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Erläuterungen beruhen auf folgenden Quellen: "Die Wahrnehmung von 'Landschaft' und der Bau von Autobahnen in Deutschland, Frankreich und Italien vor 1933" von Ingrid Strohkark Zeitschrift "Der Straßenbau", Jg. 1929-37 "HAFRABA e.V. Deutsche Autobahn-Planung 1926-1934" von Prof. Martin Kornrumpf "Der Kampf um die Autobahnen, Geschichte und Entwicklung des Autobahngedankens in Deutschland 1907-1935 unter Berücksichtigung ähnlicher Pläne und Bestrebungen im übrigen Europa" von Kurt Kaftan |
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Keine Planung hat das deutsche Autobahnsystem so
stark geprägt wie jene des "Vereins zum Bau einer Straße für
den Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a.M. nach Basel" (kurz
Hafraba e.V. genannt). Erst nach "Übernahme" der Planungen durch die
"Reichsautobahnen" 1933 und in der Folge die propagandistische Vereinnahmung
der Nazis gerieten die Verdienste der "Hafraba" in Vergessenheit.| 1925-1926 Vorgeschichte | 1925 hatte
der Frankfurter Magistrats-Oberbaurat Hermann Uhlfelder den Erbauer der
ersten italienischen Autostradas, Piero Puricelli, kennen gelernt. Ein
anderer Frankfurter, Willy Hof, seit 1915 Generaldirektor der Deutschen
Handelsgesellschaft und Rennfahrer, sah voraus, dass für das Automobil bald
gesonderte Straßen gebaut werden müssten. Beide fuhren zur Besichtigung der
"Autostrada" nach Mailand. Beide kannten auch die die Beratungen
der Stufa ("Studiengesellschaft für
Automobilstraßenbau") und die
Rolle des in Hannover wirkenden Professors für Statik und Eisenbau Robert Otzen bei der Autobahn-Idee. Daher wurde Otzen dann
Gründungsvorsitzender des Hafraba-Vereins und blieb es bis 1931. Im
September 1925 fuhren alle drei, Uhlfelder, Hof und Otzen, zu Puricelli nach Rom. | Beeindruckt durch die Autostrada von Puricelli und als Praxisorientierte wählten diese drei die günstigste Nord-Süd-Trasse Hamburg - Frankfurt - Basel (daher HaFraBa) für ihr Projekt. Sie wollten keine Utopie, sondern eine realisierbare Aufgabe für den Hafraba-Verein. Am 23. August 1926 schrieb daher auch der Frankfurter Stadtrat Dr. Peter Schlotter - aus seinem Urlaubsort Bozen - an den Oberbürgermeister von Frankfurt Dr. Ludwig Landmann: "Über die Vorteile einer verkehrstechnischen Erschließung Deutschlands durch einen gesicherten Kraftwagen-Schnellverkehr Nord-Süd nach den südlich gelegenen mitteleuropäischen Ländern dürfte die Meinung ungeteilt sein, ganz besonders im Hinblick darauf, daß die Trasse Hamburg-Frankfurt-Basel nach der Schweiz und Italien sowie dem südlichen Frankreich die Gebiete des ausgesprochenen Fremdenverkehrs in ihrem Schwerpunkt erfaßt." Erste wenig präzise Meldungen in den Medien im Juli 1926 über den Autobahn-Plan erregten das Interesse mancher Stellen, und einige Rückfragen erreichten den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, den man zuerst als Initiator vermutete. Doch ausgerechnet in Hamburg war man hinsichtlich des Hafraba-Projektes sehr skeptisch und veranlasste eine Untersuchung, die zum Ergebnis kam: "Nach dieser Sachlage muß man annehmen, daß ernsthafte Projekte nicht vorliegen (zu teuer; vorhandenes Straßen- und Eisenbahnnetz ausreichend)... Im übrigen ist es selbstverständlich, daß eine Autostraße Mailand-Hamburg ohne eingehende Beratung und Zustimmung des Reiches und der beteiligten Länder technisch nicht geplant und ausgeführt werden kann." Und in einem anderen Schreiben vom 7. September 1926 hieß es: "Nach Besprechung mit Bürgermeister Dr. Schramm ... wird von einer Vertretung Hamburgs, mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Undurchführbarkeit des Projekts in absehbarer Zeit, z. Z. abzusehen sein."
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dazu auch: Die Schweiz und die Hafraba | Am 19. November 1926 fand in
Frankfurt die Gründungsversammlung des "Vereins zum Bau einer Straße für den
Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a.M. nach Basel" (kurz
Hafraba e.V. genannt) statt. Von den 18 Gründungsmitgliedern wurde Willy Hof
zum Geschäftsführer und Prof. Robert Otzen zum Vorstandsvorsitzenden
gewählt. Weitere Mitglieder stießen rasch dazu. | 1927-1931 Planungen | Bis Ende 1926 hatte der
HAFRABA-Vorstand die vorläufige technische Planung wie folgt aufgeteilt: |
Bei der zentralen Rolle, die Frankfurt (Main) spielte, war es selbstverständlich, dass Bürgermeister Dr. Landmann den Vorsitz des Verwaltungsrates übernahm. Die erste Sitzung des Verwaltungsrates wurde am 11. Februar 1927 im "Club für Handel, Industrie und Wissenschaft" durchgeführt, zu der auch auswärtige Gäste geladen waren. Der Oberbürgermeister begrüßte Piero Puricelli und als Vertreter des Kantons Basel-Stadt Gustav Wenk, der 1925 Regierungsrat (Landesminister) geworden war und das Departement des Innern leitete. Es wurde bekannt gegeben, dass die Ergebnisse der ersten Planung bis Mai 1927 vorliegen würden, um auf der internationalen Automobilausstellung in Köln der Öffentlichkeit gezeigt zu werden.
Am 2. Juli 1927 wurde auch
die Hansestadt Hamburg Mitglied der "Hafraba". Gleichzeitig erfolgte auch die
Einbeziehung der Hansestädte Lübeck und Bremen in die Planungen. Am
31. Mai 1928 erfolgte die Namensänderung in "Verein
zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte-Frankfurt-Basel". |
| Das Hauptproblem bei der Umsetzung des Projektes war aber die Finanzierung. Die öffentlichen Stellen hielten das Projekt aus zwei Gründen für nicht unterstützungswürdig. Einmal war der Straßenfernverkehr sehr gering und andererseits bestand für den Fernverkehr ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz. Man hatte daher von Seiten der "Hafraba" vor, die Autobahn - wie schon in Italien praktiziert - als Mautstrecken zu betreiben. Dazu war aber eine Änderung des Gesetzes über den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden notwendig. Schon 1927 waren aber diesbezügliche Bemühungen für die geplante Autostraße Köln-Düsseldorf der Rheinischen Provinzialverwaltung gescheitert. Doch es gab auch gewichtige Gegner der Autobahnen. Einmal wollte die Eisenbahn eine Einbeziehung in die Planungen. Doch auch der "Reichsverband der Automobilindustrie" war gegen die Förderung des Baues von Autobahnen, da man der Meinung war, dass sämtliche Finanzmittel dem allgemeinen Straßenbau zugeführt werden müssten, um den für den Kraftfahrzeugverkehr völlig unzureichenden Zustand des Straßennetzes rasch zu verbessern. In Anbetracht der schlechten Wirtschaftslage hörte man auch Aussagen zur Autobahn wie: "Deutschland ist zu arm für solche Luxusstraßen". Sogar die Stufa, dessen 2. Vorsitzender Otzen war, lehnte mehrheitlich die Autobahn-Idee ab.
| Otzen versuchte verzweifelt, wenigstens für den Bau einer Versuchsstrecke eine Möglichkeit zu bieten. Im Gespräch dafür waren Frankfurt-Heidelberg oder Hamburg-Lübeck. Zum Zweck einer breiteren Öffentlichkeitsarbeit erschien ab Oktober 1928 die Zeitschrift "Hafraba" (späterer Titel "Autobahn"). Ihr Redakteur war Kurt Kaftan, der in den Folgejahren auch durch Artikel und Ausätze in anderen Zeitschriften vor allem die Schaffung internationaler Fernverkehrsstraßen propagierte. Ab 1928 konzentrierte man die Planungen auf die Strecke Frankfurt-Heidelberg. Hier herrschte damals schon ein Fernverkehr von durchschnittlich 2000 Fahrzeugen pro Tag. Trotz aller Bemühungen ergab in der generellen Unentschlossenheit der Weimarer Republik keine Möglichkeit zur Umsetzung des Projektes. Doch Otzen strebte letztlich an, ein ganzes Autobahnnetz für Deutschland und sogar darüber hinaus zu errichten. Die "Hafraba" sollte nur der Anfang sein. Da aber nicht einmal ein Teil der "Stammstrecke" verwirklicht werden konnte, trat Otzen am 21. September 1931 als Vorsitzender der "Hafraba" zurück.
1931-1933 Von der
Hafraba zur "Reichsautobahn" | Über mehr als 2 Jahre gab es kaum Bewegung
in Hinsicht auf eine Verwirklichung der Hafraba-Pläne und auch keine
Mitgliederversammlung. Es wurde aber an den Plänen weiter gefeilt und durch
internationale Kongresse einfließende Erkenntnisse berücksichtigt. | Erst gegen Ende 1932 zeigte sich ein Silberstreif am Horizont, als man Möglichkeiten erschloss, im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen größere Projekte zu verwirklichen. Doch die politische Entwicklung begann sich zu überstürzen. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler. Schon am 11. Februar verkündete er bei der Eröffnung der "Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung" in Berlin die "Inangriffnahme und Durchführung eines großzügigen Straßenbauplanes". Hitler sagte wörtlich: "So wie das Pferdefuhrwerk sich einst seinen Weg schuf, die Eisenbahnen die dafür notwendigen Schienenwege bauten, muss der Kraftverkehr die für ihn erforderlichen Automobilstraßen erhalten. Wenn man früher die Lebenshöhe eines Volkes oft nach der Kilometerzahl der Eisenbahnen zu messen suchte, wird man in der Zukunft die Kilometerzahl der für den Kraftverkehr geeigneten Straßen anzulegen haben...". Willy Hof als Geschäftsführer der "Hafraba" besuchte im April 1933 zweimal Hitler und unterbreitete ihm die Hafraba-Planungen, wobei konkrete Zusagen für eine Finanzierung des Projektes gemacht wurden. Tatsächlich dürften Hitler und seine Berater den hohen Wert der Hafraba-Arbeiten für ihre Zwecke erkannt haben, denn am 1. Mai 1933 verkündete Hitler offiziell den Bau eines Straßennetzes, das nur dem Automobilverkehr vorbehalten sein sollte, ohne jedoch den Begriff "Autobahn" zu verwenden. Bei nicht wenigen Nazis gab es bezüglich der "Hafraba" und ihren Arbeiten auch Skepsis. Da sich unter den Mitgliedern mehrere Juden befanden, sah man in den "Autobahn"-Plänen eine "großkapitalistische und jüdische Interessenswirtschaft".
![]() Bild von der nach Hafraba-Plänen gebauten Strecke Frankfurt-Darmstadt.
>>> Die Reichsautobahnen | |
| zuletzt geändert: 21.12.2003
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