Begegnung mit Völkern, Kirchen und Klöstern auf dem Balkan

Große Balkanrundreise des RPI-St.Pölten 2004

Das RPI St. Pölten veranstaltete heuer im August unter der Führung von DDr. Johann Kramer eine große Balkanreise. Die Reiseroute führte uns immer durch Grenzgebiete. Grenzen sind auch immer Berührungs- und Befruchtungszonen. Völker und Kulturen setzten und setzen sich friedlich und/oder kriegerisch mit einander auseinander. Unser Weg führte uns entlang der Schnittstellen zwischen Ostrom und Westrom. Diese Nahtstellen deckte sich später mit den Grenzen des osmanischen Reiches und dem deutsch-römischen Kaiserreich, der Habsburgischen Monarchie und dem Eisernen Vorhang. In jüngster Zeit zieht sich die EU-Außengrenze durch unser bereistes Gebiet. Wie einst Burgen, Wehrkirchen, befestigte Klosteranlagen, osmanische Befestigungsanlagen, Moscheen, Basare und türkische Bäder die Einflussnahme der einzelnen Machthaber anzeigten, so entstehen in jüngster Zeit OMV-Tankstellen, Raiffeisenbanken, McDonald und Billa neben türkischen Hotelketten, neue Moscheen in ehemals mehrheitlich orthodoxen Gebieten (z. B. Mazedonien) und neue orthodoxe Gotteshäuser in Gebieten Rumäniens, in denen vor einigen Jahrzehnten noch protestantische Wehrkirchen die besiedelte Landschaft prägten.

Dieses brodelnde, wogende, vielfarbig-schillernde Gemisch von Völkerschaften, Konfessionen, Wirtschaftssystemen, Sozialstrukturen war auf unserer Reise ständig in sehr augenscheinlicher und berührender Weise gegenwärtig. Tiefe Einblicke in die Problematik der Lebensführung, sei es nun die wirtschaftliche, soziale oder spirituelle, ermöglichten uns einige Begegnungen mit Führungspersönlichkeiten der orthodoxen Kirche Bulgariens und Gesprächen mit Mönchen und Nonnen in Rumänien.

Ein ganz besonderes Erlebnis war eine Audienz bei Metropolit Neofit von Dorostol und Červen in Russe. Er schilderte uns bei einer Audienz in der bischöflichen Residenz mit Agape die mühevolle Aufgabe, das orthodoxe Glaubensleben in die bulgarische Bevölkerung wieder hineinzutragen. Durch die lange, sehr straff geführte sozialistische Führung Todor Schivkovs, die 2 Generationen andauerte, sind orthodoxe Glaubenstraditionen in weiten Teilen der Bevölkerung in Vergessenheit geraten. Die Familien, die Keimzellen allen Glaubenslebens, sind sehr "säkularisiert". Die schwierige Wirtschaft- und Sozialsituation gepaart mit den Konsumverlockungen der westlichen Welt lenken die Aufmerksamkeit der Bulgaren nicht gerade auf die althergebrachte orthodoxe Kirche. In der Bischofskirche zur Hl. Dreifaltigkeit zeigte uns V. Minko die Ikonostase mit der neu vergoldete Zarenreihe von Zachari Zograf. Die Geldmittel kamen von einer großzügigen Spende des APW. Dies wird auch im "Летопис на катедралния храм "Св. Троица" гр. Русе" von Йеромонах Виктор Мутафов auf den Seiten 8 f. dankbar vermerkt.

Die Gespräche mit den Äbten in den Klöstern Rila, Bačkovo und im Felsenkloster Basarbovo, erhärteten die Erläuterungen des Bischofs. Der Abt des Rilaklosters, Ioan, zeichnete ein besonders düsteres Bild der spirituellen, sowie auch der materiellen Zukunft dieses einmaligen Klosters. Der Schutz der UNESCO, das Kloster zählt zum Kulturerbe der Menschheit, nützt nach den Ausführungen des Abtes nur sehr unzureichend vor Verfall und spirituellem Niedergang. Die Besitztümer des Klosters, die die materielle Grundlage des Klosters darstellen, sind nach der Wende bei weitem nicht wieder zurückerstattet worden. Wichtige Baumaßnahmen zum Erhalt der Bausubstanz (Hangrutschungen im Bereich des Nordtraktes) können daher nicht in Angriff genommen werden. Von staatlicher Seite gibt es nach der Wende so gut wie keine Zuwendungen. Mit den laufenden Betriebskosten ist das Kloster schon an seinen finanziellen Grenzen. Zur Zeit leben 5 Mönche in einem Kloster, das für mehr als 100 Mönche angelegt ist.

In den Moldauklöstern Rumäniens stellte sich uns das orthodoxe Glaubensleben um vieles lebendiger dar: im Kloster Agapia leben zur Zeit 350 Nonnen. Um das Kloster herum entwickelte sich eine Art Reihenhaussiedlung, die den Nonnen zusätzlichen Wohnraum bietet. Das Kloster selbst kann die vielen Nonnen nicht mehr fassen. Die Klöster sind nicht nur Touristenmagnete, viele Pilger nehmen regen Anteil an den Gottesdiensten, füllen Fürbittenzettel aus und holen sich geistlichen Rat bei den Priestern.

In Suceava (Rumänien), einer grenznahe Stadt zur Republik Moldawien, hatten zwei Mitreisende, DDr. Prenner und Frau Grabner, mit einem Vertreter einer moldawischen Hilfsorganisation ein Treffen arrangiert. Auf der Fahrt von den Klosterbesichtigungen zu unserem Hotel in Suceava erzählte uns DDr. Prenner von seinen Erlebnissen und Begegnungen in Moldawien und Transnistrien, über die unglaubliche Not und Hoffnungslosigkeit der dortigen Bevölkerung, eines der ärmsten Länder der Welt, fast vergessen vom Rest der Welt, im Schlagschatten der großen weltpolitischen Ereignisse. Eine spontane Sammelaktion in unserem Bus brachte € 600,-. Die Spende wurde dann beim Abendessen unserem Gast aus Moldawien überreicht. DDr. Prenner organisiert Spenden und unterstützt zur Zeit eine Suppenküche in Moldawien. DDr. Prenner ist für jede Unterstützung zur Linderung der Not in diesem nicht allzufernen Land dankbar. Kontaktadresse: DDr. Gottfried Prenner, Engleitenstr. 7, A-7423 Pinkafeld (Burgenland), Tel. (+43)03357 46263.
Letzter Höhepunkt unserer Reise war der Sonntagsgottesdienst in Máriapócs, einem griechisch-katholischen Wallfahrtsort in Ungarn. Das Original des Gnadenbildes der Wallfahrtskirche ist auf Geheiß Kaiser Leopolds von Österreich nach Wien in den Stefansdom gebracht worden, wo es sich noch heute befindet. Abends sind wir dann alle wohlbehalten in St. Pölten angekommen.

Reisebericht. Von Manfred Straberger.

Am Montag, 16. August 2004 um 04:45 Uhr startete Herr Ernst den Mitterbauer-Reisebus in Ruprechtshofen, die meisten Reiseteilnehmer – so auch wir – steigen erst um 05:30 in St. Pölten zu. Zu Beginn dieser großen Reise stimmt DDr. Johann Krammer die Reiseteilnehmer mit Gebeten und dem Lied "Lobet den Herren" ein. Über Wien – Nickelsdorf – Györ – Tata (Königsstadt, Esterhazy-Schloß, Festung, spätbarocke Heiligenkreuzkirche) – Budapest – Szeged – Subotica – Novi Sad geht es nach Belgrad. Zu Ehren des ersten Erzbischofs von Serbien und Gründer des Klosters Hilandar auf dem Hl. Berg Athos, des Heiligen Sava, wird neben einer alten Kirche, an der die Reliquien von Türken geschändet wurden, eine große neue Kathedrale gebaut.

Belgrad, St.-Sava-Kathedrale; Foto: Angela Straberger

Vorbild ist offensichtlich die Hagia Sophia in Konstantinopel.

Am Dienstag gehen wir in die Michaelskirche und zum Palast des Patriarchen, weiter zur Festung Kalimegdan mit der Säule des Siegesherolds am Zusammenfluss von Donau und Save. Ein schöner, klarer Sommermorgen. Der Bus parkt neben der österreichischen Botschaft, vor der viele Menschen Schlange stehen. "Strengstes Fotografierverbot" weist uns eine Polizistin an. Im Bus erklärt Johann Krammer in der Morgenbetrachtung, wem in der Ostkirche die Wochentage geweiht sind: Montag – der Tag der Engel; Dienstag – Johannes der Vorläufer; Mittwoch – Christus; Donnerstag – 12 Apostel und Hl. Nikolaus; Freitag – Leiden Christi; Samstag – Totengedenken; Sonntag – Auferstehung.
Weiter geht über Niš (< Naissos, Geburtsort und Sommerresidenz von Konstantin I.) nach Mazedonien, einem jungen Staat, dessen Name von Griechenland angefochten wird, sodass er offiziell FYROM genannt werden muss. 67 % der Mazedonier sind Slawen, der Rest Albaner, die mit großen Rechten ausgestattet sind. In Skopje fallen als erstes die vielen Moscheen auf, Kirchen durften in osmanischer Zeit die normale Höhe eines Hauses nicht überschreiten. Wir besuchen die Erlöserkirche (Fresken aus dem 16. Jh., Ikonostase aus Nussholz 18. Jh.) Einmal im Jahr findet hier ein Gottesdienst statt, sonst ist sie ein Museum.


Скопje: Св. Спас Скопje: Св. Спас

Скопje: Св. Спас

Spaziergang durch die Reste der Altstadt - bekanntlich wurde die Stadt 1963 großteils durch ein Erdbeben zerstört und mit großer internationaler Hilfe wieder aufgebaut. Skopje ist übrigens die Geburtsstadt Mutter Teresas, einer Mazedonierin albanischer Herkunft.
Die Mazedonisch-orthodoxe Kirche ist zur Zeit nicht kanonisch, sie strebt die Autokephalie an. Der Schlichtungs- und Namensvorschlag des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel "Erzbistum von Ohrid" scheiterte am Veto der Serb.-orthod. Kirche.

Am Mittwochmorgen besuchen wir die neue Kirche des Heiligen Kliment von Ohrid: Ein riesiger Kristallluster, eine Spende der Fa. Swarovsky Austria, wird gerade vom Kerzenruss gereinigt. Der Priester, der uns führt, verabschiedet uns mit dem Segenswunsch: "Möget ihr alle lebend nach Hause kommen!".

Skopje: Kliment v. Ochrid-Kirche Kliment v. Ochrid-Kirche, Ikonostas

Die Römische Brücke ist derzeit eingerüstet und daher nicht sehr fotogen.
Vom Kloster des Hl. Panteleimon in Nerezi haben wir einen wunderschönen Blick über Skopje. Das Kloster wurde 1280 gegründet, der Stifter ist Alexios Angelos Komnenos, Enkel des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos. In der Kirche können die Reliquien des Hl. Panteleimon verehrt werden.

Apostelkuss der Hll. Petrus & Andreas

Hl. Panteleimon Nerezi: Sv. Panteleimon

Über Tetovo – Gostivar – Kičevo geht es weiter zum Ohridsee. Erstes Ziel ist das Erzengel-Michael-Kloster des Hl. Naum von Ohrid (Sv. Naum Ohridski, 9. Jh.). Als Schüler von Kyrill und Method, später von Kliment, war er an der Gründung des Klosters beteiligt. Geschäftstüchtige "Taxifahrer" fahren uns in 3 Booten zum Kloster, das vom See aus einen wunderschönen Eindruck macht:

Ohrid: Sv. Naum Ohrid: Sv. Naum

Durch die verwinkelten Gassen der malerisch gelegenen Stadt Ohrid (= "die auf dem Felsen gelegene") steigen wir zur Wallfahrtskirche des Hl. Panteleimon hinauf. Hier werden auch die Reliquien des Hl. Kliment verehrt:

Ohrid: Sv. Panteleimon

Die Basis für diese Kirche bildete eine frühchristliche Basilika, von der u. a. noch schöne Mosaiken erhalten sind:

Ohrid: Basilika - Mosaik

Auf dem Rückweg statten wir der Muttergottes Perivleptos (Св. Богородица Перивлептос, Св. Климент) mit wunderschönen Fresken über das Leben Marias einen Besuch ab:

Ohrid: Sv. Bogorodica Perivleptos

Am Donnerstag, 19. August, wird nach dem Julianischen Kalender (6. August des alten Kalenders) in den Ostkirchen das Hochfest der Verklärung unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesus Christus gefeiert. Also feiern wir in der Georgskirche gemeinsam mit den orthodoxen Mazedoniern die Heilige Liturgie:

Ohrid: Sv. Georgij

Dann geht es weiter über Bitola – Prilep – Negotino – Udovo – Strumica – Petrič (bulgarische Grenze) zu den bizarren Sandsteinformationen bei Melnik zum Rožen-Kloster (Роженски манастир):

 

Rožen-Kloster: Geburt der Gottesgebärerin  Rožen-Kloster

Von hier ist es nicht mehr weit nach Sandanski (Thermal- und Luftkurort), wo wir im Hotel Sandanski (österreichisches Management) nächtigen, das über ein eigenes, von einer Heilquelle gespeistes Thermalschwimmbecken verfügt.

Am Freitag, 20., fahren wir, vom 1. Gebet aus der Matutin begleitet, zum Rila-Kloster und werden dort vom Igumen (im Rang eines Bischofs) Ivan herzlich empfangen:

Rila-Kloster Prof. DDr. Joh. Krammer, Ig. Ivan, M. Straberger

1962 wurden alle Mönche aus dem Kloster vertrieben. Sie konnten nur wenige Dinge ihrer persönlichen Habe mitnehmen, Reliquien und wichtige Dokumente mussten zurückgelassen werden. Das Kloster war zum Nationalmuseum erklärt worden, erst auf peinliche Fragen von Besuchern, wo denn die Mönche geblieben wären, wurden 2 – 3 Mönche als "Statisten" im Kloster verpflichtet. Seit der Wende sei es offiziell wieder Kirchenbesitz mit allen Rechten und Pflichten. Die Rückgabe der kirchlichen Güter funktioniere nur sehr schleppend. Die Mafia habe sich 1989 des Kirchenbesitzes bemächtigt. Offizielle Stellen seien zu schwach um die Rückgabe zu veranlassen. Das habe zur Folge, dass das Kloster finanziell in großen Schwierigkeiten sei. Der Mönchsnachwuchs sei sehr dürftig. Durch die langdauernde atheistische Zeit habe das religiöse Leben in den Familien, den Keimzellen der Berufungen, nahezu ausgelöscht. Die strenge orthodoxe monastische Lebensführung (z. B. nächtliche Gebete – 3 Uhr morgens aufstehen) finde bei den jungen Leuten wenig Gegenliebe.

Am Nachmittag treffen wir in der Hauptstadt Sofia ein und besuchen im Rahmen einer Stadtbesichtigung die St.-Nedelja-Kirche (Софийската катедрала "Св. Неделя"), Diözesankirche von Sofia) Sofia: St.-Nedelja-Kirche und die St. Petka-Kirche (Църква "Св. Петка Самарджийска).
Ganz in der Nähe kommen wir in die Georg-Rotunde (Ротонда "Св. Георги"):

Sofia: Georg-Rotunde Georg-Rotunde - Kuppel

Als nächstes gehen wir in die russisch-orthodoxe Kirche, die dem Hl. Nikolaus geweiht ist (Руска църква "Св. Николай"):

Hl. Nikolauskirche

Von hier geht es über einen Platz zur Sophienbasilika (Църква "Св. София"), in der ein besonders schöne Christusikone auffällt:

Christus-Ikone in der Sophienbasilika: Alexander-Nevski-Kathedrale

Wir sind auf dem Weg zur Alexander-Nevski-Kathedrale (Патриаршески катедрален ставропигиален храм-паметник "Св. Александър Невски"), die zu Gedenken an den russischen Zaren Alexander Nikolajevič errichtet wurde, der die Türken besiegte und somit den Bulgaren die Freiheit schenkte.

Am Samstag, 21. August, geht es über Asenovgrad zum Bačkovo-Kloster (Бачковски манастир "Успенуе Богородично") mit der wundertätigen Ikone der Gottesmutter mit 3 Händen. Der Abt lässt uns übringens bereitwillig einen Blick in die Vorratskammern des Klosters tun. Das Kloster hat ja auch viele Arbeiter, die verköstigt werden müssen.

Bačkovo-Kloster.Bačkovo-Kloster: Deckenfresko im Exonarthex des Katholikons: die guten und bösen Taten weden gewogen ... Vorratskammer des Bačkovo-Klosters

Auf dem Weg zum Refektorium begegnen wir einem Mönch: Mittags gibt es Huhn ... Foto: Angela Straberger
Der Sekretär des Abtes, ein Kunsthistoriker erklärt uns die Trapeza (Refektorium): Bačkovo-Kloster, Trapeza: Deckenfresko-Ausschnitt

Nächste Station ist Plovdiv, wo wir bei einem Rundgang durch die Altstadt u. a. die Sv. Nedelja-Kirche besuchen. Mehrere Hochzeiten begleiten uns mehr oder minder lautstark bis zum Abendessen, das teilweise mit bulgarischen Volkstänzen der Hochzeitsgäste "umrahmt" wird.

Plovdiv: Sv. Nedelja-Kirche Plovdiv, Altstadt: die Braut tanzt ...

Von Plovdiv fahren wir durch das Rosental nach Kazanlak, besichtigen das Thrakische Grabmal (Казанлъшка гробница) (UNESCO-Kulturerbe) und das Museum der Rosenherstellung (aus 3 t Rosenblüten wird 1 l Rosenöl gewonnen!), bevor es den Šipka-Pass hinaufgeht. Die Mittagsrast wird bei der Schipka-Gedächtniskirche eingelegt, die zu Ehren der beim Befreiungskrieg gefallenen russischen Soldaten errichtet wurde:

Šipka-Gedächtniskirche

Der einsetzende Regen lässt uns beim Besuch des Freilichtmuseums Etar vorerst ein wenig zögern, aber unsere Entschlossenheit wurde belohnt, zuletzt mit einem Kaffee, echt bulgarisch zubereitet:

Etar: Bulgarischer Kaffee, in heissem Sandbehälter erhitzt

Über Gabrovo fahren wir nach Veliko Tarnovo, die alte Hauptstadt am Fluss Jantra und erklimmen am Montag im Rahmen einer Stadtbesichtigung den Zarevec-Hügel:
 Veliko Tarnovo: Blick auf den Carevec-Hügel    Veliko Tarnovo: Blick vom Carevec-Hügel auf die Altstadt mit der Peter-und-Paul-Kirche
Auf einer sehr engen, für Autobusse eigentlich nicht vorgesehenen Straße fahren wir zum etwa 4 km entfernten Verklärungskloster (Преображенски манастир "Св. Преображение Господне") mit dem berühmten "Lebensrad" an der Außenwand der kleinen Kirche, die bei einem Felssturz am 6. 6. 1991 wie durch ein Wunder verschont geblieben ist. Neben dem Abt Georgi lebt nur noch ein alter Mönch in diesem wunderschönen Kloster. Es ist ein Metochion des Athos-Klosters Vatopedi (Ι. Μ. Βατοπεδίου) und wurde Ende des 14. Jh. der Bulg.-orthod. Kirche geschenkt. Bemerkenswert ist ein römischer Fußboden und Fresken von Zahari Zograf (Захари Зограф).
V. Tarnovo: Verklärungskloster: Lebensrad  Verklärungskloster: dieser Felsen hat das Gästehaus zerstört, aber die Kirche verschont!
  Verklärungskloster: Prof. Krammer übersetzt die Erklärungen des Abtes Georgi vor der Ikonostas der Kirche, die gerade renoviert wird  Der alte Mönch ruht sich nach dem Kerzenverkauf aus ...  Neben den Glocken ertönt gelegentlich auch das Simandron ...
Anschließend fahren wir noch zum Museumsdorf Arbanassi.
Am Abend sind wir zu Gast im Weinkeller der Firma Ljaskovec, wo wir bei einem frugalen Abendessen verschiedene bulgarische Weine und Schnäpse verkosten dürfen.
Die Reliquien des Hl. Dimitri (Димитър Басарбовский) sind allerdings in der Patriarchatskirche von Bukarest zu verehren. Ein sehr dynamischer Abt, Ig. Eftimij ist allein im Kloster, 4 Mönche sind in der Seelsorge tätig. Der Abt plant neue Zellen und die Errichtung einer Kirche am Fuße des Berges.
Endlich kommen wir nach Russe und fahren sofort zur Dreifaltigkeits-Kathedrale (Митрополиската Църква "Света Троица"), wo uns der Dompfarrer, V. Minko bereits erwartet. Stolz erklärt er die Ikonostas,  Prof. Krammer übersetzt die Erklärungen von V. Minko bei der das Andreas-Petrus-Werk in einer vorbildlichen Hilfsaktion durch die Initiatoren Prof. Krammer und Pfr. Florian Buchmayr einen Beitrag von insgesamt 6800 $ zur Renovierung der Vergoldung  (oberste Zarenreihe) und der Wandfresken geleistet hat. Dies wird auch dankbar in der an alle Reiseteilnehmer verteilten Schrift "Йеромонах Виктор Мутафов, Летопис на катедралния храм "Св. Троица" гр. Русе" auf den Seiten 8/9 hervorgehoben. Anschließend werden wir von Metropolit Neofit in seiner Residenz empfangen: Prof. Krammer, Metropolit Neofit, V. Minko, A. Straberger.
Noch am selben Tag überqueren wir die Donau, die hier die Grenze zu Rumänien bildet. Die Donaubrücke, die gleichzeitig in 2 Ebenen die Straße und die Eisenbahn aufnimmt, stammt aus den 50er Jahren und ist der eine der wenigen Donaubrücken entlang der gemeinsamen Grenze.
Nach langer Fahrt treffen wir abends in der Hauptstadt Bukarest ein und haben gleich zu Beginn noch ein Missgeschick. In einer Unterführung schlägt zu unserem Schrecken ein herabhängendes Eisenstück hart gegen die Windschutzscheibe und kratzt laut über das Dach unseres Reisebusses. Nach unserer Einquartierung im am lauten Bulevardul Kogalniceanu gelegenen Hotel Bulevard machen wir noch einen Spaziergang und finden eine kleine orthod. Kirche, die wunderschön mit Fresken ausgestattet ist und Reliquien beherbergt. Unbeeinflusst vom Großstadtlärm sitzen im Hof einige Nonnen mit ihrem Pfarrer plaudernd zusammen. Da unser Hotel uns ein Abendessen verweigert, essen wir im deutschen Braugasthof, in dem wir mit lauter Zigeunermusik "beglückt" werden. Am nächsten Morgen feiern wir mit den Nonnen den Orthros in der byzantinischen Kirche. Ein Höhepunkt ist aber der anschließende Besuch der Patriarchatskirche, die den Hll. Konstantin und Helena geweiht ist. Wir können da die Reliquien des Hl. Dimitrios von Basarbovo verehren und kommen zu einer feierlichen Hl. Liturgie zurecht, müssen aber leider auf den Schluss zugunsten eines Besuches des Palast des Volkes (Casa Poporului, Haus des Parlaments, Palatul Parlamentului, Ceausescu-Palast) verzichten. Dafür werden wir am Nachmittag mit einem ganz besonderen Ausflugsziel belohnt: Das Kloster Cernica (Sf. Mǎnǎstirea Cernica): Während ein Mönch durch das Schlagen der Toaca  zum Hesperinos ruft, erklärt uns V. Jeremias äusserst engagiert die Kirche Sf. Gheorghe, in der der Hl. Calinic (Sf. Episcop Calinic) verehrt wird, die Bibliothek und die Malereien im Refektorium zum Leben des hl. Calinic:
Mönch mit Toaca Man. Cernica: Bibliothek

Cernica: Refektorium

 
Bevor wir ins Hotel zurückkehren besichtigen wir noch das Dorfmuseum (Muzeul Satului) mit den vielen Holzhäusern aus allen Teilen Rumäniens.
Am Donnerstag, 26. August geht es schon früh los, denn wir haben 430 km Fahrt vor uns: nach einem kurzen Aufenthalt in Sinaia (Perle der Karpaten) machen wir Mittagspause aktiv in Kronstadt (Braşov): einige gehen in die "Schwarze Kirche" (Biserica Neagrǎ), andere in die rum.(griech.)-orthodoxe Kirche, die etwas versteckt gegenüber am Rathaus- oder Marktplatz (Piaţa Sfatului) durch einen Hof zugänglich ist. Alle treffen sich aber dann beim Bus, wo unser Ernst bereits Würstel und Johann den Schnaps bereit hält – als letzte Stärkung, bevor wir über Bacau – Piatra Neamţ – Tirgu Neamţ zum Kloster Agapia (Mănăstirea Agapia) fahren. Die Kirche ist den Hll. Erzengeln Michael und Gabriel geweiht. In diesem wunderschönen Kloster leben dzt. ca. 350 Nonnen!
Am Abend treffen wir in der Stadt Suceava ein.
Der Freitag, 27., ist einem ganztägigen Ausflug zu den Moldau-Klöstern Voroneţ, Moldoviţa und Suceviţa vorbehalten. Nach einer Mittagspause in Radauţi (Besichtigung der Bogdana-Kirche, dem Hl. Nikolaus geweiht) fahren wir wieder nach Suceava zurück und einige besichtigen noch bei einem Stadtrundgang die Georgskirche (Biserica Sfântul Gheorghe) als Hauptkirche des Klosters des heiligen Johannes Novus (Sf. Ion cel Nou) und die Demetriuskirche (Biserica Sf. Dumitriu) oder Auferstehungskirche (Biserica Învierii) mit dem freistehenden Glockenturm, der von Petru Rareş gestiftet wurde.
Suceava: Biserica Sf. Gheorghe   Suceava: Biserica Sf. Dumitriu
Am Samstag, 28. August, geht es über Câmpulung Moldovenesc – Cluj/Klausenburg – Oradea nach Ungarn. Wir nächtigen in Debrecen gegenüber der reformierten Großkirche.
Am Sonntag fahren wir durch die Puszta zum griechisch-katholischen Wallfahrtsort Máriapócs mit dem wundertätigen Gnadenbild der tränenvergießenden Muttergottes, dessen Original allerdings im Wiener Stephansdom zu verehren ist. In der Wallfahrtskirche feiern wir die Hl. Liturgie vom 13. Sonntag nach Pfingsten im byzantinischen Ritus mit, dem wir mit Ausnahme der Predigt gut folgen können.
Máriapócs: vor der Wallfahrtskirche 
 Anschließend klingt unsere Reise mit einer Fahrt durch den Nationalpark Hortobágy bei einem deftigen ungarischen Mittagessen aus. Die Heimreise erfolgt wegen eines angekündigten Staus bei Nickelsdorf über Budapest – Sopron nach St. Pölten.