
Von Manfred Straberger
Ein echter Maghrebinier reist nicht mit dem Flugzeug – sondern mit der Eisenbahn! Das Reisebüro am Hauptbahnhof Salzburg zeigt sich wie immer sehr hilfsbereit und flexibel. Wenn man von Salzburg den EC 63 nimmt, muss man in Wien nicht umsteigen, dafür aber in Budapest in Richtung Moskau den Bahnhof wechseln: es ist aber nicht notwendig, bis Budapest Deli pu zu fahren und von dort etwa ein Taxi oder eine Metrofahrt nach Keleti pu zu bezahlen. Man kann (aber nur in dieser Richtung) bereits in Budapest-Kelenföld aussteigen, und dort in den R 9323 (Györ – Budapest-Keleti pu) umsteigen. Ich gehe davon aus, dass bei meiner Fahrkarte (Hegyeshalom (GR) – Budapest – Miskolc/Debrecen – Zahony – Stryi – L’vov) auch eine kleine (und im übrigen hübsche) Budapest-Stadtrundfahrt nach Keleti pu inkludiert ist. Also steige ich in Budapest-Keleföld in den pünktlich um 17:11 einfahrenden R 9323 ein und um 17:28 laufen wir pünktlich in Keleti pu ein. Bahnsteiggleich steht bereits der Schlafwagenzug D 16 nach Moskau bereit. Mein T3-Abteil in einem von 2 ukrainischen Schlafwagen (Budapest – L’viv) ist schnell gefunden, nur – drinnen kann man sich unmöglich aufhalten, es hat mindestens 30°C und das Fenster läßt sich nicht öffnen. Es ist mit 10 Dreikantschlössern fest im Rahmen verankert. Mikro-Klimaanlage ist zwar vorhanden, aber nicht in Betrieb. Also alle Türen und Gangfenster auf – aber nur jedes zweite ist als Halbfenster zum Öffnen vorgesehen. Ich teile mit einem netten ungarischen Schäferhunde-Richter und einem weniger netten ukrainischen Gastarbeiter das Abteil. Als erstes werden 2 Zettel ausgeteilt: 1 dreisprachiges für den Paß und eine Zollerklärung, diese aber nur in ukrainischer Sprache. Wer in die Ukraine reisen will, braucht nicht nur ein – in Österreich nur auf der Botschaft in Wien erhältliches Visum (das eine Einladung voraussetzt), sondern muss auch bereits vor der Ankunft ukrainisch können, sonst kann er unmöglich die Zollerklärung ausfüllen, da hilft kein Schlafwagenschaffner, denn der versteht auch bestensfalls russisch … Wir sind wieder einmal in Maghrebinien1: entweder man gibt Bakschisch oder macht es wie ich: ich warte, bis der ukrainische Abteil-Genosse sein Formular ausgefüllt hat und durch vergleichende Schrift- und Ausfüllstudien schaffe ich es samt aller „Nein“-Ankreuzungen, denn ich habe wirklich keine Bomben, Waffen, Drogen usw. mit … Ich führe nicht einmal Гривня/Hryvnja mit (die offizielle ukrainische Währung neben dem inoffiziellen €, der jetzt sogar den $ verdrängt).
Während wir durch die ungarische Steppe in den Abend hineinfahren, wird es endlich kühler, auch durch den mit wechselnder Intensität wehenden Fahrtwind (manchmal nur bei ca. 30 km/h). Чоп/Čop: Grenz- und Spurwechselbahnhof. Es ist immer wieder spannend, wie lässig und routiniert der Drehgestelltausch abläuft. Dazwischen kommt die Paß- und Zollkontrolle. Letztere in Form einer charmanten Beamtin, die über eine Leiter in den bereits hochgehobenen Wagenkasten einsteigen muss. „Манфред? Куди ви їдете?“[2] – „Л’вів!“[3] sage ich stolz. – „До Л’вове!”[4] verbessert sie mich freundlich und freut sich offensichtlich, dass ich mich wenigstens bemühe, meine noch spärlichen Ukrainischkenntnisse auszupacken. Aber wartet nur, wenn ich nach einem Monat zurückkehre …! Im Abteil nebenan treffe ich zwei ukrainsche Au-pair-Mädchen aus Salzburg. Ich kenne sie bereits aus unserer ukrainischen Pfarre St.Markus und wir feiern ein Wiedersehen der besonderen Art: sie sind sich einig, ich müsse mit ihnen ukrainisch sprechen, schließlich seien wir ja bereits auf ukrainischem Boden. Um 07:39 treffen wir pünklich in Stryj ein und meine Fahrt geht um 08:57 im wunderschönen, mit einem Hallendach überdeckten Bahnhof von L’viv/Lemberg zu Ende, wo mich Jurij von der UKU[5] abholt.
Die letzte Augustwoche verbringe ich noch in Univ und in Lemberg. 3 Tage vor der Abfahrt treffe ich Nadija vor dem wunderschön renovierten Portal des Hauptbahnhofs:


Sie besorgt die „Bettkarten“, ich habe zwar meinen Pass nicht dabei, aber Gott-sei-Dank Nadija, das reicht zusammen mit einem freundlichen Lächeln. Und das alles in einem wunderschön renovierten riesigen Saal, wo man eher eine Tanzveranstaltung abhalten könnte. Ich schreibe den 29. August. Nach einer echt ukrainischen Geburtstagsfeier bei Nadija begeben wir uns auf den Bahnhof. Die Verspätungsmeldung des D 15 um 40 Min. wird nur auf Ukrainisch verlautbart, dazu noch eine Bahnsteigänderung von Gl. 1 auf Gl. 3. Wer da nicht gut Ukrainisch versteht – oder so wie ich – eine ukrainische Begleitung hat, bleibt gleich einmal in Lemberg zurück, es gibt nämlich nicht einmal eine Abfahrtsanzeige auf dem Перон/Bahnsteig! An den Schlafwagenzug D 15 aus Moskau Kievskaja werden in Lemberg wieder die 2 ukrainische Schlafwagen angehängt. Also erwartet mich der gleiche Komfort wie bei der Hinreise, nur an die etwa 1-stündige Grenzkontrolle, die zeitgleich mit dem Spurwechsel durchgeführt wird habe ich mich inzwischen gewöhnt. Ich komme relativ gut ausgeschlafen in Budapest Keleti pu an und nun stellt sich die Frage, wie geht es weiter? Tatsache ist, dass der EC 62 in Budapest-Kelenföld leider keinen Planhalt hat, sodass man sich entscheiden muss, ob man mit der Metro (Linie 2) oder mit einem Taxi nach Deli pu gebracht werden will. Angesichts des Gepäcks und der leider nicht vorhandenen Rolltreppen oder Aufzüge entscheiden wir uns für eine Taxifahrt für € 10.-, da geht sich locker noch ein Bier im Bahnhofsrestaurant aus, denn der EC 62 wird erst gegen 12:30 Uhr auf Gleis 5 bereitgestellt, dann heisst es allerdings hurtig sein, denn dieser Zug ist erfahrungsgemäss ständig überfüllt. Oft kann man dann nur noch in den Speisewagen „flüchten“ und hoffen …
Auf dem Nachbargleis steht der IC „Ikva-Isis“ Budapest Keleti pu ab 13:35, der über Sopron nach Wiener Neustadt fährt und mit einer 1047 der GySEV/RoeEE bespannt ist und eine gemischte GySEV-MÁV-Garnitur und sogar einen Speisewagen/“Coffee-Bar“ mitführt:


Pünktlich um 13:10 fährt unser EC 62 ab, voll von jugendlichen Touristen, die in Wien West nur „ausgetauscht“ werden, die Gänge sind nach dem Fahrgastwechsel wieder verstopft … Salzburg an 18:57 Uhr.
Reiseplanung: Salzburg – L’viv/Lemberg – Salzburg:
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via |
Budapest [1188 km] |
Bratislava [1228 km] |
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City Star-Ticket Salzburg – Budapest – Zahony[6] ↔ |
€ 90,20 |
[City Star wird in der Slowakei nicht angeboten] |
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Zahony – Zahony (GR) ↔ |
€ 4,80 |
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Zahony (GR) – L’viv ↔ |
€ 37,20 |
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Salzburg – Bratislava – Čop[7] ↔ |
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€ 157,50 |
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Čop – L’viv ↔ |
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€ 37,20 |
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Schlafwagen T3 → |
€ 8,00 |
€ 15,00 |
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Summe |
€140,20[8] |
€ 209,70 |
↔ Hin- und Rückfahrt
→ Einfache Fahrt (Die Rückfahrt für den SW kann in Österreich nicht gebucht werden).
Hinfahrt:
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von-nach |
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Ortszeit |
Gleis |
Fahrt |
Richtung/Bemerkungen
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Salzburg Hbf |
ab |
11:05 |
5a/b |
EC |
EC 63 |
Reservierung
empfohlen, Auslandszuschlag, BordRestaurant |
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Budapest-Kelenföld |
ab |
17:11 |
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R |
R
9323 |
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Budapest-Keleti pu Čop Čop L’viv |
ab an ab an |
18:15 02:53 08:57 |
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D |
D 16 |
Teilstrecke
nur 2.Klasse, Teilstrecke Schlafwagen |
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Dauer:
20:52; fährt täglich |
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Eine Alternative bietet die Route über Kittsee – Bratislava, die zwar gute 4 Stunden länger dauert, dafür aber keinen Bahnhofswechsel in Budapest, sondern in Wien nötig macht und ausserdem den Spurwechsel in Čop und vor allem die schöne Landschaft der galizischen (West)Ukraine bei Tag „erleben“ lässt:
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von-nach |
Ortszeit |
Gleis |
Fahrt |
Richtung/Bemerkungen
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Salzburg Hbf |
ab |
17:35 |
3a/b |
ÖBB EC |
OEC 569 |
BordRestaurant,
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Wien Hütteldorf |
ab |
20:33 |
4 |
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S 3 |
Richtung
Stockerau, nur 2.Klasse |
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Wien Südbahnhof (Bstg. 21-22) |
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Übergang |
5 Minuten,
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Wien Südbahnhof (Bstg. 01-09) Bratislava hl.st. Čop Čop L’viv |
ab ab an ab an |
21:15 23:00 10:30 12:35 18:50 |
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D |
D 405 |
Kurswagen,
Schlafwagenzug, Reservierung empfohlen |
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Dauer:
24:15; fährt Mo - Sa, |
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Rückfahrt:
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von-nach |
Ortszeit |
Gleis |
Fahrt |
Richtung/Bemerkungen
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L’viv Čop Budapest-Keleti pu |
ab ab |
21:10 03:28 |
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D |
D 15VJ |
in
Sitzw. nur 2.Kl., Schlafwagen |
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Budapest-Keleti pu |
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Übergang |
25 Minuten,
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Budapest-Deli pu |
ab |
13:10 |
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EC |
EC 62 |
Reservierung
empfohlen, Auslandszuschlag, BordRestaurant |
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Dauer:
21:47; fährt täglich |
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Oder über Bratislava:
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von-nach |
Ortszeit |
Gleis |
Fahrt |
Richtung/Bemerkungen
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L’viv Čop Čop Bratislava hl.st. Marchegg Wien Südbahnhof (Bstg. 01-09) |
ab ab ab ab an |
10:45 19:40 16:12 06:36 07:22 |
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D |
D 7KJ |
Kurswagen,
Schlafwagenzug, Reservierung empfohlen |
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Wien Südbahnhof (Bstg. 01-09) |
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Übergang |
5 Minuten,
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Wien Südbahnhof (Bstg. 21-22) |
ab |
08:07 |
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S 15 |
Richtung
Wien Hütteldorf, , nur 2.Klasse |
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Wien Hütteldorf |
ab |
08:42 |
1 |
IC |
IC 544 |
mobiles
Bordservice |
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Dauer:
26:07; fährt Mo - Fr, So, nicht 31. Okt, 7. Dez |
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Fahrplaninformationen unter http://fahrplan.oebb.at/
[1] Maghrebinisch hat nichts unmittelbar mit dem Maghreb (Maghrebstaaten, Nordwestafrika) zu tun, sondern ist in Anlehnung an Gregor von Rezzoris „Maghrebinische Geschichten“ (Reinbek: Rowohlt 1953) zu verstehen, in dem er im 1.Kapitel „von dem sehr großen und ruhmreichen Lande Maghrebinien [berichtet]. Sie werden es vergeblich auf der Karte suchen. … Die wahren, die eigentlichen Grenzen Maghrebiniens liegen im Herzen und in der Seele seiner Menschen …“
[2] „Wohin fahren Sie?“
[3] „Lemberg!“
[4] „Nach Lemberg!“
[5] Ukrainisch Katholische Universität. Der nun folgende 3-wöchige Aufenthalt bei der Deutschen Sommerschule in Pidkamin wird an anderer Stelle beschrieben.
[6] Wenn mehrere Personen gleichzeitig reisen, gibt es beim City Start-Ticket Staffelpreise!
[7] Etwaige innerösterreichische Ermäßigungen (Vorteilscard usw.) sind hier nicht berücksichtigt!
[8] Ohne Fahrtkosten für den Transfer von/nach Budapest Keleti pu (Taxi: ca. € 10,--/Richtung)