
Um einige Sehenswürdigkeiten der grünen Insel zu Gesicht zu bekommen, sollte man schon 14 Urlaubstage einplanen. Hinsichtlich Unterkunft braucht man sich im vorhinein nicht allzuviel den Kopf zu zerbrechen, weil überall Privatzimmer vermietet werden (Bed und Breakfast = B & B). Wers ein bißchen uriger will, gönnt sich eine B & B-Camping-Mischung wie wir und verbringt auch mal ein paar Nächte am Campingplatz. Natürlich ist es vorteilhaft für den An- und Abreisetag ein Domizil über Internet zu reservieren (meist 20 - 25 €/Person). Da gehört auch ein Mietauto dazu, das einen in die wunderschönen Küstenregionen bringt und Mobilität verleiht. Mit der nötigen Vorsicht gewöhnt man sich auch bald an den örtlichen Linksverkehr (jaja links schalten =). Ein Tag Eingewöhnung als Fußgänger ist dabei sehr empfehlenswert ;-)
Von
Cork ausgehend traten wir unsere Reise in den südlichsten Teil der Insel
an. Danach gings inselaufwärts nach Killarney und Galway. Den krönenden
Abschluß machte Dublin. Uns ist es letztlich gelungen eine ideale Mischung
zwischen Kultur, Natur und Ausgehen zu finden, was den Urlaub 2002 zu einem
unvergeßlichen Erlebnis machte.
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Cork,
der Startpunkt unserer Irlandreise, begrüßte uns gleich
mit einem Temperaturschock. Von sommerlich österreichischen Temperaturen
gabs am Flughafen von Cork gleich mal einen Dämpfer auf irische 15 Grad.
Möglicherweise auftretenden Schnupfen macht aber bald die gesunde Meeresluft
wieder zunichte ... Nach unserer Ankunft, fuhren wir mit dem Bus ins Zentrum,
wo uns ein Taxi direkt zur B&B-Unterkunft brachte, die wir schon über
Internet reserviert hatten und sich als ganz adrett herausstellte. Hier machten
wir auch erstmals Bekanntschaft mit dem besagten "Irish breakfast"
mit "black pudding" (= kein Schokopudding *g*) scrambled eggs, Würsteln,
Toastbrot, Cerealien, etc ... mhhh, lecker.
Im Zentrum von Cork, nahe der St. Patrick Street herrscht ständig reges
Treiben. In den Randbezirken bekommt man den Eindruck, dass diese Stadt in der
Vergangenheit nicht unbedingt von Wohlstand gesegnet war. Hier sind die Strassen
eng, die Häuser wirken eher klein und sparsam.
Es lohnt sich jedenfalls die Walkman-Tour durch das Cork Gaol Gefängnis
zu machen, wo man Details über das Schicksal einiger Insassen erfährt.
Als Student ist natürlich ein Abstecher auf das University College unvermeidbar,
wo man in der Cafeteria einen Happen zu sich nimmt und den einladenden Campus
näher begutachtet.
Für das nächtliche Vergnügen hat Cork ein paar Pubs zu bieten,
die aber recht zeitig zusperren. Wer länger ausgehen will läßt
sich am besten zu einem der Night Clubs lotsen (=normale Disco), wo man für
ein paar Euro Eintritt bis in den frühen Morgen aktiv sein kann. Das Fortgeh-Mekka
ist Cork aber bestimmt nicht =)
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Ab in den Süden ... hieß es dann als wir die ersten
Fahrversuche im Mietauto, einem neuwertigen Opel Zaphira unternahmen. Nach den
ersten Kilometern mit mir am Steuer dachten bestimmt alle daran, wie wir die
Reise auf der linken Straßenseite wohl heil überstehen würden
... Speziell auf den ersten Fahrkilometern ist jede Co-Pilotunterstützung
sehr willkommen. Aber manchmal schreien die Passagiere auf den billigen Plätzen
auch nur unbegründet =)
Die nächstgelegene südliche Stadt auf unserer Reiseroute war Kinsale.
Dabei wird man die zwei heil gebliebenen Außenspiegel beschwören,
dass sie noch länger dem eng vorbeirauschendem Gegenverkehr widerstehen
mögen ... Diese Gedanken werden aber mit zunehmender Meeresnähe schnell
vergessen, denn es gibt hier immer MEER zu sehen!
Obwohl wir später glaubten irgendwo im Küstenbereich unsere Zeltlein
aufschlagen zu können wurden wir bald eines Besseren belehrt. Campen ist
nämlich meistens verboten (by law - huiii). Mit ein wenig Glück schaffen
es manche aber im Garten eines Landhauses zu campen wie wir =) " ... you
can camp herrr in the garrrdn!" sagte ein netter älterer Herr.
Als wir uns in der Gegend umsahen tat sich uns unweit unseres Lagerplatzes ein
herrlicher Rundblick auf. Von da oben konnten wir sogar das Meer sehen. Einzig
die Kälte bekam uns weniger, die uns mit der untergehenden Sonne immer
tiefer in den Schlafsack kriechen ließ.
Guten Mutes konnten Dietmar und ich sogar den Sonnenaufgang verfolgen, welch
Schauspiel sich überraschend in Abwesenheit aller zuvor Kapitulierenden
vollzog.
Nächsten Tag konnte es weitergehen. Während alle dunklen Wolken nach
Cork zogen, herrschte an der Küste herrlicher Sonnenschein! Neben dem sehenswerten
Bantry House hatte sich der Ring of Beara in unser Pflichtprogramm gedrängt.
Der Ring of Beara ist bei Touristen nicht so beliebt wie der
Ring of Kerry. Wir haben aber festgestellt, dass er durchaus seine Reize besitzt.
Entlang der kurvenreichen und abenteuerlichen Strasse gibt es immer wieder Momente,
die man einfach in sich aufnehmen muss.
Autobusse haben auf den sehr schmalen Strassen der Randzonen keine Wendemöglichkeit
mehr und so besteht für sie oft ein Fahrverbot. Selbst für PKWs bleibt
manchmal nur die Möglichkeit des Zurückschiebens. Dass alles schön
eng bleibt und niemand aufs Bankett ausweichen kann, dafür sorgen nämlich
die urigen, mit Gras verwachsenen Steinzäune am Straßenrand. Nebenbei
dienen sie auch dazu Weideland und Schafe einzugrenzen.
Nahe Alliehies gibt es einen sehr schönen Campingplatz direkt am Meer gelegen.
Ein angenehmes Gefühl, wenn einem am nächsten Morgen beim Öffnen
des Zelteingangs das Meer entgegenlacht.
Zum Baden sind 18 ° Lufttemperatur fast zu frisch - es sei denn man ist
ein hartgesottener Franzose *g*. Die Temperaturen müssen da schon mitspielen
und so sollen die Iren angeblich erst im September schwimmen gehen, wenn es
am wärmsten ist.
Unsere nächsten Entdeckungen sollten sich auf das Gebiet rund um Killarney
erstrecken. Will man diese Stadt vom Süden erreichen, muß man den
Peakeen Mountain mit seinen 555 m überqueren. Die kurvenreiche Strecke
bietet jede Menge Fahrspaß. Dabei sollte man aber keines der Schafe über
den Haufen fahren, die hier regelmäßig die Weiden verlassen und unbekümmert
auf der Strasse herumstreunen.
Bergab bieten sich einem zahllose Aussichtpunkte auf den Killarney National
Park. Viele Touristen ergötzen sich später auch am Anblick des Torc
Waterfall, wo man einfach den anderen Touristen nachlauft und sich dabei wie
auf einem Spaziergang durch den Regenwald vorkommt. Auch nach dem Wasserfall
huschen die Touristen eifrig weiter den Trampelpfad entlang, weil andere das
auch tun, in Erwartung irgendeines Ereignisses. Auf die Frage, was denn da noch
sei meinte ein Ire einfach: "Let's find out ...".
Killarney, so haben wir bald festgestellt, ist ein richtiger Touristenmagnet.
Jeder Turi, der mal in Irland unterwegs ist und sich den Ring of Kerry ansieht,
macht bei dieser Tour auch in Killarney halt. Hier bieten sich einem auch weitreichende
Möglichkeiten zu Shoppen oder sein Abendprogramm zu gestalten.
Ein täglich warmes Essen ist in Irland kein billiges Vergnügen. So
bedeuten 12 € etwa die untere Preisklasse der angebotenen Speisen. Nach
einem Abendessen sind dann 18 - 20 € schnell ausgegeben. Wer den Iren vorweg
eine schlechte Küche zusprechen wollte, wird jedenfalls eines besseren
belehrt, denn das Essen war stets vorzüglich.
Eine wunderschöne Wanderroute bietet sich beim Gap of Dunloe an, die von
Touristen auch sehr gerne besucht wird. Hier bieten sich sogar Pferdekutschen
an, die bis in die frühen Abendstunden unterwegs sind. Das Wetter war uns
stets wohlgesonnen und so unternahmen wir unsere Wanderung bei strahlendem Sonnenschein.
In dieser besonnenen Landschaft fanden wir auch einen gepflegten Rasen am rauschenden
Bach, wo wir in der Horizontalen sogar ein wenig Bräune tanken konnten
=)
Noch eine Location sollte man unbedingt besuchen: Mucross House ist ein sehr
schönes Schloss aus dem 19. Jh. und liegt am idyllischen Muckross Lake.
Auf dem gepflegten Rasen des weitreichenden Parks kann man durchaus mal den
Ball zum Kicken auspacken ...
Der Ring of Kerry ist eine wohlbekannte Touristenroute, die
in den letzten Jahren für den Strassenverkehr sehr gut ausgebaut wurde.
Überhaupt scheinen die berüchtigten irischen Schlaglöcher mit
den Mitteln der EU zugestopft worden zu sein =)
Zweifelsohne ist dieser Ring der optische Leckerbissen schlechthin, den man
mühelos an einem Tag mit dem Auto zurücklegt. Dabei ist ein Abstecher
nach Knightstown auf der Valentia Island sehr zu empfehlen, dass über eine
Brücke zu erreichen ist. Speziell die Fahrt in den Norden dieser Insel
ist von besonderer Schönheit!
Mit der nötigen Fahrgeschicklichkeit schafft man es auch bis zum dortigen
Leuchtturm und klettert auf den braunen Felsen herum, an denen auch während
der Ebbe zahlreiche Muscheln unermüdlich fest kleben. Ja, hier kann man
jedenfalls schön ausspannen ...
Waterville ist ein sehr netter und gepflegt wirkender Ort am Meer. Hier gibt
es auch einen schmalen Sandstrand und eine Strandpromenade, die zum Entlangehen
einladen.
Auch wenn man glaubt bald keine Überraschungen mehr zu erleben und schon
ein Küstenfoto nach dem anderen geknipst hat, kommen in Irland immer wieder
Momente der Verunsicherung auf einen zu. Nach Waterville gibts noch einmal abenteuerliche
Strassen mit Gegenverkehr zu meistern, bis man im Süden der Insel wieder
auf besser ausgebaute Strassen stoßt. Hier geht die Straße nochmal
direkt an der Küste entlang und über den Peakeen Mountain wieder nach
Killarney zurück.
Bevor wir der Irischen Westküste endgültig den Rücken
zukehrten, stand natürlich ein Pflichtbesuch bei dem Cliffs of Moher am
Programm, die einem mit ihren 200 Metern Tiefe schon ordentlichen Respekt einflößen.
Zuerst traute ich meinen Augen nicht, als ich da ein paar Wagemutige am Rande
der Klippen liegend oder auch sitzend in die Tiefe starrend vernahm. Nach einem
kleinen Spaziergang auf einem der Trampelpfade war es mit meinem Mut nun endlich
soweit, und ich wollte es auch unbedingt versuchen. So robbte ich mich auf allen
Vieren an den Abgrund heran und blickte den senkrecht abfallenden Abgrund hinunter.
Obwohl in liegender Position ja so gut wie nichts passieren kann, spürt
man doch, wie wichtig diese paar richtig gelagerten Kilo Körpergewicht
sind =)
Unsere Reise brachte uns schließlich weiter nach Limerick. Diese Stadt
konnte uns, trotz einer zugegeben prachtvollen Burg und der St. Mary's Cathedral
nicht zum Bleiben verleiten. Das Shopping-Angebot hingegen war sehr überzeugend.
Nach einer kleinen Shopping Tour entschlossen wir uns aber bald für eine
Weiterreise nach Ennis um dort die Nacht zu verbringen.
Diese Entscheidung stellte sich bald als Volltreffer heraus. So vernahmen wir
in einem Pub Irische Volksmusik in ihrer Perfektion. Improvisation war angesagt
und so gaben sich etwa 20 Musiker ohne jegliches Notenmaterial den irischen
Klängen bis in die späte Nacht hin und erfanden immer wieder neue
Variationen ihrer melodischen Klänge.
Galway war eindeutig das nächste Highlight. Es verfügt über eine
besondere Ausstrahlung, die vom geselligen Zentrum und den bunten Häusern
dieser Stadt auszugehen scheint. Dort herrscht am Nachmittag buntes Treiben
- nicht zuletzt dank aktiver Touristen - und man nimmt hier gerne mal einen
Kaffee zu sich.
Hinsichtlich Abendprogramm waren wir im "Kings Head" überwältigt
von der hoch qualitativen Live-Performance einer Rockband. Überhaupt trafen
wir in Galway auf das bisher interessanteste Nachtleben, das durch einladende
Pubs mit Livemusik sehr stark aufgewertet wird. Und obwohl wir schon zuvor mit
dem Schlimmsten rechneten - Die Irischen Frauen sind bei weitem nicht unattraktiv!
Nach Galway hieß es dann ab nach Dublin. Doch auf dem Weg dorthin lohnt
es sich durchaus einen Stop bei einer der alten Klostersiedlungen einzulegen,
und auf deren langjährige Geschichte zurückzublicken. Im Landesinneren
Irlands gibt es meiner Meinung nach keine allzu grossen landschaftlichen Unterschiede
zur Österreichischen Voralpenebene.
Die Hauptstadt Irlands erreichten wir glücklicherweise erst nach einem
eineinhalbwöchigen Fahrpraxistest. Das Verkehrsaufkommen ist hier ziemlich
hoch aber nicht nicht unbezwingbar =)
An das unverfangene, stresslose Ambiete der bisherigen Städte kommt Dublin
nicht heran. Vielmehr herrscht hier das geschäftige Treiben einer typischen
Großstadt. Auch unsere B&B Gastgeber hätten sich in Puncto Freundlichkeit
von unseren bisherigen Vermietern der Provinz eine Scheibe abschneiden können.
Dass Dublin aber trotzdem zu einem unserer Highlights wurde, verdankte es der
breiten Vielfalt an Möglichkeiten sein Nachmittags- und Abendprogramm gestalten
zu können. So lohnt ein Besuch des Trinity Colleges, dessen Museum das
"Book of Kells", eine farbenfrohe Prunkschrift aus dem 9ten Jahrhundert
präsentiert. Der "Long Room" der alten Bibliothek läßt
einen die Athmosphäre wissenschaftlichen Arbeitens im 18 Jahrhundert erahnen.
Hier befindet sich außerdem die aus dem 15. Jh stammende und somit älteste
Harfe Irlands, die auch auf den im Resteuropa spärlich verbreiteten Euro-Münzen
zu finden ist.
Wie das Leben so spielt, fanden wir in der Cafeteria des Trinity Colleges dank
einer Österreicherin Anschluß zu einer internationalen Gruppe von
Sprachreisenden. Damit war auch unser Abendprogramm positiv vorgeprägt.
Im Temple Bar District geht es bis in die frühen Morgenstunden voll zur
Sache. Nirgendwo sonst hab ich bisher eine solche Fülle an Pubs erlebt
wie in diesem Viertel. Hier genießt man sein Guiness, an das man sich
trotz des eigenen Geschmackes bald gewöhnt, bei Livemusik in äußerst
gut besuchten Irischen Pubs.
In Dublin erlebt man das Ausgehen in einer einzigartigen Dimension. Zur Pubkultur
gehören leider auch restriktivere Öffnungszeiten, die Bars mit Unterhaltungsprogramm
spätestens um 1:00 zum Schliessen zwingen. Jedoch scheint man das in Dublin
nicht so genau zu nehmen und so sucht man sich langsam aber doch nach den beseitigten
"Last Orders" um ca. 2 Uhr einen Nightclub. Dabei handelt es sich
um ein ganz normales Tanzlokal - wo Nachtaktive gegen Eintritt den Rest der
Nacht voll abshaken können.
Autor:
Ernst Rodlmayr
© Copyright 2003
Story location: http://members.a1.net/topperhaarley/reisen/story.htm