Maghrebinische Reisen
(5)

Bulgarien auf dem Weg
Salzburg – Wien – Budapest – Београд/Belgrad – Софиа/Sofia – Варна/Varna – Шумен/Šumen – Велико Търново/Veliko Tărnovo – Стара Загора/Stara Zagora – Пловдив/Plovdiv – Salzburg

Von Manfred STRABERGER

Ein echter Maghrebinier reist nicht mit dem Flugzeug (so wie die anderen Teilnehmer der Kuratoriumsreise "Bulgarien mit Kardinal Schönborn") - sondern mit der Eisenbahn! Der Fahrplan bietet zwar eine passable Verbindung Salzburg – Sofia über Ljubljana – Beograd an (EC 315 Salzburg – Zagreb, D 411 Ljubljana – Sofia), doch der Schlafwagen Ljubljana – Sofia kann von Österreich aus nicht gebucht werden! Und ich hatte gedacht, Slowenien wäre doch bereits bei der EU ... Also entschließe ich mich für die Route über Wien, da ist ein Schlafwagen für den D 347 (Wien Westbf – Sofia) lt. Reisebüro am Bahnhof buchbar. Doch Maghrebinien beginnt spätestens am Westbf in Wien, wie gleich zu lesen sein wird. Zum Glück bin ich schon mit dem OEC 163 angekommen, denn ich will nicht riskieren, dass ich bei einer (Westbahn-)Verspätung womöglich von meinen (Anschluss-)"Dacia" D 347 bestenfalls das Schlusssignal zu sehen kriege ... Der D 347 ist schon auf Gl. 6 bereitgestellt - nicht aber mein gebuchter Schlafwagen 416: hinten ist der Belgrader Zugteil, dann folgt der Bukarester, schließlich vorne der Budapester Wagensatz, nur der SW Wien Sofia fehlt! In Ermangelung eines Zugbegleiters frage ich einen CFR-Schlafwagenschaffner. Der liest mir meine Schlafwagenkarte vor: "Ah, patru sute şaisprezece ... " (rum. für "416") und zuckt mit den Achseln. So bleibt mir nur der Informationskiosk. Eine lange Warteschlange vor dem einen geöffneten Schalter (der 2. ist zwar besetzt, aber geschlossen ...). Ich zeige meine Schlafwagenkarte und frage nach dem Waggon 416. Nach umständlichem Suchen in irgendwelchen Ordnern die Antwort: "Der muss am Zug sein!" - "Ist er aber nicht!" Ein Hin und Her, schließlich "wacht" der Kollege am geschlossenen Schalter auf und mischt sich ein: er wird selbst beim Zug nachschauen. Kommt nach 10 Min. wieder zurück und bestätigt, dass zwar der 416 nicht im Zugsverband ist, aber der letzte Wagen müsse der nach Sofia sein, weil der hängt immer als letzter dran, ich sage aber, der letzte habe aber die Nr. 414, jaja, das stimme schon so ... Nichts stimmt! Als ich in den 414 mit dem (richtigen) Zuglaufschild "Wien Westbf Beograd" einsteige, ist mein Abteil 42 schon mit einer jungen Serbin besetzt (wogegen ich ja nicht grundsätzlich etwas hätte); da aber auf meiner Schlafwagenkarte der unromantische Vermerk "DOUBLE HERR" steht, bin ich jetzt sicher, dass ich im falschen Waggon bin! Also wieder aussteigen: da steht auch schon die den Wagen 414 betreuende serbische Schaffnerin, die mir freundlich und in ausgezeichnetem Deutsch die einzig richtige Auskunft gibt: ja, ja, das käme öfters vor, dass der bulgarische Schlafwagen wegen ständiger Verspätung des Gegenzuges nicht bis Wien komme, der stehe in Budapest [Keleti pu], dort werde der serbische Zugteil auf den Bahnsteig 11 rangiert und mit dem BDŽ-Schlafwagen vereinigt; ich solle bis Budapest in einen Sitzwagen gehen und dann dort umsteigen ... Wie gut, dass es (außer am Informationskiosk am Westbf) noch ausländisches, kompetentes Personal gibt! Was täten wir ohne die Ausländer!! Das Service "Unserer Bahn" würde noch mehr zusammenbrechen ...

Statt in einen der beiden Sitzwagen gehe ich natürlich in den Speisewagen "Utasellátó". Der Wagen ist dunkel. Der sehr freundliche Kellner entschuldigt sich, es gäbe kein Licht, weil kein Strom, daher nix kochen, nix warm, nix kalt ... Macht nix, er bringt zu meinem finsteren Tischerl einen ausgezeichneten roten Cuvée (einschenken kann man auch bei der Bahnsteigbeleuchtung des Westbfs), den Wein kann ich allerdings während der Fahrt nur trinken, wenn ich das Weinglas sicher in der Hand halte, denn der Waggon (Bauart DR) hat eine Laufruhe, mit der er nur für Vmax 40 zugelassen werden sollte, denn bei 100 km/h muss man alles festhalten ... In Budapest-Keleti pu heißt es dann den um 23:25 Uhr abfahrenden D 341 zu suchen, d. h. vom Bahnsteig 7 zum Bst. 12 überzuwechseln - eine halbe Weltreise. Ach, da steht er ja, der Wagen 416, als ob nichts gewesen wäre. Als ich einsteige, wird auch schon der Belgrader Zugteil heranrangiert. Dafür bin ich in meinem Double allein, auch kein Nachteil! Abgesehen von den nächtlichen Grenzkontrollen läuft die Nacht ruhig.

In der Nähe von Нови Београд/Novi Beograd werde ich wach, die Plattenbauten stehen immer noch ... Wir erreichen Београд/Beograd um 6:57 (+ 30). Ich freue mich schon auf ein Frühstück im "BordRestaurant" des 491, der ja lt. HAFAS von Beograd bis Dragoman mitgeführt wird ... Um 7:16 werden wir (mit offenen Türen) hinausrangiert. Im Weichenvorfeld sind einige Dampfloks abgestellt , parallel fährt eine 461 herein, schon mit "Željeznica Crne Gore AD" beschriftet:  Die Trennung des Fuhrparks zwischen den Serbischen Железнице Србије/Željeznice Srbije und den (neuen) Montenegrinischen Eisenbahnen Жељезница Црне Горе а. д. /Željeznica Crne Gore a. d. wurde offensichtlich schon vollzogen. Wir werden nach längerem Warten auf den Zugteil geschoben, der von Ljubljana kommend als D 491 neu zusammengestellt wird und nun folgende Reihung hat: SW Ljubljana Sofia, SW Wien West – Sofia, LW Beograd – Burgas, SW Beograd – Istanbul – aber Speisewagen gibt es keinen!  Als ich mit meinem netten Schlafwagenschaffner ins Gespräch komme, erfahre ich, dass der D 491 schon lange keinen Speisewagen mehr mitführt. Wer sich auf Informationen des HAFAS verlässt, läuft Gefahr, zu verhungern und zu verdursten ...! Also noch schnell hinaus, um mir in Bahnsteignähe etwas Ess- und Trinkbares zu besorgen. Doch die 2 Kioske links nehmen nur Dinar, die ich natürlich nicht habe, also erst einwechseln muss. Die Restoracija "Beograd" nimmt aber problemlos Euro (zu welchem Kurs auch immer, zum Nachrechnen habe ich keine Zeit mehr). Man bekommt ausgezeichneten serbischen Kaffee (schmeckt ähnlich wie ein Türkischer) und Burek (verschiedene Sorten). Ich sehe auf die Bahnhofsuhr: 8:37, Zeit zum Einsteigen. Kaum bin ich im Waggon, setzt sich der Zug auch schon in Bewegung! Nanu, planmäßige Abfahrt ist doch erst um 8:40! Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass auf allen Bahnsteigen die Uhren einheitlich erst 8:38 zeigen. Also verfrühte Abfahrt? Ein Blick auf meine Eisenbahner-Armbanduhr zeigt aber bereits 8:40, ein Vergleich mit den Uhren anderer Reisender bringen dasselbe Ergebnis! Also: der 491 ist pünktlich um 8:40 abgefahren, aber die Bahnhofsuhren gehen einheitlich um genau 2 Minuten nach. Wer sich also in Maghrebinien auf (Bahnhofs-)Uhren verlässt, versäumt garantiert jeden 2. Zug! Ich hatte also nochmals Glück, denn beinahe wäre mein Koffer ohne mich nach Sofia gefahren ...


Лапово/Lapovo 11:06 (+ 15): Auf einem Schmalspurtransportwaggon ist eine 83er (oder 85er ?) Schmalspurdampflok verladen (woher? - wohin?). Ab Ђунис/Ðunis geht es wieder 2gleisig weiter (Gleiswechselbetrieb). In Ниш/Niš geht es um 13:30 (+20) nach dem Stürzen des Zuges mit Dieseltraktion weiter Richtung Димитровград/Dimitrovgrad. Die Fahrt durch das enge, schluchtenartige Нишава/Nišava-Tal ist immer wieder romantisch: In den Unterwegsbahnhöfen sind die Einfahrsignale noch durchwegs als Formsignale in Funktion, es gibt Perronstellwerke und hübsche Fahrdienstleiterinnen:
Димитровград/Dimitrovgrad an um 15:55 (+51). Die serbische Pass- und Zollkontrolle dauert 1 Stunde! Die bulgarischen Kontrollen (alle Pässe werden eingesammelt) dauern in Калотина Запад/Kalotina Zapad wieder eine gute Stunde. Erst im bulgarischen Bf. Драгоман/Dragoman wird die Bremsprobe "nachgeholt"! Wir haben bereits 90' Verspätung ... Seit ca.1 Jahr fährt die БДҖ/BDŽ ab Dimitrovgrad elektrisch.

Mit fast 2 Stunden Verspätung treffen wir endlich in einem schwach beleuchteten Bahnhof ein София/Sofia! Bahnsteig ohne Lift also Koffer hinunter zur Unterführung und wieder hinauf in eine riesige, sich in den äußeren Enden verzweigende Bahnhofshalle ... Nach einigem Suchen finde ich endlich abseits einen Schalter, wo man angeblich einen Schlafwagenplatz (für die Rückfahrt) buchen kann. Es ist zwar schon nach 20 Uhr, aber immerhin: 2 Schalter sind mit insgesamt 3 Damen besetzt keine kann wirklich weiterhelfen: nein, Schlafwagenplätze könne man erst ab morgen, ab 7 Uhr früh, wieder buchen. Also, frage ich mich, was machen die Damen denn noch hier, wenn sie nichts mehr können, sie sollten besser nach Hause gehen, denke ich leicht verärgert und beschließe, ins Hotel Serdika zu fahren. Mit dem Taxi kann ja jeder, also beschließe ich, die Straßenbahn zu nehmen – ich schaffe es sogar, nach dreimaligem Fragen und einmaligem Umsteigen in die "Janko Sakazov-Straße" zu kommen!

    Am nächsten Morgen (26. Sept.) nach dem Frühstück sind wir gemeinsam mit Kardinal Schönborn zu Gast zunächst in der Theol. Fak. der Kliment Ochridski-Univ., die auch über eine kleine Kapelle verfügt: Theol. Fak. der Kliment-Ochridski-Univ., Orth. Kapelle , anschließend im Kirchlich Historisch-Archäologischen Museum, wo es neben vielen Ikonen auch eine Restaurierwerkstätte zu besichtigen gibt, in der die Restauratorin bereitwillig ihre Arbeiten zeigt: Kirchl. Historisch-Archäologisches Museum, Restauratorin. Anschließend führt uns Prof. Krammer durch die Stadt und zeigt uns die Alexander-Newski-Kathedrale Sofia, Alexander-Newski-Kathedrale, die St.-Georgs-Rotunde , die russ.-orth. Nikolaus-Kirche, Sofia, Russ.-orth. Kirche und schließlich sind wir zu Gast in der Patriarchalkathedrale und im Hl. Synod der Bulg.-Orth. Kirche Sofia, Patriarchalkathedrale, wo uns in Vertretung des erkrankten Patriarchen Maksim Metropolit Kyrill (von Varna) empfängt. Zum Mittagessen lädt die Österreichische Botschaft in Sofia und die Bulgarisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Österreich ins Hotel Jasmin ein Metropolit Kyrill freut sich offensichtlich über die Christus-Pantokrator-Ikone Sofia, Hotel Jasmin, Mitte: Metr. Kirill, rechts: Erzpr. Ivan Petkin. Zum Mittagessen ist auch der griech.-kath. Exarch in Bulgarien, Christo Proykov eingeladen, auf meine Frage, wieviele griech.-katholische Gläubige es in Bulgarien gäbe, antwortet er, es gäbe ca. 60 000 Katholiken in Bulgarien, 10 000 davon seien griech.-katholisch mit 22 Priestern.
    Am Nachmittag fahren wir mit dem Bus (unter Führung eines Polizeiautos mit Blaulicht! unter Polizeischutz mit Blaulicht zum Rila-Kloster ...) zum Rila-Kloster, wo wir von Abt. Evlogii empfangen werden . Das Kloster, in dem es noch 9 Mönche gibt, ist dem Hl. Ivan v. Rila (dem bulgarischen Nationalheiligen) geweiht: . Abt Evlogii lädt uns zu einem Gedankenaustausch bei einem Slivova ein: v.l.n.r.: Erzpr. Ivan Petkin, Prof. Philipp Harnoncourt, Kard. Schönborn, Metrop. Kirill, Abt Evlogii, Prof. Krammer. Und schon sind wir wieder in Eile: wir möchten unbedingt noch zum "jungen" (neu gebauten) Ruen-Kloster, zu dem wir etwa 2 km vor dem Kloster in Kleinbusse umsteigen müssen, da die Zufahrt für Großbusse nicht geeignet ist: Es gibt dort 16 Mönche, die sich noch relativ jungen Alters erfreuen und sehr rührig und innovativ sind. Neben einer Ikonen-Malstube betreiben sie auch eine moderne Radiostation , das "Radio Sion", das 1. bulgarisch-orthodoxe, christliche Radio mit kulturellen Informationen. Obwohl wir bereits in Eile sind, lassen sie es sich nicht nehmen, uns fürstlich zu bewirten. Aber wir müssen zum Flughafen (wieder mit Blaulicht!), um 22:40 geht unsere Maschine nach Варна/Varna ... Mitternächtlich steigen wir dort im Hotel Odessos ab, das nach dem alten [griech.] Namen von Varna, Οδέσσος, benannt ist.

    Am Vormittag des 27. September nehmen wir an der Eröffnung der Tagung "Bulgarien auf dem Weg. Kirche - Staat - Gesellschaft" durch Kard. Schönborn und Metrop. Kyrill v. Varna teil, ein Großereignis mindestens für Varna, das auch von der Presse, wie z. B. "Двери на Православието/Dveri na Pravoslavieto" (zu deutsch etwa: "Türen zur Orthodoxie") wahrgenommen wird. Nach dem Mittagessen zeigte uns Erzpr. Шаган/Šagan seine Kirche Sv. Archangel Michail. Nachmittags konnte fakultativ ein Stadtrundgang gemacht werden, der über den wunderschönen Hauptbahnhof von Varna zunächst zum Archäologischen Museum führte, wo (im Saal 13) das älteste bearbeitete Gold der Welt gehütet wird. Weiter geht es zur Kirche der Entschlafung der Hl. Gottesmutter und zur Kirche des Hl. Athanasius. Aber schließlich erwartet uns schon Metrop. Kyrill in seiner Kathedrale und beim anschließenden Empfang in seinen Amtssitz werden großzügig Geschenke ausgetauscht .

    Am 28. September nehme ich die Gelegenheit wahr, an einem Bus-Tagesausflug in die Gegend nördlich von Varna teilzunehmen: wir fahren in das Höhlenkloster Aladža Manastir , weiter nach Baltšik, um dort das Schloss und den ("Märchen"-)Park der ehemaligen rumänischen Königin Maria zu erwandern . Über Balgarevo geht es weiter nach Kap Kali Akra, das Kap ist der äußerste östliche Endpunkt der jetzt bulgarischen Dobrudscha . Wird sich V. Ivan hier ein Spitzendeckerl kaufen ?

    Am 29. fahren wir mit dem Bus nach einem Besuch des Benediktinerinnenklosters in Carev Brod nach Šumen, um dort die berühmte Tombul-Moschee (erbaut 1740-44, größte Moschee Bulgariens) und die Islamische Lehranstalt zu besuchen. Wir werden vom Imam persönlich begrüßt, auch die orthodoxe Geistlichkeit ist zugegen und betritt (im Habit !) mit uns die Moschee . Das Verhältnis zwischen den beiden Konfessionen scheint tatsächlich gut zu sein, es wird dies auch immer wieder von beiden Seiten betont. Es gibt ja immerhin mehr als 1500 Moscheen in Bulgarien, 240 allein im Gebiet Šumen. Die Muslime sind eine beachtliche Minderheit in Bulgarien. Natürlich lässt es sich der orthodoxe Geistliche nicht nehmen, uns noch in seine Kirche, die den 3 Heiligen Basilius, Gregor v. Nazianz und Johannes Chrysostomos geweiht ist, zu führen. Die Fahrt geht weiter nach Veliko Tirnovo, wo wir noch den Carevec-Hügel erklimmen können, bevor wir in Arbanassi im Hotel Vinpalas Quartier machen.

    Leider bleibt uns am 30. in Arbanassi nur Zeit, um die berühmte Christi-Geburt-Kirche mit dem reichen Fresken zu besichtigen, hier darf natürlich nicht fotografiert werden: . Als nächstes steht die Metropolitan-Kathedrale in Veliko Tirnovo am Programm. Diese orthodoxe Kirche steht im Muslimenviertel, es kommen auch Muslime gelegentlich in diese Kirche, lassen sich auch hier taufen (es gibt auch Mischehen: 2006: bisher 10; ein Nicht-Orthodoxer muss nur das Glaubensbekenntnis in der Form des 1. Jahrtsds beten. Taufe in deprekativer Form: "es wird getauft ..."). Dann folgt ein Treffen mit dem Lehrkörper der Theologischen Fakultät Resieteilnehmer vor einem Fresko moderneren Stils der Universität "Kyrill und Methodius", an der man neben Theologie auch Ikonographie (einziger Ort in der Orthodoxie) studieren kann. Das Studium ist an der Fakultät oder als Fernstudium möglich.
Die Fahrt geht weiter über den Schipka-Pass zur Christi-Geburt-Gedächtnis-Kirche , wo uns bereits Metropolit Galaktion erwartet v.r.n.l.: Dr. Marte, Metr. Galaktion. Diese Kirche wurde zum Dank für die russische Unterstützung im Krieg gegen die Türken gebaut. Durch die berühmten Rosenfelder geht es zum thrakischen Grabmal in Kazanlak und weiter nach Stara Zagora, wo uns Metropolit Galaktion stolz seine Kathedralkirche zum "Hl. Großmartyrer Dimitr" zeigt, in der gerade das Mysterium der Krönung Auf dem Analogion liegen die Kronen für das Brautpaar bereit (in den Westkirchen Hochzeit genannt) stattfindet.
Das Abschiedsabendessen findet im Hotel Trimontium Princess in Plovdiv statt. Denn am Sonntag, 1. 10., geht es bereits um 7 Uhr zum Bačkovo-Kloster , um dort die Hl. Sonntags-Liturgie mitzufeieren. Auch wenn wir dort etwas zu spät eintreffen, Abt Boris v.r.: Abt Boris, Prof. Krammer, Dr. Marte heisst uns herzlich willkommen. Wir dürfen dort neben den Sehenswürdigkeiten des Klosters auch seine gefüllten Vorratskammern Prof. Krammer vor den vollen Regalen ... fotografieren! Anschließend geht es wieder zurück nach Plovdiv, wo uns Prof. Krammer mit Begeisterung durch die historische Altstadt führt li: Dr. Heinz Gstrein Kirche Hl. Konstantin und Helena .

Nach dem Rundgang beschließe ich, Abschied zu nehmen und fahre zum Bahnhof, um über Sofia die Heimreise anzutreten. Als erstes begebe ich mich zur "Informacija", um zu erkunden, ob eine Fahrtunterbrechung in Септември/Septemvri (Abzweigung Rhodopenbahn) möglich ist. Doch am Schalter versteht man außer Bulgarisch nichts. Da der Sachverhalt etwas kompliziert ist (Unterbrechung in Septemvri, Stichfahrt mit der Schmalspurbahn evt. bis Велинград/Velingrad und zurück und Weiterfahrt nach Sofia mit 1 Fahrkarte, Fahrtunterbrechung möglich oder nicht, Fahrpläne), benötige ich doch eine Auskunftsperson, die Englisch versteht, das ist mir auf Bulgarisch zu schwierig und Aushangfahrpläne gibt es leider wieder einmal nicht ... Aber was am Informationsschalter unmöglich ist, kann die Dame am Fahrkartenschalter: Leider gibt es keine passende Zugverbindung mehr, schade, da ich leider bereits die unabänderliche Fahrkarte Sofia Wien habe, muss ich mir die Fahrt mit der Rhodopenbahn verkneifen, eine Nächtigung in Dobrinište mit einer späteren Heimreise wäre natürlich eine schöne Alternative gewesen ... So versuche ich mich im Bahnhofscafe mit einem Türkischen und Mineralna Voda zu trösten. Bis zur Abfahrt des 8614 um 15:58 vom Kolosek 1 bleibt mir noch genug Zeit, um z. B. die Toiletten zu besichtigen:  Sowohl bei den МЪЖЕ/HOMMES (man muss also entweder Bulgarisch oder Französisch können) als auch bei den Frauentoiletten sind die Türen versiegelt : unbenützbar, geschlossen! Dafür fährt am IIIТИ ЧЕЛЕН КОЛОВОЗ/Kopfbahnsteig 3 ein Regionalzug ein: . Der 8614 nach Sofia hat 5 min. Verspätung, das ist ja gar nichts! Die Menschentrauben am Bahnsteig lassen schlimmstes befürchten: doch um 16:15 sitze ich bereits zusammen mit 7 Raucherinnen in einem 8er-Abteil. Die Sonne heizt zum Fenster herein, wenigstens sind die Waggontüren während der Fahrt offen – so gibt es ein wenig Frischluft ... Es gibt zwar ein WC, Händewaschen ist aber erwartungsgemäß nicht möglich: kein Wasser aus dem Kran. In Septemvri kann ich die Rhodopenbahn leider nur aus dem Fenster fotografieren . In Sofia habe ich noch Zeit, in der großen Halle ein Lokdenkmal zu fotografieren Sofia Hbf, Denkmallok 479, sauber herausgeputzt und beschriftet: . Um einen Schlafwagenplatz Sofia – Wien West bemühe ich mich erst gar nicht bei irgendeinem Schalter – und das ist auch gut so: als nämlich der D 292 einfährt, ist nämlich nicht einmal der Schlafwagen nach Wien dabei, also bemühe ich mich beim SW-Schaffner des SW nach Beograd um einen Platz: kein Problem – und viel billiger!! Der Beweis ist erbracht: in Maghrebinien ist es nicht empfehlenswert, großartig vorauszuplanen, sich auf Fahrpläne und (Schalter-)Auskünfte zu verlassen – Improvisation und Flexibilität sind die "Geheimwaffen" ...
Ankunft des D292 in Beograd um 8:15 (+ 2:25 !), ich erreiche gerade noch den Anschlusszug IC 344 "Avala" (ab 8:30) nach Wien, der zum Glück einen sehr eleganten Ž[eleznice]S[rbije]-
Speisewagen führt, durch die Küche in Raucher und Nichtraucher geteilt. Er ist noch nicht von Gästen (außer einem vollschlanken, zeitunglesenden serbischen Milizionär) bevölkert, dafür von aufgeregt diskutierendem Küchenpersonal, das mich gar nicht registriert. Ich habe es auch nicht eilig (bis Wien ist ja noch Zeit!) und rühre mich auch nicht. Eine Viertelstunde nach der Abfahrt offeriert mir ein Ober 2 Speisekarten, eine serbische und eine Art deutsche. Ich bestelle ein "Wiener Frühstück": Kaffee, 2 Scheiben Weißbrot, Butter, Marillenmarmelade (nicht abgepackt!), 2 Eier (kernweich) auf einem flachen Teller serviert. Die Preise sind moderat: (Wr. Frühstück: € 3,80 / Bečki doručak: DIN 308.-). Die Übersetzungen einzelner Artikel der serbischen Speisekarte in die deutsche sind Vergleichsstudien wert: Warme Vorspeisen/Topla predjela: serb. "Pečivo (pašteta, kroasani)" -> dt. "Bröchen"; Jela po porudžbini/Speisen auf Bestellung: serb. Pohovani Kačkavalj -> dt. "Bach Katshkawal" ??? (gemeint ist wohl "Gebackener Käse"); Toplici napici / Warme Getränke: "Kuvana rakija" -> dt. "geröstete Sliwowitz", serb. "Kuvano vino" -> "Geröstete Wein": Na, dann – "Za zdrave!" – "Prost!" So vergeht die Zeit "wie im Zug" ...
Jetzt fahren wir über die Donaubrücke – eingleisig! Нoви Caд/Novi/Sad. Wir fahren über die weite Vojvodina-Ebene der serbisch-ungarischen Grenze zu. Riesige Felder mit bereits abgetrockneten Sonnenblumen und Mais. Ankunft in Cуботица/Subotica: wer den Speisewagen aufsuchen will, dem wird dies verwehrt: wegen der Grenzkontrollen (zum EU-Ungarn) muss der Speisewagen leer sein. Der Speisewagen-Kellner findet dies "stupid" – ich auch! Erst nach Kelebia kann ich wieder kommen, eine Çorba + Šnicel Karaðorðe + Salat (mit Käse) bestellen. Der serbische Kellner preist sein serbisches Bier an, bringt aber dann doch ein Bitburger – naja, ich will ja nicht streiten ... Salat sehr gut, Šnicel riesig – gut.
Da wir mit erheblicher Verspätung (+ 44') in Budapest-Keleti pu ankommen, ist ein planmäßiger (Ersatz-)344 schon nach Wien abgefahren und unsere Wagen werden auf ein Abstellgleis geschoben. Ein Verschieber erklärt mir in perfektem Ungarisch, dass unsere Wagen erst mit dem EN 466 (Wiener Walzer) um 17:50 weiterbefördert werden. Also nochmals fast 2 Stunden Zwangsaufenthalt – aussteigen verboten! Erst als wir eine Viertelstunde vor Abfahrt auf den Abfahrtsbahnsteig rangiert werden, kann sich eine verzweifelte Mitreisende schnell noch ein Getränk besorgen. Im Utasellátó, Bauart DR, können die Kellner ihre Balancierkünste und die Gäste Kaffeetrinken aus überschwappenden Suppentassen lernen ... Um 0:33 Uhr statt um 23:52 komme ich endlich in Salzburg an. Trotzdem: das nächste Mal möchte ich Maghrebinien wieder in einem Zug erleben.

Reiseplanung: (Salzburg –) Wien – Beograd – Sofia: 

Wien West Dimitrovgrad (City-Star-Ticket (VC+RAILPLUS))  €128,20
Dimitrovgrad ↔ Sofia (Railplus)  €    9,40
Schlafwagen T2 Wien à Sofia      €   39,60
Schlafwagen T2 Sofia à Beograd €   12,00 [1]
Reservierung Beograd à Wien West  €     3,40
Summe € 192,60

↔ = Hin- und Rückfahrt;
à
= einfache Fahrt

Hinfahrt
via Budapest
via Zagreb
via Zagreb
Salzburg Hbf ab 17:03   OEC 69 15:04  EC 115 17:13   EC 315
Wien Westbf an 19:38    
Wien Westbf ab 20:03   D 347 17:47
Villach an   18:04  IC 311  
Villach ab   19:48  
Ljubljana an   21:05  D 411  
Ljubljana ab     00:01
Zagreb an     00:15   D 411
Zagreb ab      
Sofia an 17:44   D 411 17:44 17:44
Dauer 23:41 25:40 23:31

 

Rückfahrt via Budapest via Budapest via Zagreb
Sofia ab 13:10  D 490 22:20  D 292 22:20   D 292
Beograd an   05:18 05:18
Beograd ab   08:20  IC 344 06:25   IC 21
Wien West an 08:57 19:09  
Wien West ab 09:30  OEC 162 19:30  OEC 768  
Salzburg an 12:27 22:07 20:48
Dauer 24:17 24:47 23:28

Bei den Ankunfts- und Abfahrtszeiten wurden nur die Umsteigebahnhöfe berücksichtigt. Es zeigt sich, dass die klassische [Orient-]Verbindung über Ljubljana – Zagreb (wieder) die schnellere ist. Allerdings lässt sich (noch immer) kein Schlafwagenplatz für den D 411 (Ljubljana – Sofia) von Österreich aus buchen! Da aber der Übergang vom EC 315 auf den D 411 in Zagreb ohnedies sehr kurz und riskant ist, empfiehlt sich eine frühere Abfahrt von Salzburg (15:04 EC 115), wobei mit etwas Glück in Ljubljana der Kauf eines SW-Platzes  noch möglich sein sollte.


[1]  Kauf beim Schlafwagenschaffner (= Verhandlungssache, ohne Beleg)