Die erste Zeit war wirklich nicht so leicht. Sie war einfach scheu und verängstigt, verfolgte aus sicherer Entfernung aufmerksam jede meiner Bewegungen, immer bereit, sich sofort im Häuschen zu verkriechen. Da ich es mir zur Lebensaufgabe gemacht hatte, sie handzahm zu machen, musste ich zuerst lernen, mich in Zeitlupentempo im Zimmer zu bewegen, um sie nicht durch hastige Bewegungen zu erschrecken. Als sie sich an meine Anwesenheit gewöhnt hatte, näherte ich mich ihr ganz langsam mit einem Leckerbissen in der Hand (in diesem Fall war es ein Stückchen Banane). Zuerst wollte sie es nicht nehmen und je näher ich kam, desto weiter rückte sie weg, bis es mir gelang, ihr das Obststück direkt unter die Nase zu halten. Nach kurzem Zögern schnappte sie es sich und begann genüsslich daran zu knabbern. Ab diesem Moment war alles nur mehr halb so schlimm. Ich wusste, daß man ganz junge Streifenhörnchen leichter handzahm machen kann, wenn man ihnen Milch mit hohem Fettgehalt (7,5%; 1:1 mit Wasser verdünnt) in einem Puppenfläschchen gibt. Das junge Hörnchen nimmt diese Milch sehr gerne zu sich, da es eigentlich noch von der Mutter gesäugt würde und durch das Fläschchen denjenigen, der es füttert, als "Ersatzmutter" annimmt, was bei meinem "Baby" wirklich funktionierte.

 
 

In dieser ersten Zeit als Streifenhörnchenbesitzer ist es ungemein wichtig sich so viel wie möglich mit dem Hörnchen zu beschäftigen. Nur so kann das Tierchen seine Angst überwinden und zutraulich werden. Wenn es dann einmal soweit ist, und das Hörnchen vor der menschlichen Hand keine Scheu mehr hat, beginnt es den ganzen Körper als "Kletterbaum" zu benützen. Streifenhörnchen sind da sehr geschickt und können auch kopfüber am Hosenbein entlang flitzen (siehe Foto).

 

Wie gut mein Hörnchen klettern kann, hab ich allerdings stark unterschätzt. Ich habe glatte Holzmöbel und dachte, daß das Tierchen sowieso nicht auf die zwei Meter hohen Regale hinaufklettern kann, da es ja an der glatten Oberseite des Holzes keinen Halt findet. Deshalb habe ich meine Zimmerpflanze in das oberste Fach gestellt, da man ja davon ausgehen muß, daß fast alle Zimmerpflanzen f|r Streifenhörnchen gefährlich - weil giftig - sind und man sie deshalb davon fern halten sollte.    
Als ich dann nach einer halben Stunde Abwesenheit wieder mein Zimmer betrat, machte ich eine überraschende Entdeckung. "Hörnchen" saß auf dem Boden und knabberte fleißig an den Wurzeln meiner Pflanze, die den Sturz aus zwei Metern Höhe offenbar ganz gut überstanden hatte, allerdings nicht mehr im Topf war, weil das Hörnchen die Pflanze ausgegraben und in der Blumenerde ein ausgiebiges Erdbad genommen hatte. Obendrein fand ich einige sorgfältig vergrabene Kerne im Blumentopf, die sie anscheinend für den Winter als Vorrat anlegen wollte. Wie das Hörnchen auf den Kasten hinauf konnte, wurde mir dann nochmals von ihr höchst persönlich und stolz demonstriert. Sie kletterte nämlich an meiner Rauhfasertapete senkrecht (!) hinauf und hangelte sich dann kunstvoll über den Vorhang. Eine wahrhaft artistische Leistung. Auf jeden Fall bin ich jetzt klüger und stelle überhaupt keine Pflanzen mehr in dieses Zimmer.