Zur Geschichte der Autobahn


 
 Die Verbindung der Autobahnen
 Deutschlands und Italiens
Das erste internationale Autobahnprojekt, für das konkrete Planungen erfolgten, war die Verbindung der deutschen "Hafraba" mit der Autostrada Milano-Laghi in Italien. Kernstück war schon damals die Durchquerung des St. Gotthardmassivs in einem über 15 km langen Straßentunnel.
Nachfolgender Bericht erschien in der Zeitschrift "Der Straßenbau", Jg. 20/Nr. 33 (20. Nov. 1929)
Die Schweiz und die Hafraba
Auf die Anregung der Hafraba e. V. (Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte-Frankfurt-Basel) ist bekanntlich am 6. Juli 1927 in Basel auch eine ähnliche Gesellschaft unter dem Titel "Vereinigung zur Förderung des Baus einer Autostraße Basel - italienische Grenze" gegründet worden. In den Statuten wurde der Zweck der Vereinigung folgendermaßen festgestellt: "Der Verein bat den Zweck, alle Arbeiten zu leiten, welche in technischer, wirtschaftlicher, finanzieller, verkehrspolitischer und propagandistischer Hinsicht zur Prüfung der Durchführbarkeit und zur Vorbereitung der Ausführung der Autostraße Basel - italienische Grenze geeignet und erforderlich sind. "Da in der Schweiz der Straßenbau nicht Sache des Bundes ist, sondern der einzelnen Kantone, so waren es vor allem diese und unter ihnen die für den Verkehr besonders wichtigen, nämlich Zürich, Batet und Bern, die sich der Angelegenheit annahmen. Die Begeisterung für die Sache war anfänglich ziemlich bedeutend, aber im Laufe der weiteren Entwicklung entstanden im Schoße des Vorstandes und der Mitglieder schwere Differenzen wegen der Linienführung, Es entstanden mehrere Projekte: die Berner wollten die Antostraße nach Mailand über den Loetschberg verlegt wissen und die Gotthardkantone über den Gotthard; regionale Interessen machten sich bezüglich der Zufahrt von Deutschland her und der Verbindung mit dem südlichen Ende der deutschen Autostraße bemerkbar, indem die einen den Anschluß bei Basel vorzogen und andere wieder weiter oben am Rhein, vielleicht bei Waldshut, den Uebergang über den Rhein wünschten. Eigentliche Projekte wurden jedoch nicht ausgearbeitet. In langen Verhandlungen suchte man eine Einigung herzustellen, in der Presse wurde von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht, daß die schweizerischen Verkehrsverhältnisse eine reine Autostraße heute noch nicht rechtfertigen, und daß es besser wäre, einmal vorerst alle Landstraßen für den Kraftwagenverkehr besser herzurichten. Der Vorsitzende der schweizerischen Hafraba, Regierungsrat Wenk (Basel), hat sich dieser Tage dahin ausgesprochen, daß mit der Zweckbestimmung in den Satzungen die außerordentlich wichtige Frage der Linienführung nicht gelöst sei, und daß sich die Hoffnungen, durch die vorgesehenen Studien die divergierenden Interessen zu überwinden, nicht erfüllten. Infolge der Differenzen sei es nicht möglich gewesen, einen Vorstand zu wählen, da jede Gruppe fürchtete, von der andern majorisiert zu werden.

Am 4. September trat nun die Mitgliederversammlung in Olten zusammen und hier stellte der Vorsitzende fest, daß in der Schweiz die Begeisterung für eine reine Autostraße nachgelassen, und daß die regionalen Streitigkeiten und Interessengegensätze, die an der ersten Generalversammlung seinerzeit in Erscheinung getreten seien, die Mitgliederwerbung sehr erschwert habe. Der Verein zähle heute 101 Mitglieder. Es sei dringend nötig, daß neben den Automobilkreisen die Behörden des Bundes, der Kantone und der größeren Gemeinden sich zur Mitarbeit zusammenfinden. Als wichtigster Punkt stand auf der Tagesordnung die Beratung eines neuen Statutenentwurfes im Sinne einer Erweiterung des Vereinszweckes und einer Aenderung des Namens. Dr. Klöti, der Stadtpräsident von Zürich, betonte, daß man seit der Entzweiung im Jahre 1927 zur Ansicht gelangt sei, daß in der Schweiz der Bau reiner Autostraßen besser so lange zurückgestellt werde, als die im allgemeinen guten Straßen der Schweiz den Verkehr zu bewältigen vermögen und als die Wirtschaftlichkeit solcher Autostraßen nicht einwandfrei festgestellt sei. Einstimmig wurde der neue Name des Vereins und der neue Statutenentwurf angenommen. Der Verein heißt nunmehr "Verein zum Studium des Ausbaues des schweizerischen Straßennetzes" ("Schweizerischer Autostraßen-Verein"), und der neue Zweck wird folgendermaßen umschrieben: "Der Verein bezweckt, durch Studien und durch Vorschläge bei den Behörden dahin zu wirken, daß dem wachsenden nationalen und internationalen Automobil verkehr ein zweckmäßig angelegtes Hauptstraßennetz zur Verfügung gestellt wird. Der Verein macht sich im besonderen auch zur Aufgabe, die Schaffung reiner Autostraßen in technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht zu prüfen." Sodann wurde ein Vorstand aus 38 Mitgliedern ernannt, in welchem die Institutionen des Bundes durch die Schweiz. Expreß-A.-G. (Sesa) und die schweizerische Verkehrszentrale vertreten sind, die Kantonsbehörden durch Vertreter der Kantone Zürich, Bern, Luzern, Schwyz, Zug, Tessin, Wallis, Glarus, Baselstadt und Baselland, die Gemeinden durch Vertreter von Zürich, Bern, Luzern, Basel und Lugano. und die Landesverbände durch Vertreter der „Vereinigung schweizerischer Straßenfachmänner, des "Schweiz. Ingenieur- und Architekten-Vereins", des "Automobilklubs der Schweiz" und des "Verbände Schweiz- Motorlastwagenbesitzer".

 

zuletzt geändert: 21.12.2003

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