Zur
Geschichte der Autobahn |

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Die ersten "Autobahnen" in Deutschland |
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| Nachfolgende
Erläuterungen beruhen im Wesentlichen auf der Dissertation "Die Wahrnehmung
von 'Landschaft' und der Bau von Autobahnen in Deutschland, Frankreich und
Italien vor 1933" von Ingrid Strohkark sowie Berichten der Zeitschrift "Der
Straßenbau", Jg. 1929-37. |

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1. Die AVUS in Berlin |
| Das Konzept der
"Autobahn" mit getrennten mehrstreifigen Fahrbahnen dürfte ursprünglich aus
Berlin stammen. Hier errichtete ein private Gesellschaft
ab 1909 die AVUS ("Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße"). Wegen des 1.
Weltkrieges konnte diese etwa 10 km lange Versuchsstrecke erst 1921 fertig
gestellt werden. Sie bestand aus 2 breiten, parallelen Fahrbahnen mit
Umkehrschleifen (als Steilkurven ausgeführt; Rundkurslänge 19,5 km) an beiden Enden. Wenn keine Testfahrten erfolgten, konnte die
Strecke auch von den noch wenigen privaten Autobesitzern gegen Entrichtung einer
Mautgebühr benützt werden. Da die AVUS der schnellste Weg von Berlin
nach Potsdam war, gab es einen regen Verkehr. 1940 wurde die AVUS in
das Reichsautobahnnetz eingebunden und bildet heute die südwestliche
Stadteinfahrt von Berlin (A115). |
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2. "Schnellverkehrsbahnen" in der Weimarer Republik |
| In der Diskussion um
die zukünftigen Straßen in Deutschland spielte die "Studiengesellschaft für
Automobilstraßenbau" (kurz Stufa) eine besondere Rolle. Die Stufa wurde am 21.
Oktober 1924 im Haus des Vereins deutscher Ingenieure in Berlin von
Vertretern der Großindustrie und der technischen Wissenschaft gegründet. Im
Bericht der Stufa heißt es dementsprechend, wer "Gelegenheit gehabt hat, die
Entwicklung des Automobilverkehrs in außerdeutschen Ländern zu beobachten,
der kann mit Bestimmtheit voraussehen, dass in allerkürzester Zeit auch bei
uns ein enormer Verkehr, besonders auch mit Lastkraftwagen, einsetzen wird." |
| Zunächst war nur an den Ausbau
von etwa 15.000 km Landstraßen zu Fernverkehrsstraßen geplant. |
Ziel war es aber letztlich, ein Verkehrsnetz zu
bauen, welches, basierend auf einer vermuteten starken Verkehrszunahme,
allen Verkehrsteilnehmern zukünftig optimale Verkehrsbedingungen und
Sicherheit böte. Im Vergleich zum vorhandenen Straßensystem und angesichts
der Gefahren des gemischten Verkehrs auf den Straßen sah man in den zu
bauenden Nur-Autostraßen folgende Vorteile:
 | 1.
Absolut sicheren Verkehr bei Tag und Nacht. |
 | 2. Entlastung des überbelasteten und gefährlichen Mischverkehrs der
gewöhnlichen Landstraßen. |
 | 3. In wirtschaftlicher Hinsicht: Zeitersparnis! Und
Zeit ist Geld. |
 | 4. Die Möglichkeit größerer Schnelligkeitsentfaltung
als, die üblichen und zu schmalen Wege zulassen. |
 | 5. Geringerer Benzinverbrauch auf der ebenen Bahn und weniger
Unterhaltungskosten für Wagen und Reifen. |
 | 6. Staublosigkeit und Vermeidung der Gefahr des Rutschens. |
 | 7. Geringere Unterhaltungskosten für die Straße selbst. |
 | 8. Vermeidung innerer Gemeindegebiete, die für den Kraftwagenfahrer
gefährlich und zeitraubend sind." |
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Vor allem der 2.
Vorsitzende der Stufa, der in Hannover wirkende Professor für Statik und
Eisenbau Robert Otzen, beschäftigte sich seit 1922 mit der Idee spezieller
Autostraßen und vertrat dies mit Nachdruck,
wobei er ganz wesentlich von den Planungen Piero Puricellis in Italien
inspiriert war. Sein dafür gebildeter Fachausschuss trat am 3. Oktober 1926
erstmals zusammen. Die Vorschläge des Ausschusses wurden aber infolge der
schlechten Wirtschaftslage abgelehnt und der Bau von "nur für den
Kraftfahrzeugverkehr bestimmten Straßen in Deutschland für nicht
erforderlich" befunden. Von Otzen wurde 1929 auch der Begriff
"Autobahn" erfunden.
Besondere Bemühungen
zum Bau von "Schnellverkehrsbahnen" gab es in der damaligen preußischen
Rheinprovinz (heute Nordrhein-Westfalen). Aufgrund der hohen
Besiedelungsdichte und der Industrie des Ruhrgebietes war ein etwa 1340 km
langes speziell für hohe Verkehrsdichte ausgelegtes Straßennetz geplant,
wovon 580 km neu gebaut werden sollten. Teilweise waren dafür pro
Fahrtrichtung mehrere Fahrstreifen und auch eine bauliche Mittentrennung
vorgesehen. Während im Ruhrgebiet selbst keine reinen
Autostraßen geplant waren, sollten einige Überlandstrecken im Raum um Köln als "Nur-Autostraßen"
gebaut werden.
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Vor 1933 in Deutschland gebaute
"Autobahnen"
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Autobahnen |
Bauzeit |
Länge |
Träger |
Anmerkungen |
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AVUS |
1912-1921 |
ca.
10 km |
Avus GmbH |
Versuchsstrecke für bituminöse Straßendecken; auch als Rennstrecke
genutzt. Daneben diente sie auch dem Ausflugsverkehr im Westen Berlins
als Ausfallstraße. Heute Teil der A115. |
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Köln-Bonn |
1929-1932 |
20
km |
Rheinische Provinzial-
verwaltung |
Vorsitzender der Rheinischen Provinzialverwaltung war Konrad Adenauer
(damals Oberbürgermeister von Köln).
Keine räumliche Fahrbahntrennung. 1973 6-streifig ausgebaut. Heute A555. |
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Umgehungsstraße Opladen |
1931-1933 |
2,5
km |
Rheinische Provinzial-
verwaltung |
Teilstrecke der geplanten Autobahn Köln-Düsseldorf. Sie wurde nördlich
und südlich von Opladen an die Provinzialstraße, die heutige B8
angeschlossen. Eingeweiht wurde die 2,5 km lange Autobahn am 27. Sept.
1933 - vier Tage nach dem offiziellen Baubeginn der Reichsautobahnen -
vom Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen Fritz Todt. |
Weitere vor
1933 in Deutschland geplante "Autobahnen"
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Autobahnen |
Planungs-
beginn |
Geplante Länge |
Träger/Planer |
Anmerkungen |
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Köln-Düsseldorf |
1925 |
31,5 km |
Rheinische Provinzial-
verwaltung |
1932 wurde die Teilstrecke Köln-Bonn eröffnet. |
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Aachen-Köln |
1925 |
ca. 72 km |
Rheinische Provinzial-
verwaltung |
Die Autobahn sollte wirtschaftlichen Aufschwung in die Region bringen.
Eine Ostverbindung Aachen-Berlin war vorgesehen. Der Entwurf
von 1925 wurde nicht realisiert. Das Projekt wurde teilweise
in die Planungen der Reichsautobahn übernommen. |
Mannheim-
Heidelberg |
1926 |
15,1 km |
Nordbadische Autostraßen-
Gesellschaft |
Wurde in die Planung der HaFraBa integriert, um dann wie diese in die
Reichsautobahn übernommen zu werden. Heute A656. |
München-
Leipzig-Berlin - MüLeiBerl |
1927 |
667
km |
AG
Berlin-München |
Der
Bau der Strecke wurde vom Reichsverkehrsministerium abgelehnt. |
München-
Starnberger See |
1927 |
ca. 15 km |
Fa. Sager & Woerner, München |
In
der Verbindungsstraße zwischen München und dem Starnberger See wurden
geographische Übereinstimmungen mit der 1924 in Italien eröffneten
Autostrada Milano-Laghi gesehen.
Die Bedeutung der Autostraße lag v.a. im Tourismus. Technischer Leiter
der Fa. Sager & Woerner war von 1925 bis 1933 Fritz Todt (1933-1942
Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen). Zusammenarbeit mit dem
italienischen Ingenieur Piero Puricelli. Das Projekt wurde vor 1933
jedoch nicht realisiert und später in die Reichsautobahn München-Lindau
eingegliedert. |
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Leipzig-Halle -
LeHa |
1927 |
27
km |
Gesellschaft der Freunde u. Förderer einer Kraftwagen-
bahn Leipzig-Halle |
Ideenwettbewerb Anfang 1933 mit 14 eingereichten Plänen. Später in die
Planung der Reichsautobahn eingegliedert. Heute A14. |
Hansestädte
Frankfurt-Basel -
HaFraBa |
1927 |
881,55 km |
Hafraba e.V.
(am 18.8.1933 in "Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen"-
Gezuvor umgewandelt) |
Planung einer ersten zentralen Autostraße durch Deutschland.
Gründung des Hafraba e.V. am 26. Nov. 1926. Ziele: Planung der Autobahn
Hafraba; Propagierung des Autobahngedankens; Lösung der
Finanzierungsprobleme; Erarbeitung von Gestaltungsrichtlinien des
Autobahnbaus. Sie wurde jedoch nicht realisiert. Nach 1933 vollständige
Übernahme der Hafraba-Planung in das Unternehmen Reichsautobahn. Nur so
war es möglich, dass bereits am 23.9.1933 (Frankfurt-Darmstadt) mit dem
Bau der Reichsautobahn begonnen werden konnte. |
| Die fehlende
Finanzierung ist der wesentliche Grund dafür, dass die meisten der geplanten
Autobahnprojekte nicht gebaut wurden. Obwohl sich das Finanzierungsproblem
für jedes Bauvorhaben im Detail anders darstellte, gab es allgemeine
Rahmenbedingungen, die die Baufinanzierung und damit den Bau von Autobahnen
verhinderten. So lehnte die Reichsregierung jegliche finanzielle
Unterstützung von Autobahnprojekten ab und diese Haltung entsprach auch der
offiziellen Meinung des Reichsverkehrsministeriums. Ohne staatliche
finanzielle Unterstützung blieb den Protagonisten des Autobahnbaus in den
zwanziger Jahren noch die Suche nach privatwirtschaftlichen Lösungen, und
folglich sah man die Erhebung von Benutzungsgebühren und die "Vermietung von
Streckenreklamen" vor. Aber auch hier machte den Planern die Reichsregierung
einen Strich durch die Rechnung, indem sie die Erhebung von Straßengebühren
auf Autobahnen per Gesetz am 27. Mai 1927 grundsätzlich verbot.
Auch der Hafraba e.V. konnte trotz "Unterstützung durch einflussreiche
Politiker und Industrielle, (...) die ablehnende Haltung der Reichsregierung
(...) nicht ändern", und so blieben die, meist schon bis zur
Baureife geplanten, Autobahnstrecken unvollendet. Dass die Strecke Köln-Bonn
und die Umgehungsstraße Opladen trotzdem gebaut werden konnten, lag wohl an
der besonders hohen Arbeitslosigkeit in der Rheinprovinz. Auf diese Weise
konnten zur Finanzierung der Autobahn Gelder aus der Arbeitslosenfürsorge
genutzt werden. Die ökonomische Situation
der Betreibergesellschaft der privatwirtschaftlich finanzierten Avus war
dagegen eine andere, da sie in ihren ersten Jahren auch Benutzungsgebühren
erheben konnte. Zudem hatte die Betreibergesellschaft
Einnahmen durch die regelmäßig stattfindenden Autorennen. |
Einen Sonderstatus unter allen
Autobahnplanungen jener Zeit genießt das Hafraba-Projekt. Am 6. November 1926 fand in
Frankfurt die Gründungsversammlung des "Vereins zum Bau einer Straße für den
Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a.M. nach Basel" (kurz
Hafraba e.V. genannt) statt. In der Folge beschränkte sich dieser Verein
nicht nur auf die Verwirklichung seines ursprünglichen Projektes, sondern
begann auch mit Planstudien für ein nationales Streckenetz, die später
in die Planungen der "Reichsautobahnen" einflossen.
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Die Nazis hatten zunächst Vorbehalte gegen
den Bau eines Schnellstraßennetzes, denn Autos waren noch ein Luxus der wenigen
Reichen und das Militär vertraute auf den bewährten Bahntransport. Nach
Machtübernahme wurde sehr schnell der propagandistisch hohe Wert des Straßenbaus
erkannt und man ging daran, die HaFraBa-Pläne in die Tat umzusetzen,
wobei der zum Generalinspekteur des Straßenwesens ernannte Fritz Todt eine
wichtige Rolle spielte. Man konnte der staunenden Welt mit diesem
Großprojekt zeigen, wie die Arbeitslosigkeit beseitigt werden konnte.
Obwohl im Autobahnbau tatsächlich weniger Leute beschäftigt waren, als
die Propaganda verkündete, waren die Leistungen augenscheinlich und
beeindruckend. Später wurde damit auch das Ziel verfolgt, vom Wachstum
der Rüstungsindustrie abzulenken.
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| Weitere
Beschreibungen zur Geschichte der Autobahnen in Deutschland: |
| http://autobahnpolizei.de/f2_his.htm
von der Autobahnpolizei |
| http://www.geschi.de/artikel/reichsautobahn.shtml
Aufsatz "Reichsautobahn - Ästhetik und Zweckbestimmung" von
1995/96 |
| http://iasl.uni-muenchen.de/register/schuetz.htm
Aufsatz von Erhard Schütz |
| Weitere Infos dazu: |
| http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/alltagsleben/autobahn
Alltagsleben in Deutschland 1933-1939 |
| http://www.autobahngeschichte.de/
Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte e.V. |
| http://www.reichsautobahnen.de/
Technikdenkmal Reichsautobahn "Strecke 46" |
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zuletzt
geändert: 20.01.2004
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