Geschichte der Blasmusik
in Oberwart

Im Jahre 1891 wurde unter Feuerwehrkommandant Friedrich Koczor die Feuerwehrmusik Oberwart gegründet. Am 28. und 29. Juni 1896 (siehe Faksimilie) spielte diese Feuerwehrmusik Oberwart an der Spitze einer Marschformation anlässlich des 25jährigen Bestehens der Feuerwehr in Pinkafeld. Um die Jahrhundertwende bis Ende des 1. Weltkrieges führte die Feuerwehrmusik eher ein Scheindasein und bestand nur auf dem Papier. Klarinette gespielt wurde jedenfalls in der Tanzkapelle Pongratz im Jahre 1902.

1924, unter Kommandant Johann Wehofer, wurde das Interesse für eine Musikkapelle wieder geweckt. Kanzleidirektor Georg Dulzer erteilte den Musikern theoretischen Unterricht, der Musiker Eberhardt aus Jabing sorgte für den praktischen Unterricht.

Ab 1925 wurde wieder in voller Stärke musiziert. (siehe Bild vom 15. April 1925).

Da es aus den 30iger und 40iger Jahren keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, kann man sich nur auf Zeitzeugen verlassen, die davon berichten, dass es zu jener Zeit mindestens drei Tanzkapellen (vornehmlich mit Streichinstrumenten) gab, sowie eine Blaskapelle der Roma und den evangelischen Kantor und Lehrer Mühl, der auch Unterricht für Blasinstrumente gab.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es 1948 mit 4 Musikern ( Hans Obojkovits - Trompete, Ludwig Obojkovits - Trompete, Anton Pirnar - Waldhorn und Ernst Kappel - F-Baß) das erste Turmblasen zu Weihnachten. Der Familie Dr. Prosenc ist sowohl die Initiative als auch die Durchführung der Gründung einer Blasmusik nach dem 2. Weltkrieg in Oberwart zu verdanken. Im Jahre 1951 wurde die Stadtkapelle mit 11 Musikern gegründet. Erster offizieller Auftritt war wieder das Turmblasen zu Weihnachten. Da kein Geld für Uniformen vorhanden war, wurden zuerst nur Kappen angeschafft. Die 1. komplette Uniform wurde 1954 im Genossenschaftssaal (heutiges OHO) bei einem Konzert vorgestellt. Gründungskapellmeister war Johann Kappel, welcher zu seiner silbernen Hochzeit von den Musikern einen prachtvollen Taktstock geschenkt bekam, der ihn bei jedem Konzert bis zu seinem tragischen Tod im Jahre 1960 begleitete. Die öffentlichen Auftritte bestanden in der Gründerzeit in Teilnahmen an Prozessionen, Begräbnissen, Versammlungen, Turmblasen und Marschmusik. Gleichzeitig wurde auch die Tanzkapelle Oberwart, die aus Vereinsmusikern bestand, gegründet. 

Nach dem Tod des Gründungskapellmeisters stand die Kapelle führungslos da. Die Proben wurden interimsmäßig von Kapellmeister Hans Gutleben, dem damaligen Leiter der Tauchener Knappenkapelle geleitet. Unterstützt wurde er von Hans Baldauf, damals Professor an der Hochschule für Musik in Graz.

Der spätere langjährige Obmann OSR Hans Ochsenhofer, der 1956 den Evangelischen Posaunenchor gegründet hatte, ergriff 1961 die Initiative und überzeugte den damaligen Leiter der Musikschule Oberwart, Dir. Karl Messner, gemeinsam mit ihm die musikalische Leitung der Kapelle zu übernehmen. So wurde Karl Messner der neue Kapellmeister und Hans Ochsenhofer sein Stellvertreter. Dieses Führungsduo sollte die Stadtkapelle in den folgenden Jahren zu ungeahnten Erfolgen und großer Popularität führen. War es bei Johann Kappel die Disziplin, die bestach, so war es unter Prof. Karl Messner die Musikalität. Beim Konzert im Oberwarter Parkkino am 12.05.1963 setzte Karl Messner mit der Uraufführung seiner „Fröhlichen Stadtmusikanten“ den Grundstein zum Ruf, einer der bekanntesten Komponisten des Burgenlandes zu sein. Seine Berufung als Landeskapellmeister des Burgenlandes und die Ernennung zum „Professor“ beschreiben ohne viele Worte seinen exzellenten Werdegang.

Am 29.3. 1963 wurde die Stadtkapelle Oberwart als ordentlicher Verein gegründet. 

1965 wurde die 2. neue Uniform (Tracht) angeschafft, die bis 1991 getragen wurde.

Mit dem Beginn der Wertungsspiele im Burgenland im Jahre 1966, wurde einerseits die musikalische Qualität enorm gesteigert, andererseits schuf sich die Stadtkapelle durch ihre ausgezeichneten Ergebnisse im Lauf der folgenden Jahre gleichzeitig national als auch international einen klingenden Namen. Die ersten Auslandsreisen nach Meran (1972), Liechtenstein (1973 + 1974), nach Gersthofen (1975), nach Kischinow (1976) und nach Leverkusen (1978) zeugen davon.

Der Bassist Hans Baldauf übernahm 1977 nach 1½ Jahrzehnten von OSR Hans Ochsenhofer die Obmannschaft. 1979 wurde Ing. Josef Tschögl neuer Obmann. Er war rückblickend der einzige Obmann, der nicht aus der Kapelle stammte. Ab 1980 übernahm Kapellmeister Gerhard Imre die musikalischen Geschicke des Musikvereines und löste damit Prof. Karl Messner nach knapp 2 Jahrzehnten ab. Eine weitere Qualitätssteigerung wurde durch die zusätzliche Ausbildung von zahlreichen Jungmusikern erreicht. Der 1. Oberwarter Martiniball (10.11.1979) im Kontaktzentrum und das 1. Martinikonzert (09.11.80) in der Aula der Hauptschule fallen in diese Zeit. Nicht zu vergessen die Parkfeste von 1974 bis 1979 im Stadtpark, sowie die Sommerfeste von 1980 bis 1984 am Badplatz. Die internationalen Reisen nach Canada (1981), nach Dijon (Frankreich) und Ungarn (1983) bleiben wohl immer mit dem Namen Kapellmeister Gerhard Imre und dem Obmann Erich Gamauf verbunden, welcher von 1981 bis April 1983 als langjährige exzellenter Baritonist dem Musikverein vorstand. Im diesem Jahr schieden er und auch Kapellmeister Gerhard Imre aus dem Verein aus. Dem damaligen Obmannstellvertreter und Hornisten Werner Gangoly gelang es in einer – wohl in jedem Verein vorkommenden stürmischen Zeit – die Wogen zu glätten. Im Nachhinein betrachtet, hat der heute noch immer als Hornist tätige Dr. Werner Gangoly wohl die Weichen für eine gelungene Zukunft gestellt.

Zur Jahreswende 1983/1984 wurde mit Josef Baumgartner der 6. Kapellmeister der Stadtkapelle gewählt. Er wurde im Jahre 1984 vom Flügelhornisten Josef Polster als Obmann unterstützt. Im Jahre 1985 wurde dann mit dem Trompeter Kurt Kuch ein Obmann gewählt, der die Geschicke des Vereines über ein Jahrzehnt lenkte. Von 1985 bis 1989 wurde die finanzielle Basis des Musikvereines mit der Abhaltung der "agromot" (Frühjahrsmesse) gelegt. Gleichzeitig wurde 1985/86 mit dem Bau eines neuen Probelokales begonnen, welches mit einem Kostenaufwand von über einer Million Schilling aus Eigenmittel des Vereines errichtet und am 31.12.1986 mit der ersten Probe in Betrieb genommen wurde. Am 12.4.1987 folgte die feierliche Eröffnung in Anwesenheit von Landeshauptmann Theodor Kery und Ehrenobmann Bürgermeister Reg.Rat Michael Racz, dem die Stadtkapelle – sowie dem Gemeinderat von Oberwart – wohl immer in Dankbarkeit verbunden bleiben wird. 

Mit dem Blasmusikfestival International im Jahre 1986 wurden die internationalen Beziehungen des Musikvereines weiter vorangetrieben. Die Reisen nach Gersthofen (1985), nach Langweid (1986) und die 14tägige Konzertreise nach Deutschland, Holland und Frankreich (1988) zeigen dies deutlich. Doch auch in Oberwart gastierten internationale Gastkapellen: 1984 die Philharmonie Dimmeringen (F), 1985 die Musique Municipale de Chenove (F) und die Blaskapelle aus Nantes/St.Clair (F). Die Zahl der Musikerinnen und Musiker stieg weit über 50, das musikalische Niveau wurde weiter gesteigert.  1987 und 1988, während seines Abschlusses des Klarinettenstudiums von Musikschuldirektor Josef Baumgartner, leitete Kapellmeister Heinz Taschek die Kapelle, der durch seine ruhige Art und konsequente Arbeit überzeugte.

So konnte die Stadtkapelle im Jahre 1990 beim 1. Österreichischen Blasmusikwettbewerb in Feldkirchen mit der höchsten Wertung bestehen. Sicherlich ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Beim 40jährigen Vereinsjubiläum 1991 war der Weg vorgezeichnet. Unter der umsichten Organisation von Obmann Kurt Kuch wurde das Europäische Blasmusikfestival mit Vereinen aus halb Europa abgehalten. Unvergessen bleibt wohl die Serenade vor dem Oberwarter Rathaus, bei dem über 400 MusikerInnen gleichzeitig ein Gemeinschaftskonzert darboten. 1992 reiste der Verein nach Crostwitz (BRD), 1993 nach Kolin (CZ) zum 31. Kmochuv, sowie nach Bautzen (BRD) zu einem Blasmusikfestival. 1994 vertrat die Stadtkapelle das Burgenland beim 7. Oberösterreichischen Landesmusikfest in Wels. Im Jahre 1995 wurde mit dem Klarinettisten Dr. Wilfried Szabo ein neuer Obmann gewählt. Im gleichen Jahr ging es wieder nach Gersthofen (BRD), zu unseren wohl langjährigsten Freunden, den Schwäbischen Bläserbuben.

1996 und 1997 übernahm der Saxophonist Gerd Gabriel die Obmannschaft. Die Reise nach den USA (1996) war ohne Zweifel ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.

1998 wurde mit dem Posaunisten Harald Paukovits ein weiterer langjähriger Musiker als Obmann gewählt. Die vierte Reise nach Gersthofen (1998) wurde von ihm bravourös geleitet. Nach knapp 1½ Jahrzehnten einer überaus erfolgreichen Tätigkeit verabschiedete sich Mag. Josef Baumgartner als Kapellmeister. Er wurde am 3.5.98 Landeskapellmeisterstellvertreter und ist seit dem 2.4.2000 Landeskapellmeister des Burgenlandes. Ab 20.11. 1998 leitete der Militärmusiker Hans Miertl als 8. Kapellmeister in der Vereinsgeschichte mit Elan und Engagement die Stadtkapelle Oberwart.

Mit 6.1.99 wurde der langjährige Obmann Kurt Kuch zum Präsidenten der Stadtkapelle bestellt. Im Jahre 2000 durfte die Stadtkapelle wieder das Burgenland beim Steirischen Landesmusikfest vertreten.

Am 26.11.2000 trat der Flügelhornist Roland Poiger sein ehrenvolles Amt als Obmann des Musikvereines an. 6 Jahre lang leitete er die Geschicke des Vereins, zwei Großereignisse wollen hervorgehoben werden: Sowohl das 3. als auch das 4. Internationale Blasmusiktreffen fanden unter seiner Obmannschaft statt und legten Zeugnis sowohl von der musikalischen als auch von der organisatorischen Leistungsfähigkeit des Vereins und seiner Führung ab. Auch die erfolgreichen Konzertreisen nach Badgastein (2003) und nach Cividale (Italien - 2005) fallen in diesen Zeitraum. Die musikalische Leitung der Kapelle liegt seit 2002 (mit einer kurzen Unterbrechung ; für die Zeit von 2004 – 2006 stand Mag. Kurt Urbauer am Pult der Stadtkapelle Oberwart) in den Händen von Volker Weyse, MA. Gemeinsam mit dem im Juni 2006 gewählten Obmann Tillfried Schober steht somit wieder ein hochmotiviertes Team an der Spitze des Vereins. Musikalische Bestleistungen, Jugendarbeit und die Gemeinschaftspflege sind die Ziele, die sowohl vom Obmann als besonders auch vom musikalischen Leiter mit neuen Ideen, neuer Energie und besonderem Können angestrebt werden.

An dieser Stelle soll auf eine positive Rarität des Musikvereins hingewiesen werden: Alle ehemaligen Obmänner und auch drei ehemalige Kapellmeister gehören dem Verein auch nach ihrem Ausscheiden aus genannten Funktionen noch immer als Musiker an. Viele der Obmännerwechsel haben sich berufsbedingt ergeben. Und man sieht: es stimmt sowohl die Mischung der handelnden Personen als auch die vom Musikverein dargebrachte Musik. Nur so ist – nun schon bald im 60 Jahr der Vereinsgeschichte– die Treue der MusikerInnen zur Stadtkapelle Oberwart zu erklären.

Abgerundet wird das erfolgreiche Bild des Musikvereines auch durch die Tatsache, dass sich viele Funktionäre der Stadtkapelle Oberwart im Burgenländischen Blasmusikverband erfolgreich engagiert haben: Prof. Karl Messner als Landeskapellmeister von 1968 bis 1989, OSR Hans Ochsenhofer als Bezirksobmann von 1978 bis 1983, Gerhard Imre als Landeskapellmeisterstellvertreter, als Landesschriftführer, als Landesstabführer und als Bundespressereferent des Österreichischen Blasmusikverbandes seit 1996, Kurt Kuch als Bezirksobmann von 1988 bis 1995, Hans Miertl als Bezirksjugendreferent von 1995 bis 2001 und  Volker Weyse als Landesjugendreferent von 1995 bis 2000; weiters Dir. Mag. Josef Baumgartner als Landeskapellmeisterstellvertreter seit 3.5.1998 und als Landeskapellmeister seit 2.4.2000. An dieser Stelle muss unbedingt auch erwähnt werden, dass Hans Miertl seit 1.4.2003 derzeit als Obst.Lt. Militärkapellmeister der Militärmusik des Burgenlandes ist.

Das also ist die Vereinsgeschichte des MV Stadtkapelle Oberwart. Fast 60 Jahre bewegtes Auf und Ab; immer wieder Höhen, manchmal auch ein paar Tiefen. Getragen in all den Jahre durch den unermüdlichen Einsatz aller ehemaligen und aktiven Musikerinnen und Musiker, durch einen Vorstand, die Obmänner und Kapellmeister, die alle gemeinsam immer nur ein Ziel vor Augen gehabt haben müssen: Musik und Gemeinschaft – für das Land, für die Stadt und natürlich für die Stadtkapelle Oberwart selbst.

 

P.S.: Jede Vereinsgeschichte birgt – auch nach sorgfältigsten Recherchen – eine nicht zu verhindernde Fehlerquote in sich. Sollten Sie aufklärende Einzelheiten oder fehlende Tatsachen zur Vereingeschichte der Blasmusik in Oberwart beisteuern können, so teilen Sie uns das bitte mit. Wir werden dies in unserer internen Chronik für kommende Generationen gerne festhalten.