Zur Geschichte der Autobahn


  
Straßen nur für Autos?
Mit den im Kfz-Verkehr möglichen höheren Geschwindigkeiten stiegen die Ansprüche an die Straßen nicht nur in Hinsicht auf den Belag. Die im Vergleich zu Fußgängern, Radfahrern und Pferdewagen viel schnelleren Kraftfahrzeuge ließen eine Trennung der Verkehrsarten als sinnvoll erscheinen. Zunächst war daran aber nur im städtischen Bereich gedacht.
Die erste bekannte Forderung zum Bau von nur für den Kraftfahrzeugverkehr geeigneten Straßen stammt von 1902 von einem F. v. Siegroth. Dieser erklärte zum Ziel, dass "schnell fahrende Automobile mit anderen Fuhrwerken und Fussgängern nicht in Collision kommen". Seine Pläne sahen die Anlage "von besonderen 3 m breiten Automobilstrassen rechts und links der Fahrstrasse für Hin- und Rückfahrt" vor. Daneben sollten beiderseits der Fahrbahn je 2 m breite Fußgängerwege angelegt werden.
Die erste "Autobahn" der Welt entstand durch das Bedürfnis eines exzentrischen Milliardärssohn aus New York, eine eigene Straße zu haben, die nur von schnellen Autos befahren werden durfte. William K. Vanderbilt Jr., Sprössling aus der berühmten Eisenbahn-Dynastie, ließ zwischen 1908 und 1911 den 45 Meilen langen "Long Island Motor Parkway" errichten.

Der "Long Island Motor Parkway" - die erste Autostraße der Welt (in Arbeit)
Im Deutschen Reich wurde z.B. erst am 1. März 1923 die allgemein übliche Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften von 15 km/h auf 30 km/h erhöht.
Beim Ersten Internationalen Straßenkongress in Paris 1908 versuchte man, einige grundsätzliche Richtlinien für den Bau geeigneter für Kraftfahrzeugverkehr geeigneter Straßen zu definieren, wenn auch noch mit der Perspektive, die bestehenden Straßen möglichst kostengünstig dafür zu adaptieren.
 
Internationale Straßenkongresse Datum Teilnehmerstaaten und Teilnehmerzahl Themenschwerpunkte
Paris 11.10. bis
18. 10. 1908
33 Nationen
2.411 Teilnehmer
Staubentwicklung auf den Straßen, verursacht durch das Automobil
Brüssel 3 1.07. bis
07.08.1910
38 Nationen
2. 118 Teilnehmer
Anpassung des Straßenbelags an die Anforderungen des Autos
London 23.06 bis
27.06.1913
52 Nationen
3.793 Teilnehmer
Internationale Verkehrsregelungen
Sevilla 07.05. bis
16.05.1923
55 Nationen
1.891 Teilnehmer
Verkehrsregelung; Zusammensetzung des Straßenbelags
Mailand 06.09. bis
13.09.1926
72 Nationen
3.427 Teilnehmer
Bau von Autobahnen in Europa
Washington 06.10. bis
11.10.1930
85 Nationen
3.380 Teilnehmer
Verkehrsregelung, Finanzierung des Straßenbaus, Straßendecken
München 03. bis
19.09.1934
83 Nationen
4.095 Teilnehmer
Probleme des aktuellen Straßenbaus, Reichsautobahnen
Schon vor dem 1. Weltkrieg tauchten Gedanken zur Schaffung von reinen Autostraßen auf. In Berlin sollte einer Versuchsstrecke (AVUS) gebaut werden, um die Verkehrstauglichkeit von verschiedenen Fahrbahnbelägen unter realistischen Bedingungen nachzuweisen.

Letztlich war es aber der Mailänder Ingenieur Piero Puricelli (1883-1951) der die Notwendigkeit sah, für Autos eigene Schnellstraßen zu bauen. Begünstigt durch die faschistische Propaganda konnte er bereits 1923 mit dem Bau der ersten "Autostrada" beginnen. Puricelli inspirierte damit ganz wesentlich die Planungen von Autobahnen in anderen Ländern, vor allem in Deutschland.

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"Europastraßen"
1931 wurde in Genf das Bureau International des Autoroutes (B.I.A.R.) mit dem Ziel gegründet, eine gesamteuropäisches Schnellstraßennetz zu errichten. Vom 31. August bis zum 2. September 1931 fand in den Räumen des Internationalen Arbeitsamtes B.I.T. in Genf der erste Internationale Autobahnkongress statt. Teilnehmerstaaten waren: Schweiz, Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, Niederlande, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Liechtenstein.
Auf dem zweiten Autobahnkongress vom 18. bis 20. April 1932 in Mailand erfolgte die Gründung der Organisation Internationale des Autoroutes (O.I.A.R.) mit dem Zweck der "Förderung der moralischen und finanziellen Zusammenarbeit von Staat und Privatinitiative in allen Autostraßenfragen, (...) die Schaffung der technischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Unterlagen für den Bau von Autostraßen (...) und ein einheitliches und harmonisches internationales Vorgehen wird erstrebt, unbeschadet der Notwendigkeit, weitgehend auf die nationalen Besonderheiten Rücksicht zu nehmen."

Quelle: [01]
Ein wichtiges Ziel des ersten Internationalen Autobahnkongresses 1931 war die Erarbeitung eines "plan d'ensemble du reseau international d'autoroutes", bestehend aus nationalen Autobahnprojekten. Am Ende des Genfer Kongresses wurde dann ein entsprechender Plan vorgestellt, den man möglichst schnell realisieren wollte, um auf diese Weise in ganz Europa viele Arbeitsplätze zu schaffen.

Bericht von 1936 über die Trans-Europastraße London-Istanbul

Von der Reichsautobahn zur Europa-Autobahn (Aufsatz von 1937)
Der Bau von großen Autostraßennetzen war anfänglich nur in großen Ländern ein Bedürfnis. Dabei gab es jedoch unterschiedliche Prioritäten, wodurch auch die voneinander abweichenden Definitionen für eine "Autobahn" herrühren.
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zuletzt geändert: 20.02.2004

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