Zur Geschichte der Autobahn


Autobahnen sind ein Synonym für die Mobilität - einem der wichtigsten Merkmale der Gegenwart. Doch wie es dazu kam bzw. wo diese "Erfindung" gemacht wurde, ist eine nicht einfach zu klärende Frage.
  
Was ist überhaupt eine Autobahn ?
Unter einer Autobahn versteht man bei uns eine kreuzungsfrei Straße mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen, wovon jede mindestens 2 Fahrstreifen hat. In anderen Ländern sind jedoch davon abweichende Begriffe für Straßen, die Autobahnen entsprechen, sowie niedere Standards für Bau und Ausstattung wichtiger Straßen anzutreffen. Dies macht internationale Vergleiche schwierig. Besonders deutlich wird dies bei Vergleichen mit den USA. Entsprechend der historischen Entwicklung sind dort unterschiedliche Bezeichnungen für einen Straßentyp üblich, der weitgehend unseren Autobahnen entspricht.
Eine Autobahn, ein Motorway oder Freeway ist nach heutiger allgemein gültiger Definition eine kreuzungsfreie Straße mit zumindest zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung, einer baulichen Trennung des Richtungsverkehrs sowie in der Regel eines Randstreifens zum Abstellen von Pannenfahrzeugen. Alles Andere unterliegt unterschiedlicher nationaler Standards und Vorlieben.
 
Der Begriff "Autobahn" wurde erstmals von Robert Otzen, dem Vorsitzenden der HaFraBa (Autobahnprojekt Hansestädte-Frankfurt-Basel; siehe hier) verwendet, der 1929 im Rückblick auf 3 Jahre HaFraBa vorschlug, statt des bislang gebräuchlichen und "unhandlichen" Begriffs "Nur-Autostraße" in Analogie zur Eisenbahn "Autobahn" zu verwenden. In der Folge wurde dieser Begriff in der Zeitschrift "Hafraba" und auch in anderen Publikationen im Zusammenhang mit der Hafraba verwendet. Unter "Autobahn" verstand man damals aber stets eine reine Kraftwagenstraßen, unabhängig von ihrer baulichen Gestaltung. Erst mit dem Beginn des Projektes zum Bau der "Reichsautobahnen" im Sommer 1933 und der in der Folge verbundenen Propaganda wurde der Begriff "Autobahn" mit einem bestimmten Ausbaustandard verknüpft, der aber auch heute nicht immer auf alle Autobahnstrecken zutrifft.

Die Rolle der Autobahn - Ansichten und Einsichten
  
Die Entwicklung des Individualverkehrs
Um 1900 war das Massenverkehrsmittel Eisenbahn am Höhepunkt der seiner Entwicklung. Individuelles Reisen über weitere Strecken war nur mittels Pferdewagen möglich - ein Luxus, den sich nur reiche Leute leisten konnten. Zudem lagen Reichweite und Reisegeschwindigkeit weit hinter der der Eisenbahn. Der motorisierte Straßenverkehr begann zunächst in Europa. In den USA setzte die Entwicklung etwas später ein, dafür schritt sie - vor allem durch die Einführung der Großserienfertigung von Autos durch H. Ford - umso rascher voran. Da die USA vom 1. Weltkrieg nicht direkt betroffen waren, vergrößerte sich der Entwicklungsvorsprung weiter.
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Motorisierungsgrad
[Autos auf 1000 Einwohner]

Jahr

GB

Frankreich

Deutschland

USA

1907

1

1

0,3

2

1915

3

2

0,5

13

1925

13

11

3

83

1935

26

33

11

200

1938

40

40

17

200

  
Fortschritte im Straßenbau
Das steigende Verkehrsaufkommen im Zuge der industriellen Revolution machte schon zu Zeiten der Pferdefuhrwerke einen haltbareren Straßenbau notwendig. Die ersten modernen Teerstraßen waren das Ergebnis der Arbeit von zwei schottischen Ingenieuren, Thomas Telford und John Loudon McAdam. Diese "Makadam"-Beläge bildeten über 100 Jahre lang den Standard für den Bau haltbarer Fahrbahnen. 1902 entdeckte der Schweizer Arzt Dr. Ernst Guglielminetti, dass Teer den Staub ausgezeichnet bindet, woraufhin Straßen nach und nach geteert wurden. Bald erkannte man auch die Vorzüge von Betonfahrbahnen wegen ihrer großen Belastbarkeit und Haltbarkeit.
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Straßen nur für Autos? & "Europastraßen"
Mit den im Kfz-Verkehr möglichen höheren Geschwindigkeiten stiegen die Ansprüche an die Straßen. Die im Vergleich zu Fußgängern, Radfahrern und Pferdewagen viel schnelleren Kraftfahrzeuge ließen eine Trennung der Verkehrsarten als sinnvoll erscheinen. Letztlich war es der Mailänder Ingenieur Piero Puricelli, der die Notwendigkeit sah, für Autos eigene Schnellstraßen zu bauen. Er inspirierte damit ganz wesentlich die Planungen von Autobahnen in anderen Ländern, vor allem in Deutschland.
1931 wurde in Genf das Bureau International des Autoroutes (B.I.A.R.) mit dem Ziel gegründet, eine gesamteuropäisches Schnellstraßennetz zu errichten. In der Folge entstanden viele Pläne und visionäre Konzepte, die aber durch die politische Entwicklung erst viel später zur Umsetzung gelangten.
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Wer hatte die 1. Autobahn ?
Deutschland
Schon 1909 begann der Bau der "Automobil-Verkehrs- und Uebungs-Straße" (AVUS) in Berlin als erste Straße mit getrennten Richtungsfahrbahnen überhaupt. Ab 1924 beschäftigte sich die Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau (Stufa) mit Planungen für ein nationales "Autostraßennetz". 1926 erfolgte der Gründung des "Vereins zum Bau einer Straße für den Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a.M. nach Basel" (kurz Hafraba e.V.), welche die umfassendsten Planungen vor 1933 durchführte. Doch auch regionale Interessensgruppen planten Autostraßen für die Verbindung einzelner Städte.
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Italien
Der Bau der ersten "Autostradas" ab 1923 kam durch private Investoren zustande, die einen schnelleren Wirtschaftsverkehr zum Ziel hatten. Mussolini unterstützte anfänglich propagandistisch den Bau von Autobahnen. Infolge der niedrigen Motorisierungsdichte in Italien und der Wirtschaftskrise waren die gebührenpflichtigen Strecken aber nicht wirtschaftlich zu betrieben, wodurch man sich ab den frühen 1930er-Jahren dem Ausbau des kostenlos zu benützenden landesweiten Staatsstraßennetzes widmete. Es erfolgten daher nach 1935 keine neuen Autobahnbauten.
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USA
Durch die rasch voranschreitende Motorisierung hinkte der Straßenbau weit hinter der Verkehrsentwicklung nach. Ein spezielles Programm zum schnellen Ausbau der wichtigsten Strecken, das "Federal-Aid Road Act" von 1921, wurde erstellt.
Auf den Überlandstrecken herrschten zum Teil erschreckend mangelhafte Straßenzustände. Zudem waren in den Ballungsräumen schon in den 1920er-Jahren Staus an der Tagesordnung. Dies und die Wirtschaftkrise der späten 1920er-Jahre verhinderten zunächst visionäre Pläne zum Bau eines landesweiten Autostraßennetzes. Lediglich in einigen Ballungsräumen (vor allem im Raum New York) entstanden eine Reihe von "Parkways" (= Schnellstraßen für den Ausflugsverkehr, die nur von PKW benutzt werden durften) sowie aufwändige, kreuzungsfreie, bis zu 6-streifige Hochstraßen, die den modernen Stadtautobahnen schon sehr ähnlich waren (z.B. 1927-1931 die George Washington Bridge über den Hudson-River zwischen New York und New Jersey inkl. Zubringerstrecken).
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Frankreich
Aufgrund der vor 1939 europaweit höchsten Motorisierungsdichte gab es vor allem in Paris schon frühe Verkehrsprobleme, die zur Planung von "Stadtautobahnen" führte. Ein schon zu Napoleons Zeiten großzügig angelegtes Nationalstraßennetz machte Überlandautobahnen vorerst nicht notwendig. Zudem behinderte die Wirtschaftskrise eine weitere Planung.
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Großbritannien
Durch guten Ausbauzustand der Eisenbahn und der großen Bedeutung der Schifffahrt im Güterverkehr begann man trotz hoher Motorisierungsdichte erst relativ spät mit der Planung eines Motorway-Netzes.
 
In den übrigen höher entwickelten Ländern gab es keine nennenswerte Entwicklung von Kraftfahrzeugstraßen, da kein Bedarf bestand und keine Investoren verfügbar waren. Eine Ausnahme bildete die Schweiz im Zusammenhang mit dem HaFraBa-Projekt, welches weiter durch den St. Gotthard (1. Tunnelgedanken schon 1927, detailliertere Planungen Mitte der 1930er-Jahre) weitergeführt werden sollte, um so eine Verbindung zum italienischen "Autostrada"-Netz herzustellen. Nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland wurde das Projekt zugunsten des kostengünstigeren und technisch anspruchsloseren Ausbaues der Brennerstrecke als Autostraße (aber auch nicht realisiert) aufgegeben.
dazu: Die Schweiz und die Hafraba

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Quellenhinweise:
Die Erläuterungen dieser Seiten bilden eine zusammenfassende Kurzdarstellung der Entwicklung des Autobahnbaus. Als wesentliche Quellen wurden benützt:
 
bullet[01] Strohkark, Ingrid. Die Wahrnehmung von "Landschaft" und der Bau von Autobahnen in Deutschland, Frankreich und Italien vor 1933. Diss. Hannover 2001. >>Download [5 MB]
bullet[02] Pehnelt, Gernot. Das Unternehmen "Reichsautobahnen". Essay 1998. >>Download [70 kB]
bullet[03] Der Straßenbau. Zeitschrift für Tiefbau im Staats- und Gemeindewesen. Jahrgänge 1929-1937.
bullet[04] Die Straße - Die Autobahn. Zeitschrift des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen. Jahrgänge 1939-1942.
bullet[05] Schütz, Erhard u. Gruber, Eckhard. Mythos Reichautobahn. Bau und Inszenierung der "Straßen des Führers" 1933-1941. Berlin 1996.
bullet[06] Kornrumpf, Martin: HAFRABA e.V. Deutsche Autobahn-Planung 1926-1934. München 1990.
bullet[07] Kaftan, Kurt: Der Kampf um die Autobahnen, Geschichte und Entwicklung des
Autobahngedankens in Deutschland 1907-1935 unter Berücksichtigung ähnlicher
Pläne und Bestrebungen im übrigen Europa, Berlin 1955.

zuletzt geändert: 25.05.2005

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