apostel Paulus in den Mund gelegt wird (eher hat ihn in seiner Autorität ein Apostelschüler geschrieben), wird bezeugt, dass er bis zum bitteren Ende bei seinem verehrten Meister ausharrte: „Demas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen und ist nach Thessalonich gegangen, Kreszenz ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Nur Lukas ist noch bei mir.“ (2 Tim 4,11).
Alten Quellen zufolge hat Lukas nach dem Martyrium des Hl. Paulus in Kleinasien und Achaia gelebt. Als Bischof von Theben soll er um das Jahr 63 im Alter von 84 Jahren gestorben sein, nach anderen zu Patras den Märtyrertod erlitten haben.
Die Reliquien des Hl. Lukas wurden im Jahr 357 aus Theben in Boötien nach Konstantinopel gebracht, wo man sie in der Apostelkirche beisetzte; Reliquien liegen auch in Padua.

Lukas schreibt selbst über den näheren Beweggrund, sein Evangelium zu schreiben: „Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat..... Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, verehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuversicht der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen worden bist.“ (Vgl. Lk 1,1-4)

„Theophilus“ – wer das war, darüber gibt es verschiedene Angaben.
1. Theophilus = übersetzt Gottlieb, ist sonst ein nicht bekannter Christ und sein Name vielleicht symbolisch gemeint für jeden Leser, der sich angesprochen fühlt.
2. Theophilus- ein bei Juden und Griechen beliebter Name. Sehr wahrscheinlich aber handelt es sich um einen reichen Mann, der für Anerkennung und Verbreitung des Buches sorgen konnte.

Weil Lukas kein Jünger Jesu und darum auch kein Augen- und Ohrenzeuge der Taten und Reden Jesu war, die er in seinem Evangelium darstellt, war er auf Berichte anderer angewiesen. Von allen Seiten holte sich Lukas den Stoff zu einem wahrhaft getreuen, unbedingt zuverlässigen Bericht über Jesu Leben und Lehre. Er erforschte die Quellen, horchte Augen- und Ohrenzeugen aus, und ließ sich wahrscheinlich von der Mutter Jesu, die er vielleicht selbst gekannt hat, erzählen und benutzte vor allem das bereits vorhandene Evangelium von Markus sowie die sog. „Logienquelle“ (Q), eine Sammlung von Jesus-Worten (Logien), die im Matthäus- und Lukasevangelium überliefert sind. Mit seinem Evangelium will er allen, die der Christengemeinschaft durch die Mission zuwachsen, eine zuverlässige Quelle für ihren Glauben geben. Die griechische Bildung leuchtet aus seiner edlen Sprache. Was den Zeitpunkt der Abfassung sowohl für das Evangelium als auch für die Apostelgeschichte betrifft, dürfte es der Zeitraum zwischen 80 – 90 nach Christus (in Kleinasien oder Griechenland) gewesen sein.

Worauf legt Lukas in seinem Evangelium besonderen Wert?
Seine Adressaten sind Heidenchristen. Es geht ihm darum, die erbarmende Güte Jesu hervorzuheben; Jesus, der die Liebe Gottes gerade zu den Menschen am Rande widerspiegelt. Sein Leitgedanke liegt in dem Satz beschlossen:
„ Der Menschensohn ist gekommen zu suchen und zu retten, was verloren war.“
Lukas schildert Jesus immer wieder als Heiland der Elenden und Verachteten, der Armen und der Sünder und auch der Frauen. Wer als Christ leben will, kann im Blick auf das Leben Jesu nicht von der Not wegschauen,
Außerdem zeichnet Lukas Jesus als den Sünderheiland, der es als seine Sendung erklärt, das Verlorene zu suchen und zu retten, der einer Sünderin Vergebung gewährt, bei dem Sünder Zachäus einkehren „muss,“ dem reuigen Verbrecher das Paradies verheißt und sterbend für seine Feinde betet; der in drei Gleichnissen die Freude im Himmel über die Umkehr des Sünders beschreibt (Kap. 15), und im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner den reuigen Sünder über den selbstgerechten Pharisäer stellt.
Für Lukas spielt die Wiederkunft Jesu, die Frage nach dem Ende der Welt kaum mehr eine Rolle im Unterschied zu Markus. Wichtiger als die Frage nach dem „Wann“ ist der Hinweis, dass das Reich Gottes bereits mitten unter uns ist; dass JETZT die Zeit ist, in der die Jünger Zeugnis geben, mit den ihnen anvertrauten Talenten wuchern dürfen. Für Lukas bedeutet die Welt Missionsfeld und Missionsauftrag der Kirche.

Sein Evangelium bringt außerdem die meisten Nachrichten aus dem Leben Marias. So kam es, dass man im Mittelalter Lukas als „Kaplan der lieben Gottesmutter“ bezeichnete. Hierin liegt wohl auch der Grund für die Legende, er sei der „Maler“ des ersten Marienbildes gewesen. So wird ihm z. B. das uralte Gnadenbild „Salus populi Romani“in Santa Maria Maggiore in Rom zugeschrieben. Unter einer funkelnden Krone blickt auf dieser Ikone das dunkle Antlitz der Madonna auf uns nieder, aus seinen gelassenen Zügen senkt sich auf die Betrübten Trost, auf die Kranken Heilung, auf die Zweifelnden Weisheit herab. Die Hoheit ihrer Gestalt zeigt uns den Umriss des elfenbeinernen Turmes, und ihre Augen strahlen geheimnisvoll wie die Pforten des goldenen Hauses. „Salus“ – so nennt man die Madonna, das „Heil“ des römischen Volkes, und in diesem Wort ist nicht nur die Rettung der Seelen, sondern auch die Gesundheit des Leibes verstanden. Auch hier scheint die Verbindung zu Lukas als dem Patron der Ärzte wie der Künstler gegeben.
Mit Worten hat er sie jedenfalls so innig und eindrucksvoll wiedergegeben, dass keine Palette imstande gewesen wäre, ihr schönere Farben mitzuteilen.

Im Anschluss an das Evangelium verfasste Lukas ein zweites, ungemein fesselndes Buch: die Apostelgeschichte. Man konnte sie sogar als Fortsetzung seines Evangeliums bezeichnen. Denn Lukas berichtet in seinem Evangelium nur vom Leben Jesu und beendet es mit der Himmelfahrt Christi. Dann aber beginnt er das Leben der Apostel bis zum Todes des Hl. Paulus in seiner zweiten Erzählung zu schildern. Niemand war zur Abfassung dieses Buches berufener als Lukas, der ja als Begleiter von Paulus die meisten der erzählten Begebenheiten aus eigenem Erleben kannte.

Schreibend, am Pult sitzend, eine Buchrolle und sein Symbol, den Stier, neben sich: so wird der Evangelist Lukas seit dem Mittelalter dargestellt. Später auch mit einem Muttergottesbild in der Hand oder vor sich auf einer Staffelei.
Der Stier erinnert (wie auch die Symbole der anderen drei Evangelisten) an eines der „Vier mächtigen Wesen der Apokalypse“. Er wird Lukas zugeschrieben, weil sein Evangelium mit Zacharias, einem Priester des Alten Bundes im Tempel beginnt, wo ja Tiere geopfert wurden.

Der Hl. Lukas ist der Patron von Bologna, Padua und Reutlingen, sodann der Ärzte, Chirurgen, Kranken, Künstler, Goldschmiede, Glasmaler, Bildhauer, Sticker, Buchbinder, Notare und Metzger; der christlichen Kunst, des Viehs und des Wetters. Sein Fest wird am 18. Oktober gefeiert – Bauernregel: „St. Lukas mild und warm/ Winterskält‘ dass Gott erbarm.

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