Die A8 München-Salzburg |

 |
|
| Vom Bau der
Reichsautobahn München - Landesgrenze |
| Auszüge aus
der Zeitschrift "Straßenbauer und Straßenbenutzer" 1935, Autor Friedrich Doll |
| An dem Beispiel des
Baues der Reichsautobahn München-Landesgrenze sollte gezeigt werden, welche
Maßnahmen ergriffen wurden, um die Vorarbeiten und Entwurfsarbeiten in
kürzester Frist durchzuführen und die Bauarbeiten selbst in schärfstem
Zeitmaß in Gang zu bringen und vorwärts zu treiben. Es soll ferner gezeigt
werden, welche Leistungen im Laufe eines Baujahres erzielt wurden. |
| Im Verlauf der Strecke
wird eine reichliche Zahl von Auffahrten geschaffen, so daß die
verschiedenen Luftkurorte und Ausflugsziele des Gebirges und der Vorberge
von Tegernsee bis Berchtesgaden über die Autobahn von München aus in
kürzester Zeit zu erreichen sind. |
| Bei Föching mündet
eine neu gebaute Zubringerstraße in die Kraftfahrbahn, die dem Verkehr nach
Bad Tölz und Tegernsee dienen wird. Bei Standkirchen wird der Verkehr
Miesbach-Schliersee-Bayrischzell abzweigen. Weitere Auffahrten sind
vorgesehen bei Irschenberg, Eulenau, Pfraundorf — hier für den Verkehr nach
Kufstein-Innsbruck und Rosenheim —, bei Rohrdorf für den Verkehr auf dem
rechten Innufer, bei Frasdorf für den Verkehr nach Aschau und Prien und das
nördliche Chiemsee-Ufer. Am Chiemsee selbst sind Auffahrten bei Bernau, Falt
und Feldwies im Bau. Am Chiemsee ist ferner ein Parkplatz vorgesehen. Die
Auffahrt Siegsdorf dient dem Verkehr zur Alpenstraße Inzell-Mauthäusl-Berchtesgaden und dem Traunsteiner Verkehr. Der Bad Reichenhaller Verkehr
mündet bei Piding in die Autobahn ein. |
| Die auf Grund des
Vorentwurfs von der Obersten Bauleitung durchzuführenden Untersuchungen über
die geologischen, landschaftlichen und sonstigen Verhältnisse waren bei der
Kraftfahrbahn München-Landesgrenze von besonderer Bedeutung. Die Führung der
Autobahnstrecke in einer vielfach unerschlossenen Landschaft von
überragender Schönheit verpflichtete uns Ingenieure dafür zu sorgen, daß die
Autobahn nicht als grober Eingriff in die Natur erscheint, sondern sich
vielmehr möglichst harmonisch in sie einfügt. Nach dem Willen Hitlers sollte
die Strecke München-Landesgrenze keine öde Rennstrecke werden, sondern eine
Kraftfahrbahn, die dem Benutzer die Schönheit unserer prächtigen
Alpenlandschaft voll erschließt. Aber auch andere Umstände zwangen zu
sorgfältigem, gewissenhaftem Vorgehen. Die geologischen und
bodenphysikalischen Verhältnisse des durchfahrenen Gebietes sind zum größten
Teil ungünstig. In einer Reihe von Abschnitten der Strecke
München-Landesgrenze durchschneiden wir die geologischen Schichten der
Grundmoränen, Erdschichten, die vorwiegend aus Geschiebemergel bestehen, der
bei durchfeuchtetem Zustand stark zu Rutschungen neigt: Es ist daher
gefährlich, derartige Erdschichten in steilen Hängen anzuschneiden, wenn
nicht die Gewähr dafür besteht, daß man durch ausreichende
Entwässerungsanlagen die Hänge gründlich trockenlegen kann. Auch durchzieht
die Kraftfahrbahn eine Reihe von Mooren, deren Untergrund meist aus nassem
Seeton besteht und daher für Dammschüttungen wie insbesondere für die
Gründung von Bauwerken manches Kopfzerbrechen macht. Weiterhin kommen in
großem Umfange Bodenschichten vor, die wegen ihrer physikalischen
Eigenschaften als frostgefährlich bezeichnet werden müssen. Sie sind nicht
ohne weiteres als Unterbau für die Kraftfahrbahn zu gebrauchen. Nach
umfangreichen Bohrungen und Schürfungen wurden alle Abschnitte wiederholt
mit den Landesgeologen begangen, die Bohrergebnisse geprüft und begutachtet.
Wo die Verhältnisse ungünstig waren, wurde nach neuen Lösungen gesucht, n
manchen Abschnitten haben wir eine ganze Reihe von Linien eingehend geprüft,
so z. B. zwischen Neukirchen und Reichenhall nicht weniger als 14. Alle
Abschnitte wurden auch mit unserem Landschaftsberater Privatdozent Seifert
begangen, dem wir manche wertvolle Anregung verdanken! |
| Bei der Kraftfahrbahn
München-Landesgrenze ist es uns trotz der Schwierigkeiten des Geländes
gelungen, im allgemeinen die Linie so zu führen, daß, von einigen wenigen
Abschnitten abgesehen, die Neigung von 5% nicht überschritten wird. Größere
Steigungen bestehen am Irschenberg und beim Abstieg zum Chiemsee, wo eine
Neigung im Gefälle mit 7,5% und in der Steigung von 7% einlegen werden mußte.
Bei den Krümmungen war man bemüht, im allgemeinen keine kleineren Halbmesser
als 2000 m anzuwenden. Mit Zustimmung des Herrn Generalinspektors wurde
jedoch bei der Autobahn München-Landesgrenze in mehreren Fällen bis auf 1000
m Halbmesser herabgegangen. Dadurch wurde es möglich, mancher
Geländeschwierigkeit Herr zu werden und vor allem die gute Einpassung in die
Landschaft zu erreichen, für den Abschnitt München-Siegsdorf wird der
bekannte Regelquerschnitt von 24 m Breite ausgeführt. Für den Abschnitt
Siegsdorf-Landesgrenze hat der Herr Generalinspektor einen Querschnitt von
17 m Breite ohne Mittelstreifen genehmigt. Zwei Gründe waren für die
Verringerung der Breite in diesem Abschnitt maßgebend. In Siegsdorf zweigt
die deutsche Alpenstraße Inzell-Mauthäusl-Reichenhall-Berchtesgaden ab. Die
Autobahn wird dadurch sehr stark entlastet, so daß eine Verminderung ihrer
Breite ab Siegsdorf gerechtfertigt ist. Außerdem ließen es die geologischen
Verhältnisse ratsam erscheinen, die Moränenhänge östlich von Neukirchen so
wenig als möglich anzuschneiden. |
| Bei der Ausrundung der
Kuppen wurde im allgemeinen Halbmesser von rd. 16000 m angewendet. In dem
bergigen Gelände östlich der Mangfall erzwang die Rücksicht auf die
Erhaltung der Landschaft, bis auf 10000 Meter Halbmesser herabzugehen. In
einem Falle mußten wir sogar 8000 m anwenden. Es ist jedoch auch bei diesem
Ausrundungsbogen noch eine Sichtstrecke vorhanden, die Geschwindigkeiten von
115 km/h ohne Gefahr zuläßt. In den Mulden wurden Halbmesser von 5000 m, in
einigen wenigen Fällen von 3000 m angewendet. |
| Der Umstand, daß alle
Wege, Straßen und Eisenbahnen von der Autobahn bahnfrei gekreuzt werden
müssen, und die Notwendigkeit, eine Reihe von Tälern und Wasserläufen zu
überqueren, stellte auch den Brückenbau vor interessante und reizvolle
Aufgaben. Als Hauptgesichtspunkt wurde bei den Reichsautobahnbrücken
berücksichtigt, daß der freie Blick für den Benutzer so weit als möglich
gewahrt bleibt. Es wurde daher bei den Kraftfahrbahnbrücken
München-Landesgrenze darnach getrachtet, die Tragkonstruktionen stets unter
die Fahrbahn zu legen. Bei Überführungen von Wegen und Eisenbahnen über die
Autobahn wurden alle Lösungen abgelehnt, die den Überblick über die Fahrbahn
einschränken würden oder bei denen die Kraftfahrer das Gefühl der Einengung
der Fahrbahn haben könnten. |
| Für die großen
Brückenbauten über die Mangfall und den Inn, deren Inangriffnahme besonders
vordringlich war, wurden Wettbewerbe unter den großen deutschen
Brückenbaufirmen und Tiefbauunternehmungen ausgeschrieben. Zugleich mit dem
Entwurf wurden auch verbindliche Angebote verlangt, um sofort nach
getroffener Entscheidung mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Für die
Überquerung des Inns wurde der Entwurf der Münchner Bauunternehmung Leonhard
Moll für eine Eisenbetonbalkenbrücke gewählt. Er entsprach in
wirtschaftlicher, schönheitlicher und technischer Beziehung am meisten. Bei
der Mangfall wurde eine Stahlbalkenbrücke über 3 Öffnungen zur Ausführung
bestimmt. Während bei der Mangfallbrücke der Mittelstreifen in Wegfall kommt
und die Fahrbahn geschlossen durchgeführt wird, bleiben die Fahrbahnen bei
der Innbrücke getrennt, der Mittelstreifen wird als offene Fläche belassen.
Nur an den Pfeilern sind Verbindungen zwischen den beiden Fahrbahnen
hergestellt. |
| Am 1. September 1933
wurde die Oberste Bauleitung München eingerichtet. Im Oktober wurde mit den
Holzfällarbeiten im Brunnthaler Forst und am 15. November bereits mit den
Erdarbeiten bei Unterhaching begonnen. Geländeaufnahmen und alle sonstigen
Vorarbeiten wurden trotz strenger Kälte und hoher Schneelage den ganzen
Winter 1933/34 über fortgesetzt. Ebenso wurden die Bauarbeiten selbst auch
während des Winters fortgeführt. So war es möglich, daß am 21. März 1934 bei
Eröffnung der Arbeitsschlacht in Unterhaching bereits 2700 Mann antreten
konnten. Um möglichst viele Arbeitskräfte ansetzen zu können, werden, wie
bei allen Obersten Bauleitungen, die Arbeiten überwiegend im Handschacht
durchgeführt. Nur in bestimmten Ausnahmefällen, wie z. B. beim Mooraushub,
ist der Einsatz von Baggern erlaubt worden. In rascher Folge wurden die
einzelnen Abschnitte baureif gemacht und in Angriff genommen. |
Am 12. September 1934,
genau 1 Jahr nach Einrichtung der Obersten Bauleitung München, stand der
gesamte Abschnitt von München bis Siegsdorf mit einer Länge von rd. 100 km
in Arbeit. Die Steigerung der Arbeitsleistung drückt sich aus in dem Einsatz
der Arbeitskräfte und des Gerätes. Im November 1933, bei Beginn der
eigentlichen Erdarbeiten, bestand die Belegschaft aus 600 Mann. Am 21. März
1934 bei Eröffnung der Arbeitsschlacht war sie auf 2700 Mann gestiegen.
Anfang September 1934 waren es 7700 Mann. Am 1.Dezember 1934 war die
Höchstzahl seit Baubeginn mit 11750 Mann erreicht. In fast allen Abschnitten
wird in Doppelschicht, in verschiedenen Losen sogar in 3 Schichten
gearbeitet. Im Dezember 1934 waren auf der Gesamtstrecke 259 Baulokomotiven
und 4400 Kippwagen mit 270 km Baugleis eingesetzt. Außerdem waren insgesamt
65 Baggergeräte verschiedenster Art und 24 Straßenwalzen in Verwendung. Mit
diesem Kräfte- und Geräteeinsatz wurden im ersten Baujahr folgende
Leistungen erzielt:
 | 1790 Bohrlöcher und Schürfgruben, 1360000 m2
Rodung, 1460000 m3 Mutterbodenabtrag, 4220000 m3
Erd- und Felsbewegung |
 | 2600 t Stahlkonstruktion. |
 | An sonstigem Stahl, Rundeisen, Spundwände usw. wurden 5
800 t verarbeitet |
 | 96 500 m3 Beton für Bauwerke, 16000 m3
Eisenbeton, 220000 m2 Betonfahrbahndecken. |
 | 88 Bauwerke, Brücken und Durchlässe sind fertiggestellt. |
 | Die Gesamtzahl der geleisteten Tagewerke beträgt:
1866000. |
|
| Bei Beurteilung der
Leistungen ist zu bedenken, daß der größte Teil der Strecke in einem Gelände
verläuft, das starke Höhenunterschiede aufweist, wodurch für die
Massenbewegung erheblich Schwierigkeiten erwachsen. |
| |
|
zuletzt geändert: 20.01.2004
|
|