Blagosloveşte!
Das rumänisch-orthodoxe Kloster
"Schitul Românesc Prodromul" auf dem Berg Athos (Sf. Munte)
Streng genommen zählt "Prodromul" (gr. Σκήτη του Τιμίου Προδρόμου) nach der Tradition nicht zu
den 20 angestammten Klöstern (die in der Hauptstadt Karyes vertreten sind),
sondern ist trotz seiner Größe "nur" eine Skiti (d.i. ein Mönchsdorf
mit mehreren Kalybes (= Hütten) und einem Kyriakon (= Hauptkirche)). Die Skiti
Prodromul, die, wie der Name schon hindeutet, Johannes dem Vorläufer (rum. Sf.
Ioan Prodromul (Botezatorul), griech. Πρόδρομος, Fest am 7.Jänner) geweiht ist
gehört zum Kloster der Großen Lawra (gr. Ι. Μ. Μεγήστης Λάβρας) im Südosten der
Athos-Halbinsel. Gut 1 Stunde Fußmarsch benötigten wir 4 Athos-Pilger am 7.
April 2001 (Erweckung des Lazarus) von der Lawra, bis wir in der Nähe der Skiti
Prodromul (ca. 250m Meereshöhe, über dem Kap Akrathos) endlich einen
rumänischen Mönch mit Blagosloveşte!"[1]
begrüßen durften. – "Domnul!"[2]
war seine richtungweisende Antwort – nicht von ihm, sondern vom Herrn komme der
Segen! –

"Rumänen ... finden sich seit Anbeginn unter den
Athosmönchen" schreibt Fallmerayer
(a.a.O., S.147) 1861. "Eigenartigerweise kam es nicht zur Entstehung
eines rumänischen Großklosters. Dabei haben die Fürsten der Moldau und Walachei
über so manches Athoskloster eine Schutzherrschaft ausgeübt oder traten als
Wiedererbauer abgebrannter oder beschädigter Klöster und Stifter hervorragender
Wandmalereien hervor." Der rumänische Einsiedler Justin hatte Anfang
des 19.Jahrhunderts für Mönche aus seiner Heimat ein Kellion (= einem Kloster
zugehöriges Einzelhaus) errichtet, das ab 1820 von Mönchen aus Moldawien
besiedelt wurde, daher auch der offizielle Name Μολδαυηκή Σκήτη του Τιμίου Προδρόμου. Die griechischen
Befreiungskämpfe gegen die Türken hatten zunächst schwere Rückschläge gebracht,
dann allerdings war durch die Initiative des Metropoliten Sophronios durch die
moldawischen Mönche Nymphonios und Nektarios (Ieroschimonahii Nifon şi
Nectarie) aus Jassy die Ansiedlung zu einer Skiti ausgebaut worden. 1856
wurden alle Rechte durch den Patriarchen von Konstantinopel bestätigt. Ein
offenstehendes Gartentor lädt uns zum Eintreten in den Klosterbezirk ein. In
der Mitte des Klosterhofes erhebt sich die Hauptkirche, die dem Hl. Johannes
dem Vorläufer (Sfântul Ioan Prodromul) geweiht ist. Aber zuerst suchen
wir den Empfangsraum für Gäste auf; der Gastpater (Arhondarul) empfängt
uns überaus freundlich mit Kaffee und Wasser, einem Gläschen ţuicǎ
Athosului und rahatul. Wir fragen, ob wir nächtigen können: ja, es
ist möglich und es wird uns ein Schlafsaal mit Fensterblick nach Westen
gezeigt, wir fühlen uns wohl, weil es Petroleumlampen gibt (das Kloster hat
kein elektrisches Licht)....
Das
Kloster wird kinowitisch (d.h. gemeinschaftlich) geführt, das heißt, es gibt
einen Abt, der uns auch freundlich begrüßt und uns nach der Vesper zum
gemeinsamen Abendbrot einlädt.
Da
wir aber bis dahin noch Zeit haben, nützen wir das Tageslicht und gehen ein
Stück auf der gepflasterten Straße, die zum Hafen am Kap Akrathos führt, um
dann nach rechts zu einem Kellion abzuzweigen, in dem ein Einsiedler lebt, der
aber lustigerweise eine freundschaftliche Beziehung zu Fliegern unterhält, was
auch durch zahlreiche Fotos in seiner Zelle dokumentiert ist. Von dort ist es
nur ein kurzer Abstieg zu den (mittlerweile verlassenen)
"Adlernestern", den Höhlen der hl. Asketen Theodoros und Niphon.
Der größte Schatz des Klosters ist eine wundertätige,
nicht von Menschenhand gemalte Ikone (Acheiropoieta, Festtag 12. Juli), die der
Legende nach 1863 von einem Mönch George als Marienbild angefertigt
worden sein soll. Allein, George soll nicht imstande gewesen sein, das Gesicht
der Gottesmutter zu vollenden, da seine Hand zitterte, sobald er sich der Ikone
näherte. Doch die Ikone vollendete sich von selbst, nachdem sich der Mönch
zurückgezogen hatte, um Buße für seine Sünden zu tun. Im Kloster selbst gibt es
noch wertvolle Reliquien, vor allem des Hl. Johannes des Vorläufers, des Hl.
Klemens, des Hl. und Großmärtyrers Dimitrios und der Erzmärtyrer Viletar und
Minos.
Zum
Abendbrot gibt es Krautsuppe, Brot und sogar einen Becher Wein. Es schmeckt uns
nach der langen Wanderung!
Im
Vorraum (Exonarthex) der Hauptkirche entdecken wir noch ein bemerkenswertes
Fresko, das vom Mönch Ghenadie stammt: Eine Klosterinventarisierung aus
dem 19.Jh., in der alle 20 Athosklöster in hierarchischer Abfolge in der Art
eines Stammbaums dargestellt sind:

In der Nacht dürfen wir die Hl. Liturgie mitfeiern, wir werden nicht müde,
den wunderbaren Wechselgesängen zu lauschen und brechen am frühen Morgen
Richtung Ag. Anna und I. M. Ag. Pavlou auf, nicht ohne dem Abt und seinen
Mönchen für die große Gastfreundschaft zu danken mit einem aufrichtigen „Mulţumesc!“[3]

Anm.: Dieser Beitrag erschien auch u.d.T.: „Pilgerfahrt zum Heiligen Berg Athos (Sfântul
Munte)“ in: Vestea cea buna – Die Frohbotschaft. Buletinul Parohiei Ortodoxe
Romane / Pfarrblatt der rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinde Salzburg. Ian.
2003, S.[2].
Literatur (Auswahl):
Baumgaertner, M.: Bilder zur Reise nach Athos.
Cândea,
Virgil: Tezaurul Muntelui Athos expus la
Salonic. Marturii culturale românesti necunoscute.
Fallmerayer, Jakob Philipp: Hagion Oros oder der Heilige Berg Athos. Hrsg., komm.
v. Franz Hieronymus Riedl. Bozen
1978. S.147.
Huber, Paul:
Athos. Zürich
1969. S.129.
Κρήνες τού
Άγίου Όρους μέ
γλυπτό
διάκοσμο. Θεσσαλονίκη
1999. (Λεύκωμα –
Ημερολόγιο 1999.) Σ.108.
“Omul cu scara”. In:
LA&I. Litere, Arte, Idei. 8 iulie 2002, P.4.
SFANTUL NIFON, PATRIARHUL
CONSTANTINOPOLULUI.
Starrach,
Helmut: Der Ruf des Athos. Freiburg
2002. S.90 ff.
The Skyte of Saint John the Baptist.
Το
Άγιον Όρος. Το
περιβόλι της
Παναγίας.
Θεσσαλονίκη. Σ.54.58.
Trumler, Gerhard: Athos. Linz
1990. S.166.
Vorbach, Hans: Licht vom Heiligen Berg Athos. Salzburg [1995]. S.241 ff.