Auf schmaler Spur durch Sardinien

Reisen mit den FdS Ferrovie della Sardegna

Von Manfred Straberger

Von Salzburg nach Sardinien fährt man am besten mit der Eisenbahn, da Flüge H+R über € 800,- p. P. kosten. Wenn das Quartier (wie in unserem Fall, Lu Nibareddu bei Monte Petrosu südl. von Olbia) bereits gebucht ist, bringt auch ein Charterflug keine Verbilligung. Also wie ist das mit Bahn (Salzburg - Livorno C.) + Fähre (Livorno - Olbia) ?
Bahnhof
Ankunft
Abfahrt Gleis
Verkehrsmittel
Salzburg Hbf

08:56 1
OEC 562
Innsbruck Hbf
10:44

4

11:26
7
EC 85
Firenze S. M. N.
17:53



18:27

R 3147
Livorno Centrale
19:49


Livorno Stazione Marittima

21:00

Moby Lines
Olbia
ca. 7:00



Fahrtkosten p. P.  H+R:
Salzburg - Brenner - Salzburg
ÖBB
     €  69,60
Brenner - Livorno C. - Brenner
FS
     €  71,36
Livorno - Olbia - Livorno
Livorno - Golfo Aranci - Livorno
Moby Lines
SardiniaFerries
ab €  83,00
ab €  90,30
Summe

ab € 224,00

Dies ist die billigste Variante, ohne weitere Ermäßigungen (wie 1Plus-Ticket, Vorteilscard usw.), Fährenpreis auf der Basis von Liegesessel ("Poltrona"), Kabinen sind natürlich, je nach Lage entsprechend teurer.
Olbia liegt im NW der Insel Sardinien und hat einen Anschluss an das Normalspurnetz der FS Richtung Sassari, bzw. Macomer - Cagliari (in der Übersichtskarte grau eingezeichnet). Bei den Schmalspurstrecken (die ursprünglich alle einmal untereinander verbunden waren) wird zwischen den öffentlichen Lokalstrecken (Linee Transporto Pubblico Locale T.P.L., insgesamt 210 km, in der Karte rot) und den touristischen Strecken (Linee Turistiche Trenino verde, insges. 404 km, in der Karte grün). Letztere werden seit etwa 20 Jahren (nur) in den Sommermonaten im Nostalgieverkehr und auf Bestellung betrieben:
Eisenbahnkarte Sardinien

Die nördlichste Schmalspurstrecke führt von Alghero (an der NW-Küste) Alghero, Foto: Veronika Straberger, Feb. 2004 als TPL-Strecke über Sassari (Normalspuranschluss, Schmalspurabzweig nach Sorso) nach Nulvi. Der Streckenteil Sassari Nulvi Tempio Pausania (2005: vom 22.Juni - 07.Sept.) und Tempio P. Palau (2005: v. 22.Juni - 11.Sept.) vom Trenino Verde befahren wird. Tempio Pausania ist das Zentrum der Gallura. Sehenswert ist im Aufnahmsgebäude die Sala d'attesa Tempio Pausania, Bahnhof, Sala d'attesa, Foto: Manfred Straberger mit Malereien von Giuseppe Biasi aus dem Arbeiter- und Bauernleben. Daneben gibt es ein Technikmuseum (L'Antica Officina di Tempio), das unter Führung des Stationspersonals zu besichtigen ist. Zufällig (es ist der 26.September!) trifft ein von Engländern bestellter Sonderzug Richtung Palau ein, der hier in Tempio P. rangiert wird: Tempio Pausania, Sonderzug, 26.09.2005; Foto: Manfred Straberger Tempio Pausania, Sonderzug, Verschub, 26.09.2005; Foto: Manfred Straberger

Etwa in der Mitte der Insel verläuft die Strecke Macomer Bosa Marina  (46 km, Trenino Verde, 2005: v. 2. Juli - 28. August an Samstagen betrieben, Diesel). An Sonntagen gab es 2005 einen Pendelverkehr (Diesel) zwischen Bosa M. und Tresnuraghes. Die täglich betriebene T.P.L.-Strecke führt von Macomer nach Nuoro.
Am 28. September 2005 ist es soweit: ich fahre mit Freunden von Lu Nibareddu nach Nuoro. Der Bahnhof liegt sehr zentral. In einem weitläufigen Aufnahmsgebäude mit Warteräumen 1. und 2. Klasse und WC-Anlagen, die allesamt zugesperrt sind, gibt es zwar 3 Bahnhofsuhren, die alle zu verschiedenen Zeiten (wohl für immer?) stehen geblieben sind. Versteckt beim Ausgang links zu den Gleisanlagen (3 Stumpfgleise) entdecke ich 1 Zug- und 1 Bus-Fahrplan, dem wenigstens die jeweiligen Abfahrts- und Ankunftszeiten der Züge (ohne Bahnsteigangabe) und Busse nach/von Macomer (nicht aber deren Ankunft/Abfahrt dort) angegeben ist.
Alles scheint tatsächlich noch so zu sein, wie D. H. Lawrence es in "Sea and Sardinia" (1921) beschrieben hat: "Lovely space about one and travelling distances, nothing finished, nothing final. It is like liberty itself." 
Beim Schalterbeamten kaufe ich eine Fahrkarte nach Macomer (€ 2,63 für 63 km!) und frage, wann der nächste Zug (!) nach Macomer fahre. "12:18". Fahrplan im Handzettelformat gibt es nicht (übrigens auch nicht in Tempio P., Macomer, also vermutlich nirgends ...). Dafür beschenkt mich eine hübsche Eisenbahnerkollegin (Fdl) mit einem Bildfahrplan, einem Set Ansichtskarten und Postern der FdS.
Auf Gl.1 steht eine Diesellok + 4ax-Reisezugwagen, auf Gl.2 ein ABB-Triebwagen Bf. Nuoro, 28.09.2005; Foto: Manfred Straberger , in dem bereits 2 weibliche Fahrgäste Platz genommen hatten. Also wird dies wohl der 12:18-Zug nach Macomer sein denke ich ... Aber Gott lenkt! Um 12:15 tut sich immer noch nichts bei beiden Zügen. Kein Dieselmotor wird angeworfen, kein Tfzf ist zu sehen nichts. Ich frage die zwei sardischen Mädchen im Triebwagen, was den hier los sei. Sie wissen es auch nicht. Um 12:30 gehen wir erneut zum Schalterbeamten, um zu erfahren, dass der Zug entfällt und durch einen "Pullmann" ersetzt wurde (der aber natürlich um 12:18 klammheimlich auf dem Bahnhofvorplatz abgefahren war). Naja, auf einen Schienenersatzverkehr war ich ohnedies nicht neugierig. Bei meinen weiteren Rundgängen entdecke ich beim Eingang zur (nicht näher gekennzeichneten) Fdl eine schwarze Tafel, auf der mit Kreide aufgemalt steht, dass alle Vormittagszüge ausfallen und als Schienenersatzverkehr geführt werden. Nächster Zug Nuoro ab 13:52. Gegen 13:40 füllt sich der 4ax-AB-Waggon v. a. mit Schülern. Das 1. Klasse-Großraum-Abteil wird dabei genauso bevölkert. Da ich sicher bin, dass es keine Schülerausweise für die 1. Klasse gibt, bevorzuge auch ich sie und setze mich gegenüber dem Kollegen Zf/Schaffner, der ein ganzes "4er-Karree" für sich reserviert hat, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Kein Problem. Nachdem sich pünktlich die TIBB LDe-Diesellok in Bewegung gesetzt hat, erzählt er mir alles, was ich wissen will, z. B., was kaum wo nachzulesen ist: die Spurweite beträgt 950 mm, wie es betrieblich aussieht usw. In einem engen Bogen windet sich die Strecke von Nuoro weg nach N und dann nach W, am Bergrücken entlang mit wunderschönem "Rück-"Blick auf Nuoro Nuoro - Prato Sardo, 28.09.2005; Foto: Manfred Straberger zur ersten Station Prato Sardo. Eine jähe Schnellbremsung zeigt, dass wieder einmal eine Schafherde vor dem herannahenden Zug gerettet wurde: Schafherde stoppt den Zug bei Prato Sardo, 28.09.2005; Foto: Manfred StrabergerIn der Station Oniferi stehen einige Güterwagen auf Gl. 2: Oniferi, 28.09.2005; Foto: Manfred Straberger Bis Iscra wird gerade der Oberbau erneuert, komplette Neulage und Neutrassierung mit Betonschwellen, die Höchstgeschwindigkeit schätze ich auf ca. 80 - 90 km/h: Nuoro - Macomer: Gleis-Neulage vor Iscra, 28.09.2005, Foto: Manfred Straberger Links im Bild ist noch die alte Trasse erkennbar, sie bleibt bis auf die Kreuzungs- bzw. Einbindungsbereiche mit der neuen Trasse als Relikt in der Landschaft liegen ... In Tirso verlassen die meisten Schüler fluchtartig den Zug: Schüler "ergreifen die Flucht", 28.09.2005; Foto: Manfred Straberger In Macomer ist Endstation. Die Dampflok FCS5 ist angeblich noch betriebsfähig und wird für den Trenino Verde eingesetzt: Macomer: FCS5; Foto: Manfred Straberger Zur Fortsetzung der Strecke nach Bosa müssen Züge (nur in der Trenino Verde-Saison) Kopf machen. Ich mache mich auf den Weg zum Normalspurbahnhof und finde, dem Verbindugsgleis folgend, nach Überquerung der Bahnhofstraße eine Gleiskreuzung mit Deckungssignal Macomer: Gleiskreuzung Schmalspur - Normalspur nahe (ehem.) Aufschemelanlage, 28.09.2005; Foto: Manfred Straberger und die ehemalige, nun offensichtlich stillgelegte Aufschemelanlage. Auf der Rückfahrt nach Lu Nibareddu besichtigen wir noch die größte Nuraghenanlage Sardiniens "Nuraghe Santu Antine" bei Torralba (Nähe Thiesi): Nuraghe Santu Antine im Abendlicht; Foto: Gerald Hauser
Die schönsten Schmalspurstrecken sollen im SO der Insel liegen: Arbatax Mandas ( Cagliari) und Mandas Isili Sorgogno. Eine Bereisung dieses Inselteils habe ich für später geplant.

Literatur:

Catalogo dei Viaggi con Il Trenino Verde. 8a ed. - Cagliari: FdS - Ferrovie della Sardegna, Dir. Gen., Servizio Commerciale e Marketing, 2005.
Der 'trenino verde'.
FERROVIE della SARDEGNA.
Keller, Tibert: Eisenbahnen in Sardinien.
FdS locomotives and shunters.
Lawrence, D. H.: Sea and Sardinia.
Rohrer, Hansjürgen: Wie vor 100 Jahren - Reisebericht Sardinien. Loki, 9/1991, p.22-28.
Sardinien. 7. Aufl. 2005. (Baedeker Allianz Reiseführer). ISBN 3-8297-1084-4.
Trenino verde.