Zur
Geschichte der Autobahn |

 |
|
| Wie man Autobahnen
kreuzungsfrei kreuzt |
| Überlegungen aus der Kinderstube von
Autobahnkreuzen |
 |
Schon am Beginn der Idee zum Bau
von "Schnellverkehrsstraßen" stellte sich die Frage, wie man mehrere
solche Strecken am Besten kreuzen sollte. Wegen des geringen
Verkehrsaufkommens dachte man zunächst an eher konventionelle
Kreuzungen in einer Ebene, wie aus den links abgebildeten Skizzen
mit Vorschlägen aus der Zeitschrift "Der Straßenbau" von 1929
ersichtlich sind.
Man muss bedenken, dass man 1929 mehr als 1800 Fahrzeuge pro Tag als
"schweren Verkehr" verstand - ein Wert, der heute von fast jeder
Dorfstraße erreicht wird.
Weitsichtigere Planer sahen aber - vor allem auf Grund der
Verkehrsentwicklung in den USA - voraus, dass künftig mit wesentlich
größere Verkehrsmengen zu rechnen sei. |
|
|
| Im Sinne einer möglichst hohen Kapazität der Strecken
sollte vermieden werden, dass die Fahrzeuge im Kreuzungsbereich ihr Tempo
stark vermindern oder gar stoppen müssen. Es war damit notwendig,
die kreuzenden Strecken auf unterschiedlichen Ebenen zu führen. Über die Möglichkeit,
von einer Ebene zu anderen ohne starke Verringerung des Tempos zu gelangen,
gab es aber viele Überlegungen. |
Vom Frankfurter
Magistrats-Oberbaurat Hermann Uhlfelder als Mitglied des HAFRABA-Vorstandes
stammen wesentliche Überlegungen zur Ausführung von Autobahnknoten vor 1930:
"Die rechtwinklige Kreuzung bildet das größte und
schwierigste Problem. Sie wird am häufigsten vorkommen, da die netzartige
Gestaltung des Autobahnsystems an den Knotenpunkten in der Regel 4 Arme
rechtwinklig zusammenführt. Die rechtwinklige Straßenkreuzung hat 12
Richtungen zu vermitteln. Sie weist 8 Zusammenführungen, 4 rechtwinklige
Verkehrskreuzungen und 12 stumpfwinklige Verkehrskreuzungen auf, also im
ganzen neben 8 Vorsichtspunkten 16 Gefahrenpunkte. Diese lassen sich durch
Bauwerke nur teilweise beseitigen. Es muß daher versucht werden, sie
abzuwandeln." |
| Von Uhlfelder stammt
folgender Vergleich verschiedener Lösungen: |
 |
Die "Gotische Kreuzung ,
die teuerste Anlage (1931 = 1.431.000 Mark), vollständig kreuzungsfrei
und blendsicher. Große Radien. Doch müssen auch die geraden
Autobahnstränge durch Kurven unterbrochen werden. Fläche: 17 ha. 8
kleinere Bauwerke. |
| |
|
 |
Die "Ring"-Kreuzung, die
primitivste Lösung, aber auch die billigste. Kosten 1931 = 291.000 Mark.
Geringer Geländebedarf. Keine Bauwerke. Für moderne Autobahnen
unbrauchbar, nur als Verteilerring an Zufahrten zu verwenden. |
| |
|
 |
Die "Barock"-Kreuzung
bedeckt rund 13,1 ha Fläche und hat keine spitzwinkligen
Verkehrskreuzungen, Die 4 Schleifen liegen in Geländehöhe. 4 Bauwerke.
Kosten nach den Preisen 1931 = 694.000 Mark. |
| |
|
 |
Die "Renaissance"-Kreuzung
(Kleeblatt-Lösung). Beide Autobahnen können ohne jede Krümmung geradeaus
durchgeführt werden, 1 Bauwerk. Kosten 1931 = 1.220.000 Mark. |
|
|
| Die
dreifache Erfindung des Kleeblattes |
|
|
Die populärste Art, Autobahnen zu kreuzen,
stellt das so genannte Kleeblatt dar. In allen bisherigen Publikationen in Europa wird
diese Erfindung
dem Schweizer Schlosserlehrling Willy Sarbach
zugeschrieben.
Das erste Autobahnkleeblatt weltweit
entstand jedoch schon 1928 unweit von New York. Dessen Planung erfolgte somit
vor der Erfindung Sarbachs!
Dieser Umstand störte den Bauingenieur Alexander Thewalt aus Leipzig.
Nach mühsamen Recherchen fand er heraus, dass die Idee einer
Verkehrsführung, wie sie bei der Kleeblattkreuzung besteht,
an mehreren Orten der Welt unabhängig voneinander entstanden ist.
Bedeutung kommt vor allem der Wiederentdeckung der Patentschrift von
Arthur Hale von 1916 - also 11 Jahre vor Sarbachs "Erfindung"! - zu. |
| |
1) Arthur Hale,
Maryland, USA 1916
|
 |
| Das älteste Patent für eine Kleeblattkreuzung wurde am 29. Februar 1916 vom
Bauingenieur Arthur Hale aus Maryland unter der Nr. 1.173.505 beim
US-Patentamt angemeldet. Hale hat in
seiner 9 Seiten umfassenden Patentschrift 3 Varianten
der "Kleeblattkreuzung" entworfen; die links
dargestellte Skizze zeigt die Basisform, die beiden
anderen Skizzen zeigen kompaktere Versionen, wie sie
Hale für Stadtstraßen vorschlug.
[Quelle:
http://www.uspto.gov
-
Hinweis von Alexander Thewalt] |
|
|
| |
 |
Aus Chicago ist von
1927 auch eine Kreuzung von 2 Hauptstraßen am Ufer des Michigan Sees
überliefert, die der Skizze 3 aus der Patentschrift von Hale entspricht.
[Quelle: Artikel "Highway Grade
Separation in Chicago Park" in: Zeitschrift Engineering News Record,
McGraw Hill, New York, Jg. 1928 (= Vol. 100), Heft 18
- Hinweis von Alexander Thewalt]
|
|
| |
2)
Buenos Aires & New Jersey, erste Hälfte der 1920er-Jahre
|
Die Baugeschichte des Kleeblattes von Woodbridge bei New York weist in eine ganz andere Richtung. Zunächst gab es hier den Umstand,
dass der US-Highway No. 1 zwischen New York und Philadelphia schon Mitte der
1920er-Jahre mit bis zu 60.000 Fahrzeugen täglich die meist befahrene
Straße der USA war. Der US-1 war zwar kreuzungsfrei, doch an den
Auffahrten von und Abfahrten zu stark frequentierten Straßen gab es regelmäßig Staus und viele
Unfälle. Kreative Lösungen waren gefragt. Edward Delano von der Baufirma
Rudolph & Delano aus Philadelphia sah nun in einer Baufachzeitschrift,
wie man in Argentinien bei Kreuzungen eine effiziente Verkehrsführung zu
erreichen suchte.
Vermutlich war es jene Lösung, die man bis heute
in typischer Weise an Kreuzungen in Buenos Aires
antrifft.
Links abbiegen geht dort bei Straßen mit Gegenverkehr meist nicht. Statt dessen muss
man an drei Ecken jeweils rechts abbiegen, also praktisch
einmal um den Block fahren, um die Straße kreuzen zu
können. Dies
kombiniert mit einem Brückenbauwerk zur niveaufreien
Kreuzung der Straßen ergibt die Kleeblattlösung.
Jedenfalls gefiel die "argentinische" Idee der
Straßenbaubehörde von New Jersey und somit entstanden das
Kleeblatt von Woodbridge und in der Folge noch viele weitere.
[Quelle: Artikel "Clover Leaf Too Often a Bottleneck" in Los Angeles
Times 7. April 2004, Seite 12] |
| |
 |
| << Das (offiziell) erste Kleeblatt
der USA bei Woodbridge in New Jersey/USA (errichtet 1928) bildete die
Kreuzung der State Roads 4 und
25 (heute US 1/9 und NJ 35). Dieses Kleeblatt steht zwar unter
Denkmalschutz, soll aber 2004 zur Verbesserung der Sicherheit
und Erhöhung der Kapazität durch eine "Diamond"-Lösung ersetzt
werden. Der Umbau umfasst: "widening and curb replacements for
both roadways, revised geometry for one ramp, placement of a
center barrier on Rt. US 1&9, removal of bridge pilasters, and
the addition of modern lights and guide rails." |
|
|
|
|
3)
Willy Sarbach, Basel 1927
|
| Die soeben
geschilderten
Entwicklungen aus Amerika sprachen sich aber offenbar nicht bis nach Europa
durch. Somit konnte sich auch der Schweizer Schlosserlehrling Willy Sarbach
als Erfinder profilieren. Anlässlich
einer HAFRABA-Ausstellung in Basel im Jahre 1927 besichtigte er
ausgestellten Karten, Pläne, Entwürfe und Zeichnungen. Der Junge
beschäftigte sich danach zu Hause intensiv mit den
Möglichkeiten, bei 2 sich recht- oder schiefwinklig kreuzenden
Autobahnen den Übergang von der einen zur anderen Autobahn in allen
Richtungen, auch im Falle des Verfahrens, absolut niveaukreuzungsfrei zu
gestalten. Das Resultat war die Anfertigung einer Zeichnung, wonach
später ein Modell hergestellt wurde.
Sarbach reichte seine Erfindung unter dem Titel "Anlage
einer Kreuzung oder Abzweigung von Autostrassen unter sich oder mit
Landstrassen" am 23.12.1927 beim Eidgen. Amt für Eigentum zur
Patentierung ein. Die Patenteintragung erfolgte am 15.10.1928 unter Nr.
129222. Diese Arbeit wurde nicht nur von dem HAFRABA-Verein, sondern auch
von der Schweizer Regierung mit größter Anerkennung belohnt. Sarbach
ließ aber in der Folge sein Patent verfallen. |
| |
 |
| << Im Auftrage des HAFRABA e.V.
hergestelltes Modell der Urform einer absolut
niveaufreien Autobahn-Kleeblattkreuzung nach der Idee des
Schweizer Schlosserlehrlings Sarbach 1927. |
|
|
| |
Die Kleeblattlösung hat gegenüber allen anderen Lösungen den Vorzug,
dass die beiden geradeaus führenden Richtungen ohne jede Krümmung
durchgeführt werden können, und dass nur ein einziges Bauwerk in der
Mitte erforderlich ist.
Das erste Autobahnkleeblatt in Europa war das am 21. November 1936
in Betrieb genommene Schkeuditzer Kreuz bei Leipzig (aber erst am 5.
November 1938
vollständig benützbar). |
| |
| Mit der
Kleeblattlösung war man jedoch in Hinblick auf hohe Verkehrsdichten nicht
ganz glücklich. Die jeweils nach links abbiegenden Fahrzeuge müssen
nämlich nach Passieren der 270°-Schleife auf einer sehr kurzen Strecke
einen Fahrstreifenwechsel nach links durchführen, wobei der
gleiche Abschnitt auch von Fahrzeugen benutzt wird, die auf eine
270°-Schleife gelangen wollen und dazu einen Fahrstreifenwechsel nach
rechts durchführen müssen. Bei hoher Verkehrsdichte ergibt dies einen
Gefahrenherd sowie Verkehrsstockungen. Diese Lösung macht es zudem
nahezu unmöglich, mehrstreifige Verkehrsführungen durch das Kleeblatt zu
gestatten. Es wurden daher zahlreiche Alternativlösungen erdacht. |
|
| Nachfolgender Entwurf mit (sinngemäß
wiedergegebenen) Erläuterungen stammen
von Dr.-Ing. Bieligk und erschien unter dem Titel "Kreuzungen von
Autobahnen" in Nr. 4/1937 von "Der Straßenbau" vom 15. Februar 1937. |
 |
| Für die Kreuzung zweier
Autobahnen soll im folgenden eine Lösung angegeben werden, die sich durch
Klarheit der Fahrtrichtung, die an den Abzweigungsstellen einzuhalten ist,
und durch einen auch bei größeren Krümmungsradien verhältnismäßig geringen
Geländebedarf auszeichnet. Das Wesentliche der Lösung liegt darin, dass
beide Richtungsbahnen jeder Linie in verschiedener Höhenlage an die
Kreuzungsstelle herangeführt werden. Hierdurch wird es möglich, ohne Umwege,
d.h. ohne mehr als einen Viertelkreis umfahren zu müssen, aus der
ankommenden Richtungsbahn unmittelbar in die links oder rechts
weiterführende Richtungsbahn einzubiegen oder auch geradeaus weiter zu
fahren. Für den linken Eckverkehr benutzt der Fahrer an der
Abzweigungsstelle die linke Abzweigung, für den Geradeausverkehr die
mittlere Fahrtrichtung, für den rechten Eckverkehr die rechte Abzweigung.
Die Kreuzungen von Überholungsspuren, lassen sich vermeiden, wenn Links-
und Rechtsabzweigungen nicht an gleicher Stelle angeordnet, sondern
hintereinander geschaltet sind. Grundlegende Forderung für den Verkehr ist
dabei, dass an jeder Gabelung die links liegende Strecke als (durchgehende)
Hauptstrecke gilt und das Einfahren in die rechts liegende Abzweigung stets
nur aus der Hauptspur, nicht jedoch aus der Überholungsspur erfolgen darf,
eine Fahrregel, die auch den sonst üblichen Regeln der
Straßenverkehrsordnung entspricht. Eine zusätzliche Sicherung gegen das
Befahren der rechten Abzweigung aus der Überholungsspur heraus kann durch
Anlage von Trennungsstreifen geschaffen werden. Entsprechendes gilt für die
Sammlung des aus verschiedenen Richtungen zusammenströmenden Verkehrs in den
von der Kreuzungsstelle fortführenden Richtungsbahnen.
Als Höhenunterschied zweier sich kreuzender Richtungsbahnen, von denen
die untere im Gelände liegt, wurden dabei 6 m, als kleinster Krümmungsradius
in den Abzweigungen 500 m, in den Übergangsbögen für den Eckverkehr 400 m
angenommen. P.S.: Diese Lösung wurde meines Wissens noch nirgendwo
realisiert. |
|
| Die große
Herausforderung für den Bau leistungsfähiger Autobahnknoten kam aber erst
mit der Vollmotorisierung (in den USA schon in den 1940er-Jahren beginnend, in
Europa ab den 1960er-Jahren). In den Ballungsräumen waren die bisherigen
Lösungen ungenügend. "Kreative" Entwürfe gelangten vor allem in den USA zur
Ausführung, die aber immensen Platz beanspruchen. |

Der Knoten Great Central Parkway mit dem Northern Blvd. beim
Weltausstellungsgelände in New York entstand 1939 und war damals in seiner Größe weltweit
einzigartig. [Foto aus: Die Betonstraße Jg.15/Nov.1940] |
 |
| << Der erste viergeschossige
Autobahnknoten der Welt entstand nordwestlich von Downtown Los
Angeles zwischen 1949 und 1952. Hier kreuzt sich der Hollywood-Freeway US-101
mit dem Harbor-/Pasadena-Freeway CA-110. Mit täglich fast 500.000
Verkehrsbewegungen gehört er zu den drei meistfrequentierten
Straßenknoten der Welt (Die anderen beiden liegen auch im Großraum
L.A.) Historische Bilder davon:
1953
1954 |
|
|
| Bilder und Infos zu großen
Autobahnknoten: Ausbau des "Mixing Bowls"
südlich von Washington DC:
http://www.springfieldinterchange.com/main.asp
Bilder von Autobahnknoten in L.A.:
http://www.springfieldinterchange.com/main.asp
Bilder und Karten von Freeways in L.A.:
http://www.scvresources.com/highways/la_highways.htm
Kurumi's Field Guide to Interchanges:
http://www.kurumi.com/roads/interchanges/index.html |
| |
|
zuletzt
geändert: 13.10.2004
|
|