Beginn des Autobahnbaus
in Österreich 
(1945 - 1954)


Die sonderbare Rolle der "Autobahnen" bei Salzburg
zwischen 1945 und 1954
Die beiden Autobahnäste von der Grenze Walserberg bis Salzburg-Mitte und vom Knoten Salzburg bis Salzburg-Süd wurden zwar 1941 fertig gestellt, galten aber nach dem Krieg für lange Zeit offiziell nicht als Autobahnen. Dies ich auch die Erklärung dafür, warum diese Strecken in keiner Statistik von damals aufscheinen. Ganz offensichtlich hing das Schicksal dieser Autobahnteilstücke wie vieles in Österreich in jenen Jahren an der Streitfrage um das "Deutsche Eigentum".
Die Autobahnen fielen so wie das gesamte "Deutsche Eigentum" in Österreich in den Besitz der Alliierten – in Salzburg der Amerikaner. In Österreich gab es nun um das "Deutsche Eigentum" einen jahrelangen Streit, da Westalliierte und Russen unterschiedlicher Meinung darüber waren, was damit geschehen soll. Dabei wurde pauschal vorgegangen, d.h. man strebte nach gesamtösterreichischen Lösungen, da man fürchtet, die von den Westalliierten Teil des Landes könnten sich von der sowjetischen Besatzungszone weg entwickelt, was - wie in Deutschland geschehen - zu einer Spaltung des Landes führen hätte können. Für die Autobahnen bedeutete dies offenbar, dass man sie bis zur Klärung aller Eigentumsfragen 1954 ganz einfach ignoriert hat. Eine verkehrspolitische sowie nationale Bedeutung besaßen die Autobahnteilstücke bei Salzburg ohnehin nicht.
   
    Bauzustand und Ausbau der Brücken östlich des bis 1941 fertig gestellten Teilstückes:
  1. Glanbachbrücke / Geländer und Schrammborde fehlten / 1949 Vollendung, ca. 1985 beidseitige Verbreiterung, 1997/98 erneuert
  2. GStr Salzachseesiedlung - Liefering / Geländer und Gusasphalt fehlte / 1949 Vollendung, ca. 1985 einseitige Verbreiterung, 1997/98 erneuert
  3. Salzachbrücke / Fahrbahndecke linke Brückenhälfte fehlte / 1949 Vollendung, Einsturz infolge Unterspülung nach Hochwasser am 13.08.1959, anschl. Neubau in urspr. Form, 1995-97 Neubau
    (an beiden Brückenköpfen Reichsadler-Relief mit Baujahrangabe erhalten)
  4. Lokalbahn Oberndorf - Salzburg / fertig gestellt / 1997/98 Verbreiterung
  5. Landstraße Bergheim - Itzling / Geländer fehlten / 1949 Vollendung, 1997/98 neuer Überbau
  6. GStr & Bach Plain-Kemating - Itzling / Geländer fehlten / 1949 Vollendung, 1997/98 Verbreiterung
  7. Feldweg Plain-Kemating - Gnigl / Geländer fehlten / 1949 Vollendung, 1997/98 Verbreiterung
  8. GStr Gaglham - Itzling / Geländer fehlten / 1949 Vollendung, 1997/98 Verbreiterung
  9. AS B156 Salzburg-Nord / fertig gestellt / ca. 1980 beidseitige Verbreiterung
  10. Talübergang Kasern / Fahrbahndecke und Geländer fehlten / 1949-53 Vollendung, ca. 1980 Parallelbauwerk
  11. GStr Nußdorf - Sam / Geländer fehlten / 1949 Vollendung, ca. 1980 beidseitige Verbreiterung
  12. Feldweg Nußdorf - Söllheim / nur Fundamente hergestellt / 1950 per Vertrag entfallen
  13. Talübergang Söllheim / westl. fertig gestellt, östl. Pfeiler nur bis Kämpferhöhe / 1953-56 Vollendung der fehlenden Gewölbe in Sichtbeton, Erneuerung und Verbreiterung Überbau ca. 1990
  14. Feldweg Berg - Söllheim / Schrammborde, Geländer und Entwässerung fehlten / Erneuerung und Verbreiterung Überbau ca. 1990
  15. GStr Hallwang - Söllheim / fertig gestellt / unverändert
  16. Gehweg Hallwang - Unteresch / fertig gestellt / unverändert
    (Reichsadler-Relief mit Baujahrangabe erhalten)
  17. Überführung GStr Hallwang - Zilling / Geländer fehlten / 1949 Vollendung, 2004 Neubau
  18. Gehweg Döbring - Söllheim / fertig gestellt / Erneuerung und Verbreiterung Überbau ca. 1990
  19. Feldweg Reicherting - Zilling / Geländer fehlten / 1949 Vollendung
  20. Talübergang Zilling / nördl. fertig gestellt, südl. Pfeiler nur Fundamente / 1949 Holzgeländer ersetzt, 1953-56 Vollendung, Erneuerung und Verbreiterung Überbau ca. 1990
  21. Gehweg Straß - Rappenwang / fertig gestellt / Erneuerung und Verbreiterung Überbau ca. 1990
  22. AS Wallersee / Fundamente und Steinverkleidung östl. Widerlager fertig / ca. 1957 Vollendung, Erneuerung und Verbreiterung Überbau ca. 1990
Im Frühjahr 1949 begann man, auf der Autobahntrasse eine Richtungsfahrbahn fertig zu stellen. Am 19. Dezember 1949 erfolgte die Freigabe die nördliche Richtungsfahrbahn zwischen Liefering (Anschlussstelle Salzburg-Mitte) bis zum damals noch unfertigen Talübergang Zilling für den öffentlichen Verkehr. In Zilling wurde der Verkehr auf einer provisorischen Straße zur Bundesstraße 1 auf- und abgeleitet. Am 12. Oktober 1951 konnte ein weiterer 1,6 km langer Abschnitt der südlichen Richtungsfahrbahn zwischen dem seit 1941 fertigen Autobahnteilstück bei Salzburg-Mitte bis zur Anschlussstelle Salzburg-Nord dem Verkehr übergeben werden. Im Bereich der Anschlussstelle Salzburg-Nord selbst waren auch schon 1941 beide Richtungsfahrbahnen fertig gestellt, eine Auf- und Abfahrtsmöglichkeit bestand aber nur für die nördliche Richtungsfahrbahn. Die Errichtung der Auf- und Abfahrtsrampen der südlichen Richtungsfahrbahn wurde aus sicherheitstechnischen Gründen verschoben, da die Abfahrt direkt bei der niveaugleichen und sehr unfallträchtigen Kreuzung der B156 mit der Westbahn eingemündet hätte. Vor dem Fertigbau der Anschlussstelle musste die Straße verlegt sowie ein niveaufreier Bahnübergang geschaffen werden. Die zweibahnige Autobahn führte etwa bei der Ortschaft Sam in den einbahnigen Abschnitt über. Die südliche Richtungsfahrbahn zwischen Sam und Zilling wurde Anfang der 1950er-Jahre vollendet.

Der halb fertige Talübergang Zilling nordöstlich von Salzburg im Jahre 1955, unmittelbar nach Wiederaufnahme der Bauarbeiten.
 
Erst am 19. Juni 1953 erließ z.B. die Salzburger Landesregierung ein Verkehrsverbot für Fußgänger, Radfahrer und nicht luftbereifte Fahrzeug sowie ein Verbot des Viehtriebs auf den fertig gestellten Autobahnabschnitten. Kurze Zeit später wurde aber wieder gestattet, dass Radfahrer den Standstreifen benützen durften.
Generell nutzte man die "Autobahnen" bei Salzburg in vielfältiger wie kreativer Weise.

Die "Autobahnen" bei Salzburg haben zwei Gefällestrecken: Von der Grenze Walserberg ostwärts und vom Knoten Salzburg-Nord westwärts. Beide Strecken eigneten sich damit hervorragend für Seifenkistenrennen. Am 24. Jänner 1948 gab es beim "Soap-Box-Derby" am Walserberg 20.000 Zuschauer.

Der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Kleßheim und Salzburg-Mitte war für die Abhaltung von Motorradrennen sehr beliebt, wobei es bis zu 25.000 Zuschauer gab. Bis zumindest 1952 fanden diese Rennen statt.

1952 tauchten auch Pläne auf, den Südast vom Knoten Salzburg bis Salzburg-Süd (heute A10 Tauernautobahn) zu einer regulären Rennstrecke nach dem Muster der früheren AVUS in Berlin auszubauen. 1954 versuchte sich auch der deutsche Rennfahrer Hans Stuck mit einem derartigen Projekt, stieß aber auf Ablehnung.

Von den ältesten Autobahnteilstücken Österreichs sind heute nur mehr wenige Bauteile erhalten.
Schon Ende der 1970er-Jahre musste infolge von Fahrbahnschäden die Betonfahrbahn zwischen der Grenze und Salzburg-Nord gegen einen Asphaltbelag ersetzt werden. 1982/83 wurde der bauliche schon äußerst desolate Abschnitt vom Knoten Salzburg bis Salzburg-Süd komplett erneuert.
1991 bis 1994 erfolgte die Erneuerung des baulich ebenfalls schon sehr schlechten Abschnittes zwischen Salzburg-Nord und Mondsee. Zwischen 1995 und 2001 wurde der Abschnitt zwischen den Knoten Salzburg und Salzburg-Nord erneuert und 6-streifig ausgebaut. Den Abschluss der Bauarbeiten bildete die Erneuerung der Westbahnbrücke über die Autobahn westlich des Tunnel Liefering im Jahr 2003.
Die einzige bei Salzburg noch in ursprünglicher Form erhaltene Brücke mit Originalquerschnitt (ohne Standstreifen) ist der Talübergang Kasern.

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zuletzt geändert: 26.12.2005


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